St Martin-in-the-Fields: Londons offenste Kirche
An der Nordostecke des Trafalgar Square steht St Martin-in-the-Fields, eine anglikanische Kirche aus dem 18. Jahrhundert mit Wurzeln bis ins Jahr 1222. Sie verbindet architektonische Größe mit einem bemerkenswert offenen Geist: freier Eintritt, erstklassige Konzerte bei Kerzenschein und ein Café samt Kunstgalerie in der mittelalterlichen Krypta.
Fakten im Überblick
- Lage
- Trafalgar Square, London WC2N 4JJ, Vereinigtes Königreich
- Anfahrt
- Charing Cross (National Rail & Bakerloo/Northern Line), Leicester Square (Piccadilly/Northern Line) und Embankment (Circle/District/Bakerloo/Northern Line) – alle nur wenige Gehminuten entfernt
- Zeitbedarf
- 30–60 Minuten für die Kirche; nochmal 30–45 Minuten für das Krypta-Café oder die Galerie
- Kosten
- Eintritt in die Kirche kostenlos; Konzerte variieren (viele kostenpflichtig, einige kostenlos)
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Klassikfans, Alleinreisende auf der Suche nach Ruhe, alle, die eine Auszeit vom Trafalgar Square brauchen
- Offizielle Website
- www.stmartin-in-the-fields.org

Warum St Martin-in-the-Fields mehr als einen flüchtigen Blick verdient
Die meisten Besucher sehen sie als das klassische Steingebäude, das die Nordostecke des Trafalgar Square verankert – im Wettbewerb um Aufmerksamkeit mit der Nelson's Column und den Springbrunnen. Das ist ein Irrtum. St Martin-in-the-Fields ist weit mehr als malerische Kulisse. Sie ist eine aktive anglikanische Gemeindekirche mit einer belegten Geschichte an diesem Ort seit mindestens 1222, ein Konzerthaus von echtem internationalem Ruf und einer der wenigen Orte in der Londoner Innenstadt, wo man an einem Dienstagvormittag ohne Ticket und ohne Programm in nahezu völliger Stille sitzen kann.
Die Kirche liegt an der Schnittstelle der Viertel Westminster und West End, was sie sowohl geografisch praktisch als auch kulturell vielschichtig macht. Du kannst direkt vom Trafalgar Square, aus Covent Garden oder vom Südufer über die Waterloo Bridge in weniger als fünfzehn Minuten herlaufen. Kaum jemand landet hier zufällig – aber fast jeder, der kommt, ist froh darüber.
💡 Lokaler Tipp
Die Öffnungszeiten variieren je nach Wochentag und können sich saisonal ändern. Schau vor dem Besuch immer auf der offiziellen Website nach, besonders wenn du Kirchenbesuch, Krypta-Café und Konzert kombinieren möchtest. Das Café hat je nach Wochentag unterschiedliche Öffnungszeiten.
Acht Jahrhunderte in einem Gebäude: die Geschichte
Seit 1222 steht an dieser Stelle eine Kirche – ursprünglich mitten in offenen Feldern nördlich der Themse, was der Name genau beschreibt. Die „Felder" waren Ackerland zwischen den Städten London und Westminster, und als Schutzpatron wurde Martin von Tours gewählt: ein gallorömischer Soldat aus dem vierten Jahrhundert, der später Bischof und Schutzpatron der Soldaten und Armen wurde. Diese Ausrichtung auf benachteiligte Menschen zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte der Kirche.
Das heutige Gebäude wurde 1726 nach Entwürfen von James Gibbs fertiggestellt, einem schottischen Architekten, der in Rom unter Carlo Fontana ausgebildet worden war. Gibbs schuf etwas Einflussreiches: eine Vorhalle mit korinthischen Säulen, die ein klassisches Giebeldreieck tragen, mit einem Kirchturm, der direkt dahinter aufragt. Diese Kombination war zur damaligen Zeit ungewöhnlich, sogar umstritten – doch das Design wurde so häufig kopiert, dass es für zwei Jahrhunderte das Bild einer englischsprachigen Kirche prägte, besonders in den amerikanischen Kolonien. Von Virginia bis New England spiegelt sich diese Fassade in zahllosen Kirchenbauten wider.
Die Gemeinde hat königliche Verbindungen: Die Kirche ist die offizielle Pfarrkirche des Buckingham Palace, und mehrere bedeutende Persönlichkeiten wurden hier im Laufe der Jahrhunderte getauft oder begraben. Gleichzeitig war die Kirche stets auch eng mit den Armen und Ausgegrenzten der Stadt verbunden. Im frühen 20. Jahrhundert öffnete Pfarrer Dick Sheppard die Kirchentüren für heimkehrende Soldaten des Ersten Weltkriegs, für Obdachlose und alle, die Zuflucht suchten – eine Haltung, die die heutige Identität der Kirche als Ort bedingungsloser Offenheit nachhaltig geprägt hat.
Was es drinnen zu sehen gibt: die Architektur im Detail
Wer die Türen durchschreitet, dem fällt sofort das kühle, cremefarbene Innere auf. Das Kirchenschiff ist breit und verhältnismäßig flach, durchflutet von Licht aus großen, klaren Fenstern – für eine Stadtkirche ungewöhnlich. Gibbs vermied bewusst das Dunkel gotischer Vorgänger: Das Stuckwerk an der Gewölbedecke ist filigran, ohne zu erdrücken, alles in Weiß und zartem Gold – eine Oberflächengestaltung, die sich bei näherer Betrachtung lohnt.
Die Kastengestühle, die auf historischen Abbildungen zu sehen sind, sind längst verschwunden und durch schlichtere Sitzreihen ersetzt worden, die den Raum für Konzerte und Gemeindeevents flexibler nutzbar machen. Links vom Altar befindet sich eine königliche Loge – eine Erinnerung an den Status der Kirche als königliche Pfarrei. Am östlichen Ende zieht das venezianische Fenster über dem Altar den Blick auf sich und taucht den Chorraum bei frühem Besuch in klares Morgenlicht.
Ein Detail, das sich zu suchen lohnt: Das kleine Fenster im südlichen Bereich erinnert an Nell Gwyn, die Schauspielerin und Mätresse Karls II. aus dem 17. Jahrhundert, die der Überlieferung nach in der Gemeinde St Martin-in-the-Fields begraben wurde. Ein überraschend menschlicher Akzent in einem formal prachtvollen Gebäude.
ℹ️ Gut zu wissen
Fotografieren ist in der Kirche für den persönlichen Gebrauch generell willkommen. Bei Konzerten gelten je nach Veranstaltung unterschiedliche Regeln. Im Zweifel einfach kurz beim Personal am Eingang nachfragen.
Konzerte und Musik: der Hauptgrund, warum viele herkommen
St Martin-in-the-Fields blickt auf eine der längsten und renommiertesten Livemusik-Traditionen aller Londoner Kirchen zurück. Die regelmäßigen Mittagskonzerte an ausgewählten Wochentagen sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Programms. Es handelt sich meist um Kammermusik, aufgeführt von aufstrebenden Berufsmusikern und Ensembles, und dauert ungefähr eine Stunde. Viele Konzerte sind kostenlos, am Ende wird eine Kollekte gesammelt.
Die abendlichen Kerzenscheinkonzerte haben einen ganz anderen Charakter. Die Kirche wird von Kerzen beleuchtet, und die Akustik – warm und klar, ohne zu hallen – kommt Streichquartetten und kleinen Orchestern besonders zugute. Wer sich für klassische Musik begeistert und die Royal Albert Hall als Einstieg zu groß oder zu förmlich findet, für den ist ein Kerzenscheinkonzert hier eine der besten Alternativen in der Stadt. Die Ticketpreise für Abendveranstaltungen variieren; das aktuelle Programm gibt es auf der offiziellen Website.
Die Verbindung zu den BBC Proms, verschiedene Ensemble-Residenzen und die hier entstandenen Aufnahmen verleihen dem Gebäude echte Glaubwürdigkeit in der professionellen Musikwelt – nicht nur als touristenfreundliche Spielstätte, sondern als Ort, den ernsthafte Musiker sich bewusst aussuchen.
Die Krypta: Café, Galerie und Messinggravur-Abdrücke
Unter der Kirche liegt die Krypta, zugänglich über den Seiteneingang an der Duncannon Street. Der Raum ist eher funktional als atmosphärisch: ein Café und Restaurant mit Steinfußboden, das einen Großteil des Tages Speisen und Getränke serviert, dazu ein kleiner Souvenirladen und eine Galerie mit wechselnden Kunst- und Kunsthandwerksausstellungen. Das Café in der Krypta eignet sich gut für ein Mittagessen oder einen Kaffee in der Londoner Innenstadt – vor allem weil es weniger überfüllt und deutlich günstiger ist als viele Alternativen rund um den Trafalgar Square.
Die Öffnungszeiten des Cafés variieren je nach Wochentag und können sich saisonal verschieben – also lieber vorher nachschauen, bevor man fest damit plant. An Werktagen vor dem Mittagsansturm ist es angenehm ruhig. Ab zwölf Uhr füllt es sich mit einer Mischung aus Büroangestellten, Touristen und Stammgästen aus der Nachbarschaft – ein Querschnitt, der sich eher nach echtem London anfühlt als nach inszeniertem Tourismusbetrieb.
Das Messinggravur-Zentrum in der Krypta ermöglicht es, eigene Abdrücke von mittelalterlichen Messingrelikas zu erstellen. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Familien und jüngere Besucher, ist aber als unkompliziertes und erschwingliches Mitbringsel eine echte Alternative zu den meisten Londoner Souvenirangeboten. Eine kleine Gebühr fällt an.
Wann man am besten kommt und wie sich das Erlebnis verändert
Werktags vor 11 Uhr ist es am ruhigsten. Die Kirche ist geöffnet, weitgehend leer, und man kann das Kirchenschiff in voller Länge durchschreiten, das Stuckwerk an der Decke studieren und ungestört in der Stille sitzen. Das Licht durch das Ostfenster ist zu dieser Stunde besonders klar. So ähnelt der Raum am ehesten dem, was eine Kirchengemeinde von 1726 erlebt haben dürfte.
Zur Mittagszeit an Wochentagen ändert sich die Atmosphäre deutlich. An Konzerttagen füllen sich die Plätze schnell. Wer ein kostenloses Mittagskonzert besuchen möchte, sollte fünfzehn bis zwanzig Minuten früher da sein – die Kirche ist klein genug, dass Nachzügler womöglich keinen Platz mehr finden. Die Akustik im vorderen Drittel des Kirchenschiffs ist merklich besser als in den hinteren Reihen.
Sonntags finden reguläre Gottesdienste statt. Die Kirche bleibt zwar ein öffentlicher Ort, aber während der Gottesdienste steht das Gebet im Vordergrund, nicht die Besichtigung. Wer nach dem Hauptgottesdienst kommt – typischerweise am frühen Sonntagnachmittag – vermeidet jedes Gefühl des Störens, hat aber trotzdem noch Zugang zum Gebäude.
⚠️ Besser meiden
An Wochenenden füllt sich der Bürgersteig direkt vor der Kirche mit Touristen vom Trafalgar Square. Das Kircheninnere ist fast immer ruhiger, als man angesichts des Trubels draußen erwartet – aber die Eingangsstufen können voll sein, besonders wenn in der Nähe Straßenkünstler auftreten.
St Martin-in-the-Fields liegt am Rand eines der meistfotografierten öffentlichen Plätze Londons. Wer Zeit rund um die National Gallery oder die National Portrait Gallery auf der anderen Seite des Platzes verbringt, kann die Kirche wunderbar in denselben halben Tag einbauen – ohne zusätzliche Anfahrt.
Anfahrt und praktische Hinweise
Die Kirche liegt am Trafalgar Square, mit dem Eingang seitlich an der Duncannon Street. Der nächste Bahnhof ist Charing Cross (National Rail sowie Bakerloo und Northern Line), etwa drei Gehminuten entfernt. Leicester Square an der Piccadilly und Northern Line ist in ungefähr fünf Minuten zu Fuß von Norden her erreichbar. Auch die Station Embankment an der Circle, District, Bakerloo und Northern Line liegt in der Nähe.
Der Trafalgar Square wird von zahlreichen Buslinien angefahren, die Verbindungen in fast alle Teile der Londoner Innenstadt bieten. Wer mit einer Travelcard oder Oyster Card unterwegs ist, kommt von allen genannten Stationen problemlos hin. Parkplätze gibt es vor Ort keine – und angesichts der Lage ist das Auto ohnehin keine sinnvolle Option.
Der Haupteingang an der Vorhalle ist über Stufen erreichbar. Der Seiteneingang an der Duncannon Street bietet stufenfreien Zugang zur Kirche und zur Krypta. Wer auf barrierefreien Zugang angewiesen ist, sollte am besten vorab mit der Kirche Kontakt aufnehmen – die offizielle Website gibt hierzu nur grundlegende Informationen.
Insider-Tipps
- Für die kostenlosen Mittagskonzerte am besten 15–20 Minuten früher da sein. Die Plätze füllen sich schneller, als man denkt, und für die meisten kostenlosen Vorstellungen gibt es kein Reservierungssystem.
- Das Krypta-Café ist ruhiger und günstiger als fast jedes Café in zehn Minuten Umkreis. Zwischen 12 und 13:30 Uhr lieber meiden, wenn du ohne Wartezeit einen Platz möchtest.
- Abendliche Kerzenscheinkonzerte sind bei beliebten Programmen schnell ausverkauft. Schau ein bis zwei Wochen vorher in den Veranstaltungskalender, wenn du einen bestimmten Termin im Sinn hast – nicht darauf verlassen, dass noch Karten an der Abendkasse zu haben sind.
- Der Seiteneingang an der Duncannon Street ist weniger auffällig, aber schneller, wenn du direkt zum Krypta-Café oder zur Galerie willst, ohne durch die Hauptkirche zu gehen.
- Sitz im vorderen Drittel des Kirchenschiffs, egal bei welchem Konzert. Der akustische Unterschied zu den hinteren Reihen ist deutlich spürbar, und Nachzügler füllen die Plätze meist von hinten auf.
Für wen ist St Martin-in-the-Fields geeignet?
- Klassikliebhaber, die ein intimes, atmosphärisches Ambiente suchen – statt eines großen Konzertsaals
- Architekturinteressierte, die sich für das Design von James Gibbs begeistern, das den Kirchenbau in der gesamten englischsprachigen Welt geprägt hat
- Reisende, die bei einem vollgepackten Sightseeing-Tag rund um den Trafalgar Square eine kurze Auszeit suchen
- Familien mit älteren Kindern, die sich für Geschichte, Messinggravur-Abdrucke oder ein erschwingliches Mittagessen im Herzen Londons interessieren
- Alleinreisende und alle, die mitten in der Londoner Innenstadt einen ruhigen, kostenlosen Ort zum Durchatmen suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Westminster:
- Apsley House
Als „Nummer 1 London" bekannt, war Apsley House am Hyde Park Corner der Londoner Wohnsitz des Herzogs von Wellington nach seinem Sieg bei Waterloo. Heute beherbergt es eine der bedeutendsten Privatkunstsammlungen Großbritanniens – mit alten Meistern, napoleonischem Silber und der berühmten kolossalen Nacktstatue Napoleons.
- Banqueting House
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- Big Ben & der Palast von Westminster
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