Shakespeare's Globe: Der vollständige Guide zu Londons lebendigem Theater
Das Shakespeare's Globe ist ein originalgetreuer Nachbau des offenen Theaters von 1599, in dem Shakespeares Truppe auftrat – gelegen am Bankside, etwa 230 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. Heute ist es sowohl ein aktives Theater als auch ein kulturelles Bildungszentrum mit Vorstellungen von Ende April bis Oktober im Freilichttheater sowie Winterspielplänen im überdachten Sam Wanamaker Playhouse. Ob du als Groundling im Yard stehst oder von einem gepolsterten Galeriesitz aus zuschaust – dieser Guide erklärt alles, was du vor deinem Besuch wissen solltest.
Fakten im Überblick
- Lage
- 21 New Globe Walk, Bankside, London SE1 9DT
- Anfahrt
- London Blackfriars, Southwark, London Bridge (alle ca. 15 Gehminuten entfernt); Bankside Pier für die Flussboot-Verbindung
- Zeitbedarf
- 1,5–2 Std. für eine Tour; 2,5–3,5 Std. für eine vollständige Vorstellung
- Kosten
- Die Ticketpreise variieren je nach Produktion und Sitzplatz. Yard-Tickets (Stehplätze) sind die günstigste Option. Aktuelle Preise findest du auf der offiziellen Website.
- Am besten für
- Theaterbegeisterte, Geschichtsinteressierte, Architekturliebhaber, literarisch Reisende
- Offizielle Website
- www.shakespearesglobe.com

Was das Shakespeare's Globe wirklich ist
Das Shakespeare's Globe ist kein Museum, das so tut, als wäre es ein Theater. Es ist ein aktives, produzierendes Theater, das jede Saison professionelle Aufführungen in einem Gebäude zeigt, das nach denselben Prinzipien wie das ursprüngliche Globe von 1599 errichtet wurde. Jenes erste Theaterhaus, erbaut von den Lord Chamberlain's Men am Bankside, war der Ort, an dem Stücke wie Hamlet, Othello und König Lear uraufgeführt wurden. Es brannte 1613 nieder, als eine Bühnenkanone während einer Aufführung von Heinrich VIII. versehentlich abgefeuert wurde, wurde wiederaufgebaut und schließlich 1642 von den Puritanern geschlossen.
Der moderne Nachbau öffnete 1997 seine Türen, rund 230 Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. Er war das Lebenswerk des amerikanischen Schauspielers und Regisseurs Sam Wanamaker, der sich ab den 1970er-Jahren für seinen Wiederaufbau einsetzte. Das Ergebnis ist ein dachloses, kreisrundes Holztheater mit einem Strohdach über den Galerien und einem unbedeckten Yard, in dem bei jeder Vorstellung rund 700 Groundlings stehen. Die Gesamtkapazität beträgt 1.500 Personen.
Neben dem Haupttheater gehört zum Gelände das überdachte Sam Wanamaker Playhouse – ein Kerzenlicht-Theater im jakobinischen Stil mit einer eigenen Spielzeit von Ende Oktober bis Anfang April. Die beiden Spielstätten ermöglichen ein ganzjähriges Programm und stellen zusammen den bedeutendsten Versuch weltweit dar, Shakespeare durch Aufführung statt durch Wissenschaft allein zu verstehen.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Spielzeit des Globe Theatre läuft von Ende April bis Oktober. Die Spielzeit des Sam Wanamaker Playhouse von Ende Oktober bis Anfang April. Schau vor der Buchung auf der offiziellen Website nach dem aktuellen Programm.
Das Gebäude: Was es so besonders macht
Von außen wirkt das Globe zwischen dem Beton und Glas des South Bank leise anachronistisch. Die weiß gekalkten Wände, das dunkle Holzfachwerk und das dichte Strohdach aus Wasserried stehen unmittelbar am Themsepfad. Es ist eines von nur zwei Reetdachhäusern, die in London erlaubt sind – eine Sondergenehmigung aufgrund seiner historischen Bedeutung. Das Strohdach erforderte spezielle Brandschutzmaßnahmen, die von der City of London genehmigt werden mussten.
Wer eintritt, ist von den Proportionen überrascht. Der Yard ist intimer, als Fotos vermuten lassen – etwa 30 Meter im Durchmesser. Die drei überdachten Galerien umschließen drei Seiten der Bühne, die ohne Proszeniumsbogen in den Yard hineinragt und so Darsteller und Publikum auf Augenhöhe bringt. Die Bühnendecke, genannt „The Heavens”, ist mit farbenfrohen Himmelsmotiven bemalt. Bei Matineen flutet natürliches Licht durch das offene Dach und verändert die Qualität der Aufführung grundlegend im Vergleich zu einer Abendvorstellung.
Der Bau wurde so weit wie möglich mit grünem Eichenholz, Kalkputz und traditionellen Tischlerarbeiten ausgeführt – gestützt auf archäologische und historische Forschung. Bei ersten Ausgrabungen 1989 wurden Überreste des ursprünglichen Rose Theatre in der Nähe entdeckt, was dem Projekt neue Daten lieferte. Das Gebäude ist sowohl eine lebendige Hypothese über die elisabethanische Theaterarchitektur als auch, für sich betrachtet, ein schönes Bauwerk.
Wie sich eine Vorstellung anfühlt: vormittags, nachmittags und abends
Matinee-Vorstellungen im Globe sind wie nichts sonst im Londoner Theater. Das offene Dach lässt das Sonnenlicht während der Aufführung wandern – manchmal direkt über die Bühne – und Wolken können die Stimmung einer Szene ganz unabhängig von der Regie verändern. Man hört die Stadt: Ein Flussbus fährt mit einem tiefen Hupen vorbei, Tauben landen auf dem Strohdach, der ferne Lärm von Bankside weht herein. Das ist kein Problem – es ist der Punkt. Die Stücke wurden für genau diese Art von Umgebungsrealität geschrieben.
Abendvorstellungen fühlen sich merklich anders an. Mit schwindendem Tageslicht übernehmen die Bühnenlampen und sorgen für eine wärmere, geschlossenere Atmosphäre – auch wenn der Himmel darüber noch sichtbar ist. Im Yard macht sich der Geruch feuchten Holzes breit und, wenn das Wetter umgeschlagen ist, die gemeinsame Wärme von 700 Menschen, die Schulter an Schulter stehen. An einem klaren Sommerabend kann das wunderschön sein. An einem nassen, kühlen Septemberabend kann es ungemütlich werden.
⚠️ Besser meiden
Der Yard ist dem Wetter ausgesetzt. Selbst im Sommer solltest du eine leichte wasserdichte Jacke mitbringen. Das Globe sagt Vorstellungen bei Regen nicht ab, und Yard-Tickets bieten keinen Witterungsschutz. Wer garantiert trocken sitzen möchte, sollte einen Galeriesitzplatz buchen.
Als Groundling im Yard zu stehen ist die günstige Option und für viele Besucher gleichzeitig die unvergesslichste. Man befindet sich auf Bühnenhöhe und nah am Geschehen. Schauspieler treten häufig in den Yard, sprechen das Publikum direkt an und beziehen Groundlings bei manchen Produktionen in Szenen mit ein. Die soziale Dynamik im Yard ist lockerer als auf den Galeriesitzen. Die Leute bewegen sich, lachen hörbar und reagieren offener. Es fühlt sich näher an dem an, wie das ursprüngliche Publikumserlebnis gewesen sein könnte, als es irgendeinem roten Samtsessel möglich wäre.
Das Sam Wanamaker Playhouse: Ein zweites Theater, das sich lohnt
Viele Besucher des South Bank wissen nicht, dass das Sam Wanamaker Playhouse eine eigenständige Spielstätte ist. Es ist ein überdachtes, im Kerzenlicht getauchtes Theater nach dem Vorbild jakobinischer Innenhoftheater des frühen 17. Jahrhunderts, mit vier Rängen aus Holzgalerien und einer Bühne, die von Bienenwachskerzen und stilechten Kronleuchtern beleuchtet wird. Wenn die Kerzen brennen und das Saallicht gedimmt ist, ist die Atmosphäre außergewöhnlich. Schatten flackern über die geschnitzten Holzgalerien. Die Akustik ist präzise und trocken. Das Erlebnis ist intim auf eine Art, die das Freilicht-Globe nicht bieten kann.
Das Playhouse zeigt seine eigenen Produktionen von Ende Oktober bis Anfang April und konzentriert sich dabei häufig auf Werke von Shakespeares Zeitgenossen: Webster, Middleton, Ford, Jonson. Hier wagt das Haus einige seiner interessantesten programmatischen Experimente – und Besucher, die das Globe hauptsächlich als Sommerspielstätte kennen, sind oft überrascht von dem, was sie hier finden. Die Kapazität ist kleiner und Tickets sind schneller ausverkauft, daher ist eine frühzeitige Buchung hier besonders wichtig.
Touren, Vorträge und die Ausstellung
Wer keine Vorstellung besucht, kann am Shakespeare's Globe an geführten Touren teilnehmen. Touren finden täglich statt, sofern es der Probe- und Vorstellungsplan erlaubt – die Verfügbarkeit variiert also. Die Tour ermöglicht Zugang zu Bühne und Galerien mit Erläuterungen zur Konstruktion des Gebäudes, zur Geschichte des ursprünglichen Globe und zur Arbeitsweise des heutigen Ensembles. An Vorstellungstagen können Globe-Touren durch Touren des Sam Wanamaker Playhouse ersetzt werden – den Zeitplan also vor dem Besuch prüfen.
Die hauseigene Ausstellung, die im Eintritt zu den Theater-Touren enthalten ist, behandelt die Archäologie und historischen Belege für das ursprüngliche Globe, die Kampagne für den Wiederaufbau und die weitere Geschichte des elisabethanischen Theaters in Southwark. Sie ist gut gestaltet, ohne zu überladen zu sein, und lässt sich in etwa 45 Minuten gründlich durchgehen. Wer vor einer Vorstellung mehr Kontext möchte, sollte früh genug kommen, um hier Zeit zu verbringen.
Das Globe liegt in einer der kulturell dichtesten Gegenden Londons. Tate Modern ist fünf Gehminuten westlich entlang des Themsepfads, Southwark Cathedral zehn Minuten östlich, und die gesamte Strecke des South Bank von Waterloo bis London Bridge lässt sich in unter 30 Minuten zu Fuß erkunden. Es lohnt sich, das mit einem längeren Tag am Flussufer zu verbinden.
Anreise und praktische Hinweise
Das Globe ist von mehreren Richtungen gut erreichbar. Vom Bahnhof London Blackfriars (National Rail sowie District und Circle Line der London Underground) gelangt man in fünf Minuten über die Millennium Bridge auf die Südseite des Flusses. Der Bahnhof London Bridge (Northern und Jubilee Line) liegt etwa zehn Gehminuten westlich entlang des Bankside-Pfads. Die U-Bahn-Station Southwark (Jubilee Line) ist ebenfalls in rund 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Wer eine malerischere Anreise bevorzugt: Der Uber Boat by Thames Clippers hält am Bankside Pier, direkt vor dem Theatereingang.
Wer das Globe mit anderen Sehenswürdigkeiten am South Bank kombinieren möchte: Der Spaziergang vom London Eye zum Globe entlang des Flusses dauert etwa 20 Minuten und führt an Southbank Centre und der Tate Modern vorbei. Die Millennium Bridge, unmittelbar nördlich des Globe, bietet eine der schöneren Fotopositionen für den Blick auf die St Paul's Cathedral, die sich in der Themse spiegelt – ein kurzer Umweg, der sich lohnt.
Die Öffnungszeiten der Abendkasse variieren je nach Tag; aktuelle Zeiten auf der offiziellen Website prüfen. An Vorstellungstagen öffnet die Abendkasse früher. Eine Vorausbuchung ist für populäre Produktionen und Wochenendvorstellungen dringend empfohlen – besonders Yard-Tickets für den Sommer-Shakespeare, die Wochen im Voraus ausverkauft sein können.
Zu den Barrierefreiheitsangeboten gehören stufenfreie Zugänge, Rollstuhlplätze, Begleitplätze, Hörunterstützungssysteme sowie Relaxed- und Untertitelvorstellungen für ausgewählte Produktionen. Das Globe veröffentlicht detaillierte Zugänglichkeitsinformationen auf seiner Website, und die Abendkasse berät gerne bei besonderen Anforderungen. Der Yard ist ebenerdig, aber unbedeckt – bei einer dreistündigen Stehvorstellung kann das körperlich anspruchsvoll sein.
💡 Lokaler Tipp
Leih dir am Globe ein Sitzkissen für die Galeriesitzplätze. Die Holzbänke sind hart, und ohne Kissen kann eine lange Vorstellung unangenehm werden. Kissen sind gegen eine kleine Gebühr erhältlich.
Für wen dieser Besuch vielleicht nichts ist
Das Shakespeare's Globe gehört zu den lohnendsten Erlebnissen in London – aber es passt nicht für jeden. Wer eingeschränkte Mobilität hat oder nicht lange stehen kann, für den sind Yard-Tickets keine praktische Option. Galeriesitzplätze lösen dieses Problem, aber die Sichtlinien von den oberen Rängen können schräg sein und manche Bänke sind schmal. Wer kein Interesse an Theater oder Literaturgeschichte hat und nur wegen einer Top-Ten-Liste vorbeischaut, wird eine Tour ohne Vorstellung wahrscheinlich trocken finden. Die Ausstellung ist informativ, aber ohne eine Aufführung gesehen zu haben, ist schwer zu begreifen, was diesen Ort so besonders macht.
Kleine Kinder, die noch nicht ans Theaterschauen gewöhnt sind, könnten mit dreistündigen Vorstellungen – besonders in Versform – Schwierigkeiten haben. Das Globe bietet zwar spezifische Familien- und Bildungsprogramme an, und manche Produktionen sind zugänglicher als andere. Für einen familienorientierten London-Aufenthalt bietet der London-mit-Kindern-Guide bessere Ausgangspunkte für jüngere Besucher.
Insider-Tipps
- Yard-Tickets (Groundling-Stehplätze) sind die günstigste und gleichzeitig atmosphärischste Art, eine Vorstellung zu erleben. Kauf sie so früh wie möglich für den Sommer-Shakespeare – sie sind deutlich schneller ausverkauft als die Galeriesitzplätze.
- Das Sam Wanamaker Playhouse wird von Erstbesuchern oft übersehen. Falls du keine Tickets fürs Globe bekommst oder zwischen Oktober und April reist, ist das Playhouse häufig das interessantere Theatererlebnis der beiden.
- Komm mindestens 30 Minuten vor der Vorstellung und schau dir die kostenlose Ausstellung an, wenn du noch nicht da warst. Der Kontext, den sie bietet, macht die Aufführung deutlich reicher.
- Die Essens- und Getränkestände im Yard erlauben es dir, während der Vorstellung zu essen und zu trinken – das ist bewusst so und historisch authentisch. Die Restaurant-Optionen im angrenzenden Bankside-Viertel reichen von schnellen Snacks bis hin zu Restaurants mit Flussblick.
- Fotografieren im Yard während der Vorstellungen ist für den persönlichen Gebrauch ohne Blitz in der Regel erlaubt. Manche Produktionen schränken das ein – prüfe daher die Ticket-Bedingungen. Die Bühne im Nachmittagslicht, bevor sich das Haus füllt, gehört zu den schönsten Architektur-Fotomöglichkeiten in London.
Für wen ist Shakespeare's Globe geeignet?
- Theaterliebhaber, die ein Erlebnis suchen, das sich von jeder anderen Londoner Bühne unterscheidet
- Literarisch und historisch Reisende mit besonderem Interesse an der elisabethanischen Epoche
- Architektur- und Handwerksinteressierte, die sich für traditionelle Bautechniken begeistern
- Besucher des South Bank, die ein Kulturprogramm mit einem Spaziergang am Flussufer verbinden möchten
- Alle, die einen unvergesslichen Londoner Abend oder Nachmittag jenseits der üblichen Sehenswürdigkeiten erleben wollen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in South Bank:
- Battersea Park
Der Battersea Park ist ein 81 Hektar großer viktorianischer Park am Südufer der Themse. Eintritt frei, formale Gärten, ein Kinderzoo, Uferwege und eine beeindruckende buddhistische Friedenspagode – weniger überlaufen als der Hyde Park und überraschend reich an Erlebnissen.
- Battersea Power Station
Nach fast dreißig Jahren Leerstand öffnete das Battersea Power Station im Oktober 2022 als eines der eindrucksvollsten gemischt genutzten Ziele Londons wieder seine Türen. Der Eintritt ins Hauptgebäude und die öffentlichen Bereiche ist kostenlos, während der gläserne Fahrstuhl Lift 109 einen der ungewöhnlichsten Aussichtspunkte der Stadt bietet. Hier findest du alles, was du für einen Besuch wissen musst.
- Borough Market
Der Borough Market steht seit rund 1.000 Jahren in der Nähe der London Bridge und gehört damit zu den ältesten Handelsplätzen für Lebensmittel in ganz Großbritannien. Heute findest du hier Händler mit allem, was das Herz begehrt: gereifter Käse, Charcuterie, frisch gebackenes Brot und Street Food aus aller Welt. Der Eintritt ist frei, und die viktorianischen Markthallen verleihen dem Besuch ein besonderes Flair, das die meisten anderen Food Halls schlicht nicht bieten können.
- Imperial War Museum London
Das Imperial War Museum London ist eine der durchdachtesten kostenlosen Attraktionen der Stadt. Es beleuchtet Konflikte vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Untergebracht in einem ehemaligen psychiatrischen Krankenhaus, verbindet es großformatige Exponate, persönliche Zeugnisse und eindringliche Holocaust-Galerien zu einem Erlebnis, das nachhallt.