Höhlen von Matala: Antike Gräber, Hippie-Geschichte und ein Strand darunter
In die Sandsteinfelsen über einem der stimmungsvollsten Strände Südkretas gehauen, sind die Höhlen von Matala eine archäologische Freiluftanlage mit vielschichtiger Vergangenheit: römische Grabkammern, eine Verbindung zum minoischen Hafen und ein Kapitel aus den 1960ern, das diesem stillen Dorf einen unerwarteten Legendenstatus verlieh. Schon der Ausblick von der Felswand rechtfertigt den kleinen Eintrittspreis.
Fakten im Überblick
- Lage
- Dorf Matala, Gemeinde Phaistos, Südkreta – ca. 68 km südwestlich von Heraklion
- Anfahrt
- Mit dem Auto ab Heraklion: ca. 1 Std. 15 Min. über die E75 und Landstraßen. KTEL-Busse fahren von Heraklion nach Matala (aktuellen Fahrplan vor Ort erfragen). Keine Direktverbindung ab Rethymno; mit dem Auto ca. 1,5 Std. einplanen.
- Zeitbedarf
- 1 bis 2 Stunden für die Höhlen; Strandzeit separat einplanen
- Kosten
- Kleiner Eintrittspreis (variiert je nach Saison); aktuellen Preis an der Kasse erfragen
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, Kulturreisende, Fotografen und alle, die einen Strandtag mit etwas Substanziellem verbinden möchten

Was die Höhlen von Matala eigentlich sind
Die Höhlen von Matala sind eine Reihe künstlich in einen Sandsteinfelsen gehauener Kammern, der sich am nördlichen Ende des Strandes von Matala an Kretas Südküste steil erhebt. Das Gelände ist eingezäunt und kostenpflichtig, und wird als archäologische Stätte verwaltet. Von unten sieht die Felswand fast aus wie ein Querschnitt durch eine Honigwabe: Dutzende dunkle, rechteckige Öffnungen in ungleichmäßigen Reihen übereinander, manche über gemeißelte Treppen erreichbar, andere nur von unten sichtbar.
Was dich im Inneren erwartet, unterscheidet sich von Kammer zu Kammer. Manche sind flache Nischen, in denen man kaum aufrecht stehen kann. Andere sind echte raumgroße Bereiche mit eingehauenen Bänken, Regalvertiefungen in den Wänden und kleinen Fensteröffnungen mit Blick aufs Meer. Der Sandstein selbst hat im Nachmittagslicht einen warmen Bernsteinton – porös und leicht rau unter den Fingern, an manchen Stellen zu einer fast skulpturalen Glätte abgeschliffen.
💡 Lokaler Tipp
Trag festes Schuhwerk mit gutem Profil. Die eingehauenen Stufen und Absätze sind durch jahrzehntelangen Besucherverkehr glatt geschliffen und können, besonders in schattigen Abschnitten, unerwartet rutschig sein.
Geschichte in Schichten: Von römischen Gräbern zum Hippie-Refugium
Die ältesten Kapitel der Höhlengeschichte sind unter Forschern noch immer umstritten. Einige gehen davon aus, dass die frühesten Höhlen möglicherweise aus der Jungsteinzeit stammen, doch der Großteil dessen, was Besucher heute sehen, wird römischer und frühchristlicher Grabnutzung zugeschrieben. Matala war in minoischer Zeit der Hafen von Phaistos und später unter römischer Herrschaft der Hafen von Gortys. Viele Höhlen wurden in der römischen und frühchristlichen Epoche als Grabkammern genutzt. Die eingehauenen Nischen und Vertiefungen, die in mehreren Kammern zu sehen sind, sprechen für diese Nutzung: bogenförmige Öffnungen (Arcosolia) und halbrunde oder rechteckige Wandnischen für Grabbeigaben.
Die Verbindung zu Phaistos, einer der bedeutendsten minoischen Palastanlagen Kretas, gibt Matala einen tieferen archäologischen Kontext. Wer die minoische Zivilisation auf der Insel weiterverfolgen möchte, findet den Minoischen Palast von Phaistos etwa 11 km nordöstlich – eine natürliche Ergänzung zu einem Matala-Besuch.
Das Kapitel, das Matala im modernen Bewusstsein verankert hat, kam fast zwei Jahrtausende später. In den 1960er-Jahren wurden die Höhlen zu einem Treffpunkt für eine lose Gemeinschaft internationaler Reisender, Künstler und Gegenkultur-Figuren, die die Kammern als inoffizielle Unterkunft nutzten. Joni Mitchell verbrachte Zeit in Matala (und schrieb das Lied „Carey" über einen Einheimischen), und die Identität des Dorfes hat etwas von dieser Ära dauerhaft aufgesogen. Die Behörden räumten die Höhlen schließlich, aber die Legende hat die Besiedlung überdauert. Lokale Cafés pflegen noch immer diesen Mythos, und ein kleines alljährliches Festival, das Matala Beach Festival, hält die Erinnerung jeden Sommer lebendig.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
Agiofarago and Matala beach private tour
Ab 88 €Kostenlose StornierungMelidoni Cave, Margarites, and more guided tour in Crete
Ab 116 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungCrete highlights day-tour with Cave of Zeus
Ab 540 €Sofortige BestätigungCave of Zeus & mountainous East Crete adventure private tour
Ab 590 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert
Wer morgens kommt – besonders vor 10 Uhr im Hochsommer – findet das Gelände noch relativ ruhig vor. Das Licht fällt flach und warm aus dem Osten ein, hebt die Textur des Sandsteins hervor und macht die Höhlenöffnungen fotogenischer als bei hartem Mittagslicht. Der Weg durch die untere Ebene der Kammern ist um diese Zeit noch kühler; der Fels hat noch die Kühle der Nacht in seinen schattigen Abschnitten gespeichert.
Im Juli und August wird es mittags sowohl am Strand als auch in den Höhlen eng. Das Gelände ist kompakt genug, dass fünfzig Besucher es bereits voll wirken lassen. Der Sandstein strahlt die morgendliche Hitze ab, und auf den oberen Absätzen gibt es kaum Schatten. Der späte Nachmittag ab etwa 16 Uhr ist wohl das beste Zeitfenster für Fotos: Die Sonne wandert nach Westen und leuchtet die Felswand direkt an, während der Andrang nachlässt, weil die Menschen ins Dorf oder an den Strand zurückschlendern. Das Meer dahinter nimmt in diesem Licht ein tiefes Blaugrün an.
Wer außerhalb der Saison kommt – besonders im April, Mai oder Oktober – erlebt eine völlig andere Atmosphäre. Das Gelände ist geöffnet, das Dorf still, der Strand fast leer, und die Höhlen haben eine nachdenkliche Qualität, die der Sommer verdeckt. Der Herbst passt besonders gut zum Ort: Die Luft ist noch warm, das Licht tiefer und weicher, und die Landschaft ringsum hat sich zu der fahl-goldenen Farbpalette eines kretischen Spätsommers ausgebleicht.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Höhlen sind nach Westen und Südwesten ausgerichtet. Für das beste Licht auf der Felswand und den Meerblick aus den oberen Kammern empfiehlt sich ein Besuch am späten Nachmittag statt mittags.
Rundgang durch das Gelände: Was dich erwartet
Der Eingang befindet sich am Fuß des Felsens, wo während der Öffnungszeiten ein Kassenbereich in Betrieb ist. Drinnen führt ein grober Pfad über eingehauene und natürliche Absätze aufwärts zu den verschiedenen Ebenen der Kammern. Die unterste Ebene ist am leichtesten zugänglich und vermittelt dir den besten Eindruck vom Ausmaß des Felsens. Höhere Ebenen erfordern etwas Klettergeschick und Trittsicherheit auf schmalen Vorsprüngen. Auf den oberen Abschnitten gibt es keine Geländer.
Im Inneren der einzelnen Kammern sind die Schnitzereien aus der Nähe wirklich beeindruckend: Du siehst Werkzeugspuren im Stein, die bewusste Formgebung von Schlaf- oder Ruheflächen und in manchen Fällen Inschriften oder Graffiti aus verschiedenen Epochen, die übereinander liegen. Die Zusätze aus der Hippie-Ära sitzen neben weit älteren Markierungen – eine seltsame Verdichtung von Zeit. Im Inneren der Höhlen riecht es kühl und leicht mineralisch, dieser typische Feuchtgesteinsgeruch, der selbst im trockenen Sommer anhält.
Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten wissen, dass weite Teile des oberen Höhlenbereichs ohne Klettern nicht erreichbar sind. Die unteren Kammern lassen sich vom Pfad aus einsehen, aber das vollständige Erlebnis erfordert das Navigieren unebener, eingehauener Stufen. Es gibt weder Aufzüge noch angepasste Routen. Familien mit kleinen Kindern kommen mit den unteren Bereichen in der Regel gut zurecht; auf den oberen Absätzen ist enge Aufsicht angebracht.
Der Strand von Matala und das Dorf darunter
Der Strand direkt unterhalb der Höhlen ist für viele Besucher der eigentliche Hauptgrund, hierher zu kommen – und beide Elemente ergänzen sich am besten zusammen. Der Strand von Matala ist ein kompakter Bogen aus grobem Sand, gesäumt von Tamarisken, mit einigen Sonnenliegen und ein paar Tavernen an der Promenade. Das Wasser ist klar und durch die Landzungen geschützt. Hier zu schwimmen und dann zurück zur höhlenübersäten Felswand hochzuschauen – das ist das prägende Bild dieses Ortes.
Das Dorf selbst ist klein und saisonal geprägt, mit dem üblichen Mix aus Touristenläden, Fischrestaurants und einigen Übernachtungsmöglichkeiten. Infrastrukturmäßig ist es kein Heraklion oder Chania – plane entsprechend. Für einen breiteren Überblick über die Strände dieser Küste lohnt sich ein Vergleich mit dem Strand von Plakias weiter westlich, und wer die Südküste weitläufiger bereist, sollte den Strand von Preveli nahe der Kourtaliotiko-Schlucht einplanen – in überschaubarer Fahrdistanz.
Praktische Hinweise und eine ehrliche Einschätzung
Das Gelände der Höhlen von Matala ist überschaubar. Die meisten gut zu Fuß gehenden Besucher brauchen 45 Minuten bis eine Stunde. Es kommt nicht annähernd an Umfang und Komplexität großer archäologischer Stätten wie Knossos oder Phaistos heran, und die Informationsvermittlung vor Ort ist minimal: Es gibt kaum Infotafeln, und das Vorhandene ist möglicherweise nicht in mehrere Sprachen übersetzt. Wer ein vollständig aufbereitetes, museumswürdiges Erlebnis erwartet, wird enttäuscht sein.
Was es stattdessen bietet, ist etwas Atmosphärischeres: direkter Kontakt mit Räumen, in denen Menschen über Jahrhunderte hinweg gelebt, gestorben und geschlafen haben – das Meer in den Fensteröffnungen gerahmt, Salzluft weht herein. Für Reisende, die dem größeren Bogen der kretischen Geschichte folgen, bringt eine Kombination mit einem Besuch der archäologischen Stätte Gortys – einst das Verwaltungszentrum von Matala – erheblich mehr Tiefe. Gortys liegt etwa 17 km nordöstlich.
Für wen es sich nicht lohnt: Reisende mit sehr wenig Zeit, die Kretas bedeutendste archäologische Stätten priorisieren; Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die unebenes Gelände nicht bewältigen können; oder Besucher, die rein strandfokussiert sind und die historische Ebene nicht interessiert. Der Strand von Matala ist gut, aber nicht außergewöhnlich – man kommt nicht allein wegen des Schwimmens hierher.
⚠️ Besser meiden
Öffnungszeiten und Eintrittspreise sind nicht ganzjährig festgelegt. Das Gelände ist in der Regel saisonal geöffnet, mit eingeschränktem Betrieb außerhalb des Sommers. Aktuelle Zeiten und Preise beim örtlichen Tourismusbüro oder bei der Ankunft erfragen – keine offizielle Website veröffentlicht diese Informationen in Echtzeit.
Anreise und Fortbewegung vor Ort
Am praktischsten erreichst du Matala ab Heraklion mit dem Auto – rund 68 km, etwa 1 Stunde und 15 Minuten über die Autobahn E75 Richtung Mires, dann südwärts auf Landstraßen durch Pitsidia. Die Fahrt durch die Messara-Ebene mit ihren Olivenhainen und Weinbergreihen ist landschaftlich schon für sich sehenswert.
KTEL-Busse verbinden Heraklion mit Matala, aber die Verbindungen sind selten und die Fahrpläne ändern sich saisonal – frag direkt am KTEL-Terminal in Heraklion nach, bevor du deine Planung auf den Bus aufbaust. Wer mit dem eigenen Auto die Südküste entlangfährt, kann Matala gut in eine größere Rundtour einbinden. Der Kreta-Roadtrip-Guide stellt Routenoptionen vor, die die Südküste von Rethymno bis Ierapetra einschließen.
Parken im Dorf ist kostenlos, aber in der Hochsaison knapp. Im Juli und August am besten vor 9 Uhr ankommen, um einen Platz nahe dem Strand zu sichern. Der Eingang zu den Höhlen ist ein kurzer Fußweg vom Hauptplatz des Dorfes entfernt.
Insider-Tipps
- Die obere Ebene der Höhlen, die etwas mehr Kletterbereitschaft erfordert, bietet durch eingehauene Fensteröffnungen einen Meerblick, der alles am Boden bei weitem übertrifft. Die meisten Besucher bleiben bei den unteren Kammern. Wer ein Stück höher klettert, hat sie meist ganz für sich.
- Das Matala Beach Festival findet in der Regel im Juni statt und lockt Massen in das sonst ruhige Dorf. Wer kein Interesse am Festival hat, sollte dieses Wochenende meiden – Unterkünfte sind ausgebucht und die Höhlen rappelvoll.
- Der kleine Supermarkt im Dorf und die Tavernen an der Strandpromenade sind für eine Mahlzeit in Ordnung, aber touristisch bepreist. Fahr lieber nach Pitsidia, etwa 3 km landeinwärts, für ein einfacheres und günstigeres Mittagessen in einem lokalen Kafeneio.
- Bring Wasser mit. Im Höhlengelände gibt es kein Trinkwasser, der Schattenanteil auf dem Kletterpfad ist gering, und der Sandstein heizt sich im Sommer stark auf. Ein Hut und 1,5 Liter Wasser pro Person sind keine Übertreibung.
- Für ein Foto der gesamten Felswand mit sichtbaren Höhlen gehst du zum südlichen Ende des Strandes von Matala und fotografierst zurück nach Norden. Direkt unterhalb der Wand verlierst du die Perspektive, die das Ganze erst wirklich beeindruckend macht.
Für wen ist Höhlen von Matala geeignet?
- Geschichtsreisende, die archäologisches Interesse mit einem Strandtag verbinden möchten
- Fotografen auf der Suche nach einem visuell markanten Motiv an Kretas Südküste
- Reisende, die sich für das Gegenkultururkapitel der mediterranen Geschichte interessieren
- Familien mit älteren Kindern, die mit unebenem Untergrund und kurzen Kletterpassagen klarkommen
- Roadtripper, die durch die Messara-Ebene fahren und einen lohnenswerten Stopp suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Plakias & Südküste:
- Agia Galini
Amphitheatralisch über der Messara-Bucht an der Südküste Kretas gelegen, ist Agia Galini ein kleines Fischerdorf mit steilen Gassen, einem geschützten Hafen und einem Strand nur 100 Meter vom Ortszentrum entfernt. Der Name bedeutet auf Griechisch „Heiliger Frieden" – und das passt für den größten Teil des Jahres durchaus.
- Kourtaliotiko-Schlucht
Die Kourtaliotiko-Schlucht durchschneidet das Hochland von Rethymno auf rund 3 Kilometern, ihre Kalksteinwände ragen bis zu 600 Meter über einem Fluss auf, der schließlich in den Strand von Preveli mündet. Den Namen verdankt die Schlucht dem kretischen Wort für Applaus – ein Verweis auf das Echo, das der Wind durch die Felswände trägt. Das ist einer der lohnendsten Kurzausflüge im Süden Kretas: Geologie, Legende, seltene Tierwelt und Flusslandschaft in einem kompakten, gut zugänglichen Paket.
- Matala Beach
Der Matala Beach an der Südküste Kretas ist anders als jeder andere Strand auf der Insel. Eine 250 Meter lange Blue-Flag-Bucht, flankiert von Klippenhöhlen, die einst als römische Grabkammern und später als Hippie-Unterkünfte der 1960er Jahre dienten – ein Ort für neugierige Reisende, die Geschichte und einen guten Badetag miteinander verbinden wollen.
- Plakias Beach
Der Plakias Beach erstreckt sich über 1,3 Kilometer entlang der Südküste der kretischen Präfektur Rethymno – im Rücken Berge, vor dir das Libysche Meer. Eintritt frei, Blaue-Flagge-zertifiziert und deutlich ruhiger als die Resorts an der Nordküste. Wer die Fahrt nach Süden auf sich nimmt, wird belohnt.