Apsley House: Ein Blick in Wellingtons Londoner Stadtpalais
Als „Nummer 1 London" bekannt, war Apsley House am Hyde Park Corner der Londoner Wohnsitz des Herzogs von Wellington nach seinem Sieg bei Waterloo. Heute beherbergt es eine der bedeutendsten Privatkunstsammlungen Großbritanniens – mit alten Meistern, napoleonischem Silber und der berühmten kolossalen Nacktstatue Napoleons.
Fakten im Überblick
- Lage
- 149 Piccadilly, Hyde Park Corner, London W1J 7NT
- Anfahrt
- Hyde Park Corner (Piccadilly Line) – das Haus ist vom Stationsausgang aus in wenigen Schritten zu erreichen
- Zeitbedarf
- 1,5 bis 2,5 Stunden für einen ausführlichen Besuch
- Kosten
- Erwachsene ab 15,50 £, Kinder ab 9,50 £, kostenlos für English Heritage-Mitglieder. Online buchen und 15 % sparen.
- Am besten für
- Geschichtsbegeisterte, Kunstliebhaber, Napoleonik-Fans und alle, die sich für die Innenausstattung der Regency-Ära interessieren
- Offizielle Website
- www.english-heritage.org.uk/visit/places/apsley-house

Was ist Apsley House?
Apsley House steht an der südöstlichen Ecke des Hyde Parks, direkt gegenüber dem Wellington Arch an einer der historisch bedeutsamsten Kreuzungen Londons. Den Spitznamen „Nummer 1 London" verdankt es nicht der Eitelkeit, sondern der Geografie: Als Hyde Park Corner noch ein Mauttor war, das den westlichen Stadtrand markierte, war dies buchstäblich das erste Haus, das man nach der Durchfahrt erreichte. Der Name blieb hängen – und ist heute noch im Mauerwerk des Gebäudes zu lesen.
Das Haus wurde vom neoklassizistischen Architekten Robert Adam entworfen und zwischen 1771 und 1778 für Henry Bathurst, 1st Baron Apsley, erbaut. Ab 1817 diente es als Londoner Residenz der Herzöge von Wellington, nachdem der 1. Herzog es im Zuge seines Sieges bei Waterloo erworben hatte. Arthur Wellesley, der Napoleon besiegte, lebte hier bis zu seinem Tod 1852. Nachfolgende Generationen der Familie nutzten das Haus noch weit ins 20. Jahrhundert als Wohnsitz. Heute wird es von English Heritage als Museum betrieben, während ein Teil des Gebäudes weiterhin vom amtierenden Herzog privat genutzt wird.
💡 Lokaler Tipp
English Heritage-Mitglieder haben freien Eintritt. Alle anderen sollten Tickets online im Voraus buchen, um 15 % auf den regulären Eintrittspreis zu sparen.
Die Kunstsammlung: Besser als erwartet
Die Sammlung im Apsley House ist außergewöhnlich. Viele Besucher kommen mit der Erwartung eines stimmungsvollen Hauses aus vergangener Zeit – und gehen mit der Erinnerung an einige der bedeutendsten Gemälde alter Meister in London, außerhalb der National Gallery. Der ungewöhnliche Ursprung dieser Sammlung macht sie so besonders: Ein Großteil davon wurde 1813 nach der Schlacht von Vitoria aus dem Gepäcktrain Joseph Bonapartes erbeutet. Die Gemälde hatte Napoleons Bruder aus der spanischen Königssammlung gestohlen, und nach der Schlacht befand sich Wellington im Besitz davon. König Ferdinand VII. von Spanien schenkte dem Herzog daraufhin die gesamte Sammlung – weshalb sich in einem Londoner Stadthaus heute Werke von Velázquez, Goya, Rubens, Jan Steen und Correggio befinden.
Das Herzstück ist die Waterloo Gallery im ersten Obergeschoss: ein langer, vergoldeter Saal mit Gemälden an gelben Seidendamast-Wänden, in der dichten, raumhohen Hängung, wie sie im frühen 19. Jahrhundert üblich war. Velázquez' Porträt von Papst Innozenz X. und Goyas Reiterporträt Wellingtons selbst hängen hier. Der Raum wurde eigens für das jährliche Waterloo-Bankett entworfen, das Wellington jeden 18. Juni zum Jahrestag der Schlacht ausrichtete – eine Tradition, die die Wellington-Familie bis heute fortsetzt.
Neben den Gemälden beherbergt das Haus eine außergewöhnliche Sammlung napoleonischer Objekte und Tafelsilber. Das portugiesische Silberservice, das Wellington von der portugiesischen Regierung überreicht wurde, gehört zu den größten erhaltenen Silbervergoldungsservices der Welt. Wenn mehrere hundert Teile gemeinsam auf dem Esstisch arrangiert sind, hat das eine theatralische Wirkung, die man in einem normalen Museum so nicht erlebt. Wer mehr über Londons Museumslandschaft erfahren möchte, findet im Überblick über die besten Museen Londons einen Vergleich mit anderen großen Sammlungen der Stadt.
Die Napoleon-Statue: Der Raum, den du nicht vergisst
Am Fuß der Haupttreppe steht Antonio Canovas kolossale Marmorstatue von Napoleon Bonaparte – über dreieinhalb Meter hoch. Napoleon hatte sie selbst in Auftrag gegeben, soll sie bei der Lieferung jedoch abgelehnt haben, da er die heroische Aktfigur als wenig schmeichelhaft empfand. Nach Napoleons Niederlage erwarb die britische Regierung die Statue und schenkte sie Wellington. Die Ironie, eine riesige Nacktdarstellung des besiegten Feindes am Fuß der eigenen Treppe aufzustellen, ist den Kuratoren des Hauses nicht entgangen – und die Platzierung wirkt bewusst provokant.
Die Statue beherrscht die Treppenhalle auf eine Weise, die Fotos kaum vermitteln können. Die Decke des Saals steigt hoch darüber auf, und das Morgenlicht fällt durch die oberen Fenster herein und verleiht dem Marmor eine warme, fast leuchtende Qualität. Wer früh unter der Woche kommt – bevor gegen Mittag die ersten Gruppentouren eintreffen –, hat die Möglichkeit, einige Minuten allein damit zu verbringen. Das ist ein Erlebnis, das sich lohnt, wenn man es einrichten kann.
Durch das Haus: Raum für Raum
Das Haus erstreckt sich über drei Hauptgeschosse. Im Erdgeschoss befinden sich die innere Eingangshalle, der Silber- und Porzellanraum sowie mehrere kleinere Empfangsräume. Diese Räume fühlen sich eher wie ein Privathaus an als wie ein Museum – mit persönlichen Gegenständen, Korrespondenzschachteln und all dem, was ein langes Leben im öffentlichen Dienst hinterlässt. Zu sehen sind Wellingtons Feldberichte, Ehrenschwerter und Ritterorden aus ganz Europa. Die Details sind dicht gesät, und wer hier zu schnell durchläuft, verpasst das eigentliche Wesen des Ortes.
Im ersten Obergeschoss konzentriert sich die Prachtentfaltung. Der Piccadilly Drawing Room blickt auf die belebte Kreuzung hinunter, und der Kontrast zwischen dem durch die Fenster sichtbaren Lärm und der Stille des gelb-seidenen Interieurs hat etwas seltsam Stilles. Der Striped Drawing Room beherbergt weitere Gemälde und eine Reihe von Familienporträts. Die Waterloo Gallery am Ende des ersten Obergeschosses ist der größte und beeindruckendste Raum des Hauses.
Das Haus ist nicht besonders groß, gemessen an den Maßstäben eines Landguts. Die meisten Besucher durchqueren die öffentlich zugänglichen Räume in rund 90 Minuten. Wer sich zwei Stunden nimmt, kann die Erklärungstafeln lesen, die gut geschrieben sind und den ausgestellten Objekten echte Tiefe verleihen. Audioguides sind erhältlich und lohnen sich, wenn man den militärischen und politischen Hintergrund ausführlicher erfahren möchte.
ℹ️ Gut zu wissen
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11:00–17:00 Uhr (letzter Einlass 16:30 Uhr), sowie an Feiertags-Montagen. Das Haus ist üblicherweise von Januar bis Anfang März geschlossen. Aktuelle Zeiten immer vorher auf der English Heritage-Website prüfen.
Wann besuchen – und was dich erwartet
Apsley House gehört zu den weniger überfüllten Hauptattraktionen Londons – und das ist einer seiner echten Vorzüge. Selbst an belebten Sommerwochenenden wirken die Räume vergleichsweise ruhig, wenn man sie mit den Warteschlangen vor dem nahe gelegenen Wellington Arch oder den Menschenmassen im Hyde Park vergleicht. Die ruhigsten Zeiten sind Werktage zwischen der Öffnung und etwa Mittag. An Wochenendnachmittagen, besonders samstags im Juli und August, kommen mehr Besucher, doch das Haus wirkt kaum je so voll wie die großen Institutionen.
Das Licht in der Waterloo Gallery ist nachmittags am besten, wenn es direkter auf die Gemälde fällt. Wer fotografieren möchte, erzielt in diesem Raum nachmittags bessere Ergebnisse. Morgens sind hingegen die Canova-Statue und die Erdgeschossräume besser dran, wo das weichere Frühlichts den Materialien besser schmeichelt.
Hyde Park Corner ist eine der lautesten Kreuzungen in Zentrallondon, und der Verkehrslärm ist vor dem Haus deutlich zu hören. Im Inneren dämpfen die dicken Mauern ihn auf ein leises Hintergrundrauschen. Das Äußere – flankiert vom Wellington Arch und mit Blick auf den Park – macht beim Ankommen einen starken ersten Eindruck. Der Stadtbezirk Westminster bietet noch weitere bedeutende Sehenswürdigkeiten in Gehweite, darunter den Buckingham Palace im Südwesten und den Green Park direkt nebenan.
Anreise und praktische Hinweise
Die U-Bahn-Station Hyde Park Corner der Piccadilly Line liegt direkt neben dem Haus. Es ist eine der unkompliziertesten Anreisen zu einer Londoner Sehenswürdigkeit: Einfach aus der Station herausgehen, und das Gebäude ist sofort links zu sehen. Zahlreiche Buslinien bedienen den Hyde Park Corner, darunter Verbindungen entlang der Piccadilly, der Knightsbridge und des Grosvenor Place. Am Wellington Arch gibt es außerdem eine Santander Cycles-Station für Besucher, die durch die Parks radeln.
Direkt am Haus gibt es keine Parkmöglichkeiten, und Hyde Park Corner ist mit dem Auto ohnehin kaum sinnvoll zu erreichen. Öffentliche Verkehrsmittel sind für die meisten Besucher die einzig vernünftige Option.
Die Barrierefreiheit im Apsley House ist eingeschränkt. Das Gebäude verfügt nur über einen Aufzug und keine Rampen, was den selbstständigen Zugang für Rollstuhlfahrer oder Besucher mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen schwierig macht. English Heritage und die Wellington Collection empfehlen Besuchern mit Mobilitätsbedarf, das Haus im Voraus zu kontaktieren. Auf Anfrage stellen Mitarbeiter Klappstühle zur Verfügung. Das ist eine schlichte Einschränkung eines historischen Gebäudes – wer vollständig barrierefreien Zugang benötigt, sollte die Details sorgfältig prüfen, bevor er eine extra Reise unternimmt.
Für wen lohnt sich der Besuch – und wer könnte enttäuscht sein
Apsley House belohnt Besucher, die mit einem gewissen Vorwissen über die Napoleonische Epoche, die britische Militärgeschichte oder die Malerei der alten Meister kommen. Die Sammlung erschließt sich am besten mit etwas Kontext, und die Bedeutung des Hauses als Dokument dafür, wie Macht im 19. Jahrhundert lebte und sich kleidete, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Wer interaktive Exponate, Multimedia-Präsentationen oder ein dynamischeres Besuchserlebnis bevorzugt, könnte die Präsentation als traditionell empfinden. Die Erklärungen sind gut, aber das Format ist klassisch: Raumkarten, Beschriftungen und ein optionaler Audioguide. Für Familien mit kleinen Kindern fehlen die spielerischen Elemente, wie sie nahegelegene Attraktionen wie das Natural History Museum oder das Science Museum bieten – wobei ältere Kinder mit Interesse an Militärgeschichte die napoleonischen Objekte und Waffen durchaus fesselnd finden.
Wer den Besuch mit einem ausgedehnten Tag in diesem Teil Londons verbinden möchte: Der Hyde Park ist direkt vom Hyde Park Corner aus zugänglich, und der Buckingham Palace ist ein kurzer Spaziergang durch den Green Park. Der Royal-London-Reiseführer verbindet all diese Stationen zu einem einzigen Rundgang.
Insider-Tipps
- Die Waterloo Gallery ist gelegentlich gesperrt oder umgestaltet, wenn die Wellington-Familie am 18. Juni ihr jährliches Waterloo-Bankett abhält. Wer um dieses Datum herum plant zu besuchen, sollte vorab prüfen, ob die Galerie zugänglich ist.
- Das Äußere des Hauses ist jederzeit kostenlos zu besichtigen. Die Lage am Hyde Park Corner – zwischen dem Wellington Arch und dem Parkeingang – macht es zu einem der fotogensten Orte in diesem Teil Londons, besonders früh morgens, bevor der Verkehr einsetzt.
- Tickets am besten über die Website von English Heritage im Voraus buchen statt an der Tageskasse zahlen. Der Online-Rabatt von 15 % ist dauerhaft und macht beim Erwachsenenpreis einen spürbaren Unterschied.
- Das portugiesische Silberservice, das auf dem Esstisch ausgebreitet ist, wird von Besuchern, die es eilig haben zu den Gemälden, oft übersehen – dabei gehört es zu den bemerkenswertesten Objekten im Haus. Nimm dir Zeit, die Erklärungstafel zu lesen, die beschreibt, wie das Service hergestellt und transportiert wurde.
- Wer English Heritage-Mitglied ist, kann diesen Besuch gut mit anderen English Heritage-Stätten in oder bei London kombinieren, da die Mitgliedschaft für alle gilt.
Für wen ist Apsley House geeignet?
- Geschichtsbegeisterte mit Interesse an den Napoleonischen Kriegen und dem Britannien der Regency-Ära
- Kunstliebhaber, die alte Meister lieber in einem Wohnhaus als in einem Museum erleben wollen
- Besucher, die sich für Architektur und Innenausstattung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts begeistern
- Reisende, die eine königliche oder zeremonielle London-Route durch Westminster verfolgen
- English Heritage-Mitglieder, die einen gut kuratierten Nachmittag fernab der Menschenmassen der großen Londoner Museen suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Westminster:
- Banqueting House
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