Square des Batignolles: Der Stadtteilpark, der sich für entschleunigte Besucher lohnt
Der 1862 von Jean-Charles Adolphe Alphand im englischen Landschaftsstil angelegte Square des Batignolles ist die größte Grünfläche im 17. Arrondissement von Paris. Der Eintritt ist frei, Touristenmassen sucht man hier vergebens – dafür bekommt man auf knapp 1,7 Hektar einen echten Einblick in den Pariser Alltag: mit malerischem Teich, Grotte, Wasserfall, Karussell und Pétanque-Plätzen.
Fakten im Überblick
- Lage
- 144 bis Rue Cardinet, 75017 Paris (Batignolles, 17. Arrondissement)
- Anfahrt
- Brochant (M13, 6 Min. zu Fuß); Pont Cardinet (Linie 14 & Transilien L); Bus 28, 31, 66, 163
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 1,5 Stunden
- Kosten
- Kostenlos
- Am besten für
- Familien, entschleunigte Reisende, Picknicks, abseits der Touristenpfade
- Offizielle Website
- parisjetaime.com/eng/culture/square-des-batignolles-p1005

Was der Square des Batignolles eigentlich ist
Der Square des Batignolles ist ein 16.615 Quadratmeter großer öffentlicher Park im 17. Arrondissement – und damit die größte Grünfläche in diesem Teil der Stadt. Im Auftrag Napoleons III. entworfen und 1862 fertiggestellt, gehört er zur Tradition der englischen Landschaftsgärten, die Baron Haussmann im Zuge seiner umfassenden Umgestaltung der Hauptstadt nach Paris brachte. Der Gestalter, Jean-Charles Adolphe Alphand, schuf auch den Parc des Buttes-Chaumont und den Parc Montsouris – seine Handschrift ist überall zu erkennen: geschwungene Wege, eine Grotte aus künstlich geschichtetem Gestein, Steinbrücken, ein von einem natürlichen Bach gespeister Teich und ein kleiner Wasserfall, der so wirkt, als hätte ihn die Natur selbst angelegt.
Anders als die großen Parks im Zentrum wurde dieser Square nicht für Prunk gebaut, sondern für ein konkretes Viertel – und er funktioniert noch immer so. An einem Dienstagvormittag trifft man hier Rentner auf den Pétanque-Plätzen, Eltern, die ihre Kinderwagen über die Kieswege schieben, und Schulkinder, die vor dem alten Holzpferde-Karussell anstehen. Touristeninfrastruktur gibt es null: keine Kasse, keinen Audioguide, keinen Souvenirladen. Wer verstehen will, wie Pariser ihren freien Tag verbringen, bekommt hier mehr geboten als in vielen der viel gerühmten Attraktionen der Stadt. Wer seinen Reiseplan rund um das ruhigere Paris aufbaut, findet im Geheimtipps Paris nützlichen Kontext zu den Vierteln, die sich gut mit einem Besuch hier kombinieren lassen.
💡 Lokaler Tipp
Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit erheblich. Im Sommer (grob April bis September) hat der Park bis 21:30 Uhr geöffnet, auch am Wochenende. Im Winter (Oktober bis März) schließt er gegen 17:45 Uhr. Wer in der letzten Stunde vor Schließung an einem Sommerabend kommt, erlebt den Park im schönsten Licht.
Die Anlage: Was Alphand hier gebaut hat
Der englische Landschaftsstil, den Alphand nach Paris brachte, war eine bewusste Illusion: stundenlanger Ingenieuraufwand, arrangiert so, dass alles wie von selbst gewachsen wirkt. Napoleon III. hatte während seiner Exiljahre in England vor 1848 eine Vorliebe für diesen Ansatz entwickelt und Haussmann angewiesen, ihn in der ganzen Hauptstadt umzusetzen. Das Ergebnis im Square des Batignolles ist ein Rundweg, den man in zwanzig Minuten absolvieren oder eine Stunde lang genießen kann – je nachdem, wie genau man hinschaut.
Der zentrale Teich ist der Anker der Anlage. Ein natürlicher Bach speist ihn, und das Wasser bewegt sich gerade genug, um das Licht einzufangen. Am hinteren Ende stürzt ein kleiner Wasserfall von einer Grotte aus Beton herab, der geschichteten Kalkstein imitiert – dieselbe Technik, die Alphand im Parc des Buttes-Chaumont einsetzte. Steinbrücken überqueren den Bach an zwei Stellen, und die Wege verlaufen so kurvenreich, dass man nie den ganzen Park auf einmal überblickt – die Illusion von Weite bleibt erhalten. Die Baumsammlung ist wirklich ungewöhnlich: Neben den üblichen Platanen und Kastanien findet man eine Blutbuche (Fagus sylvatica purpurea), eine Gleditsia triacanthos aus Nordamerika, eine chinesische Korkenzieherweide (Salix matsudana 'Tortuosa'), eine Türkische Hasel und eine junge Riesenmammutbaumsequoia. Ein Glaspavillon an einem Ende dient als Gewächshaus für eine tropische Palme, die einen Pariser Winter im Freien nicht überleben würde.
Die Rasenflächen bieten genug Platz zum Picknicken – ohne das Schulter-an-Schulter-Gedränge, das man etwa im Jardin du Luxembourg an einem Juninachmittag erlebt. An trockenen Wochenenden liegen mehrere Familien gleichzeitig auf dem Rasen, ohne dass es eng wirkt. Das zeigt, wie wenig besucht dieser Park nach wie vor ist.
Morgens, mittags, abends: Wie sich der Park verändert
Die frühen Morgenstunden, grob von 8 bis 10 Uhr an Werktagen, gehören fast ausschließlich den Einheimischen: Hundebesitzer, die den Teich umrunden, Jogger auf dem Außenweg und die ersten Café-Gäste, die auf dem Weg zur Arbeit den Park durchqueren. Das Licht ist zu dieser Stunde flach und kühl, der Vogelgesang hört man noch über den fernen Verkehrslärm der Rue de Rome. Die Luft riecht nach feuchtem Kies und frisch gemähtem Gras. Jetzt hat man die Grotte fast für sich allein.
Am späten Vormittag und frühen Nachmittag am Wochenende füllt sich der Park mit Familien. Karussell und Spielplatz werden zur lautesten Zone, während die Pétanque-Plätze am Rand ein älteres Publikum anziehen. Das Klacken der Boules und das gemurmelter Streit über strittige Würfe gehören zu den typisch Pariser Geräuschen, die man noch erleben kann, ohne in die äußeren Arrondissements fahren zu müssen.
Sommerabende ab etwa 18 Uhr sind wohl die schönste Zeit für einen Besuch. Die tief stehende Sonne trifft das Wasser im flachen Winkel und lässt den Teich weit dramatischer wirken als mittags. Junge Erwachsene sammeln sich auf den Bänken, der Park leert sich langsam statt auf einen Schlag. In den letzten dreißig Minuten vor Schließung sind die Wege so ruhig, dass man den Bach deutlich hört. Im Winter bedeutet die Schließzeit von 17:45 Uhr, dass es für einen Großteil des Dezembers und Januars bei Ankunft schon dunkel ist.
Geschichte und kulturelle Bedeutung
Das Viertel Batignolles war unabhängiges Landgebiet, bis Napoleon III. es 1860 Paris eingliederte. Der Name leitet sich möglicherweise vom lateinischen 'batillus' (Mühle) oder vom provenzalischen 'bastidiole' (kleines Bauernhaus) ab – beides spiegelt den ländlichen Charakter wider, den das Gebiet weit bis ins 19. Jahrhundert bewahrte. Zwei Jahre nach der Eingemeindung erhielt Alphand den Auftrag für den Square, zusammen mit dem Ingenieur Jean Darcel und dem Architekten Gabriel Davioud – demselben Team, das für den Großteil von Haussmanns Parkinfrastruktur in der ganzen Stadt verantwortlich war.
Der Park trägt ein stilles literarisches Erbe. Die französische Chansonnière Barbara, geboren als Monique Andrée Serf, wuchs im Viertel Batignolles auf und erwähnte den Square des Batignolles direkt in ihrem Lied 'Perlimpinpin'. Der Sänger Yves Duteil widmete später einen Song speziell 'Les Batignolles', in dem er vom Überschreiten des Bachs und dem Jagen von Tauben durch den Park erzählt. Diese kulturellen Bezüge verankern den Square in einer Tradition des Pariser Arbeiterviertels, die die großen Boulevards nicht einfangen. Das nahegelegene Batignolles-Viertel, das sich gerade langsam verändert, bewahrt diesen Charakter noch in seinen Marktstraßen und inhabergeführten Geschäften. Wer mehr über den Charakter des 17. Arrondissements und seiner Umgebung erfahren möchte, findet im beste Parks und Gärten in Paris einen umfassenderen Überblick über die Grünanlagen der Stadt.
Praktischer Rundgang: Was man hier machen kann
Der Haupteingang an der Rue Cardinet ist der naheliegendste Ausgangspunkt. Von dort führt ein Kiesweg direkt auf den Teich zu, der bereits nach etwa dreißig Sekunden sichtbar wird. Wer den Teich in gemächlichem Tempo umrundet, braucht fünf bis acht Minuten, überquert dabei beide Brücken und kommt am Wasserfall vorbei. Die Grotte lohnt einen kurzen Stopp: Wer genau hinsieht, erkennt die absichtlich eingeritzten Schichtungslinien, mit denen Alphands Team die Betonoberfläche bearbeitete. Ein Trompe-l'œil aus dem 19. Jahrhundert, das auch aus der Nähe überzeugt.
Wer mit Kindern kommt: Die Spielplätze liegen im östlichen Teil des Parks und umfassen Sandkästen, Schaukeln und das Holzpferde-Karussell, das hier schon seit vielen Jahren in Betrieb ist. Direkt daneben gibt es Tischtennisplatten. Die Pétanque-Bahn befindet sich am westlichen Rand; zuzuschauen ist völlig normal, die Spieler stört es selten.
ℹ️ Gut zu wissen
Im Park gibt es weder Cafés noch Essensstände. In den umliegenden Straßen, besonders entlang der Rue Cardinet und der Rue des Batignolles, findet man Bäckereien und kleine Cafés, wo man sich etwas zum Mitnehmen holen kann. Picknicks auf dem Rasen sind üblich und völlig in Ordnung.
Der Park lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Marktstraßen von Batignolles oder einem Besuch des benachbarten Parc Clichy-Batignolles (auch Martin-Luther-King-Park genannt) verbinden – einer deutlich größeren und moderneren Grünanlage, die im Rahmen des Olympischen Dorfprojekts 2024 entstand. Zusammen füllen sie problemlos einen halben Tag im Viertel. Wer einen umfassenderen Reiseplan aufstellt, findet im 3-Tage-Reiseplan Paris Anregungen, wie sich ruhigere Viertelstopps mit den großen Sehenswürdigkeiten kombinieren lassen.
Fotografie und Barrierefreiheit
Teich und Wasserfall sind die fotogensten Bereiche – besonders im Morgenlicht oder während der goldenen Stunde kurz vor der Abendschließung im Sommer. Die Baumspiegelungen auf dem Teich sind am klarsten an stillen Morgen, bevor der Wind aufkommt. Die Steinbrücken eignen sich gut als Bildrahmen; wer sich am Ufer duckt und auf Wasserhöhe fotografiert, lässt den Wasserfall größer wirken. Die Korkenzieherweide nahe dem Gewächshaus ist ein ungewöhnliches Exemplar, das sich für botanische Fotografie besonders lohnt.
Die Hauptwege sind breit, eben und aus Kies – gut befahrbar für Kinderwagen und Rollstühle. Rund um die Grotte und auf einigen grasbewachsenen Nebenpfaden gibt es jedoch unebene Abschnitte. Offizielle Angaben zu Barrierefreiheitseinrichtungen liegen nicht vor; Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten wissen, dass das Gelände weitgehend gut begehbar, aber nicht überall gleichmäßig glatt ist.
⚠️ Besser meiden
Nach starkem Regen können die Kieswege nahe Wasserfall und Bach weich und matschig werden. Gute Schuhe sind ratsam, besonders im Herbst und Winter. Rund um den Teich kann es in heißen Juli- und Augustwochen nach Algen riechen.
Anreise
Die bequemste Metro-Verbindung ist Brochant auf der Linie 13, sechs Gehminuten vom Haupteingang des Parks entfernt. Der Bahnhof Pont Cardinet, bedient von Linie 14 und der Transilien-Linie L, ist etwa neun Minuten zu Fuß entfernt und praktisch für alle, die aus dem Zentrum oder vom Gare Saint-Lazare kommen. Die Buslinien 28, 31 und 163 halten an der Haltestelle Pont Cardinet; Linie 66 hält in der Nähe an der Haltestelle Batignolles. Wer den Besuch mit dem Parc des Buttes-Chaumont oder anderen Parks im Norden von Paris verbinden möchte, sollte beachten, dass man die Stadt queren muss: Zwischen dem 17. und dem 19. Arrondissement gibt es keine direkte Metro-Verbindung ohne Umsteigen.
Mit dem Fahrrad ist die Anreise gut möglich: Im Batignolles-Viertel gibt es eigene Radspuren entlang der Rue Cardinet, und Vélib'-Stationen befinden sich in den umliegenden Straßen. Wer mit dem Auto kommt, findet Parkplätze im Tiefgaragenparkhaus Wagram-Courcelles in der Nähe.
Insider-Tipps
- Im Sommer schließt der Park erst um 21:30 Uhr – du kannst also nach dem Abendessen noch vorbeikommen und hast trotzdem Tageslicht. Der Teich im späten Julilicht, fast menschenleer, ist der Park von seiner schönsten Seite.
- Die exotischen Baumarten sind nicht beschriftet. Bring eine Pflanzenbestimmungs-App mit, wenn dich Botanik interessiert. Die chinesische Korkenzieherweide mit ihren spiralförmigen Ästen nahe dem Glaspavillon ist das beeindruckendste Exemplar.
- Die Pétanque-Plätze stehen jedem offen. Wer mitspielen möchte, kommt am besten an einem Werktag vormittags – dann sind die Stammgäste meist gut gelaunt und die Plätze weniger belegt.
- Der Bezug zu Barbara ist den meisten Besuchern unbekannt, spielt im Viertel aber durchaus eine Rolle. Das Lied 'Perlimpinpin' läuft noch heute in einigen der traditionellen Cafés im nahen Batignolles-Viertel.
- Kombiniere den Parkbesuch mit einem Spaziergang durch die Rue des Batignolles, eine fußgängerfreundliche Straße mit inhabergeführten Lebensmittelläden, etwa fünf Gehminuten entfernt – zusammen ergibt das einen perfekten Vormittag im Kiez.
Für wen ist Square des Batignolles geeignet?
- Familien mit kleinen Kindern, die Spielplätze, ein Karussell und Wiesen suchen – ganz ohne Museumsermüdung
- Entschleunigte Reisende, die den echten Pariser Alltag erleben wollen, statt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen
- Fotografinnen und Fotografen, die botanische Motive und Wasserreflexionen ohne Gedränge suchen
- Picknick-Fans, denen der Jardin du Luxembourg und die Tuilerien im Sommer zu voll sind
- Paris-Wiederkehrer, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten schon kennen und die Wohnviertel erkunden möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Bois de Vincennes
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