Heeresgeschichtliches Museum: Wiens Militärhistorisches Museum
Das Heeresgeschichtliches Museum ist in einem beeindruckenden maurisch-byzantinischen Arsenalgebäude aus den 1850er Jahren untergebracht und zählt zu den ältesten Militärmuseen der Welt. Für nur 3,50 € Eintritt bietet es einen überraschend tiefen Einblick in Österreichs Militär- und Politikgeschichte – darunter das Original-Fahrzeug, in dem Erzherzog Franz Ferdinand 1914 erschossen wurde.
Fakten im Überblick
- Lage
- Arsenal, Objekt 1, Ghegastraße, 1030 Wien (Belvedere-Viertel, 3. Bezirk)
- Anfahrt
- U1 bis Südtirolerplatz–Hauptbahnhof Wien; Straßenbahn 18, D oder O; S-Bahn bis Quartier Belvedere
- Zeitbedarf
- 2 bis 3 Stunden für einen ausführlichen Besuch; für den WWI-Saal etwas mehr Zeit einplanen
- Kosten
- 3,50 € Vollpreis / 2,50 € ermäßigt; am ersten Sonntag des Monats freier Eintritt
- Am besten für
- Geschichtsbegeisterte, Architekturliebhaber, Sparreisende, Familien mit älteren Kindern
- Offizielle Website
- www.hgm.at/en

Was ist das Heeresgeschichtliche Museum?
Das Heeresgeschichtliche Museum ist Österreichs nationales Militärhistorisches Museum und eines der ältesten seiner Art weltweit. Es befindet sich im Wiener Arsenal, einem weitläufigen Festungskomplex aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, der nach der Revolution von 1848 für die kaiserliche Armee erbaut wurde. Das Museum ist im prachtvollsten Gebäude des Arsenals untergebracht – einem palastartigen Bau, der so gar nichts mit einem gewöhnlichen Waffenlager gemein hat und stattdessen wie ein Monument des kaiserlichen Anspruchs wirkt.
Die Sammlungen umspannen rund 500 Jahre österreichische Militärgeschichte: von den osmanischen Belagerungen Wiens im 16. und 17. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg. Was dieses Museum von vielen europäischen Militärinstitutionen unterscheidet, ist die Kombination aus wirklich seltenen Exponaten, einem architektonisch einzigartigen Gebäude und einem Eintrittspreis, der mit der Inflation kaum Schritt gehalten hat: 3,50 € gehören zu den niedrigsten Eintrittspreisen für ein bedeutendes Museum in Wien.
💡 Lokaler Tipp
Der erste Sonntag im Monat ist freier Eintritt. Wenn dein Zeitplan flexibel ist, lohnt es sich, den Besuch darauf abzustimmen – rechne dann aber mit etwas mehr Betrieb, vor allem mit Familien.
Das Gebäude: Ein maurisch-byzantinischer Palast im Arsenal
Das Museumsgebäude wurde zwischen 1850 und 1857 nach Plänen der Architekten Theophil Hansen und Ludwig Förster errichtet – zwei Namen, die das Wiener Stadtbild des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt haben. Die Fassade vereint maurische, byzantinische und romanische Elemente auf eine Weise, die zwar eklektisch wirkt, aber echte Überzeugung ausstrahlt: Das Streifenmauerwerk, die Bogenfenster und die Ecktürme verleihen dem Gebäude eine Wucht, die es vom dekorativen Überschwang anderer Wiener Bauten klar abhebt.
Im Inneren ist die Feldherrnhalle im Erdgeschoss einer der spektakulärsten Innenräume der Stadt – obwohl sie in Aufzählungen von Wiens Architekturhighlights kaum auftaucht. Marmorstatuen habsburgischer Feldmarschälle säumen die Wände, die gewölbte Decke ist mit Fresken bedeckt. Wer sich für Wiens Baukultur des 19. Jahrhunderts interessiert, findet hier eine ideale Ergänzung – mehr dazu im Wien-Architekturführer.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, und weite Teile des Innenraums sind im Originalzustand erhalten. Die Vitrinen und Saaleinteilungen wirken dadurch manchmal eher nach 19. Jahrhundert als nach modernem Museumsstandard – manche Besucher empfinden das als atmosphärisch, andere als veraltet. Schlichte Multimedia-Installationen sucht man hier vergebens. Die Objekte sprechen für sich.
Tickets & Führungen
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Ab 99 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Die Sammlungen: Was du wirklich siehst
Die Bestände des Museums sind grob chronologisch auf zwei Etagen verteilt. Die Erdgeschossgalerien behandeln die Renaissance und das Barock – darunter die osmanisch-habsburgischen Konflikte, die die mitteleuropäische Geschichte über mehr als ein Jahrhundert bestimmt haben. Vollständige Rüstungen, erbeutete osmanische Fahnen und frühe Artilleriestücke füllen Räume, die eine angemessen ernste Atmosphäre verströmen. Die handwerkliche Qualität einiger Waffen aus dem 16. Jahrhundert – Zeremonialschwerter, verzierte Feuerwaffen, fein gravierte Helme – ist außergewöhnlich und würde in einem Kunstmuseum nicht fehl am Platz wirken.
Die Säle des 18. und 19. Jahrhunderts widmen sich den Napoleonischen Kriegen, der Revolution von 1848 und dem Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866. Das Material ist hier dichter und profitiert von zumindest grundlegenden Kenntnissen der Habsburgergeschichte. Wer sich bereits über andere Institutionen wie die Hofburg oder die Kaiserliche Schatzkammer mit der imperialen Geschichte auseinandergesetzt hat, wird diese Galerien deutlich lohnender finden.
Der meistbesuchte Raum des Museums ist der Saal zum Ersten Weltkrieg. Er beherbergt den Gräf-und-Stift-Doppelphaeton von 1910, in dem Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo erschossen wurden – das Attentat, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Das Fahrzeug, an dem noch sichtbare Spuren zu erkennen sind, ist gemeinsam mit der blutbefleckten Uniformjacke des Erzherzogs und dem Sofa, auf dem er starb, ausgestellt. Für alle, die sich für die Ereignisse rund um den Ersten Weltkrieg interessieren, ist das eine wirklich bewegende Ausstellung – kein bloßes Kuriosum. Wer mehr Hintergrund zu Wiens Rolle in dieser Ära sucht, findet ihn im Wien-Weltkriegsführer.
Der Abschnitt zum Zweiten Weltkrieg fällt im Vergleich zur WWI-Abteilung deutlich knapper aus, und einige Besucher haben das Gefühl, dass das späte 20. Jahrhundert weniger gründlich behandelt wird. Das ist gut zu wissen, wenn dieser Zeitraum dein Hauptinteresse ist.
Besuch nach Tageszeit
Das Museum öffnet dienstags bis sonntags um 9:00 Uhr und schließt um 17:00 Uhr. Werktägliche Vormittage – besonders von der Öffnung bis etwa 11:00 Uhr – sind durchweg am ruhigsten. Die Säle sind groß genug, dass das Museum selbst an belebteren Nachmittagen kaum überfüllt wirkt. An Wochenendnachmittagen kommen etwas mehr Familien, was für etwas Hintergrundgeräusch in der ansonsten sehr stillen Atmosphäre sorgt.
Durch die hohen Bogenfenster in den oberen Galerien fällt natürliches Licht ein, was Morgenbesuche für die Innenarchitektur optisch besonders attraktiv macht. Die zentrale Halle, die sich über zwei Etagen erstreckt, fängt das frühe Licht auf eine Weise ein, die den Fresken gut steht. Fotografieren ist im Inneren generell ohne Blitz erlaubt, und die Kombination aus gutem Licht und wenigen Besuchern macht den Morgen ideal für Fotos.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Museum ist montags sowie am 1. Januar, Ostersonntag, 1. Mai, 1. November, 25. und 31. Dezember geschlossen. Am 24. Dezember schließt es bereits um 14:00 Uhr. Öffnungszeiten immer vor dem Besuch prüfen, besonders rund um Feiertage.
Anreise und praktische Hinweise
Das Museum liegt im Arsenalkomplex, ein kurzes Stück südöstlich des Belvedere. Am einfachsten kommt man mit der U1 bis Südtirolerplatz–Hauptbahnhof Wien und geht dann 10 bis 12 Minuten zu Fuß, oder nimmt die Straßenbahn Linie 18, D oder O bis zur Haltestelle Arsenal. S-Bahn-Fahrgäste steigen am Quartier Belvedere aus. Der gelbe Vienna-Sightseeing-Touristenbus hält direkt vor dem Museum – Haltestelle Heeresgeschichtliches Museum.
Das Arsenal ist ein weitläufiges Gelände und kann beim ersten Besuch etwas verwirrend sein. Das Museum befindet sich in Objekt 1, dem prachtvollsten Gebäude an der Vorderseite des Komplexes. Wer zu Fuß vom Belvedere kommt, geht einfach etwa 15 Minuten südlich durch die Gärten. Die Belvedere-Gegend selbst lohnt einen längeren Aufenthalt, wenn du mehrere Sehenswürdigkeiten kombinierst: Das Obere Belvedere und das Untere Belvedere sind beide zu Fuß erreichbar und lassen sich gut in einen halben oder ganzen Tag in diesem Teil des 3. Bezirks integrieren.
Das Museum ist barrierefrei zugänglich und verfügt über rollstuhlgerechte Toiletten. Für spezifische Barrierefreiheitsbedürfnisse – etwa Aufzugszugang oder Unterstützungsangebote – empfiehlt es sich, vorab direkt beim Museum nachzufragen, da die Gegebenheiten vor Ort variieren können.
💡 Lokaler Tipp
Bequeme Schuhe sind Pflicht. Die Böden sind durchgehend aus Stein oder Hartholz, und das Gebäude ist groß. Zwei Stunden auf harten Böden zu laufen ist anstrengender als es klingt – besonders in den Artilleriegalerien im Erdgeschoss.
Wie das Museum in einen Wien-Reiseplan passt
Das Heeresgeschichtliche Museum steht selten ganz oben auf einem Wien-Reiseplan – doch wer es besucht, ist danach fast immer begeistert. Für Reisende mit einem strukturierten Programm lässt es sich gut mit dem Belvedere an einem Tag im 3. Bezirk kombinieren. Wer länger in der Stadt ist und einen Sightseeing-Pass nutzt, sollte prüfen, ob das Museum inbegriffen ist – es taucht auf einigen Pässen auf. Der Wien-Pass-Ratgeber erklärt, welche Attraktionen enthalten sind und wie du den Wert kalkulierst.
Für Sparreisende ist das eines der kosteneffektivsten seriösen Museen der Stadt. Mit 3,50 € unterbietet es fast jede vergleichbare Institution, und die kostenfreie Sonntagsregel am ersten Wochenende des Monats macht es unabhängig vom Budget zugänglich. Wer einen umfassenderen Überblick über das Reisen in Wien mit kleinem Geldbeutel sucht, findet ihn im Wien-Budgetreise-Guide.
Wer modernes Museumsdesign, interaktive Displays und multimediales Storytelling bevorzugt, könnte die Präsentation hier als etwas altmodisch empfinden. Das ist ein klassisches sammlungsbasiertes Museum, bei dem die Objekte die Geschichte erzählen. Wenn dir das liegt, ist die Tiefe des Materials beeindruckend. Wenn nicht, ist die Zeit woanders besser investiert.
Fotografieren und worauf es sich zu achten lohnt
Die Feldherrnhalle im Erdgeschoss ist der meistfotografierte Innenraum des Gebäudes. Weit aufnehmen, um die volle Höhe der gewölbten Decke und die Reihen der Marmorstatuen einzufangen. In der WWI-Galerie lohnen sich Detailaufnahmen: Das Attentatsfahrzeug ist so positioniert, dass man es von nah betrachten kann, und die Beleuchtung reicht für Aufnahmen aus der Hand ohne Blitz aus.
Die Außenfassade des Gebäudes lässt sich vom Arsenalhof aus gut fotografieren – besonders am Morgen, wenn die Schatten das Streifenmauerwerk plastisch hervortreten lassen. Die Ausmaße des Arsenalgeländes erschließen sich von innen kaum; erst wenn man in den Hof heraustritt, bekommt man ein echtes Gefühl für die ursprüngliche militärische Anlage.
Insider-Tipps
- Der Museumsshop nahe dem Ausgang führt eine wirklich gute Auswahl an Militärgeschichtsbüchern auf Deutsch und Englisch – viele davon sind in Wien sonst kaum zu finden. Wer sich für habsburgische Feldzüge oder die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs interessiert, sollte hier extra Zeit einplanen.
- Die Ausstellung zum Attentat auf Franz Ferdinand zieht im WWI-Saal die meisten Besucher an. Wer das Exponat ohne andere Menschen im Bild fotografieren möchte, sollte dienstags oder mittwochs kurz nach der Öffnung kommen.
- Kombiniere den Besuch mit einem Spaziergang durch die Belvedere-Gärten – der Eintritt ist kostenlos, und zu Fuß sind es etwa 15 Minuten vom Museum. Der Weg durch das Arsenalgelände und weiter südlich in den Gartenbereich ist ein schöner, günstiger Nachmittag.
- Audioguides und Führungen sind verfügbar, sollten aber direkt beim Museum angefragt werden, da Zeiten und Sprachangebot je nach Saison variieren können. Wer auf eine englischsprachige Tour angewiesen ist, sollte das lieber vorab prüfen, statt es einfach vorauszusetzen.
- Das Museum veranstaltet regelmäßig Sonderausstellungen und Events, besonders rund um militärische Gedenktage. Die aktuelle Programmübersicht findet sich auf der offiziellen Website – für Sonderausstellungen kann ein separater Eintritt anfallen.
Für wen ist Heeresgeschichtliches Museum geeignet?
- Geschichtsinteressierte mit einem besonderen Fokus auf das Habsburgerreich, die Weltkriege oder die Entstehung des modernen Mitteleuropas
- Architektur- und Designbegeisterte, die von maurisch-byzantinischen Innenräumen des 19. Jahrhunderts und monumentalen Gebäuden angezogen werden
- Sparreisende, die ein ernsthaftes Museumserlebnis zum kleinen Preis suchen
- Reisende, die einen halben Tag im Belvedere-Viertel verbringen und eine zweite große Sehenswürdigkeit besuchen möchten, ohne doppelt Eintritt zu zahlen
- Ältere Kinder und Jugendliche, die sich für Militärgeschichte, Waffen oder die politischen Ereignisse interessieren, die den Ersten Weltkrieg ausgelöst haben
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Belvedere & Landstraße (3. Bezirk):
- Albertina Modern
2020 im historischen Künstlerhaus am Karlsplatz eröffnet, ist die Albertina Modern Wiens Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Auf 2.500 Quadratmetern bietet sie ein Gegengewicht zur Habsburg-und-Alte-Meister-Erzählung, die so viele Museen der Stadt prägt.
- Belvedere Gardens
Die Belvedere Gärten erstrecken sich zwischen zwei Schlössern, die für Prinz Eugen von Savoyen erbaut wurden, und zählen zu den schönsten Barockgartenanlagen Mitteleuropas. Der Eintritt in die Hauptgärten ist kostenlos – und je nach Tageszeit erlebt man die Anlage völlig anders.
- Hundertwasserhaus
Das Hundertwasserhaus ist ein Gemeindewohnbau im 3. Wiener Bezirk – es wirkt, als hätte es ein Kind bemalt und ein Wald entworfen. Die Fassade ist jederzeit kostenlos zu besichtigen, und das benachbarte Hundertwasser Village lädt zum Verweilen ein. Was dich bei einem Besuch wirklich erwartet.
- Karlskirche (St. Karl Borromäus)
Die Karlskirche am Karlsplatz zählt zu den architektonisch kühnsten Kirchenbauten Mitteleuropas. Entstanden nach einem verheerenden Pestausbruch, erwartet dich hier ein außergewöhnliches Deckenbild, zwei triumphale Säulen und eine Panoramafahrt mit dem Lift bis zum Fuß der 70 Meter hohen Kuppel. Dieser Guide sagt dir, was dich erwartet, wann du am besten kommst und wie du das Beste aus deinem Besuch machst.