Kastellet: Innen in Kopenhagens Sternfestung aus dem 17. Jahrhundert
Das Kastellet, offiziell Citadel Frederikshavn, ist eine Sternfestung mit fünf Bastionen aus dem Jahr 1664, die bis heute als aktiver Militärstützpunkt genutzt wird und gleichzeitig kostenlos für Besucher offensteht. Mit seinem wasserumschlossenen Wall, einer funktionsfähigen Windmühle und ruhigen Innengassen gehört es zu den ungewöhnlichsten Freiräumen Kopenhagens.
Fakten im Überblick
- Lage
- Gl. Hovedvagt, Kastellet 1, 2100 København Ø, Østerbro
- Anfahrt
- Østerport Station (Zug/S-Tog), direkt gegenüber dem westlichen Eingang
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten für eine vollständige Runde über Wall und Innengelände
- Kosten
- Kostenlos – kein Ticket erforderlich
- Am besten für
- Geschichtsinteressierte, Spaziergänger, Fotografen, Familien mit Kindern
- Offizielle Website
- www.forsvaret.dk/da/side/kastellet/

Was ist das Kastellet?
Das Kastellet, offiziell bekannt als Citadel Frederikshavn, ist eine Sternfestung mit fünf Bastionen im Kopenhagener Stadtteil Østerbro und eine der besterhaltenen Befestigungsanlagen der Renaissancezeit in Nordeuropa. Gebaut zwischen 1662 und 1665 unter König Frederik III., mit dem niederländischen Militärarchitekten Henrik Rüse als Bauleiter, ersetzte das Kastell eine frühere Festungsanlage, die König Christian IV. 1626 an derselben Stelle hatte errichten lassen. Die ersten Soldaten marschierten am 28. Oktober 1664 durch seine Tore – ein Datum, das noch heute als offizieller Geburtstag der Festung gilt.
Was das Kastellet wirklich besonders macht: Es ist kein Museum im herkömmlichen Sinne. Die dänischen Streitkräfte betreiben innerhalb der Wälle weiterhin aktive Einrichtungen, das heißt, Besucher schlendern durch einen funktionierenden Militärstützpunkt, vorbei an Verwaltungsgebäuden und Kasernen – und gleichzeitig nutzen Kopenhagener Jogger jeden Morgen dieselben Wallpfade. Diese Kombination aus 360 Jahren Festungsarchitektur und lebendigem Institutionsbetrieb gibt dem Ort einen Charakter, den kaum eine andere historische Sehenswürdigkeit der Stadt bieten kann.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Kastellet ist täglich geöffnet: im Winterhalbjahr von 06:00 bis 20:00 Uhr, im Sommerhalbjahr von 06:00 bis 22:00 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Der Zugang zu militärischen Gebäuden im Inneren ist auf autorisiertes Personal beschränkt.
Die Architektur: Den Stern lesen
Vom Boden aus lässt sich die Geometrie des Kastellets kaum erfassen. Die fünfzackige Sternform mit ihren vorstehenden, winkeligen Bastionen war eine bewusste Antwort auf die Schwächen mittelalterlicher Rundtürme: Eine Sternfestung eliminiert tote Winkel, weil das Kanonenfeuer jeder Bastion die jeweils angrenzenden Mauern bestreichen kann. Wer die vollständige Runde auf den äußeren Wällen läuft, begreift die Logik auf physische Weise: Jeder Winkel deckt den nächsten – kein Mauerabschnitt bleibt ungeschützt.
Der Wassergraben, der die Anlage umschließt, ist noch immer gefüllt und beeindruckend gut erhalten. Wasservögel haben ihn gründlich in Besitz genommen, und an stillen Morgen erzeugen die Spiegelungen der Erdwälle und alten Kasernen Bildkompositionen, die Fotografen das ganze Jahr anziehen. Das Wallgras ist gepflegt, und die Wege sind breit genug, dass Fußgänger und Radfahrer sie bequem teilen können – auch wenn die Böschungen zum Graben hin stellenweise steil abfallen.
Architektonisch ist das Kastellet eindeutig der niederländischen Festungsbauschule zuzuordnen, die durch Erdwälle statt hohe Steinmauern gekennzeichnet ist – Erde absorbiert Kanonenbeschuss deutlich besser als Stein. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie sich das in Kopenhagens breitere Architekturgeschichte einfügt, findet im Kopenhagen Design- und Architekturguide einen umfassenden Überblick über das gebaute Erbe der Stadt vom 17. Jahrhundert bis heute.
Hinter den Mauern: Was du wirklich siehst
Wer durch das westliche Haupttor von Østerport eintritt, überquert eine kurze Brücke über den Graben und passiert einen niedrigen Torbogen – und steht plötzlich in einem gepflasterten Innenbereich, der für seine Nähe zur Innenstadt überraschend ruhig wirkt. Der innere Grundriss ist übersichtlich: Eine zentrale Achse verbindet das westliche mit dem östlichen Tor, gesäumt von langen, gelb gestrichenen Kasernengebäuden aus dem 18. Jahrhundert, die noch immer militärisch genutzt werden.
Das meistfotografierte Bauwerk im Inneren ist die Kastellet-Windmühle, eine sorgfältig restaurierte Mühle aus dem 18. Jahrhundert, die auf dem Nordwall steht. Sie ist eine der wenigen verbliebenen Windmühlen innerhalb der Kopenhagener Stadtgrenzen und bietet vom Wallweg aus einen starken kompositorischen Ankerpunkt für Fotos. Ganz in der Nähe, knapp außerhalb des östlichen Tors mit Blick auf den Churchill Park, steht die St.-Albans-Kirche – eine anglikanische Kirche aus dem Jahr 1887 im englischen Neugotikstil. Ihr Turm und die rotbacksteinerne Fassade bilden einen starken Kontrast zu den Erdwällen der Festung.
Der Friedhof neben St. Albans enthält Gräber aus verschiedenen Epochen, und der Bereich östlich der Festung öffnet sich zur Parkanlage rund um das Museum für dänischen Widerstand. Der Übergang von der Festung über den Park bis hin zum Hafen ist zu Fuß nahtlos – das macht diesen Winkel Østerbros zu einem der schönsten Spaziergänge der Stadt.
Tageszeiten: Wie das Kastellet sich verändert
Die frühen Morgenstunden von 06:00 bis etwa 08:30 Uhr gehören fast ausschließlich den Einheimischen. Jogger laufen in gleichmäßigem Strom die Wälle entlang, Hundehalter queren die Innengassen, und das Licht im Frühling und Sommer trifft das Grabenwasser in einem flachen Winkel, der dem ganzen Ort ein warmes Leuchten verleiht. Das Kopfsteinpflaster ist noch feucht, die gelben Gebäude strahlen im Morgenlicht am stärksten, und Touristen sind kaum zu sehen. Das ist das beste Zeitfenster für ungestörte Fotografie.
Gegen Vormittag, vor allem zwischen 10:00 und 13:00 Uhr an Sommertagen, treffen Reisegruppen aus Richtung der Kleinen Meerjungfrau ein, die etwa fünf Fußminuten nordöstlich am Ufer liegt. Der Andrang im Kastellet selbst wird selten erdrückend, aber der Bereich am östlichen Tor kann sich stauen, wenn mehrere Gruppen gleichzeitig aufeinandertreffen. Der Zugang vom westlichen Tor bei Østerport bleibt den ganzen Tag über durchgehend ruhiger.
Das nachmittägliche Licht in der goldenen Stunde vor Sonnenuntergang – besonders von Mai bis September – wirft die längsten Schatten über die winkligen Wälle und spiegelt sich warm im Graben. Das Gelände schließt um 22:00 Uhr, sodass Sommerabendbesuche noch viel Zeit bei wirklich angenehmen Bedingungen lassen, nachdem sich die Reisegruppen längst verteilt haben.
💡 Lokaler Tipp
Für die beste Kombination aus Licht und Ruhe empfiehlt sich eine Ankunft vor 08:00 Uhr im Sommer oder gegen 09:00 Uhr in der Nebensaison. Die Wallrunde dauert in gemächlichem Tempo etwa 25 Minuten.
Historische Tiefe: Von der königlichen Festung zur deutschen Besatzung
Das Kastellet hat über drei Jahrhunderte dänischer Militär- und Politikgeschichte in sich aufgesogen. Es erfüllte eine Verteidigungsfunktion während der Kopenhagener Seeschlacht Anfang des 19. Jahrhunderts, und die britische Bombardierung der Stadt im Jahr 1807 hinterließ Spuren in der Umgebung. Im Zweiten Weltkrieg besetzten deutsche Streitkräfte die Festung nach dem Einmarsch in Dänemark im April 1940 und nutzten sie als Operationsbasis. Dass das Museum für dänischen Widerstand direkt vor dem östlichen Tor liegt, ist kein Zufall: Der thematische Schwerpunkt des Museums ist geografisch in diesem Teil der Stadt verwurzelt.
Das Museum für dänischen Widerstand ist nur wenige Gehminuten vom östlichen Tor des Kastellets entfernt und beleuchtet die Besatzungszeit ausführlich. Wer beide Orte kombiniert, bekommt einen fokussierten halben Tag zur dänischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Im Laufe seiner Geschichte diente das Kastellet auch als Gefängnis. Die Festungskirche innerhalb der Wälle stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist eines der ältesten noch aktiv genutzten Kirchengebäude Kopenhagens. Das Innere ist für Touristen in der Regel nicht zugänglich, aber das Äußere und seine Einbettung in die Festungsgeometrie sind durchaus sehenswert.
Anreise und Orientierung
Der direkteste Anlaufpunkt ist der Østerport Bahnhof, der unmittelbar westlich der Festung liegt und von S-Tog-Linien sowie Regionalzügen bedient wird. Vom Kopenhagener Hauptbahnhof dauert die Fahrt mit dem S-Tog unter zehn Minuten. Die Metro hält nicht an Østerport; wer mit der Metro anreist, steigt am besten an der Kongens Nytorv aus und läuft von dort etwa 15 Minuten nordwärts entlang der Hafenfront – mit Nyhavn auf dem Weg.
Mit dem Fahrrad lässt sich das Kastellet hervorragend in eine längere Route einbauen. Die Festung liegt natürlich zwischen Nyhavn im Süden und Die Kleine Meerjungfrau im Nordosten und bildet so Teil einer logischen Hafenrunde, die viele Besucher in zwei bis drei Stunden mit dem Rad absolvieren.
Der Haupteingang auf der Westseite ist eben und ebenerdig zugänglich. Die Wallpfade haben spürbare Steigungen, und die gepflasterten Innenflächen können stellenweise uneben sein. Besucher mit Mobilitätseinschränkungen sollten beachten, dass keine spezifischen Barrierefreiheitsangebote für das Gelände dokumentiert sind und das Terrain nicht durchgehend eben ist.
Für wen es enttäuschend sein könnte
Das Kastellet ist kein Museum mit geführten Ausstellungen, Audioguides oder Erklärungstafeln, die erläutern, was man gerade sieht. Die Geschichte steckt im baulichen Gefüge des Ortes, aber wer ohne Vorwissen ankommt, sieht womöglich hauptsächlich alte gelbe Kasernen und Grashügel. Das Erlebnis belohnt Neugier und Vorbereitung – passives Sightseeing reicht hier nicht.
Wer auf Panoramablicke über die Stadt hofft, wird die Wälle eher bescheiden finden. Die Sichtlinien gehen über den Graben und in den grünen Churchill Park – angenehm, aber nicht dramatisch. Die Festung liegt praktisch auf Meereshöhe, also gibt es keinen erhöhten Aussichtspunkt über die Kopenhagener Skyline.
Wer dänische Geschichte kompakt und kuratorisch aufbereitet erleben möchte, ist im Nationalmuseum Dänemark oder auf Schloss Rosenborg besser aufgehoben. Das Kastellet funktioniert am besten als Teil eines größeren Spaziergangs – weniger als eigenständiges Ziel.
Fotografie und praktische Hinweise
Da das Kastellet ein aktiver Militärstandort ist, solltest du aus Respekt und angesichts des zivil-militärischen Charakters des Geländes darauf verzichten, Militärpersonal oder gesperrte Gebäude zu fotografieren. Das Festungsgelände, die Wälle, der Graben, die Windmühle und die Kirche sind allesamt geeignete Motive – und das Gelände wird ohne Probleme weiträumig fotografiert.
Drohnenfotografie unterliegt den dänischen Luftfahrtvorschriften, und angesichts der aktiven militärischen Nutzung des Geländes ist es nicht ratsam, über dem Kastellet ohne Genehmigung eine Drohne zu fliegen. Informiere dich vor einem Luftfotografieversuch über die aktuellen Regeln der dänischen Zivilluftfahrtbehörde.
⚠️ Besser meiden
Das Kastellet ist ein aktiver Militärbereich. Respektiere gesperrte Zonen, fotografiere keine Militärpersonen oder sicherheitsrelevante Infrastruktur und halte dich auf den ausgewiesenen Wegen und öffentlich zugänglichen Bereichen.
Trag festes Schuhwerk mit gutem Profil. Die Wallwege können nach Regen matschig sein, besonders im Herbst und Winter, und die Grashänge zum Graben hin sind bei Nässe rutschig. Im Inneren der Festung gibt es keine Cafés oder sonstigen Einrichtungen – bring im Sommer also etwas zu trinken mit.
Insider-Tipps
- Betritt die Festung am westlichen Tor nahe Østerport und nicht von der Seite der Kleinen Meerjungfrau. Der westliche Zugang ist ruhiger, zeigt dir gleich zu Beginn die Hauptachse der Anlage und führt dich am direktesten zur Windmühle auf dem Nordwall.
- Die Wallrunde lässt sich am besten gegen den Uhrzeigersinn vom westlichen Tor aus gehen: So kommst du früh an der Windmühle vorbei und sparst dir den Blick über den Churchill Park für den Rückweg, wenn die meisten Besucher in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind.
- Kombiniere das Kastellet mit dem Langelinie-Uferweg und der Kleinen Meerjungfrau zu einer einzigen 90-minütigen Runde, anstatt sie als separate Stopps zu behandeln. Das östliche Tor führt direkt in den Park, der alle drei Sehenswürdigkeiten verbindet.
- Im Winter friert der Graben manchmal teilweise zu, und das tiefe Winterlicht erzeugt markante, grafische Spiegelungen im noch offenen Wasser. Von November bis Februar ist das Gelände deutlich weniger besucht und hat eine ganz eigene Atmosphäre, die sich wirklich lohnt.
- Die Copenhagen Card deckt den öffentlichen Nahverkehr bis Østerport ab, wird für den Eintritt ins Kastellet aber nicht benötigt, da er kostenlos ist. Ob sich die Karte insgesamt lohnt, hängt von deinen anderen Ausflügen ab – dazu gibt es eine ausführliche Aufschlüsselung im Copenhagen-Card-Guide.
Für wen ist Kastellet geeignet?
- Geschichtsinteressierte mit Vorliebe für Militärarchitektur und skandinavischen Festungsbau
- Spaziergänger und Radfahrer, die eine Route entlang des Hafens von Nyhavn bis zur Kleinen Meerjungfrau planen
- Fotografen, die geometrische Kompositionen, Spiegelungen und Morgenlicht ohne Menschenmassen suchen
- Familien, die einen grünen Außenbereich mit Wegen und offenen Wällen wollen, auf denen Kinder frei herumlaufen können
- Besucher mit knappem Budget, die sehenswertes Sightseeing ohne Kosten suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Østerbro:
- Fælledparken
Der Fælledparken ist ein weitläufiger Park im Kopenhagener Stadtteil Østerbro. Er steht rund um die Uhr kostenlos offen – für Läufer auf dem 3,5 km langen Rundweg, Familien auf dem Verkehrsspielplatz, Skater in einem der bestausgestatteten Outdoor-Skateparks Skandinaviens und alle, die einfach Gras und Himmel genießen wollen. Kein Ticket, kein Gedränge.
- Langelinie-Promenade
Die Langelinie ist eine kostenlose Freiluftpromenade entlang Kopenhagens innerem Hafen in Østerbro. Sie verbindet den Gefionbrunnen, die Festung Kastellet und die berühmte Kleine Meerjungfrau auf einer einzigen begehbaren Route – und gehört damit zu den meistbesuchten Außenbereichen der Stadt, besonders an klaren Morgen und lauen Sommerabenden.
- Museum of Danish Resistance
Das Frihedsmuseet erzählt die Geschichte der fünfjährigen deutschen Besatzung Dänemarks – durch rekonstruierte Räume, persönliche Gegenstände und schonungslose historische Details. Im Churchillparken gelegen, ist es eines der klügsten Museen Kopenhagens und ein echtes Gegengewicht zu den leichteren Sehenswürdigkeiten der Stadt.
- Die kleine Meerjungfrau
Die kleine Meerjungfrau ist Kopenhagens meistfotografiertes Wahrzeichen: eine bescheidene Bronzestatue mit einer überraschend reichen Kulturgeschichte. Kostenlos zu jeder Stunde zugänglich, sitzt sie auf einem Felsen am Langelinie-Ufer in Østerbro und blickt still über den Øresund. Hier erfährst du, wie ein Besuch wirklich aussieht – und wie du das Beste daraus machst.