Matala Beach: Antike Höhlen, Hippie-Geschichte und eine der ungewöhnlichsten Buchten Kretas
Der Matala Beach an der Südküste Kretas ist anders als jeder andere Strand auf der Insel. Eine 250 Meter lange Blue-Flag-Bucht, flankiert von Klippenhöhlen, die einst als römische Grabkammern und später als Hippie-Unterkünfte der 1960er Jahre dienten – ein Ort für neugierige Reisende, die Geschichte und einen guten Badetag miteinander verbinden wollen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Dorf Matala, Südküste Kretas, ca. 70 km südwestlich von Heraklion
- Anfahrt
- KTEL-Busse ab Heraklion über Mires; mit dem Auto über die E75/Tympaki-Straße. Vom Ortszentrum aus ist der Strand zu Fuß erreichbar.
- Zeitbedarf
- 2–4 Stunden für Strand und Höhlen; ganzer Tag bei Kombination mit Red Beach oder Phaistos
- Kosten
- Strandbesuch kostenlos; Liegen- und Sonnenschirmverleih gegen Aufpreis; für die Höhlen wird in der Hochsaison eine kleine Eintrittsgebühr erhoben
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, entspannte Strandtage, Gegenkultur-Neugierige, Fotografen

Was Matala von anderen Stränden unterscheidet
Die meisten Strände Kretas punkten mit der Farbe ihres Wassers oder der Dramatik ihrer Klippen. Matala Beach tut beides – und fügt noch etwas hinzu, das kein anderer Strand auf der Insel bieten kann: einen Sandsteinfels, der von handgeschlagenen Höhlen durchzogen ist. Diese dienten über Jahrhunderte hinweg als römische Grabkammern, frühchristliche Heiligtümer und schließlich als improvisierte Schlafstätten einer ganzen Generation freigeistiger Reisender in den 1960er und frühen 1970er Jahren.
Der Strand liegt in einer kompakten, halbkreisförmigen Bucht an der Südküste Kretas und blickt auf das Libysche Meer. Er ist etwa 250 bis 300 Meter lang und 40 bis 45 Meter breit, mit einem Mix aus grobem Sand und feinem Kies unter den Füßen. Das Wasser ist an den meisten Tagen ruhig, so klar, dass man bis auf Brusthöhe den Boden sieht, und von Juni bis Oktober warm genug für ausgiebige Schwimmrunden. Der Strand trägt das Blue-Flag-Siegel, was jährliche Kontrollen von Wasserqualität, Sicherheitsinfrastruktur und Sauberkeit bedeutet.
Aber all das erklärt noch nicht, warum die Erinnerung an Matala so lange haften bleibt. Es sind die Klippen. Und die Geschichte, die sich in ihnen abgelagert hat. Wer vorab Kontext möchte: Der Minoische Palast von Phaistos liegt nur 11 km entfernt, und beide Orte teilen eine gemeinsame Geschichte: Matala diente als Meeresausgang für Phaistos.
Die Höhlen: Jahrtausende der Nutzung
Die in den nordwestlichen Klippenhang gehauenen Höhlen sind keine natürliche Formation. Sie wurden von Menschenhand geschaffen, höchstwahrscheinlich beginnend in der Römerzeit, und in den frühchristlichen Jahrhunderten als Grabkammern erweitert. Der Sandstein von Matala ist weich genug, um ihn mit einfachen Werkzeugen zu bearbeiten – deshalb wirken die Kammern zugleich durchdacht und roh: rechteckige Türöffnungen, Nischen im Inneren, gelegentlich ein gemeißeltes Regal, das einst Bestattungen aufnahm. Es gibt Dutzende davon, in unregelmäßigen Reihen über den Fels verteilt, manche kaum schulterhoch, andere groß genug, um aufrecht zu stehen.
Als die 1960er Jahre kamen, waren die Grabstätten längst verlassen – und die Höhlen wurden zu etwas ganz anderem. Unter den Überland-Reisenden, die durch Griechenland und Nordafrika zogen, sprach sich herum, dass Matala kostenlosen Unterschlupf, warme Nächte und einen Strand bot. Anfang der 1970er hatte sich in den Höhlen eine kleine internationale Gemeinschaft etabliert. Joni Mitchell gehört zu den bekanntesten Namen, die mit dieser Zeit in Verbindung gebracht werden – sie verarbeitete ihre Zeit hier später in den Lyrics zu „Carey". Die griechische Militärjunta vertrieb die Höhlenbewohner schließlich, aber die Geschichte blieb.
Heute sind die Höhlen vom Strand abgegrenzt und über einen kleinen Pfad am nördlichen Ende der Bucht zugänglich. In den Sommermonaten wird am Eingang eine bescheidene Eintrittsgebühr erhoben. Drinnen kann man entlang der Klippenpfade schlendern, in die Kammern schauen und das informelle mehrsprachige Graffiti lesen, das manche Wände bedeckt – ein Palimpsest all jener, die hier vorbeigekommen sind. Die Atmosphäre ist überraschend ruhig, besonders am Morgen, bevor die Tagestouristen eintreffen.
💡 Lokaler Tipp
Besuche die Höhlen früh, am besten vor 10 Uhr. Das Morgenlicht fällt direkt auf den Fels und macht diese Zeit zur besten für Fotos. Außerdem sind die Pfade deutlich weniger überfüllt, bevor die Reisebusse aus Heraklion am späten Vormittag ankommen.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Agiofarago and Matala beach private tour
Ab 88 €Kostenlose StornierungVisit a Family-Run Olive Mill with Food Tasting in Heraklion
Ab 19 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSnorkeling experience in Crete
Ab 45 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSpinalonga self-guided audio tour on your phone
Ab 12 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Der Strand: Anlage, Einrichtungen und Wasser
Die Bucht von Matala ist kompakt und gut organisiert – je nach Erwartung ein Vorteil oder eine Einschränkung. In der Hochsaison bedecken Sonnenliegen- und Schirm-Reihen den größten Teil des zentralen Strandabschnitts. Duschen, Toiletten, ein Erste-Hilfe-Posten und ein Rettungsschwimmer sind in den Sommermonaten vorhanden. Am südlichen Ende sind Beachvolleyball-Pfosten aufgestellt. Wassersportmöglichkeiten wie Jet-Ski-Verleih und Schnorchelausrüstung werden von Anbietern am Ufer angeboten.
Das nördliche Ende des Strandes, direkt unterhalb der Höhlenklippe, ist der atmosphärischste Abschnitt. Hier spendet der Fels nachmittags natürlichen Schatten, und die Liegenreihen werden dünner. Der Meeresboden vor diesem Abschnitt ist felsig, weshalb Wasserschuhe sinnvoll sind, wenn du nahe an der Klippenbasis schnorcheln möchtest. Die zentralen und südlichen Abschnitte haben mehr Sand unter den Füßen und eignen sich besser für kleine Kinder.
Im Juli und August ist der Strand bis zum späten Vormittag vollständig belegt. Wer vor 9 Uhr kommt, kann seinen Platz frei wählen. Außerhalb der Hochsaison – vor allem im Mai, Juni und September – ist der Strand deutlich ruhiger, und das Dorf fühlt sich eher wie ein gelebter Ort an als wie ein Ferienort. Das Wasser bleibt bis weit in den Oktober hinein warm.
ℹ️ Gut zu wissen
Matala Beach verfügt über einen rollstuhlgerechten Lift für Besucher mit eingeschränkter Mobilität. An den Rändern der Bucht gibt es schattige Bereiche unter Bäumen, falls du die pralle Sonne vermeiden möchtest.
Red Beach: Der Spaziergang, der sich lohnt
Etwa 1,5 km südlich von Matala, erreichbar über einen 20- bis 25-minütigen Fußweg über einen felsigen Küstenvorsprung, liegt der Red Beach. Der Name ist wörtlich zu nehmen: eisenreiche rote Sandsteinklippen geben dem Strand seinen warmen Terrakotta-Ton – so etwas findest du sonst nirgendwo an Kretas Küste. Der Weg erfordert festes Schuhwerk und etwas Klettern über Felsen, ist aber technisch problemlos. Die Belohnung: ein kleinerer, weniger organisierter Strand ohne Liegenvermietung, deutlich weniger Menschen und das echte Gefühl, irgendwo wirklich Abgeschiedenem zu sein – obwohl man nur Minuten vom Dorf entfernt ist.
Der Red Beach hat auch eine kleine FKK-Tradition und zieht ein eher unabhängiges Publikum an. Einrichtungen gibt es keine – also Wasser mitnehmen. Der Rückweg kann in der Nachmittagshitze steil wirken; wer erst am späten Nachmittag zurückgeht, wenn die Felsen kühler sind, macht die Tour deutlich angenehmer.
Historischer und mythologischer Kontext
Matala liegt in einem der geschichtlich am dichtesten besiedelten Teile Kretas. In der Antike diente die Bucht als Meeresausgang und Hafen für Phaistos und später für Gortyn – zwei der bedeutendsten Siedlungen der Insel aus verschiedenen Epochen. Schiffe, die Waren vom Minoischen Palast von Phaistos transportierten, luden hier wahrscheinlich ihre Güter. Die Römer, die Gortyn zur Hauptstadt ihrer kretischen Provinz machten, nutzten den Hafen weiter und begannen, die Grabkammern in die Klippen zu hauen.
Auch die griechische Mythologie rankt sich um die Bucht. Einer Version der Geschichte von Zeus und Europa zufolge soll Zeus hier in Matala als weißer Stier ans Ufer gekommen sein, nachdem er Europa über das Meer aus Phönizien getragen hatte. Ob man Mythen überzeugend oder nur dekorativ findet – sie sind ein weiterer Grund, warum dieser Ort die Menschen seit Jahrtausenden anzieht. Die nahe gelegene Archäologische Stätte Gortyn liegt rund 17 km nordöstlich und lässt sich für alle, die sich für das römische Kreta interessieren, gut mit einem Ausflug nach Matala verbinden.
Praktische Informationen: Anreise und Fortbewegung
Matala liegt etwa 70 km südwestlich von Heraklion und rund 45 km südlich von Rethymno. Am bequemsten ist die Anreise mit dem Mietwagen. Die Fahrt von Heraklion dauert je nach Verkehr etwa 75 bis 90 Minuten und führt durch die landwirtschaftlichen Ebenen des Mesara-Tals. Im Dorf gibt es Parkmöglichkeiten, die im August allerdings schnell belegt sind.
KTEL-Busse verbinden Heraklion über Mires mit Matala. Aktuelle Fahrzeiten findest du direkt bei KTEL Heraklion, da die Fahrpläne saisonal wechseln. Wer eine größere Südküsten-Rundfahrt plant, kann Matala gut mit Preveli Beach und Agia Galini kombinieren – beide sind über die malerische Küstenstraße in 30 bis 45 Minuten mit dem Auto erreichbar.
Wer eine ausgedehntere Kreta-Reise plant, findet im Kreta-Roadtrip-Guide eine detaillierte Beschreibung der Südküstenroute – inklusive Hinweisen, wie sich Matala mit den anderen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Insel ohne unnötige Umwege kombinieren lässt.
⚠️ Besser meiden
Matala ist in der Hochsaison wirklich voll. Wenn du im Juli oder August kommst und Platz und Ruhe schätzt, empfiehlt sich eine Ankunft vor 9 Uhr – oder du verlegst deinen Strandtag in die Nebensaison. Das Matala Beach Festival im Juni zieht über mehrere Tage große Menschenmengen an.
Fotografieren und Atmosphäre je nach Tageszeit
Die Bucht ist grob nach Südwesten ausgerichtet, was bedeutet: Das Morgenlicht fällt direkt auf den Fels, während der Strand noch im Halbschatten liegt. Das ist das beste Zeitfenster für Höhlenfotos. Mittags liegt das Licht hoch und flach, der Strand ist am vollsten. Der späte Nachmittag bringt die stimmungsvollsten Bedingungen: Die Sonne verschwindet hinter den Klippen, Schatten wandern über den Sand, und das verbleibende Licht lässt das Wasser von Hellblau in tiefes Grün wechseln. Sonnenuntergänge in Matala – vom Kliffpfad aus oder an einem Tisch in einer der Tavernen entlang der Bucht – sind es wert, dafür zu bleiben.
Das Dorf selbst ist klein genug, um es in 20 Minuten komplett zu Fuß zu erkunden. An der Strandpromenade reihen sich Tavernen und Cafés aneinander, die unkomplizierte griechische Meeresfrüchte und Salate anbieten. Die Preise sind für ein Dorf dieser Größe etwas höher, was dem Touristenandrang geschuldet ist. Wer verstehen möchte, wie Matala im Vergleich zur restlichen Südküste Kretas abschneidet, findet im Guide zu den schönsten Stränden Kretas einen ehrlichen Vergleich mit anderen Stränden der Insel.
Insider-Tipps
- Das Tor zu den Höhlen öffnet im Sommer meist gegen 8 Uhr. Wer zur Öffnung da ist, hat die Wege fast für sich, perfektes Licht auf dem Fels – und keine Reisegruppen. Ab 10:30 Uhr kann es auf den Pfaden schon eng werden.
- Die kleine Felsenbucht nördlich des Hauptstrandes, erreichbar über einen kurzen Aufstieg am Höhleneingang vorbei, ist den meisten Tagestouristen völlig unbekannt. Über flachem Felsuntergrund gibt es dort kristallklares Wasser zum Schnorcheln.
- Das Matala Beach Festival findet in der Regel im Juni statt und zieht Musikfans aus ganz Kreta und dem griechischen Festland an. Wenn dein Besuch damit zusammenfällt, solltest du die Unterkunft Monate im Voraus buchen – oder bewusst einen anderen Termin wählen, falls dir Menschenmassen nichts bedeuten.
- Wasserschuhe sind sinnvoll, wenn du nahe am nördlichen Klippenfuß schnorcheln möchtest. Der Sand geht schnell in scharfes Gestein über, und das Meeresleben ist dort deutlich reicher als auf dem offenen Sandboden.
- Am Red Beach gibt es keinerlei Schatten. Wenn du länger als eine Stunde bleibst, geh morgens oder am späten Nachmittag hin und nimm mehr Wasser mit, als du zu brauchen glaubst.
Für wen ist Matala Beach geeignet?
- Reisende, die Geschichte und Strand an einem einzigen Ort erleben wollen – ohne Museumseintritt
- Fotografiebegeisterte, die sich von ungewöhnlichen Felsformationen und vielschichtigen Geschichten angezogen fühlen
- Paare und Alleinreisende, die an der Südküste einen Stützpunkt mit echtem Charakter suchen – abseits typischer Ferienorte
- Alle, die einen Tag in Süd-Zentralkreta planen und Phaistos, Gortyn und ein Bad im Meer kombinieren möchten
- Nebensaison-Besucher im Mai, Juni oder September, die warmes Wasser und echte Ruhe suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Plakias & Südküste:
- Agia Galini
Amphitheatralisch über der Messara-Bucht an der Südküste Kretas gelegen, ist Agia Galini ein kleines Fischerdorf mit steilen Gassen, einem geschützten Hafen und einem Strand nur 100 Meter vom Ortszentrum entfernt. Der Name bedeutet auf Griechisch „Heiliger Frieden" – und das passt für den größten Teil des Jahres durchaus.
- Kourtaliotiko-Schlucht
Die Kourtaliotiko-Schlucht durchschneidet das Hochland von Rethymno auf rund 3 Kilometern, ihre Kalksteinwände ragen bis zu 600 Meter über einem Fluss auf, der schließlich in den Strand von Preveli mündet. Den Namen verdankt die Schlucht dem kretischen Wort für Applaus – ein Verweis auf das Echo, das der Wind durch die Felswände trägt. Das ist einer der lohnendsten Kurzausflüge im Süden Kretas: Geologie, Legende, seltene Tierwelt und Flusslandschaft in einem kompakten, gut zugänglichen Paket.
- Höhlen von Matala
In die Sandsteinfelsen über einem der stimmungsvollsten Strände Südkretas gehauen, sind die Höhlen von Matala eine archäologische Freiluftanlage mit vielschichtiger Vergangenheit: römische Grabkammern, eine Verbindung zum minoischen Hafen und ein Kapitel aus den 1960ern, das diesem stillen Dorf einen unerwarteten Legendenstatus verlieh. Schon der Ausblick von der Felswand rechtfertigt den kleinen Eintrittspreis.
- Plakias Beach
Der Plakias Beach erstreckt sich über 1,3 Kilometer entlang der Südküste der kretischen Präfektur Rethymno – im Rücken Berge, vor dir das Libysche Meer. Eintritt frei, Blaue-Flagge-zertifiziert und deutlich ruhiger als die Resorts an der Nordküste. Wer die Fahrt nach Süden auf sich nimmt, wird belohnt.