Covent Garden: Londons theatralischster öffentlicher Platz
Covent Garden ist eine Fußgängerpiazza und ein Unterhaltungsviertel im Londoner West End – der Eintritt ist frei, und das Gelände ist den ganzen Tag zugänglich. Von Straßenkünstlern und dem Apple Market bis hin zu erstklassigen Theatern und Restaurants lohnt sich ein Besuch zu fast jeder Tageszeit.
Fakten im Überblick
- Lage
- Covent Garden, West End, London WC2E
- Anfahrt
- Covent Garden (Piccadilly Line); alternativ Leicester Square, Holborn oder Charing Cross
- Zeitbedarf
- 1–3 Stunden für einen lockeren Besuch; ein halber Tag, wenn du essen gehst oder eine Vorstellung siehst
- Kosten
- Der Eintritt zur Piazza ist kostenlos; Läden, Restaurants und Theater verlangen jeweils eigene Preise
- Am besten für
- Erstbesucher, Familien, Theaterbegeisterte, Shoppingfans und alle, die Straßenkünstler lieben
- Offizielle Website
- www.coventgarden.london

Was Covent Garden wirklich ist
Covent Garden ist keine einzelne Sehenswürdigkeit, sondern ein ganzes Viertel: eine Piazza aus dem 17. Jahrhundert, eine restaurierte viktorianische Markthalle, Dutzende unabhängige Läden, Restaurants, Pubs und zwei bedeutende Theater – alles auf einem Areal, das man in etwa zehn Minuten zu Fuß erkunden kann. Der zentrale Anlaufpunkt ist die Fußgängerzone rund um die Covent Garden Piazza, eingerahmt von der überdachten Markthalle (Heimat des Apple Markets) im Norden und dem Portikus der St Paul's Church im Westen. Der Eintritt zur Piazza und den umliegenden Straßen ist jederzeit kostenlos – es gibt kein Tor, keine Schranke und keine Schließzeit für den Außenbereich.
Das Viertel liegt mitten im Londoner West End, nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt und gut zu Fuß von Leicester Square erreichbar. Wer drei Tage in London plant, kombiniert Covent Garden oft mit dem Trafalgar Square und der South Bank zu einer gemeinsamen Halbtagesroute entlang der Themse.
Ein bisschen Geschichte, die sich lohnt zu kennen
Der Name leitet sich direkt vom „Klostergarten" (convent garden) der Westminster Abbey ab, der das Gelände bis zur Auflösung der Klöster im 16. Jahrhundert nutzte. Das Land ging an die Earls of Bedford über, die in den 1630er Jahren den Architekten Inigo Jones mit dem Entwurf einer formalen Piazza im italienischen Stil beauftragten – eine der ersten geplanten Platzanlagen Londons. Jones' St Paul's Church mit ihrem wuchtigen toskanischen Portikus zur Piazza hin steht noch heute und wird noch immer genutzt – ein bemerkenswertes Überbleibsel angesichts der tiefgreifenden Veränderungen, die das restliche Viertel seither durchlaufen hat.
Mitte des 17. Jahrhunderts hatte sich der Platz zum wichtigsten Großhandelsmarkt Londons für Obst, Gemüse und Blumen entwickelt. Über 300 Jahre lang war das Viertel ein lebendiger Arbeitsmarkt, geprägt von Händlern, Straßenverkäufern und Blumenverkäuferinnen. Samuel Pepys wohnte hier 1662 dem ersten dokumentierten Punch-and-Judy-Puppenspiel Englands bei. Der Großhandelsmarkt wuchs schließlich über den verfügbaren Platz hinaus und zog 1974 nach Nine Elms um – danach wurde das gesamte Viertel zum heutigen Unterhaltungs- und Einkaufsziel umgebaut. Das viktorianische Marktgebäude im Zentrum – heute der Apple Market – wurde erhalten und umgenutzt statt abgerissen, eine Entscheidung, die den Charakter des Viertels bis heute prägt.
Wie sich die Piazza im Laufe des Tages verändert
Wer vor 10:00 Uhr ankommt, hat das Kopfsteinpflaster weitgehend für sich – abgesehen vom Lieferpersonal, das die Restaurants bestückt. Das Morgenlicht fällt auf das Eisen-Glas-Dach des Apple Markets auf eine Art, die einen frühen Besuch lohnt, auch wenn man keinen anderen Grund hat. Gegen 10:30 Uhr richten die ersten Straßenkünstler ihre Auftrittsflächen ein. Der Hauptauftrittsplatz vor dem Portikus der St Paul's Church ist lizenziert und reguliert – die Künstler haben sich ihr Recht darauf hart erarbeitet und sind entsprechend gut: Akrobaten, Zauberer, Opernsänger und Comedians, die ihr Publikum mit routinierter Präzision aufwärmen.
Zwischen etwa 12:00 und 15:00 Uhr ist Stoßzeit, besonders am Wochenende. Der Kopfsteinpflasterplatz füllt sich mit Zuschauern, die enge Halbkreise um die Künstler bilden, und die Akustik der steinernen Gebäude verstärkt alles. Das ist die atmosphärischste Zeit für einen Besuch, wenn dich das Gedränge nicht stört – aber Vorsicht vor Taschendieben in den dicht gepackten Menschenmassen: Taschen immer zugezogen und vorne getragen. Nach 17:00 Uhr lichtet sich der Einkaufsbetrieb, und der Vortheateransturm übernimmt die umliegenden Restaurants. Gegen 19:30 Uhr bekommt die Piazza einen ruhigeren, erwachseneren Charakter, wenn die Abendvorstellungen in den Theatern beginnen.
💡 Lokaler Tipp
Die lizenzierten Straßenkünstler-Plätze funktionieren nach einem Rotationsprinzip. Wenn du siehst, dass ein Künstler seinen Auftritt beendet, bleib einfach stehen – oft folgt innerhalb von 15 Minuten der nächste Act, manchmal sogar ein besserer.
Der Apple Market – und was es zu kaufen gibt
Das überdachte Marktgebäude im Herzen der Piazza beherbergt den Apple Market (an bestimmten Tagen mit Kunsthandwerk, Antiquitäten und Sammlerstücken) sowie eine Reihe von festen Einzelhändlern und Essensständen. Das Angebot variiert je nach Wochentag: Antiquitätenhändler haben traditionell montags ihren Platz, während dienstags bis sonntags eher Kunsthandwerker auftreten. Die Waren tendieren zum handwerklichen Ende des Marktspektrums – illustrierte Drucke, handgefertigter Schmuck, Keramik, kleine Lederwaren – mit Preisen, die der Lage entsprechen. Ein Schnäppchenmarkt ist das hier nicht.
Das Marktgebäude hat in der Regel tagsüber geöffnet, meist ab etwa 10:00 Uhr, wobei die Öffnungszeiten der einzelnen Stände variieren. Die umliegenden Straßen – besonders die Piazza und die James Street – beherbergen eine Mischung aus großen Markenflaggschiffen und unabhängigen Fachgeschäften. Die Neal Street und Neal's Yard, ein kurzer Fußweg nördlich, bieten einige der originelleren unabhängigen Einkaufsmöglichkeiten des Viertels.
Zum Vergleich: Der Portobello Road Market bietet ein raueres, weniger kuratiertes Markterlebnis, während der Borough Market Covent Garden beim Thema Essen klar übertrifft.
Theater, Kultur und die umliegenden Straßen
Zwei große Theater prägen die kulturelle Identität des Viertels. Die Royal Opera House liegt am nordöstlichen Rand der Piazza, ihr prachtvolles Floral Hall ist vom Platz aus gut zu sehen. Gelegentlich werden Mittagskonzerte und offene Proben angeboten, und das Floral Hall (Paul Hamlyn Hall) ist in der Regel zu den Öffnungszeiten des Gebäudes tagsüber zugänglich – allerdings kann der Zugang bei Proben, Veranstaltungen oder privaten Feiern eingeschränkt sein. Das London Transport Museum auf der östlichen Seite der Piazza ist eines der am meisten unterschätzten Museen der Stadt: Seine Sammlung umfasst die gesamte Geschichte des städtischen Nahverkehrs von der Pferdekutsche bis zur modernen U-Bahn und ist besonders für Familien sehr empfehlenswert.
Das London Transport Museum verlangt Eintritt, ist aber in mehreren Kombi-Pässen enthalten. Wenn du mehrere Tage in London unterwegs bist, prüf am besten vorher, ob sich ein London Pass für dein Programm lohnt, bevor du an der Kasse zahlst.
Das Gebiet unmittelbar südlich der Piazza, in Richtung Strand und Aldwych, beherbergt eine dichte Konzentration von West-End-Theatern. Seven Dials, ein kurzer Fußmarsch nordwestlich, ist ein fußgängerfreundlicher Platz mit Boutiquen und unabhängigen Cafés – ein zehnminütiger Umweg, der sich lohnt.
Praktisches: Anreise und Orientierung vor Ort
Die nächstgelegene U-Bahn-Station ist Covent Garden an der Piccadilly Line. Ein wichtiger Hinweis vorab: Die Station hat zwar einen Aufzug, aber auch eine extrem lange Wendeltreppe mit 193 Stufen. An belebten Nachmittagen und Wochenenden reguliert Transport for London manchmal den Personenfluss oder empfiehlt Fahrgästen, stattdessen von Leicester Square oder Holborn zu Fuß zu gehen – beide sind etwa fünf Gehminuten entfernt. Leicester Square liegt an der Northern und der Piccadilly Line, Holborn an der Central und der Piccadilly Line. Der Bahnhof Charing Cross ist etwa zehn Gehminuten südwestlich – praktisch, wenn du aus dem Südosten Londons oder aus Kent anreist.
Die Piazza und die zentralen Straßen sind Fußgängerzonen und weitgehend eben, was sie auch für Rollstuhlnutzer gut zugänglich macht. Das Kopfsteinpflaster im zentralen Platzbereich kann stellenweise uneben sein, die meisten Wege sind jedoch glatt. Die Barrierefreiheit variiert je nach Restaurant, Geschäft und Theater – wende dich im Zweifelsfall direkt an die jeweilige Einrichtung. Das London Transport Museum bietet stufenfreien Zugang über Aufzüge in alle Stockwerke.
⚠️ Besser meiden
Die U-Bahn-Station Covent Garden hat keine Rolltreppen – nur einen Aufzug (zu Stoßzeiten oft mit Warteschlange) und 193 Stufen. An vollen Tagen empfiehlt die TfL, stattdessen von Leicester Square oder Holborn zu Fuß zu gehen. Das solltest du einplanen, wenn du in deiner Mobilität eingeschränkt bist oder einen Kinderwagen dabei hast.
Fotografieren, Wetter und realistische Erwartungen
Die Piazza lässt sich zu verschiedenen Tageszeiten gut fotografieren. Am Morgen eignet sie sich am besten für Architekturaufnahmen: leere Kopfsteinpflastergassen, die klaren Linien des Portikus der St Paul's Church und das Eisendach des Apple Markets ohne Menschenmassen. Das Mittagslicht ist flach, aber die Menschenaufläufe rund um die Straßenkünstler bieten starke Bildmotive. Im Sommer fällt das spätnachmittägliche Licht warm auf die Westfassade des Marktgebäudes. Der überdachte Markt bedeutet außerdem, dass du auch bei Regen ungestört schlendern kannst – was in einer Stadt, wo das Wetter selten lange mitspielt, durchaus relevant ist.
Es lohnt sich, die Erwartungen realistisch zu halten. Covent Garden gehört zu den meistbesuchten Orten Londons – und das merkt man. Die zentrale Piazza kann sich an Sommerwochen enden nachmittags sehr voll anfühlen, und das Einkaufsangebot ist zwar angenehm, aber nicht günstig. Das stärkste Argument für einen Besuch sind die Straßenkünstler: Nirgendwo sonst in London gibt es diese Dichte an konstant guten, kostenlosen Darbietungen in einem architektonisch schönen Rahmen. Zieht man das heraus, bleibt ein gut organisiertes Einkaufs- und Gastronomieviertel. Gut, aber für sich allein nicht außergewöhnlich.
Wer gezielt nach kostenlosen Aktivitäten in London sucht, findet Covent Garden auf dieser Liste vor allem wegen der Straßenkünstler und der Architektur berechtigt. Für einen umfassenderen Überblick bietet der Leitfaden zu kostenlosen Aktivitäten in London eine vollständige Übersicht aller kostenlosen Möglichkeiten in der ganzen Stadt.
Insider-Tipps
- Die besten Straßenauftritte in Covent Garden finden auf der unteren Ebene der Piazza statt, nicht oben beim Markt. Geh die Stufen hinunter zum zentralen Kopfsteinpflasterplatz – dort entfaltet sich die Akustik des steinernen Amphitheaters richtig.
- Die St Paul's Church (Covent Garden) ist kostenlos zugänglich und ein ruhiger Rückzugsort vom Trubel draußen. Im Inneren befinden sich Gedenkstätten für bekannte Schauspieler und Theaterpersönlichkeiten – wegen dieser Verbindung zur Bühnenwelt trägt sie den Spitznamen „Kirche der Schauspieler".
- Neal's Yard, ein kleiner Innenhof etwa fünf Gehminuten nordwestlich der Piazza, bietet eine Handvoll unabhängiger Bioläden und Cafés sowie ein sehenswertes Käsefachgeschäft. Es ist deutlich ruhiger als die Hauptpiazza und einen Abstecher zum Mittagessen wert.
- Das Floral Hall der Royal Opera House ist tagsüber in der Regel für Besucher zugänglich und kostenlos zu besichtigen – sofern es nicht für Proben, Vorstellungen oder private Veranstaltungen geschlossen ist. Es gehört zu den beeindruckendsten viktorianischen Innenräumen Londons, wird aber kaum als eigenständige Sehenswürdigkeit wahrgenommen.
- Die ruhigsten Zeiten für einen Besuch sind Dienstag bis Freitag am Vormittag. An Samstagen und Sonntagen zwischen 12:00 und 16:00 Uhr ist es am vollsten – wer Gedränge vermeiden möchte, sollte vor 10:30 Uhr oder nach 17:00 Uhr kommen.
Für wen ist Covent Garden geeignet?
- Erstbesucher in London, die kostenlos und atmosphärisch ins West End eintauchen möchten
- Familien mit Kindern: Die Straßenkünstler sorgen für echte Unterhaltung – völlig gratis
- Theaterbegeisterte, die ein Abendessen vor der Vorstellung mit dem Flair der Piazza verbinden
- Fotografen, die architektonische Details und lebendige Straßenszenen an einem einzigen Ort suchen
- Alle, die sich für Londons Sozial- und Marktgeschichte interessieren – der Ort blickt auf eine 400-jährige Geschichte zurück
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in West End:
- British Library
Die British Library besitzt über 170 Millionen Objekte aus Jahrtausenden menschlichen Denkens – von der Magna Carta bis zu handgeschriebenen Beatles-Liedtexten. Der Eintritt ins Gebäude und in die Dauerausstellungen ist kostenlos, was sie zu einem der lohnendsten Stopps im Londoner Zentrum für neugierige Reisende macht.
- British Museum
Das British Museum beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen zur Menschheitsgeschichte weltweit – zwei Millionen Jahre Geschichte, verteilt auf über 60 kostenlose Galerien. Der Eintritt zur Dauerausstellung ist gratis, doch wer weiß, wie man sich in diesem riesigen Haus zurechtfindet, erlebt einen ganz anderen Besuch.
- Carnaby Street
Carnaby Street ist das Fußgänger-Einkaufsviertel in Soho, das den Look der Londoner 1960er-Jahre geprägt hat und bis heute Modebegeisterte, Feinschmecker und neugierige Spaziergänger anzieht. Der Eintritt ist kostenlos, die U-Bahn-Station Oxford Circus liegt fünf Minuten entfernt – und wer sich Zeit nimmt und durch die Seitenstraßen schlendert, wird belohnt.
- Coal Drops Yard
Coal Drops Yard ist ein revitalisiertes viktorianisches Industriegelände in King's Cross – heute mit unabhängigen Läden, Restaurants und Bars unter eindrucksvoll restaurierten Backsteinbögen. Der Außenbereich ist kostenlos zugänglich und nur wenige Gehminuten vom Bahnhof King's Cross St Pancras entfernt.