Southwark Cathedral: Eine der ältesten gotischen Kirchen Londons
Die Southwark Cathedral liegt direkt an der London Bridge am South Bank und gehört zu den ältesten und atmosphärischsten Gotteshäusern der Stadt. Der Eintritt ist kostenlos, die Architektur umspannt fast ein Jahrtausend – und vom Kirchhof aus bist du in wenigen Schritten am Borough Market und an der Themse.
Fakten im Überblick
- Lage
- London Bridge, London SE1 9DA – südliches Ende der London Bridge, South Bank
- Anfahrt
- London Bridge (Jubilee & Northern Line, National Rail) – 3 Minuten Fußweg
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 1,5 Stunden, je nach Interesse
- Kosten
- Eintritt frei; Spenden willkommen. Für kostenpflichtige Veranstaltungen die offizielle Website prüfen.
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Geschichtsinteressierte, alle, die dem Trubel am South Bank entfliehen wollen
- Offizielle Website
- cathedral.southwark.anglican.org

Was die Southwark Cathedral eigentlich ist
Die Cathedral and Collegiate Church of St Saviour and St Mary Overie – allgemein bekannt als Southwark Cathedral – ist eines der ältesten gotischen Kirchengebäude Londons und die Mutterkirche der Diözese Southwark. Sie steht am südlichen Ende der London Bridge, auf dem Gelände einer religiösen Gemeinschaft, die hier mindestens seit dem frühen 12. Jahrhundert besteht. Das Priorat St Mary Overie wurde 1106 an dieser Stelle gegründet – der Boden unter deinen Füßen trägt also fast tausend Jahre ununterbrochener sakraler Geschichte.
Trotz ihres Alters taucht die Southwark Cathedral selten ganz oben auf Londons Sehenswürdigkeitslisten auf. Das liegt zum einen daran, dass sie erst 1905 mit der Gründung der Diözese Southwark zur Kathedrale erhoben wurde, zum anderen daran, dass sie im Schatten größerer Attraktionen steht: der Shard wenige hundert Meter entfernt, der Borough Market direkt daneben, die Tower Bridge vom Kirchhof aus sichtbar. Für aufmerksame Reisende ist das ein echter Vorteil. Du kannst eines der architektonisch reichsten Gotteshäuser der Stadt in aller Ruhe erkunden – ohne die Schlangen und Menschenmassen, die Westminster Abbey oder St Paul's belagern.
💡 Lokaler Tipp
Der Eintritt ist kostenlos, aber die Kathedrale ist ein aktiver Ort des täglichen Gottesdienstes. Teile des Hauptschiffs können während der Morgen- und Mittagsgottesdienste abgesperrt sein. Schau vorher auf der Website der Kathedrale nach dem Tagesplan.
Ein bisschen Geschichte, bevor du reingehst
Das erste urkundlich erwähnte Priorat auf diesem Gelände brannte beim Großen Brand von Southwark 1212 nieder – einer eigenständigen Katastrophe, unabhängig vom berühmteren Großen Brand von 1666, der weite Teile der City nördlich der Themse zerstörte. Die Kirche wurde wieder aufgebaut, im Laufe des Mittelalters mehrfach verändert und überstand die Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII. Danach diente sie als Pfarrkirche St Saviour's. Jahrhundertelang war sie das spirituelle Zentrum einer Gemeinschaft am Flussufer, zu der elisabethanische Theater, Pestkirchhöfe und die Werkstätten der mittelalterlichen Stadt gehörten.
Die Shakespeare-Verbindung ist eines der meistzitierten Argumente für einen Besuch – und sie hält, was sie verspricht. John Harvard, der nach Massachusetts auswanderte und dessen Vermächtnis zur Gründung des Harvard College beitrug, wurde hier 1607 getauft. Edmund Shakespeare, der jüngere Bruder von William, wurde hier 1607 beigesetzt. Und im Inneren befindet sich ein Gedenkmal für William Shakespeare selbst – die Southwark Cathedral ist damit ein echtes literarisches Denkmal und keine aufgesetzte Touristenattraktion. Die Verbindung zum Theater ist kein Zufall: Das Globe Theatre und das Rose Theatre lagen in der Elisabethanischen Ära kaum eine Straße entfernt, und viele ihrer Schauspieler, Förderer und Dichter lebten, arbeiteten und starben in dieser Gemeinde.
1905 wurde das Gebäude zur Kathedrale erhoben und anschließend grundlegend renoviert und erweitert. Die im Jahr 2000 abgeschlossenen Baumaßnahmen ergänzten entlang der Nordflanke ein Besucherzentrum, ein Refektorium, eine Bibliothek und einen Shop. Diese modernen Anbauten fügen sich durchdacht ein und beeinträchtigen den mittelalterlichen Kern nicht.
Die Architektur: Worauf du im Inneren achten solltest
Das Hauptschiff ist der Raum, der einen sofort in seinen Bann zieht. Das gotische Gewölbe darüber ist im Vergleich zu den großen englischen Kathedralen in Canterbury oder York eher bescheiden – was ihm aber zugute kommt: Die Proportionen wirken menschlich und stimmig, nicht überwältigend. Das Mauerwerk hält selbst im Sommer eine angenehme Kühle, und das Licht fällt in Winkeln herein, die sich im Laufe des Tages spürbar verändern.
Halte Ausschau nach der Harvard-Kapelle, die John Harvard gewidmet ist und deren Buntglasfenster Szenen aus dem frühen kolonialen Massachusetts zeigen. Das Shakespeare-Memorial – eine liegende Alabasterfigur des Dichters vor einem Hintergrund aus Szenen seiner Stücke – befindet sich im Südschiff. Es wurde 1915 installiert und wirkt überraschend berührend: kein großspuriges Monument, sondern eine durchdachte Hommage an einem Ort, der die Familie des Mannes tatsächlich kannte.
Der Retrochoir am östlichen Ende hinter dem Chorschirm zählt zu den schönsten frühgotischen Innenräumen Londons und stammt überwiegend aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Säulen sind schlanke Bündel aus dunklem Purbeck-Marmor, die sich poliert gegen den hellen Stein abheben und dem Raum eine Eleganz verleihen, die dem größeren Hauptschiff fehlt. Wenn du nur zwanzig Minuten hast, verbringe den Großteil davon hier.
ℹ️ Gut zu wissen
Fotografieren ist in der Kathedrale grundsätzlich erlaubt. Für einen kleinen Reiseführer kann eine Gebühr anfallen – einfach beim Eingang nachfragen. Stative und Blitzlicht während der Gottesdienste sind nicht angebracht.
Wie sich der Besuch je nach Tageszeit verändert
Morgens – besonders an Wochentagen – ist es am ruhigsten. Ab 9 Uhr ist die Kathedrale geöffnet und wird meist nur von Menschen aufgesucht, die ein paar Minuten Stille vor dem Arbeitstag suchen. Das Licht durch das Ostfenster fällt zu dieser Stunde direkt und warm auf die Chorgestühle – ein Effekt, den das Nachmittagslicht nicht wiederholen kann. Wenn du den Retrochoir für dich allein haben möchtest, komm vor 10 Uhr.
Gegen späten Vormittag und zur Mittagszeit strömen Besucher vom Borough Market herein, der direkt vor der Kirchenmauer liegt. Wenn die Nordtür geöffnet ist, zieht der Geruch von Kaffee und frischem Brot ins Innere. Für manche ist das eine angenehme Kombination; wer Stille und Besinnung sucht, wird daran erinnert, dass die Southwark Cathedral mitten im städtischen Trubel liegt – und nicht in einem abgeschlossenen Klosterbezirk.
Der Nachmittag bringt den stärksten Besucherandrang, besonders am Wochenende. Die Kathedrale bewältigt das erstaunlich gut: Der Raum ist groß genug, dass es selten eng wird, und die Anlage sorgt dafür, dass sich die Besucher auf verschiedene Kapellen und Seitenschiffe verteilen. Das späte Nachmittagslicht von Westen ist für Fotos des Hauptschiffs am stimmungsvollsten. Am frühen Abend wird es wieder ruhiger – und wenn eine Choral Evensong auf dem Programm steht, was an bestimmten Tagen der Fall ist, gehört sie zu den schönsten kostenlosen Musikerlebnissen in London.
Anreise und Umgebung
Der naheliegendste Ausgangspunkt ist der Bahnhof London Bridge: Er wird von der Jubilee und der Northern Line der U-Bahn sowie zahlreichen National-Rail-Verbindungen aus Südlondon und darüber hinaus bedient. Vom Hauptausgang des Bahnhofs bis zur Kathedrale sind es etwa drei Minuten zu Fuß, vorbei am südlichen Ende der London Bridge. Wer ohnehin gerade die London Bridge überquert, findet die Kathedrale als natürlichen ersten Stopp auf der Südseite.
Die unmittelbare Umgebung lohnt sich zu Fuß zu erkunden. Der Borough Market liegt direkt vor dem Nord- und Westeingang der Kathedrale, und an Markttagen – hauptsächlich Donnerstag bis Samstag, mit eingeschränktem Betrieb an anderen Tagen – duften die Gassen nach Käse, Brot, Kaffee und Gewürzen. Diese Nähe macht es leicht, den Kathedralbesuch mit einem Stündchen auf dem Markt zu verbinden – oder die Kathedrale als ruhigen Rückzugsort vor dem Marktlärm zu nutzen.
Wer westlich entlang des South Bank von der Kathedrale weiterläuft, kommt nach etwa fünfzehn Minuten an Shakespeare's Globe und der Tate Modern vorbei. Dieser Abschnitt am Flussufer gehört zu Londons schönsten Spaziergängen und braucht keine weitere Planung außer bequemen Schuhen. Einen umfassenderen Überblick über die Möglichkeiten in diesem Viertel bietet der South-Bank-Stadtteilführer.
Praktische Hinweise
Die Öffnungszeiten variieren je nach Wochentag und können durch Gottesdienste, private Veranstaltungen und saisonale Änderungen beeinflusst werden. Die Kathedrale veröffentlicht ihre aktuellen Zeiten auf der offiziellen Website – ein kurzer Blick vorher lohnt sich wirklich: Hier ist es wahrscheinlicher als bei anderen Sehenswürdigkeiten, dass man vor verschlossenen Türen steht, da die kommerziellen Öffnungszeiten großer Attraktionen hier schlicht nicht gelten.
Die Kathedrale ist ein aktiver Ort des Gottesdienstes – kein Museum. Gottesdienste finden täglich statt, und während dieser Zeiten ist der Zugang zu Teilen des Gebäudes eingeschränkt oder setzt ruhiges und respektvolles Verhalten voraus. Wenn du während eines Gottesdienstes ankommst, darfst du in der Regel im Hauptschiff bleiben, solltest aber keine abgesperrten Bereiche betreten. Das ist keine Einschränkung, sondern eine Erinnerung daran, wozu das Gebäude eigentlich da ist.
Für Besucher mit eingeschränkter Mobilität gibt die Kathedrale an, einen offenen und barrierefreien Empfang zu bieten. Konkrete Anforderungen – etwa stufenfreier Zugang oder barrierefreie Toiletten – sollten vorab direkt mit der Kathedrale abgeklärt werden, da sich die Gegebenheiten ändern können.
⚠️ Besser meiden
Die Gegend rund um den Bahnhof London Bridge und den Borough Market gehört freitagsund samstagnachmittags zu den belebtesten Fußgängerzonen Londons. Wer eingeschränkt mobil ist oder mit kleinen Kindern reist, sollte den Besuch auf einen Wochentag am Vormittag legen, um dem Gedränge aus dem Weg zu gehen.
Wer einen ganzen Tag am South Bank verbringt, findet im 3-Tage-London-Reiseplan einen nützlichen Rahmen, um die Southwark Cathedral ohne Umwege in ein größeres Programm einzuplanen.
Insider-Tipps
- Besuche an geeigneten Tagen die Choral Evensong – kostenlos, dauert unter einer Stunde, und die Akustik im Chor und Retrochoir ist außergewöhnlich. Am besten vorab den Veranstaltungskalender der Kathedrale checken.
- Der Garten auf der Ostseite der Kathedrale bietet einen ruhigen, mit Bänken gesäumten Innenhof – selbst wenn der Borough Market draußen auf Hochtouren läuft. Die meisten Besucher laufen einfach daran vorbei.
- Das Refektoriumscafé in der Kathedrale bietet unkompliziertes Essen und Kaffee zu fairen Preisen. An belebten Markttagen ist es oft deutlich leerer als die Stände des Borough Market nebenan.
- Der Retrochoir stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und gehört zu den ältesten erhaltenen Teilen des Gebäudes. Die meisten Besucher verbringen ihre Zeit im Hauptschiff und verpassen ihn völlig – einfach durch den Chorschirm hindurchgehen.
- Bei klarem Wetter lohnt es sich, nach dem Besuch durch die Nordtür hinauszugehen und kurz zur Themse zu laufen. Der Blick zurück auf die Kathedrale mit dem Shard dahinter ist eine der eindrucksvollsten Stadtansichten an diesem Abschnitt des Flusses.
Für wen ist Southwark Cathedral geeignet?
- Architektur- und Mittelalterbegeisterte, die Tiefe ohne Warteschlangen suchen
- Reisende, die einen Vormittag am Borough Market mit einem Kultururlaub verbinden möchten
- Besucher, die kostenlose, gehaltvolle Kulturerlebnisse auf kleinem Budget suchen
- Literatur- und Shakespeare-Fans, die dem elisabethanischen London auf der Spur sind
- Alle, die mitten im Trubel des South Bank einen ruhigen Ort suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in South Bank:
- Battersea Park
Der Battersea Park ist ein 81 Hektar großer viktorianischer Park am Südufer der Themse. Eintritt frei, formale Gärten, ein Kinderzoo, Uferwege und eine beeindruckende buddhistische Friedenspagode – weniger überlaufen als der Hyde Park und überraschend reich an Erlebnissen.
- Battersea Power Station
Nach fast dreißig Jahren Leerstand öffnete das Battersea Power Station im Oktober 2022 als eines der eindrucksvollsten gemischt genutzten Ziele Londons wieder seine Türen. Der Eintritt ins Hauptgebäude und die öffentlichen Bereiche ist kostenlos, während der gläserne Fahrstuhl Lift 109 einen der ungewöhnlichsten Aussichtspunkte der Stadt bietet. Hier findest du alles, was du für einen Besuch wissen musst.
- Borough Market
Der Borough Market steht seit rund 1.000 Jahren in der Nähe der London Bridge und gehört damit zu den ältesten Handelsplätzen für Lebensmittel in ganz Großbritannien. Heute findest du hier Händler mit allem, was das Herz begehrt: gereifter Käse, Charcuterie, frisch gebackenes Brot und Street Food aus aller Welt. Der Eintritt ist frei, und die viktorianischen Markthallen verleihen dem Besuch ein besonderes Flair, das die meisten anderen Food Halls schlicht nicht bieten können.
- Imperial War Museum London
Das Imperial War Museum London ist eine der durchdachtesten kostenlosen Attraktionen der Stadt. Es beleuchtet Konflikte vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Untergebracht in einem ehemaligen psychiatrischen Krankenhaus, verbindet es großformatige Exponate, persönliche Zeugnisse und eindringliche Holocaust-Galerien zu einem Erlebnis, das nachhallt.