Die kleine Meerjungfrau (Den lille Havfrue): Was du vor dem Besuch wissen solltest
Die kleine Meerjungfrau ist Kopenhagens meistfotografiertes Wahrzeichen: eine bescheidene Bronzestatue mit einer überraschend reichen Kulturgeschichte. Kostenlos zu jeder Stunde zugänglich, sitzt sie auf einem Felsen am Langelinie-Ufer in Østerbro und blickt still über den Øresund. Hier erfährst du, wie ein Besuch wirklich aussieht – und wie du das Beste daraus machst.
Fakten im Überblick
- Lage
- Langelinie, 2100 København Ø, Østerbro
- Anfahrt
- Bahnhof Østerport (S-Bahn/Metro), dann 10–15 Min. zu Fuß; oder Bus 23, 27 oder 2A bis Indiakaj
- Zeitbedarf
- 15–30 Minuten an der Statue; 45–60 Minuten mit dem Spaziergang entlang der Langelinie
- Kosten
- Kostenlos – kein Ticket, keine Reservierung erforderlich
- Am besten für
- Märchenfans, Fotografie, Hafenspaziergänge, Erstbesucher in Kopenhagen
- Offizielle Website
- www.visitcopenhagen.com/copenhagen/planning/little-mermaid-gdk586951

Was die kleine Meerjungfrau wirklich ist
Den lille Havfrue – die kleine Meerjungfrau – ist eine Bronzeskulptur, die auf einem kleinen Granitfelsen am Rand der Langelinie-Uferpromenade in Kopenhagen sitzt. Geschaffen von Edvard Eriksen und am 23. August 1913 enthüllt, wurde sie vom Brauer Carl Jacobsen in Auftrag gegeben und der Stadt Kopenhagen geschenkt. Mit 1,25 Metern Höhe und 175 Kilogramm Gewicht ist sie, rein äußerlich betrachtet, eine kleine Statue. Sie glänzt nicht und beherrscht keine Skyline. Der Besuch ist ruhig, kurz und überraschend intim – was je nach Erwartung entweder genau das Richtige oder eine Enttäuschung sein kann.
Die Statue geht auf Hans Christian Andersens Märchen von 1837 zurück, das in Wirklichkeit eine dunklere und melancholischere Geschichte ist, als die meisten Besucher ahnen. Andersen wurde 1805 in Dänemark geboren, und sein Erbe ist tief in die Identität Kopenhagens eingewoben. Wenn du verstehen möchtest, welches kulturelle Gewicht hinter dieser kleinen Bronzefigur steckt, bietet die Hans-Christian-Andersen-Route in Kopenhagen nützlichen Kontext darüber, wo Andersen lebte und arbeitete – und was seine Märchen für die dänische Kultur bedeuteten.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Statue steht auf öffentlichem Grund im Freien und ist 24 Stunden täglich, das ganze Jahr über zugänglich. Kein Eintritt, kein Buchungssystem, keine Schließzeiten.
Ehrliche Einschätzung: Was du wirklich erwarten kannst
Die kleine Meerjungfrau landet regelmäßig auf Listen der enttäuschendsten Touristenattraktionen der Welt – nicht weil sie keine Bedeutung hätte, sondern weil Fotos Abstände verkleinern und den Kontext wegfallen lassen. Auf Bildern wirkt sie, als würde sie in einer stillen Bucht sitzen. In der Realität ist sie zur Hauptbesuchszeit – grob zwischen 10 und 16 Uhr im Sommer – von Reisegruppen, Selfiestangen und einer Traube von Menschen umgeben, die alle um einen freien Blickwinkel kämpfen. Man kann über die Felsen zur Statue gelangen, aber um sich neben sie zu setzen oder sie zu berühren, müsste man ins Wasser steigen.
Das bedeutet nicht, dass du sie auslassen solltest. Es bedeutet, dass du deinen Zeitplan anpassen solltest. Frühmorgendliche Besuche – vor allem vor 8 Uhr im Sommer – verwandeln das Erlebnis komplett. Zu dieser Zeit nutzen Kopenhagener Jogger die Langelinie, und die Statue steht oft fast allein da. Das Hafenlicht am frühen Morgen ist kühl und weich, was für Fotos tatsächlich besser ist als das harte Mittagslicht. Im Winter können sogar Besuche zur Mittagszeit wenig besucht sein, und das graue Wasser im Hintergrund verleiht der Szene eine echt nordische Atmosphäre.
💡 Lokaler Tipp
Im Sommer vor 8 Uhr oder nach 18 Uhr besuchen – dann ist die Chance auf eine freie Sicht am größten. Wochentags morgens im Frühling und Herbst ist es durchgehend weniger voll als am Wochenende.
Der Weg dorthin: Langelinie und Kastellet
Ein Teil dessen, was diesen Besuch lohnenswert macht, ist die Route selbst. Vom Bahnhof Østerport führt ein 10- bis 15-minütiger Spaziergang ostwärts durch oder entlang des Kastellets – der sternförmigen Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert, die zu den besterhaltenen Militäranlagen Nordeuropas zählt. Die Graswälle, Wassergräben und die funktionierende Windmühle im Kastellet sind einen gemächlichen Rundgang wert, bevor es zum Ufer weitergeht.
Sobald du das Kastellet Richtung Hafen verlässt, bist du auf der Langelinie-Promenade – einem breiten, flachen Weg, der dem Wasser nordwärts zur Statue folgt. Wenn große Kreuzfahrtschiffe anlegen, bringen sie viel Besucherverkehr mit. An ruhigeren Tagen hat die Promenade einen entspannten Charakter: Paare mit Hunden, Radfahrer, das Geräusch von Wasser gegen den Steinrand. Die Promenade schließt natürlich an das Kastellet an, das die meisten Besucher als Teil desselben kurzen Ausflugs besichtigen.
Der Weg ist durchgehend flach und gepflastert, sodass er auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen problemlos begehbar ist. Bus 27 hält an der Haltestelle Indiakaj für alle, die nicht vom Bahnhof Østerport laufen möchten.
Die Statue aus der Nähe: Was du siehst und hörst
Wenn du am Ufer stehst und die Statue betrachtest, fällt dir zuerst die Textur der Bronze auf: eine grau-grüne Patina von verwittertem Metall, an manchen Stellen glattgerieben durch mehr als ein Jahrhundert Witterung und – historisch gesehen – durch Besucher, die auf ihr herumgeklettert sind. Die Figur sitzt auf einem niedrigen Granitfelsen, ihr Unterkörper geht von menschlicher Form in eine Fischschwanzflosse über, ihr Blick ist nach Osten-Nordosten über den Hafen gerichtet. Sie schaut der Stadt kein einziges Mal zu.
An stillen Morgen bewegt sich das Wasser um den Felsen kaum und spiegelt den hellen dänischen Himmel. Wenn Kreuzfahrtschiffe in der Nähe liegen, hört man das leise mechanische Summen vom Pier. An windigen Herbsttagen kräuselt sich der Hafen, und die Gischt erreicht gelegentlich den Fuß des Felsens. Im Winter legt sich manchmal Reif auf die Statue und die umliegenden Steine, und das kahle Laub entlang der Promenade verleiht der Szene eine karge, eindringliche Stimmung, die tatsächlich sehr atmosphärisch wirkt.
Die Statue wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach beschädigt – unter anderem verlor sie zweimal ihren Kopf und einmal einen Arm. Sie wurde neu gestrichen, von ihrem Felsen gestoßen und wieder aufgestellt. Die heutige Figur ist das Original, repariert und instand gehalten. Ein Hinweis zur Fotografie: Der Felsen ist von flachem Wasser umgeben, und für den besten Winkel lohnt es sich, den kleinen Pfad rechts vom Hauptaussichtspunkt entlangzugehen. Eine leicht erhöhte Position am Wegrand gibt das beste Bild mit dem Wasser im Hintergrund.
Anreise: Praktische Informationen
Der direkteste Weg ist die S-Bahn oder Metro bis zum Bahnhof Østerport, der gut mit dem Stadtzentrum verbunden ist. Vom Bahnhof aus läuft man ostwärts entlang des nördlichen Walls des Kastellets und folgt dann der Langelinie-Promenade südlich am Wasser zur Statue. Der Weg ist gut ausgeschildert. Bus 27 bietet eine Alternative und hält an der Haltestelle Indiakaj, von wo es nur ein kurzer Fußweg zum Ufer ist.
Auch mit dem Fahrrad ist der Weg gut zu bewältigen. Kopenhagens Radinfrastruktur reicht bis in diesen Teil von Østerbro, und das Fahrrad an der Promenade abzustellen und das letzte Stück zu Fuß zu gehen ist unkompliziert. Für eine vollständige Route, die Uferpromenade, Kastellet und die angrenzenden Grünanlagen verbindet, zeigt der Kopenhagen-Spaziergang-Guide eine sinnvolle Reihenfolge, bei der die kleine Meerjungfrau eingebunden ist, ohne das alleinige Ziel zu sein.
⚠️ Besser meiden
Parkplätze in der Nähe der Langelinie sind begrenzt, und mit dem Auto ins Kopenhagener Stadtzentrum zu fahren kann langsam und teuer werden. Öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad sind klar die bessere Wahl.
Die kleine Meerjungfrau in eine größere Reiseroute einbauen
Die Statue funktioniert am besten als Teil eines ausgedehnten Hafenspaziergangs oder eines Østerbro-Vormittags – nicht als alleiniges Ausflugsziel. Eine naheliegende Kombination: durch das Kastellet schlendern, weiter zur Statue, dann die Promenade zurück Richtung Langelinie-Park mit seinen Rosengärten und Hafenblicken, bevor es südwärts nach Nyhavn oder ins Stadtzentrum geht.
Wer Kopenhagen zum ersten Mal besucht und wichtige Sehenswürdigkeiten effizient kombinieren möchte, findet im 2-Tage-Reiseplan für Kopenhagen eine Morgenroute, die die kleine Meerjungfrau zusammen mit Amalienborg und dem Hafen einschließt – mit wenig Weg dazwischen. Die Copenhagen Card deckt öffentliche Verkehrsmittel und viele kostenpflichtige Attraktionen ab, ist hier aber vor allem für die An- und Abreise nützlich, da die Statue selbst kostenlos ist.
Das umliegende Viertel Østerbro ist ein Wohnviertel mit deutlich weniger Touristenverkehr als Indre By oder Nyhavn. In den Straßen hinter der Langelinie gibt es Cafés und Bäckereien, die sich vor oder nach dem Besuch lohnen – besonders an der Dag Hammarskjölds Allé.
Für wen der Besuch sich nicht lohnt
Wer wenig Zeit hat und kein besonderes Interesse am Andersen-Märchen oder der dänischen Kulturgeschichte mitbringt, findet die 30 bis 45 Minuten für diesen Besuch möglicherweise weniger lohnend als andere Optionen. Kopenhagens kostenpflichtige Museen, Hafenviertel und Lebensmittelmärkte bieten pro Stunde meist mehr aktives Erlebnis. Die Statue ist, objektiv betrachtet, klein und still – was dem Besuch Tiefe verleiht, ist das Drumherum: der Hafen, der Spaziergang, die Festung. Wer einen Hafenspaziergang an sich nicht genießt, kann diese Sehenswürdigkeit getrost weglassen, ohne das Wesentliche Kopenhagens zu verpassen.
Insider-Tipps
- Im Sommer vor 8 Uhr ankommen – zu dieser Zeit gehört die Promenade Joggern und Radfahrern, und du kannst die Statue fotografieren, ohne eine einzige Person im Bild zu haben.
- Geh unbedingt durch das Kastellet, anstatt es zu umgehen. Die sternförmigen Wälle, die funktionierende Windmühle und die ruhigen Grabenwege brauchen etwa 20 Minuten – und gehören zu den unterschätztesten Orten der Stadt.
- Der kleine Pfad rechts vom Hauptaussichtspunkt bietet den besten Fotowinkel: freies Wasser hinter der Statue, keine anderen Besucher im Bild. Von vorne hat man fast immer Leute im Frame.
- Im Winter empfiehlt sich ein Besuch um die Mittagszeit – das flache Sonnenlicht aus dem Süden taucht die Statue in warmes Seitenlicht, das viel fotogener ist als der flache graue Himmel früh morgens im Dezember oder Januar.
- Kombiniere den Besuch mit einem Spaziergang südlich am Hafen Richtung Nyhavn, damit du nicht denselben Weg zurückgehen musst – die Strecke dauert etwa 25 Minuten zu Fuß und führt durch mehrere kleine Hafenparks.
Für wen ist Die kleine Meerjungfrau geeignet?
- Erstbesucher in Kopenhagen, die ein Wahrzeichen mit echter historischer Bedeutung abhaken möchten
- Hobbyfotografen, die den Besuch für das frühmorgendliche Licht oder die Nebensaison einplanen
- Familien mit Kindern, die das Andersen-Märchen kennen und der Geschichte einen greifbaren Ort geben wollen
- Wanderfreudige, die eine ausgedehnte Østerbro-Morgenroute planen, die Kastellet und den Hafen einschließt
- Reisende, die sich für dänische Kulturidentität und die Rolle der Literatur bei der Entstehung nationaler Symbole interessieren
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Østerbro:
- Fælledparken
Der Fælledparken ist ein weitläufiger Park im Kopenhagener Stadtteil Østerbro. Er steht rund um die Uhr kostenlos offen – für Läufer auf dem 3,5 km langen Rundweg, Familien auf dem Verkehrsspielplatz, Skater in einem der bestausgestatteten Outdoor-Skateparks Skandinaviens und alle, die einfach Gras und Himmel genießen wollen. Kein Ticket, kein Gedränge.
- Kastellet
Das Kastellet, offiziell Citadel Frederikshavn, ist eine Sternfestung mit fünf Bastionen aus dem Jahr 1664, die bis heute als aktiver Militärstützpunkt genutzt wird und gleichzeitig kostenlos für Besucher offensteht. Mit seinem wasserumschlossenen Wall, einer funktionsfähigen Windmühle und ruhigen Innengassen gehört es zu den ungewöhnlichsten Freiräumen Kopenhagens.
- Langelinie-Promenade
Die Langelinie ist eine kostenlose Freiluftpromenade entlang Kopenhagens innerem Hafen in Østerbro. Sie verbindet den Gefionbrunnen, die Festung Kastellet und die berühmte Kleine Meerjungfrau auf einer einzigen begehbaren Route – und gehört damit zu den meistbesuchten Außenbereichen der Stadt, besonders an klaren Morgen und lauen Sommerabenden.
- Museum of Danish Resistance
Das Frihedsmuseet erzählt die Geschichte der fünfjährigen deutschen Besatzung Dänemarks – durch rekonstruierte Räume, persönliche Gegenstände und schonungslose historische Details. Im Churchillparken gelegen, ist es eines der klügsten Museen Kopenhagens und ein echtes Gegengewicht zu den leichteren Sehenswürdigkeiten der Stadt.