Wiener Secession: Das Gebäude, das die Wiener Kunst veränderte
Die Wiener Secession gehört zu den architektonisch kühnsten Ausstellungshallen Europas. 1898 als bewusster Bruch mit dem konservativen Kunstbetrieb erbaut, wirken die vergoldete Kuppel und der schlichte weiße Kubus noch heute provokant. Im Inneren zählt Gustav Klimts Beethovenfries zu den eindringlichsten Kunstwerken, vor denen man in Wien stehen kann.
Fakten im Überblick
- Lage
- Friedrichstraße 12, 1010 Wien (nahe Karlsplatz)
- Anfahrt
- U1, U2, U4 – Karlsplatz; Ausgang Secession verwenden
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden
- Kosten
- Ca. 13 € für Erwachsene (inkl. Beethovenfries); Audioguide 3 €, kostenlos mit der Wien City Card. Aktuelle Preise vor dem Besuch prüfen.
- Am besten für
- Kunstliebhaber, Architekturinteressierte, Klimt-Fans, Designgeschichte
- Offizielle Website
- secession.at

Was die Wiener Secession eigentlich ist
Das Secessionsgebäude – offiziell Ausstellungsgebäude der Wiener Secession – ist kein herkömmliches Museum. Es ist ein aktiv bespielter Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst, der gleichzeitig ein Wahrzeichen der Architekturgeschichte ist. Das Gebäude wurde zwischen 1897 und 1898 geplant und errichtet. Joseph Maria Olbrich entwarf es im Auftrag einer Gruppe von Künstlern, die aus Protest gegen die konservative und kommerziell ausgerichtete Ausstellungspolitik aus dem Wiener Künstlerhaus ausgetreten waren. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Gustav Klimt, Koloman Moser und Josef Hoffmann – ihr Ziel war nichts weniger als die vollständige Erneuerung der österreichischen Kunstkultur.
Dieser politische und künstlerische Kontext ist wichtig, wenn man vor dem Gebäude steht. Die weiße Kubusgeometrie, die vergoldete Kuppel aus 2.500 vergoldeten Lorbeerzweigen und -beeren sowie die Inschrift über dem Eingang – „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit” – waren als öffentliches Statement konzipiert, nicht bloß als Gebäude. Auch nach mehr als einem Jahrhundert wirkt das Bauwerk seiner Umgebung gegenüber noch immer wie eine Herausforderung.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Secessionsgebäude wurde im Februar 1945 durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Was Besucher heute sehen, ist größtenteils ein originalgetreuer Wiederaufbau der Nachkriegszeit – einschließlich der ikonischen Kuppel nach Olbrichs ursprünglichem Entwurf.
Die Architektur: Das Gebäude von außen lesen
Wenn du dich vom Karlsplatz her näherst, passierst du links den Naschmarkt, Wiens weitläufigen Freiluftmarkt entlang der Kanalseite. Das Gebäude taucht am Ende einer kurzen Fußgängerachse auf, leicht unter Straßenniveau abgesenkt – dein erster Blick fällt daher auf die Kuppel, die über den Dächern schwebt, noch bevor du die Fassade als Ganzes siehst. Das ist kein Zufall. Olbrich entwarf die Kuppel als Signal: von Weitem sichtbar, kündigt sie das Gebäude an, bevor man seine Wände erblickt.
Aus der Nähe wirkt die weiß verputzte Fassade auffallend klar und streng. Geometrisches Ornament rahmt das Eingangsportal, und der Kontrast zwischen den flachen Wänden und der extravaganten goldenen Kuppel erzeugt eine visuelle Spannung, die auch nach heutigen Maßstäben modern wirkt. Die Kuppel wird von den Wienern liebevoll als „Goldener Krauthappel” bezeichnet – eher als Spitzname denn als Kritik. Eulen als Symbol der Weisheit sind in das Reliefdekor der Außenwände integriert, und die drei Gorgonenköpfe über dem Eingang stehen für die drei Kunstgattungen: Malerei, Bildhauerei und Architektur.
Mehr darüber, wie die Secession in Wiens Architekturgeschichte eingebettet ist, erfährst du im Wien-Architekturführer – er behandelt Jugendstil, Historismus und die Ringstraßenzeit in sinnvoller Reihenfolge.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
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Ab 34 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSelf-guided digital scavenger hunt in Wiener Neustadt
Ab 13 €Sofortige BestätigungImperial Vienna 72-hour hop-on hop-off bus
Ab 55 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungSkip-the-Line Entrance with Guide to Schonbrunn Palace and Gardens
Ab 45 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Im Inneren: Der Beethovenfries
Die Dauerausstellung – und der Grund, warum die meisten Besucher gezielt die Secession und kein anderes Wiener Ausstellungshaus aufsuchen – ist der Beethovenfries von Gustav Klimt. Er befindet sich im Ausstellungsraum im Untergeschoss, und der Eintritt zum Gebäude schließt den Zutritt mit ein. Der Fries ist 34 Meter lang und erstreckt sich über drei Wände des Raums. Klimt schuf ihn 1902 als temporäres Werk für eine Secessions-Ausstellung, die Beethovens Neunter Symphonie gewidmet war – mit Kaseinfarbe, Stuck, Graphit sowie Materialien wie Blattgold, Halbedelsteinen und Perlmutt.
Die Wirkung lässt sich durch Fotografien nicht wirklich erahnen. Im engen Untergeschossraum direkt vor dem Fries zu stehen ist eine völlig andere Erfahrung als Reproduktionen zu betrachten. Die Figuren sind stark stilisiert, die dekorativen Passagen wirken fast bedrängend dicht, und der Übergang von den Tafeln der „Sehnsucht nach Glück” zum Abschnitt der „Feindlichen Gewalten” – dominiert von einer Figur, die Krankheit, Wahnsinn und Tod verkörpert – hat etwas wirklich Beunruhigendes, das über das bloß Ornamentale hinausgeht. Das ist keine gefällige Museumskunst. Der Fries galt zur Zeit seiner Ausstellung als skandalös, und diese Schärfe ist noch immer spürbar.
Klimts Werk in Wien reicht weit über die Secession hinaus. Der Wien-Klimt-und-Secession-Guide zeigt, wo seine wichtigsten Werke in der Stadt zu finden sind – darunter im Oberen Belvedere und im Kunsthistorischen Museum.
💡 Lokaler Tipp
Der Friesraum im Untergeschoss ist klein. Komm direkt beim Öffnen (Di–So, 10:00 Uhr), um ihn ohne Gedränge im engen Betrachtungsbereich zu erleben. Mittags und an Samstagnachmittagen ist es am vollsten.
Die Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst
Oberhalb des Untergeschosses werden die Hauptsäle der Secession für wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt. Anders als beim permanenten Beethovenfries ändern sich diese Schauen das ganze Jahr über und reichen von Einzelausstellungen internationaler Künstlerinnen und Künstler bis zu Gruppenausstellungen mit konzeptuellen Themensetzungen. Das Niveau ist durchweg hoch, und das kuratorische Programm der Secession hat sich einen Ruf dafür erarbeitet, ortsspezifische Arbeiten in Auftrag zu geben, anstatt einfach Wanderausstellungen zu übernehmen.
Der Hauptsaal ist ein großer, obenbelichteter Raum mit beweglichen Wänden und ausgezeichnetem Tageslicht. Er ist bewusst flexibel gehalten – ganz im Sinne der ursprünglichen Idee, Künstlern einen neutralen Rahmen statt eines starren institutionellen Kontexts zu bieten. Wer primär wegen des Beethovenfrieses kommt, sollte trotzdem mindestens 20–30 Minuten für die oberen Ausstellungen einplanen. Ob sie diese Zeit lohnen, hängt von der aktuellen Schau ab – ein Blick auf das Programm der offiziellen Website vor dem Besuch ist deshalb sinnvoll.
Praktisches: Anreise und Orientierung vor Ort
Der Karlsplatz ist einer der größten U-Bahn-Knotenpunkte Wiens und wird von der U1 (rot), U2 (lila) und U4 (grün) bedient. Von der Stephansplatz-Station ist es eine Station mit der U1, von Schwedenplatz ebenfalls eine Station mit der U4. Folge nach dem Aussteigen den Hinweisschildern zum „Ausgang Secession” – das Gebäude ist von dort in zwei Minuten zu Fuß sichtbar. Die Adresse lautet Friedrichstraße 12, in der Praxis orientieren sich aber die meisten einfach an der Kuppel.
Das Gebäude ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Der aktuelle Eintrittspreis für Erwachsene beträgt rund 13 €, inklusive aller Ausstellungen und des Beethovenfrieses. Ein Audioguide auf Englisch kostet etwa 3 €, ist aber für Inhaber der Wien City Card kostenlos. Besucher mit Behinderung zahlen einen ermäßigten Preis, Begleitpersonen erhalten freien Eintritt. Am Haupteingang gibt es 13 Stufen, alle Ausstellungsräume sind jedoch per Aufzug erreichbar. Assistenzhunde sind gestattet.
Wer einen ganzen Tag in diesem Teil Wiens verbringen möchte: Der Naschmarkt liegt direkt nebenan und ist eine Stunde wert – vorher oder nachher, besonders samstagvormittags, wenn der Flohmarktbereich geöffnet hat.
⚠️ Besser meiden
Ticketpreise und Öffnungszeiten können sich saisonal ändern. Aktuelle Informationen findest du immer auf secession.at – besonders rund um Feiertage lohnt sich ein kurzer Blick vorher.
Tageszeit und Besucherströme
Die Secession ist selten so voll wie das Kunsthistorische Museum oder das Belvedere – das kommt dir zugute. Allerdings ist der Beethovenfries-Raum im Untergeschoss wirklich klein, und an Samstagnachmittagen in der Hochsaison (Juni bis August) kann es dort unangenehm eng werden. Am angenehmsten ist ein Besuch an einem Wochentag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr – dann ist das Licht im Hauptsaal am besten, und der Friesraum ist kaum besucht.
Die Außenansicht des Gebäudes lohnt sich zu verschiedenen Tageszeiten. Am späten Nachmittag fängt die vergoldete Kuppel das direkte Sonnenlicht ein und verwandelt sich von einem matten Gold in etwas deutlich Leuchtendes. Wer fotografieren möchte, kommt in der Stunde vor Schließung an einem klaren Tag besonders auf seine Kosten. Der Vorplatz ist auch in den frühen Abendstunden angenehm, wenn der Trubel rund um den Karlsplatz nachlässt.
Einordnung: Die Secession in der Wiener Kunstwelt
Die Gründung der Wiener Secession 1897 war Teil einer breiteren Welle von Abspaltungsbewegungen in der europäischen Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts – parallel zur Münchner Secession (1892) und der Berliner Secession (1898). Was die Wiener Variante auszeichnete, war ihre Breite: Sie vereinte bildende Kunst, angewandtes Design, Architektur und Typografie unter einem einzigen philosophischen Dach. Die Zeitschrift „Ver Sacrum”, von der Secession von 1898 bis 1903 herausgegeben, war ein wegweisendes Dokument des Gesamtkunstwerk-Ideals, das die Bewegung prägte.
Klimt selbst verließ die Secession 1905, gemeinsam mit einer Gruppe, zu der auch Moser und Hoffmann gehörten – Auslöser war ein Streit über das Verhältnis von angewandter und freier Kunst. Die Organisation überlebte und besteht bis heute als von Künstlern geführter Ausstellungsraum – das gibt ihr einen anderen Charakter als einem staatlichen Museum. Das Programm wird von aktiv arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern bestimmt, und das Gebäude hat seine ursprüngliche Funktion als Ort des kreativen Diskurses behalten – nicht der kulturellen Konsolidierung.
Der Guide zur habsburgischen Kaisergeschichte liefert nützlichen Hintergrund zum kulturellen und politischen Klima, gegen das die Secession direkt opponierte – einschließlich der starren Hierarchien in Wiens offiziellem Kunstbetrieb um die Jahrhundertwende.
Insider-Tipps
- Der Ausgang Secession der U-Bahn-Station Karlsplatz bringt dich fast direkt vor das Gebäude. Andere Ausgänge führen auf die falsche Seite einer vielbefahrenen Straße – das kostet unnötig Zeit.
- Im Raum mit dem Beethovenfries ist fotografieren ohne Blitz erlaubt. Nutze ein Weitwinkelobjektiv oder den Panoramamodus deines Handys: Die gesamten 34 Meter lassen sich am besten aus den Ecken des Raums erfassen, wo der Winkel am günstigsten ist.
- Die Secession veröffentlicht ihr Ausstellungsprogramm auf secession.at mehrere Monate im Voraus. Wenn dich die aktuelle Ausstellung interessiert, lohnt es sich, den Besuch rund um die Eröffnungswoche zu planen – dann ist der Andrang meist geringer als zur Mitte der Laufzeit.
- Die Wien City Card enthält einen kostenlosen Audioguide für den Beethovenfries – das spart dir 3 €. Wenn du die Karte ohnehin für die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, ist das eine unkomplizierte Ersparnis, die du dir vor dem Kauf an der Kasse merken solltest.
- Der Vorplatz vor der Secession hat einen kleinen Sitzbereich, der fast immer ruhig ist – selbst wenn auf dem benachbarten Naschmarkt viel los ist. Eine praktische Pause zwischen Markt und Karlskirche.
Für wen ist Wiener Secession (Secessionsgebäude) geeignet?
- Kunstinteressierte, die ein wichtiges Klimt-Werk aus nächster Nähe sehen wollen – ohne das Gruppenreisegedränge im Belvedere
- Architekturbegeisterte, die Wiens Jugendstil-Erbe von der Otto-Wagner-Stadtbahnstation über die Secession bis zur Postsparkasse verfolgen
- Zeitgenössische Kunstfans, die ein kuratorisch starkes, von Künstlern geführtes Programm mit regelmäßig neu beauftragten Werken schätzen
- Reisende, die eine Halbtages-Route planen, die Naschmarkt, Karlskirche und Secession in einem fußläufigen Dreieck verbindet
- Design- und Typografiebegeisterte, die sich für das Erbe der Secession in der Grafikgestaltung und die Gesamtkunstwerk-Tradition interessieren
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Belvedere & Landstraße (3. Bezirk):
- Albertina Modern
2020 im historischen Künstlerhaus am Karlsplatz eröffnet, ist die Albertina Modern Wiens Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Auf 2.500 Quadratmetern bietet sie ein Gegengewicht zur Habsburg-und-Alte-Meister-Erzählung, die so viele Museen der Stadt prägt.
- Belvedere Gardens
Die Belvedere Gärten erstrecken sich zwischen zwei Schlössern, die für Prinz Eugen von Savoyen erbaut wurden, und zählen zu den schönsten Barockgartenanlagen Mitteleuropas. Der Eintritt in die Hauptgärten ist kostenlos – und je nach Tageszeit erlebt man die Anlage völlig anders.
- Heeresgeschichtliches Museum
Das Heeresgeschichtliches Museum ist in einem beeindruckenden maurisch-byzantinischen Arsenalgebäude aus den 1850er Jahren untergebracht und zählt zu den ältesten Militärmuseen der Welt. Für nur 3,50 € Eintritt bietet es einen überraschend tiefen Einblick in Österreichs Militär- und Politikgeschichte – darunter das Original-Fahrzeug, in dem Erzherzog Franz Ferdinand 1914 erschossen wurde.
- Hundertwasserhaus
Das Hundertwasserhaus ist ein Gemeindewohnbau im 3. Wiener Bezirk – es wirkt, als hätte es ein Kind bemalt und ein Wald entworfen. Die Fassade ist jederzeit kostenlos zu besichtigen, und das benachbarte Hundertwasser Village lädt zum Verweilen ein. Was dich bei einem Besuch wirklich erwartet.