Radfahren in Kopenhagen: Die Stadt auf dem Fahrrad entdecken
Kopenhagen hat rund 350 km physisch getrennte Radwege, und fast die Hälfte aller Berufstätigen und Studierenden fährt täglich mit dem Rad. Dieser Guide erklärt, wo du ein Fahrrad leihst, welche Routen sich lohnen, welche Regeln gelten und wann die beste Reisezeit ist.

Kurzfassung
- Kopenhagen hat rund 350 km physisch getrennte Radwege und gehört damit zu den fahrradfreundlichsten Städten der Welt.
- Bycyklen ist das offizielle E-Bike-Sharing-System, aber es ist nicht kostenlos. Für längere Aufenthalte sind Fahrradverleihgeschäfte meist die bessere Wahl.
- Das flache Gelände und die breiten Radwege machen das Radfahren für die meisten Besucher problemlos möglich. Lies auch Kopenhagen – so kommst du überall hin, um zu verstehen, welche Rolle das Rad im Gesamtverkehr spielt.
- Für Radfahrer gelten dieselben Verkehrsregeln wie für Autofahrer. Die Kopenhagener nehmen die Fahrradetikette sehr ernst.
- Mai bis September ist die beste Zeit für Besucher, aber die Infrastruktur ermöglicht Radfahren das ganze Jahr – im Winter haben Radwege bei der Schneeräumung Vorrang.
Warum Kopenhagen wie gemacht fürs Radfahren ist

Radfahren in Kopenhagen ist kein Lifestyle-Trend und kein Touristengimmick. Es ist die dominierende Fortbewegungsart für Menschen, die in der Stadt arbeiten oder studieren – rund 45 % fahren an einem normalen Tag mit dem Rad zur Arbeit oder Uni. Die Infrastruktur spricht für sich: Die meisten Radwege sind durch Bordsteine oder Barrieren physisch vom Autoverkehr getrennt – keine bloßen Markierungen auf der Fahrbahn. Das ist ein entscheidender Unterschied für alle, die beim Radfahren in der Stadt etwas mulmig ist. Du teilst dir keine Spur mit Autos auf einer belebten Straße, sondern fährst auf einem eigens für Fahrräder angelegten Weg.
Die Stadt selbst ist nahezu vollkommen flach und kompakt. Das Stadtgebiet Kopenhagens umfasst etwa 86 Quadratkilometer, weshalb viele Sehenswürdigkeiten vom Stadtzentrum aus in 15 bis 25 Minuten per Rad erreichbar sind. Das Kanalbezirk Christianshavn, der Palast Amalienborg, die Gärten des Rosenborg, die unabhängigen Cafés in Nørrebro, die Hafenbäder an der Islands Brygge – all das liegt in bequemer Fahrraddistanz zueinander. Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten ist Kopenhagen eine entspannte Stadt fürs Radfahren.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Radwegenetz Kopenhagens beschränkt sich nicht auf die Stadt selbst. Die regionalen Super Cycle Highways bilden ein 500 km langes Netz aus 26 benannten und ausgeschilderten Routen, die Kopenhagen mit den umliegenden Vororten und Gemeinden verbinden.
Ein Fahrrad bekommen: Verleih, Bycyklen und Kauf

Bycyklen ist Kopenhagens offizielles Bike-Sharing-System und wird in den meisten Reiseführern als erste Empfehlung genannt. Es nutzt GPS-gestützte E-Bikes an Stationen in der ganzen Stadt. Die elektrische Unterstützung ist praktisch, wenn du Gepäck dabei hast oder gegen den Wind über die Hafenbrücken fährst. Bycyklen ist jedoch bei regelmäßiger Nutzung nicht billig, und die E-Bikes sind schwerer als normale Stadträder, was auf schmaleren Radwegen etwas sperrig wirken kann. Für eine kurze Einzelfahrt funktioniert es gut – für einen ganzen Tag auf dem Rad läppert sich der Preis schnell zusammen.
Private Fahrradverleihgeschäfte, die über Indre By und in der Nähe großer Hotels verteilt sind, bieten in der Regel normale Stadträder, Lastenräder und Kinderräder tage- oder wochenweise an. Die Preise variieren, aber rechne mit ungefähr 100 bis 200 DKK pro Tag für ein Standardrad – mit Rabatt bei mehrtägiger Miete. Viele Shops bieten Helme, Schlösser und Körbe gegen Aufpreis an. Wenn du mehr als vier oder fünf Tage bleibst, lohnt sich ein Vergleich der Mietkosten mit dem Stundentarif von Bycyklen. Für Familien sind Lastenräder – auch „Christiania-Bikes" genannt, nach dem Stadtteil, in dem sie populär wurden – eine praktische Option: Sie können zwei oder drei Kinder in einer Frontbox transportieren, und mehrere Shops in der Stadt haben sich darauf spezialisiert.
- Bycyklen (E-Bike-Sharing) Ideal für spontane Kurzfahrten oder wenn du ohne Plan ankommst. Für den ganztägigen Einsatz nicht die günstigste Option. Erfordert App-Einrichtung und eine Zahlungskarte.
- Private Fahrradverleihgeschäfte Besseres Preis-Leistungs-Verhältnis für Tages- oder Mehrtagestouren. Normale Stadträder sind leichter und handlicher als die E-Bikes von Bycyklen. Frag nach Versicherung und Schlossrichtlinien.
- Lastenräder (Christiania-Bikes) Eine praktische Option für Familien oder wenn du viel Gepäck dabei hast. Erhältlich in Fachgeschäften. Man muss sich etwas an den größeren Wendekreis gewöhnen.
- Gebrauchtes Fahrrad kaufen Wenn du drei Wochen oder länger bleibst, kann es günstiger sein, ein Gebrauchtrad im Secondhand-Shop oder online zu kaufen und es vor der Abreise wieder zu verkaufen. Die Qualität schwankt allerdings stark.
⚠️ Besser meiden
Fahrraddiebstahl ist in Kopenhagen ein echtes Problem, selbst mit gutem Schloss. Verwende immer ein hochwertiges Bügelschloss durch den Rahmen und sichere das Rad an einer festen Struktur. Viele Mietfahrräder haben eingebaute Radschlösser, aber die allein reichen nicht aus. Sicher den Rahmen, nicht nur das Rad.
Verkehrsregeln – und die ungeschriebenen dazu
Das dänische Straßenverkehrsrecht gilt für Radfahrer genauso wie für Autofahrer. Rote Ampeln bedeuten Stopp. Abbiegen muss mit dem Arm angezeigt werden. Alkohol am Lenker kann Bußgelder und weitere Strafen nach sich ziehen. Das sind keine unverbindlichen Empfehlungen. Die Kopenhagener Polizei verhängt tatsächlich Bußgelder gegen Radfahrer, und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Neben den gesetzlichen Vorschriften gibt es eine Reihe ungeschriebener Regeln, die Kopenhagener instinktiv befolgen und die Besucher oft unabsichtlich verletzen. Halte dich rechts auf den Radwegen. Überholen ist links, und vorher wird gezeichnet. Halte nicht abrupt mitten auf einem Radweg an, um dein Handy zu checken oder ein Foto zu machen – zieh dich dafür an den Rand. An großen Kreuzungen links abzubiegen funktioniert so: Fahre auf die gegenüberliegende Seite, halte an und warte dann auf die neue Grünphase, bevor du in die neue Richtung weiterfährst. So vermeidest du, schnell fahrenden Verkehr zu queren – und so machen es die Einheimischen.
💡 Lokaler Tipp
Schau vor dem Rechtsabbiegen immer über die rechte Schulter. In Kopenhagen können von hinten herannahende Radfahrer auf dem Radweg sehr nah sein. Rechtsabbiegen ohne Schulterblick ist der häufigste Grund für Kollisionen zwischen Touristen und Radfahrern. Einheimische machen das instinktiv; Besucher oft nicht.
Helme sind in Dänemark für Erwachsene nicht vorgeschrieben, werden aber empfohlen – besonders für Kinder. Die meisten Verleihgeschäfte bieten Helme gegen einen kleinen Aufpreis an. Ob du einen trägst, ist deine Entscheidung – aber wundere dich nicht, wenn du siehst, dass die große Mehrheit der Kopenhagener ohne Helm fährt, besonders auf kurzen Stadtfahrten.
Die besten Routen für Besucher: Von Sightseeing-Runden bis zu längeren Touren

Der praktischste Einstieg fürs Radfahren als Besucher ist die Strecke zwischen dem Nyhavn-Kanal und der Kleinen Meerjungfrau entlang der Langelinie. Diese Strecke folgt dem Hafenufer durch Kastellet und vermittelt ein klares Gefühl für Kopenhagens Maßstab und seinen Charakter als Hafenstadt. Die Strecke ist etwa 3 bis 4 km in eine Richtung, fast vollständig flach und verbindet mehrere der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt in einer einzigen Fahrt.
Für eine intensivere Stadtrunde bietet sich die Tour vom Stadtzentrum durch Nørrebro und zurück durch Østerbro an – zwei der charakteristischsten Wohnviertel der Stadt auf rund 10 bis 12 km. Nørrebro ist dichter besiedelt, multikultureller, mit unabhängigen Food-Spots und dem überraschend ruhigen Assistens Friedhof, wo Hans Christian Andersen begraben ist. Østerbro ist ruhiger und weitläufiger, mit großzügigen Parkflächen im Fælledparken. Diese Runde eignet sich besonders gut an einem Wochentag am Morgen, wenn weniger Verkehr ist.
Die 13 km lange, von der Stadt ausgeschilderte Kopenhagen-Tour-de-France-Route führt an wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei und wurde speziell für Besucher konzipiert, die eine strukturierte Sightseeing-Runde wollen. Sie führt durch Christianshavn, entlang der Hafenfront und durch die Innenstadt. Wer noch weiter fahren möchte: Die Hafenbrücke Cykelslangen führt direkt nach Vesterbro, wo das ehemalige Schlachthofviertel zu einem der interessantesten Gastro- und Barquartiere der Stadt geworden ist.
- Nyhavn zur Kleinen Meerjungfrau über die Langelinie: 3–4 km, vollständig flach, Hafenblick, familienfreundlich
- Stadtzentrum nach Nørrebro und zurück durch Østerbro: 10–12 km, Wohnviertelcharakter, Parks, Friedhof
- Kopenhagen Tour-de-France-Route: 13 km, ausgeschildert, wichtige Sehenswürdigkeiten, ideal für Erstbesucher
- Hafenbrücken-Runde (Cykelslangen nach Vesterbro und Christianshavn): 8–10 km, moderne Infrastruktur, Hafenquerungen
- Amager Strandpark: 15–20 km Hin- und Rückfahrt vom Zentrum, folgt der Küste zu einem Strandpark am östlichen Rand der Insel
Radfahren nach Jahreszeit: Wann lohnt sich ein Besuch?

Mai bis September ist die beste Zeit für Besucher, die mit dem Rad unterwegs sein wollen. Die Tage sind lang, die Temperaturen liegen zwischen etwa 13 °C im Mai und 22 °C auf dem Höhepunkt von Juli und August, und das Stadtleben spielt sich weitgehend draußen ab. In den Sommermonaten sind die Radwege am stärksten frequentiert, was zur Stoßzeit etwas voll werden kann – aber das funktioniert im Großen und Ganzen gut. In den Übergangsmonaten Mai und September ist es angenehm warm bei etwas weniger Betrieb.
Radfahren im Winter ist in Kopenhagen kein Mythos. Die Stadt hält die Radwege aktiv frei – auf den meistgenutzten Strecken hat Schnee- und Eisräumung Vorrang. Von Dezember bis Februar liegen die Temperaturen typischerweise zwischen 0 °C und 4 °C. Kalt, aber mit den richtigen Schichten machbar. Ehrlich gesagt sind für Besucher die kurzen Tage und nassen Bedingungen im Winter als Sightseeing-Erfahrung auf dem Rad wenig verlockend – als Fortbewegungsmittel funktioniert es aber tadellos. Wer hauptsächlich im Winter reist, kann durchaus Rad fahren, aber es wird wohl nicht das Herzstück der Stadterkundung sein.
✨ Profi-Tipp
Oktober kann einer der schönsten Monate fürs Radfahren in Kopenhagen sein, wenn du einen Trockenheitssommer erwischst. Weniger Touristenandrang als im Sommer, das Herbstlicht an Kanälen und Parks ist wunderbar fürs Fotografieren, und Temperaturen von 7–13 °C sind mit einer leichten Jacke gut zu händeln. Schau vor deiner Reise in die Wettervorhersage für Kopenhagen im Oktober, da es von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein kann.
Radfahren und Sightseeing: Fahrradtouren mit Sehenswürdigkeiten verbinden

Eine der effizientesten Möglichkeiten, das Fahrrad in Kopenhagen zu nutzen, ist die Kombination mit Sehenswürdigkeiten, die über die ganze Stadt verteilt sind. Schloss Rosenborg und der umliegende Königsgarten liegen nur eine kurze Fahrt vom Stadtzentrum entfernt und bieten sich als natürliche Zwischenstation an. Von dort aus führt die Route nordwärts durch Østerbro zum Hafen an der Langelinie und dann zurück durch die Altstadt – ein ganzer Sightseeing-Vormittag ohne viel Hin- und Herfahren.
Wer mehr Zeit hat, für den ist die Fahrt zur Freistadt Christiania in Christianshavn eine natürliche Verlängerung jeder Hafenrunde. Das Viertel pflegt seine eigene autofreie Kultur, sodass das Ankommen per Rad einfach passt. Etwas weiter weg ist der Amager Strandpark vom Zentrum in etwa 30 bis 40 Minuten mit dem Rad erreichbar und an einem warmen Sommernachmittag ein lohnenswertes Ziel.
Wenn du das Fahrrad über mehrere Tage als Hauptfortbewegungsmittel nutzt, ist die Copenhagen Card für dich möglicherweise weniger relevant als für jemanden, der auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Vergleiche die Mietkosten mit dem ÖPNV-Wert der Karte, bevor du dich für eine der beiden Optionen entscheidest.
Häufige Fragen
Ist Radfahren in Kopenhagen auch für Touristen sicher, die keine Erfahrung mit dem Stadtradeln haben?
Im Großen und Ganzen ja, solange du die grundlegenden Regeln befolgst. Die physisch getrennten Radwege bedeuten, dass du kaum mit schnell fahrendem Autoverkehr in Berührung kommst. Das größte Risiko sind Kollisionen mit anderen Radfahrern – besonders wenn du unvorhersehbar anhältst oder in den falschen Teil des Radwegs abdriftest. Halte dich rechts, zeige deine Bewegungen an und nutze dein Handy nicht während der Fahrt. Die meisten Besucher gewöhnen sich innerhalb eines halben Tages daran.
Was kostet es, in Kopenhagen ein Fahrrad zu leihen?
Private Verleihshops verlangen in der Regel rund 100 bis 200 DKK pro Tag für ein normales Stadtrad, mit niedrigeren Tagessätzen bei mehrtägiger Miete. Bycyklen berechnet den E-Bike-Verleih stundenweise über eine App. Für einen ganzen Tag ist privater Verleih in der Regel günstiger als Bycyklen. Aktuelle Preise direkt beim Anbieter prüfen, da sie sich ändern können.
Brauche ich in Kopenhagen einen Helm beim Radfahren?
Für Erwachsene ist das Tragen eines Helms in Dänemark nicht vorgeschrieben. Du wirst sehen, dass die Mehrheit der Einheimischen ohne Helm fährt. Trotzdem ist ein Helm sinnvoll – besonders für Kinder oder wer längere Strecken plant. Die meisten Verleihshops bieten Helme gegen einen kleinen Aufpreis an.
Kann ich ein Mietfahrrad in der Kopenhagener Metro oder im S-Bahn-Netz mitnehmen?
Fahrräder sind in der Regel außerhalb der Hauptverkehrszeiten in S-Bahnen erlaubt, abhängig von verfügbarem Platz und spezifischen Regeln. In der Metro sind sie in der Regel nicht gestattet. Prüfe die aktuellen Regelungen bei Rejseplanen oder beim Verkehrsbetrieb vor deiner Reise, da Regeln und Einschränkungen je nach Tageszeit und Strecke variieren können.
Welche Radroute empfiehlt sich für Erstbesucher in Kopenhagen?
Die Strecke von Nyhavn entlang des Hafens zur Kleinen Meerjungfrau an der Langelinie ist der einfachste Einstieg: flach, gut ausgeschildert und führt an mehreren wichtigen Wahrzeichen vorbei – alles auf 3 bis 4 km. Die ausgeschilderte 13 km lange Tour-de-France-Route ist die beste Wahl, wenn du eine strukturierte Stadtrunde möchtest, die eine breite Palette an Vierteln und Sehenswürdigkeiten abdeckt.