Big Ben & der Palast von Westminster: Was du sehen solltest, wann du gehst und wie du reinkommst

Kaum ein Anblick in London hat so viel Gewicht wie Big Ben und der Palast von Westminster. Der gotische Uhrenturm überragt die Themse und ist sofort wiedererkennbar – doch der Komplex dahinter birgt über neun Jahrhunderte britische Politikgeschichte. Hier findest du alles, was du für einen lohnenden Besuch wissen musst.

Fakten im Überblick

Lage
Westminster, London SW1A 0AA
Anfahrt
U-Bahnhof Westminster (Circle, District, Jubilee Lines)
Zeitbedarf
30 Minuten (Außenbereich) bis 2 Stunden (geführte Innentour)
Kosten
Außenbereich: kostenlos. Innentouren: kostenpflichtig (aktuelle Preise auf parliament.uk)
Am besten für
Geschichtsbegeisterte, London-Erstbesucher, Architekturliebhaber
Offizielle Website
www.parliament.uk/visiting
Big Ben und der Palast von Westminster in London mit der Westminster Bridge über der Themse an einem hellen, leicht bewölkten Tag.

Was du hier eigentlich vor dir hast

Die meisten Besucher nennen das ganze Gebäude Big Ben – doch dieser Name gehört streng genommen nur der großen Glocke im Inneren des Elizabeth Tower, dem hohen gotischen Turm am nördlichen Ende des Palastes von Westminster. Der Turm selbst ist über 96 Meter hoch und bildet den Mittelpunkt einer der meistfotografierten Flussansichten der Welt. Der Palast von Westminster, der die beiden Kammern des britischen Parlaments beherbergt – das House of Commons und das House of Lords – erstreckt sich entlang des nördlichen Themseufers auf einem Gelände, das seit mindestens dem frühen 11. Jahrhundert ununterbrochen politisch genutzt wird.

Die Glocke läutete erstmals am 31. Mai 1859, und die Zifferblätter – jedes etwa sieben Meter im Durchmesser – zeigen seitdem die Westminsterzeit an. 2012 wurde der Turm anlässlich des Diamantenen Thronjubiläums von Königin Elizabeth II. in Elizabeth Tower umbenannt, obwohl ihn so gut wie alle noch immer ohne Verwirrung Big Ben nennen.

ℹ️ Gut zu wissen

Der Elizabeth Tower und der übrige Palast von Westminster gehören gemeinsam mit der Westminster Abbey und der St.-Margareten-Kirche zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Auszeichnung würdigt den außerordentlichen universellen Wert des Komplexes als Wiege der parlamentarischen Demokratie.

Ein bisschen Geschichte, die du kennen solltest

Westminster Hall, der älteste erhaltene Teil des Palastes, wurde 1097 unter König Wilhelm II. erbaut. Das im späten 14. Jahrhundert hinzugefügte Hängewerk-Dach gilt noch heute als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Holzdächer Europas. Jahrhundertelang diente die Halle als Gerichtssaal – hier wurden unter anderem Sir Thomas More und König Karl I. vor Gericht gestellt.

Ein verheerender Brand im Oktober 1834 zerstörte den größten Teil des mittelalterlichen Palastes. Den Wiederaufbau übernahm Architekt Charles Barry, der gemeinsam mit Augustus Pugin das neugotische Bauwerk schuf, das heute zu sehen ist. Die Bauarbeiten liefen von den 1840er- bis in die 1870er-Jahre – das Gebäude wirkt auf den ersten Blick uralt, ist historisch gesehen aber vergleichsweise jung. Die große Glocke wurde 1858 gegossen und im Jahr darauf eingebaut. Sie riss früh, wurde gedreht und läutet seitdem in ihrem unverwechselbaren, leicht unreinen Klang.

Der Palast liegt im Stadtviertel Westminster, einem Viertel, das von politischer und königlicher Macht geprägt ist. In wenigen Gehminuten erreichst du von hier die Westminster Abbey, den St. James's Park und den Zugang zum Buckingham Palace – dieser Teil Londons gehört zu den geschichtsträchtigsten Ecken des ganzen Landes.

Big Ben von außen: Die besten Aussichtspunkte

Die meisten Besucher gehen nie hinein – und allein der Außenbereich rechtfertigt den Ausflug. Der klassische Standpunkt ist die Westminster Bridge direkt südlich des Palastes, wo sich der Turm an ruhigen Morgen in der Themse spiegelt und die gesamte gotische Fassade des Gebäudes dahinter auftaucht. Wer vor 8 Uhr ankommt, hat die Brücke noch für sich. Ab 9 Uhr füllen sich die Gehwege an Wochentagen mit Pendlern und Reisegruppen, die sich in entgegengesetzte Richtungen drängen.

Der Blick von der Victoria Embankment, am gegenüberliegenden Ufer von Lambeth, zeigt den Turm eingerahmt von der Themse mit der South Bank im Hintergrund. Das ist eine weitere Perspektive, die besonders am späten Nachmittag wirkt, wenn die untergehende Sonne das goldene Mauerwerk des Turms beleuchtet. Der sandsteinfarbene Kalkstein – ein sogenannter Anston aus Yorkshire – nimmt in diesem Licht einen warmen Bernsteinton an.

Wer eine Perspektive sucht, die kaum jemand kennt, sollte auf die Ostseite des Palastes in Richtung Abingdon Street Gardens gehen. Dort überragt der Victoria Tower – das südliche Pendant zum Elizabeth Tower – einen ruhigeren Abschnitt, und die wahre Größe des gesamten Gebäudes wird einem erst richtig bewusst – ganz ohne Menschenmassen. Außerdem befindet man sich hier direkt neben der Westminster Abbey, die sich bei passendem Zeitplan unbedingt lohnt.

💡 Lokaler Tipp

Fototipp: Für die klassische Turm-und-Brücke-Komposition stelle dich früh morgens auf die Westminster Bridge und fotografiere nach Nordosten. Das Zifferblatt auf der Nordseite des Turms hat in den Morgenstunden das bessere Licht. Mit einem längeren Objektiv kannst du das Zifferblatt schön ins Bild füllen.

Drinnen: Touren durch den Palast von Westminster

Das Parlament ist für öffentliche Touren gegen Eintritt zugänglich. Angeboten werden sowohl Audio-Touren als auch geführte Touren. Die geführte Tour ermöglicht einen anderen Zugang zu einzelnen Räumen als die Audioversion – wer also Hintergrundwissen von einer sachkundigen Führung möchte, sollte beim Buchen genau auf das Format achten.

Die Tourzeiten richten sich nach dem Parlamentskalender – Touren sind häufig an Wochentagen und samstags verfügbar, wenn das Parlament nicht tagt, sowie in den Sitzungspausen. Ein Beispielplan (der sich ändern kann) sieht Abfahrten morgens und nachmittags vor, etwa um 9:00, 11:00 und 14:00 Uhr, mit zusätzlichen Slots in stärker frequentierten Monaten; über Weihnachten und Neujahr pausieren die Touren in der Regel. Da sich diese Zeiten ändern können, solltest du vor der Buchung unbedingt die offizielle Website des UK Parliament überprüfen – das ist keine bloße Empfehlung.

Im Inneren führt dich die Tour durch Räume wie die mittelalterliche Westminster Hall, die Kammer des House of Lords mit roten Lederbänken und einem aufwendig vergoldeten Thron, die Central Lobby, wo Bürgerinnen und Bürger traditionell ihre Abgeordneten treffen, sowie das House of Commons. Der Kontrast zwischen dem prunkvollen Lords-Saal und dem vergleichsweise nüchternen Commons-Saal – nach einem Bombenangriff 1941 neu aufgebaut – erzählt viel darüber, wie jede Institution sich selbst versteht.

Tickets können online im Voraus über die Website des UK Parliament oder persönlich an der Ticketkasse an der Victoria Embankment vor dem Portcullis House gekauft werden. In den touristischen Hochmonaten Juni bis August ist eine Vorabbuchung dringend empfohlen, da die Verfügbarkeit am selben Tag oft begrenzt ist.

⚠️ Besser meiden

Die Verfügbarkeit von Touren hängt vollständig vom Parlamentssitzungskalender ab. Wenn das Parlament tagt, sind öffentliche Touren an bestimmten Tagen eingeschränkt oder nicht möglich. Überprüfe dein Wunschdatum unbedingt auf der offiziellen Besucherseite des Parlaments, bevor du deine Reisepläne darauf ausrichtest.

Anreise und Orientierung vor Ort

Der U-Bahnhof Westminster liegt direkt gegenüber dem Palasteingang an der Bridge Street – die Anreise zu einer der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Londons könnte kaum unkomplizierter sein. Die Circle, District und Jubilee Lines halten hier. Aus dem Bahnhofsausgang biegst du links ab, und der Elizabeth Tower ist sofort über den Baumwipfeln zu sehen. Der Fußweg dauert keine zwei Minuten.

Wer mit dem Bus anreist, findet mehrere Haltestellen auf der Parliament Street und Bridge Street. Die Gegend liegt außerdem auf mehreren Rundgängen durch Westminster und die South Bank. Für einen umfassenden Überblick zum Nahverkehr in der Stadt bietet der London-Nahverkehrsguide alles Wissenswerte zu Oyster Cards, kontaktlosem Zahlen und der Navigation im U-Bahn-Netz.

Die Gehwege rund um den Parliament Square werden tagsüber stark frequentiert – vor allem am Square selbst, der häufig von Demonstrationsgruppen genutzt wird, die ihr Recht auf Protest gegenüber dem Regierungssitz ausüben. Das trägt zur Atmosphäre bei, verlangsamt aber zu Stoßzeiten das Weiterkommen zwischen verschiedenen Standpunkten. Wer Luft zum Atmen braucht, weicht auf die Embankment-Seite oder in Richtung Nordende der Abingdon Street aus.

Was dich zu welcher Tages- und Jahreszeit erwartet

Der frühe Morgen – etwa von 7 bis 9 Uhr – ist die beste Zeit, um den Außenbereich zu fotografieren und in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Das Licht ist weich, die Brücke ist begehbar, und die Viertelstundenglocken klingen deutlicher ohne den überlagernden Verkehrslärm. Ab dem späten Vormittag beginnen Reisebusse, große Gruppen entlang der Victoria Embankment abzusetzen, und um die Mittagszeit ist die gesamte Gegend rund um Westminster Bridge und Parliament Square am vollsten.

Abendliche Besuche – besonders rund um den Sonnenuntergang im Spätsommer und Frühling – bieten eine ganz andere Stimmung. Das erleuchtete Zifferblatt, das gegen einen sich verdunkelnden Himmel leuchtet, gehört zu den eindrucksvollsten Anblicken Londons in der Dämmerung. Das Touristenaufkommen nimmt nach 18 Uhr merklich ab. Die Glocken schlagen weiterhin zur vollen Stunde, und sie in ruhigerer Umgebung zu hören macht das Erlebnis deutlich eindringlicher.

Das Wetter prägt den Besuch stärker, als die meisten Reiseführer zugeben. An Regentagen verdunkelt sich das Mauerwerk, und die Aussichten von der Brücke können sich eintrüben – allerdings hält der Regen auch die Menschenmengen kleiner. Londons Klima ist gemäßigt und für einen Großteil des Jahres bewölkt. Für die Planung rund um Wetter und saisonale Besonderheiten ist der beste Reisezeit für London eine nützliche Orientierungshilfe.

Praktische Hinweise: Was du mitbringen und wissen solltest

Der Außenbereich ist von öffentlichen Straßen, Brücken und dem Flussufer aus kostenlos zu besichtigen – das macht ihn zu einem der bedeutendsten kostenlosen Erlebnisse in London. Für Innentouren wird Eintritt verlangt, und die Preise ändern sich gelegentlich. Verlasse dich lieber auf die aktuelle Besucherseite von parliament.uk als auf Angaben Dritter – einschließlich dieser hier.

Für alle Innentouren gibt es Sicherheitskontrollen. Du passierst eine Kontrolle nach Flughafenstandard, bevor du den Palast betrittst – plane also zusätzliche 10 bis 15 Minuten ein. Große Taschen und bestimmte Gegenstände sind möglicherweise nicht erlaubt. Zieh bequeme Schuhe an: Die Innentour legt eine erhebliche Strecke durch ein sehr großes Gebäude zurück, und die Böden bestehen fast ausschließlich aus Stein oder Marmor.

Barrierefreiheit im Palast von Westminster wird vom Besucherservice des UK Parliament geregelt. Bei besonderen Zugangsbedürfnissen solltest du dich vor der Buchung direkt über die offizielle Besucherseite an das Team wenden. Westminster selbst ist weitgehend flach und bietet ab dem U-Bahnhof Westminster einige stufenfreie Wege – darunter stufenfreien Zugang von der Straße zu allen Bahnsteigen, jedoch nicht zwischen den Bahnsteigen. Wer die Umgebung Westminsters und die weiteren Sehenswürdigkeiten des Viertels erkunden möchte, kann St. James's Park oder die Horse Guards Parade beim gleichen Besuch gut in die Geographie einbinden.

💡 Lokaler Tipp

Wer das Parlament in Aktion erleben möchte, statt leere Kammern zu besichtigen, kann als Zuschauer auf den öffentlichen Galerien dabei sein, wenn das Parlament tagt. Das ist kostenlos, erfordert aber ein anderes Buchungsverfahren über die Website des UK Parliament. Eine Debatte im Commons-Saal zu verfolgen ist ein völlig anderes Erlebnis als eine touristische Führung.

Insider-Tipps

  • Das Zifferblatt auf der Nordseite des Elizabeth Tower zeigt zum Parliament Square und hat morgens das beste Licht. Die zur Themse gewandte Westseite kommt am späten Nachmittag besser zur Geltung. Die meisten Fotografen stellen sich auf die Brücke und verpassen die Nordseite völlig.
  • Die Westminster Bridge ist nicht die einzige Brücke mit Blick auf den Turm. Die Lambeth Bridge, ein kurzer Spaziergang nach Süden, bietet dir den vollständigen Blick auf die Palastfassade von einem ruhigeren Standpunkt – und ist so gut wie nie von Touristen überfüllt.
  • Wenn du bei einer Tour im Inneren des Palastes bist, solltest du dem Westminster Hall besondere Aufmerksamkeit schenken. Das Hängewerk-Dach aus dem 14. Jahrhundert gilt als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Holzdächer Europas – und die meisten Besucher laufen hindurch, ohne auch nur einmal nach oben zu schauen.
  • Um die Glocken gut zu hören, entferne dich vom Verkehr auf der Bridge Street und stelle dich auf die Südseite der Westminster Bridge kurz vor einer vollen Stunde. Ohne den Motorenlärm der Uferstraße ist die Akustik deutlich besser.
  • Die Ticketkasse an der Victoria Embankment vor dem Portcullis House hat manchmal noch Touren am selben Tag, auch wenn das Online-System ausgebucht erscheint. Es lohnt sich, persönlich vorbeizuschauen, wenn du nicht im Voraus gebucht hast.

Für wen ist Big Ben & der Palast von Westminster geeignet?

  • London-Erstbesucher, die sich in die politische und architektonische Geschichte der Stadt einleben möchten
  • Geschichtsbegeisterte, die sich für die britische parlamentarische Demokratie und mittelalterliche Architektur interessieren
  • Fotografen, die früh morgens oder rund um den Sonnenuntergang unterwegs sind – wenn Licht und Menschenmassen beide mitspielen
  • Reisende mit wenig Zeit, die vom Außenbereich allein schon ein beeindruckendes, kostenloses Erlebnis mitnehmen möchten
  • Alle, die an einer echten Parlamentsdebatte als Zuschauer auf der öffentlichen Galerie teilnehmen möchten

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Westminster:

  • Apsley House

    Als „Nummer 1 London" bekannt, war Apsley House am Hyde Park Corner der Londoner Wohnsitz des Herzogs von Wellington nach seinem Sieg bei Waterloo. Heute beherbergt es eine der bedeutendsten Privatkunstsammlungen Großbritanniens – mit alten Meistern, napoleonischem Silber und der berühmten kolossalen Nacktstatue Napoleons.

  • Banqueting House

    Das Banqueting House ist das einzige erhaltene Gebäude des ehemaligen Palastes von Whitehall, 1622 von Inigo Jones entworfen und Heimat der schönsten bemalten Decke Englands. Hier wurde König Karl I. 1649 hingerichtet. Der Eintritt kostet nur 7,50 £ für Erwachsene – aber die Öffnungszeiten sind saisonal bedingt, also unbedingt vorher prüfen.

  • Buckingham Palace

    Der Buckingham Palace ist seit 1837 der offizielle Londoner Wohnsitz und Verwaltungssitz des britischen Monarchen. Ob du die Wachablösung vom Zaun aus verfolgst oder im Sommer die prunkvollen Staatsgemächer besichtigst – dieser Guide hilft dir, deinen Besuch gut zu planen.

  • Churchill War Rooms

    Tief unter Whitehall verborgen, bewahren die Churchill War Rooms den Bunker, von dem aus Winston Churchill und sein Kriegskabinett den Zweiten Weltkrieg leiteten. Die Räume sind seit 1945 weitgehend unverändert geblieben – das macht diesen Ort zu einem der atmosphärischsten und bewegendsten historischen Orte Londons.

Zugehöriger Ort:Westminster
Zugehöriges Reiseziel:London

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