Hundertwasserhaus Wien: Das Gebäude, das alle Regeln brach

Das Hundertwasserhaus ist ein Gemeindewohnbau im 3. Wiener Bezirk – es wirkt, als hätte es ein Kind bemalt und ein Wald entworfen. Die Fassade ist jederzeit kostenlos zu besichtigen, und das benachbarte Hundertwasser Village lädt zum Verweilen ein. Was dich bei einem Besuch wirklich erwartet.

Fakten im Überblick

Lage
Kegelgasse 34–38 / Löwengasse 41–43, 1030 Wien (3. Bezirk, Landstraße)
Anfahrt
Straßenbahn 1 bis Hetzgasse (nur wenige Schritte); U3 bis Rochusgasse oder Wien Mitte–Landstraße (kurzer Fußweg)
Zeitbedarf
20–40 Minuten für die Außenansicht; bis zu 1 Stunde, wenn du das Hundertwasser Village nebenan besuchst
Kosten
Kostenlos – für die Außenbesichtigung wird kein Ticket benötigt; auch der Eintritt ins Hundertwasser Village ist gratis
Am besten für
Architekturbegeisterte, Fotografie, Fans der Kunst des 20. Jahrhunderts, neugierige Spaziergänger
Weitwinkelansicht des Hundertwasserhauses in Wien mit seiner bunten Fassade, unregelmäßigen Fenstern, üppigem Grün und einem leuchtenden Dachgarten unter blauem Himmel.

Was das Hundertwasserhaus eigentlich ist

Das Hundertwasserhaus ist kein Museum, keine Galerie und keine Touristenattraktion im herkömmlichen Sinne. Es ist ein echter Wohnbau, fertiggestellt zwischen 1983 und 1985, im Auftrag der Stadt Wien als Gemeindewohnbau errichtet. Hier wohnen echte Menschen. Die Briefkästen sind voll, die Vorhänge bewegen sich, und irgendwer kommt immer gerade mit dem Einkauf nach Hause. Dieser Kontext ist wichtig, denn er verändert, wie man sich dem Ort nähert.

Konzept und Gestaltung stammen von Friedensreich Hundertwasser, dem österreichischen Künstler und Architekten, der vor allem für seine Ablehnung gerader Linien und einheitlicher Oberflächen bekannt ist – in architektonischer Zusammenarbeit mit Josef Krawina und Peter Pelikan. Das Ergebnis ist eine der meistfotografierten Fassaden Mitteleuropas: unregelmäßige Fenster in unterschiedlichen Größen und Farben, geschwungene Böden, zwiebelförmige Türmchen, Bäume, die aus dem Dach und den Fensterbänken wachsen, sowie ein Schachbrettmuster aus Keramikfliesen in Gold, Weiß, Rot und Blau. Keine zwei Wandabschnitte haben dieselbe Farbe. Kein Boden ist eben. Das ganze Gebäude wirkt, als sei es gewachsen statt gebaut worden.

ℹ️ Gut zu wissen

Das Innere ist für Besucher nicht zugänglich. Es handelt sich um ein privates Wohnhaus, und der Zutritt ist auf den öffentlichen Gehsteig entlang der Kegelgasse und Löwengasse beschränkt. Versuche nicht, das Gebäude oder seine Innenhöfe zu betreten.

Das Erlebnis auf Straßenniveau

Wenn man auf der Löwengasse steht, füllt das Gebäude das Blickfeld auf eine Art, auf die Fotos einen nicht vorbereiten. Die Fassade ist durch ihre Schichtung dreidimensional: hervortretende Balkone mit herabhängenden Pflanzen, zurückgesetzte Bogenfenster, Abschnitte aus rauem Putz neben glatten Keramikfliesen. Im Sonnenlicht sind die Farben scharf und wirken fast schroff vor Wiens überwiegend beige-grauem Straßenbild. An bewölkten Tagen werden die Töne weicher und erinnern eher an Volkskunst.

Geh langsam an beiden Straßenfronten entlang. Die Kegelgasse-Seite hat weniger Fußgängerverkehr und zeigt andere Details: die Integration alter Bäume in die Struktur, kleine Keramikelemente in Bodennähe und den unvorhersehbar wechselnden Dachverlauf. Kinder bleiben davor oft abrupt stehen. Erwachsene fotografieren meist erst und schauen dann. Versuch es andersrum.

Die Geräuschkulisse ist ganz normales Wiener Wohnviertel: vorbeifahrende Straßenbahnen, Tauben, gelegentliche Stimmen aus den Fenstern. Es gibt keinen Audioguide, keine erklärenden Hinweisschilder am Gebäude selbst und keinen Souvenirshop an der Fassade. Das Erlebnis ist rein visuell und völlig unvermittelt – ob das eine Stärke oder eine Einschränkung ist, hängt davon ab, was man sucht.

Tickets & Führungen

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  • Imperial Vienna 72-hour hop-on hop-off bus

    Ab 55 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Skip-the-Line Entrance with Guide to Schonbrunn Palace and Gardens

    Ab 45 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung

Den richtigen Zeitpunkt wählen: Andrang und Licht

Das Hundertwasserhaus zieht den ganzen Tag über Besucher an, mit einem Höhepunkt roughly zwischen 10:00 und 14:00 Uhr, wenn Reisegruppen ankommen und die schmalen Gehsteige voll werden. Die Gruppen bewegen sich schnell, was bedeutet, dass sich der Andrang in Wellen legt statt stetig zuzunehmen. Wer die Fassade für Fotos für sich haben möchte, fährt am besten vor 09:00 Uhr oder nach 17:00 Uhr hin.

Für Fotos trifft das Morgenlicht die Löwengasse-Fassade in einem flachen Winkel, der die Textur der Fliesen hervorhebt und die Farben tiefer wirken lässt. Das Nachmittagslicht kommt der Kegelgasse-Seite besser zugute. Bewölkte Bedingungen passen eigentlich gut zu diesem Gebäude, weil sie die harten Schatten vermeiden, die die Fassadendetails zur Mittagszeit verflachen können.

💡 Lokaler Tipp

Das Gebäude kann zu jeder Tages- und Nachtzeit besichtigt werden, aber abendliche Besuche nach Einbruch der Dunkelheit bieten ein ganz anderes Erlebnis: Die Fassade wird nicht dramatisch beleuchtet, daher bringt ein Nachtbesuch wenig, es sei denn, du schätzt die ruhigere Atmosphäre.

Hundertwasser Village: Der praktische Anbau

Direkt gegenüber dem Haus befindet sich das Hundertwasser Village, eine kleine Ladenpassage, die in derselben visuellen Sprache wie der Wohnbau gestaltet ist. Es beherbergt Souvenirläden, ein Café und einige Fachgeschäfte. Der Eintritt ist frei, und das Village ist täglich von 09:00 bis 19:00 Uhr geöffnet. Ein kurzer Besuch lohnt sich – zum einen, um den Innenhof zu sehen, zum anderen, weil er einen Grund gibt, noch etwas in der Gegend zu verweilen, nachdem man das Hauptgebäude fotografiert hat.

Man sollte realistisch bleiben, was das Village ist: ein kommerzieller Raum, der Hundertwassers Ästhetik nutzt, keine Kultureinrichtung. Die Souvenirs sind das, was man erwarten würde. Das Café ist praktisch, aber nicht besonders. Der eigentliche Wert liegt in der Architektur des Raums selbst – den gefliesten Böden, den unregelmäßigen Deckenoberflächen und der Art, wie natürliches Licht in den zentralen Innenhof fällt.

Historischer und künstlerischer Kontext

Hundertwasser verfasste jahrzehntelang Manifeste gegen das, was er die „Tyrannei der geraden Linie" nannte. Er argumentierte, dass die glatten, gleichförmigen Oberflächen der modernen Architektur psychologisch schädlich seien und dass Menschen unregelmäßige, organische Umgebungen bräuchten. Sein Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur von 1958 legte diese Ideen formell dar, und das Hundertwasserhaus ist ihre sichtbarste städtische Umsetzung.

Der Auftrag war ungewöhnlich: Die Stadt Wien, die eines der größten Sozialbausysteme Europas betreibt, genehmigte ein Gebäude, das der funktionalen Ästhetik des kommunalen Wohnbaus direkt widersprach. Das Projekt war damals umstritten und bleibt unter Architekten ein Streitthema. Für Besucher, die sich für die übergreifende Geschichte der Wiener Architektur über die Jahrhunderte interessieren, liefert der Wien-Architekturführer nützlichen Kontext dazu, wie das Hundertwasserhaus in eine Stadt passt, die vom Habsburger Barock, dem Ringstraßen-Historismus, dem Jugendstil, dem Roten Wien und der Nachkriegsmoderne geprägt wurde.

Hundertwassers weitere Werke in Wien, darunter das KunstHausWien als Museum für seine Gemälde, vermitteln ein vollständigeres Bild seines Schaffens. Das KunstHausWien ist nur wenige Gehminuten entfernt und der logische nächste Stopp für alle, die über die Fassade hinausgehen und den Künstler dahinter verstehen wollen. Das Museum beherbergt eine ständige Hundertwasser-Sammlung sowie Wechselausstellungen, der Eintritt ist kostenpflichtig.

Anreise und praktische Informationen

Der direkteste Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Straßenbahn 1 bis zur Haltestelle Hetzgasse, von der man die Hauptfassade in wenigen Schritten erreicht. Von der U3 steigt man an der Rochusgasse aus und geht etwa zehn Minuten nach Osten, oder man nutzt Wien Mitte–Landstraße für einen etwas längeren, aber unkomplizierten Weg. Die Gegend ist gut an das Wiener Straßenbahnnetz angebunden, das den ganzen Tag über häufig fährt.

Das Gebäude liegt im 3. Bezirk (Landstraße), der hier dem übergeordneten Belvedere-Viertel zugeordnet ist. Die umliegenden Straßen sind ruhig und wohnlich geprägt, mit einigen Cafés und kleinen Restaurants in wenigen Gehminuten Entfernung. Abseits des Hundertwasserhauses selbst ist es kein stark touristisches Viertel – und genau das macht den Besuch weniger abgespult anfühlen als Sehenswürdigkeiten im 1. Bezirk.

Das Gebäude ist von ebenerdigen Gehsteigen entlang beider Straßenfronten aus zugänglich, sodass die Außenansicht auch für Rollstuhlfahrer und Besucher mit eingeschränkter Mobilität problemlos möglich ist. Für die Fassadenbesichtigung von der Straße sind keine Stufen erforderlich. Besucher, die eine vollständig barrierefreie Ausstellungserfahrung zu Hundertwassers Werk suchen, sollten sich direkt beim KunstHausWien über aktuelle Zugänglichkeitsinformationen informieren.

Lohnt sich der Besuch?

Wenn du ohnehin im Belvedere-Viertel oder im 3. Bezirk unterwegs bist, ist ein Abstecher zum Hundertwasserhaus von 20 bis 30 Minuten absolut lohnenswert. Er kostet nichts, erfordert keine Planung und bietet ein wirklich einzigartiges visuelles Erlebnis, das in der ganzen Stadt seinesgleichen sucht. Das Gebäude ist nicht übertrieben gelobt – es sieht in person tatsächlich außergewöhnlich aus, lebendiger und texturierter als jedes Foto vermuten lässt.

Wenn du jedoch ein Programm von Grund auf planst und abwägst, ob du lieber das Obere Belvedere oder die Wiener Secession besuchen sollst, sei ehrlich mit dir: Der Besuch des Hundertwasserhauses ist von Natur aus kurz. Du siehst dir eine Fassade an, gehst einmal herum und gehst wieder. Es gibt kein Innenerlebnis, keine Ausstellung und keine tiefere Ebene, es sei denn, du kombinierst es mit dem KunstHausWien. Plan das entsprechend ein.

Wer eigens anreist, um ungewöhnliche Architektur zu fotografieren, wird sehr belohnt. Wer ein interaktives oder immersives Erlebnis erwartet, wird enttäuscht sein. Alle, die engen Menschenansammlungen lieber aus dem Weg gehen, sollten früh morgens kommen – dann ist der schmale Gehsteig vor dem Gebäude noch überschaubar und das Licht am besten.

Insider-Tipps

  • Geh erst einmal komplett um das Gebäude herum, bevor du anfängst zu fotografieren. Die Kegelgasse-Seite wird weniger fotografiert und zeigt Details – darunter Dachbäume und keramische Elemente im Erdgeschossbereich –, die die meisten Besucher völlig verpassen, weil sie an der Löwengasse-Fassade stehen bleiben.
  • Das Café im Hundertwasser Village öffnet um 09:00 Uhr und ist vor 10:00 Uhr selten voll. Wer früh wegen des Lichts und der leeren Gehsteige kommt, findet dort einen praktischen Platz für einen Kaffee, bevor sich die Gegend füllt.
  • Die Straßenbahn 1 verbindet das Hundertwasserhaus in einer Richtung mit dem Schwedenplatz und in der anderen mit dem Ringstraßenbereich – ideal, um den Besuch mit dem 1. Bezirk zu kombinieren, ohne die U-Bahn nehmen zu müssen.
  • Das KunstHausWien, das Hundertwassers Gemälde und Druckgrafiken in einem von ihm selbst gestalteten Museum zeigt, ist etwa fünf Gehminuten vom Wohnhaus entfernt. Wer beides an einem halben Tag kombiniert, bekommt deutlich mehr aus dem Ausflug heraus als mit der Fassade allein.
  • Die Privatsphäre der Bewohner hat hier Vorrang. Die Bewohner nutzen gelegentlich die Eingangsbereiche im Erdgeschoss, und manche Fotografen drängen sich in Türöffnungen oder schauen in Fenster. Bleib auf dem öffentlichen Gehsteig und vergiss nicht: In diesem Gebäude wohnen echte Menschen.

Für wen ist Hundertwasserhaus geeignet?

  • Architektur- und Designbegeisterte, die Hundertwassers Philosophie im städtischen Maßstab erleben möchten
  • Fotografen, die ein kostenloses, visuell unverwechselbares Motiv mit starken Farben und Texturen suchen
  • Besucher, die einen Spaziergang durch den 3. Bezirk mit dem Belvedere-Garten oder dem KunstHausWien verbinden
  • Familien mit Kindern, die auf die visuelle Sprache des Gebäudes meist sofort und begeistert reagieren
  • Reisende mit kleinem Budget, die ein beeindruckendes Erlebnis ohne Eintrittskosten suchen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Belvedere & Landstraße (3. Bezirk):

  • Albertina Modern

    2020 im historischen Künstlerhaus am Karlsplatz eröffnet, ist die Albertina Modern Wiens Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Auf 2.500 Quadratmetern bietet sie ein Gegengewicht zur Habsburg-und-Alte-Meister-Erzählung, die so viele Museen der Stadt prägt.

  • Belvedere Gardens

    Die Belvedere Gärten erstrecken sich zwischen zwei Schlössern, die für Prinz Eugen von Savoyen erbaut wurden, und zählen zu den schönsten Barockgartenanlagen Mitteleuropas. Der Eintritt in die Hauptgärten ist kostenlos – und je nach Tageszeit erlebt man die Anlage völlig anders.

  • Heeresgeschichtliches Museum

    Das Heeresgeschichtliches Museum ist in einem beeindruckenden maurisch-byzantinischen Arsenalgebäude aus den 1850er Jahren untergebracht und zählt zu den ältesten Militärmuseen der Welt. Für nur 3,50 € Eintritt bietet es einen überraschend tiefen Einblick in Österreichs Militär- und Politikgeschichte – darunter das Original-Fahrzeug, in dem Erzherzog Franz Ferdinand 1914 erschossen wurde.

  • Karlskirche (St. Karl Borromäus)

    Die Karlskirche am Karlsplatz zählt zu den architektonisch kühnsten Kirchenbauten Mitteleuropas. Entstanden nach einem verheerenden Pestausbruch, erwartet dich hier ein außergewöhnliches Deckenbild, zwei triumphale Säulen und eine Panoramafahrt mit dem Lift bis zum Fuß der 70 Meter hohen Kuppel. Dieser Guide sagt dir, was dich erwartet, wann du am besten kommst und wie du das Beste aus deinem Besuch machst.