Parc des Buttes-Chaumont: Paris' dramatischster Park (und sein bestgehütetes Geheimnis)
Auf dem Gelände eines ehemaligen Kalksteinbruchs und einer Hinrichtungsstätte entstanden, bietet der Parc des Buttes-Chaumont auf 25 Hektar Felsen, Grotten und einen Inseltempel mitten in einem See – und die meisten Touristen finden ihn nie. Eintritt frei, bei Einheimischen geliebt, und wirklich anders als jeder andere Park der Stadt.
Fakten im Überblick
- Lage
- 1-7 rue Botzaris, 75019 Paris (19. Arrondissement)
- Anfahrt
- Buttes-Chaumont oder Botzaris (Linie 7bis); Laumière (Linie 5)
- Zeitbedarf
- 1,5 bis 3 Stunden
- Kosten
- Eintritt frei
- Am besten für
- Familien, Jogger, Fotografen, Picknicker, alle, die Paris wie ein Einheimischer erleben wollen
- Offizielle Website
- www.paris.fr/equipements/parc-des-buttes-chaumont-1757

Was ist der Parc des Buttes-Chaumont?
Der Parc des Buttes-Chaumont ist der fünftgrößte Park in Paris und erstreckt sich über 25 Hektar im 19. Arrondissement. Er ist gleichzeitig der topografisch ungewöhnlichste: Das Gelände steigt und fällt um mehr als 40 Meter und bietet echte Felswände, einen 50 Meter hohen Felsengipfel, eine Grotte mit künstlichen Stalaktiten und einen Wasserfall – alles aus einem einstigen Industriebrache herausgearbeitet. Wer den Park zum ersten Mal betritt, ist oft überrascht, wie wild er sich innerhalb der Stadtgrenzen anfühlt.
Anders als die gepflegte Symmetrie der Jardin des Tuileries oder die strenge Geometrie des Jardin du Luxembourg wurde Buttes-Chaumont als romantischer englischer Landschaftsgarten angelegt, mit geschwungenen Wegen, unerwarteten Aussichtspunkten und bewusst eingebauten Überraschungen. Der Park ist das ganze Jahr geöffnet, kostenlos, und wird fast ausschließlich von Einheimischen besucht.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit: grob von 7:00 bis 20:00 Uhr im Winter und bis 22:00 Uhr im Sommer. Aktuelle Zeiten am besten vor dem Besuch auf paris.fr prüfen.
Ein Ort mit dunkler Vergangenheit: Die Geschichte
Bevor Haussmann Paris in den 1860er Jahren umgestaltete, diente dieser Winkel des 19. Arrondissements nacheinander als Hinrichtungsstätte, Gipsabbaugebiet, Müllkippe und Tierkörperverwertungsanlage. Kaiser Napoleon III. beauftragte die Neugestaltung, um den Arbeitern von Paris einen großen öffentlichen Grünraum zu geben – vergleichbar mit den Parks Londons. Baron Haussmann leitete das Projekt und übertrug die Landschaftsgestaltung Jean-Charles Adolphe Alphand, der für alle großen Parks des Second Empire zuständig war. Die Bauarbeiten liefen von 1864 bis 1867; Arbeiter gruben den See von Hand aus und formten die Felsen aus abgebautem Stein. Am 1. April 1867 wurde der Park eröffnet – pünktlich zur Exposition Universelle.
Der Temple de la Sibylle, eine kleine runde Säulenhalle nach dem Vorbild des Vestatempels in Tivoli, wurde 1869 auf dem höchsten Punkt der Insel errichtet. Mit 50 Metern über der Seeoberfläche ist er das bekannteste Wahrzeichen des Parks.
Was du wirklich siehst: Ein Rundgang
Vom Metroausgang Buttes-Chaumont kommst du im nördlichen, tiefer gelegenen Teil an: weite Wiesen, die vom ersten warmen Frühlingstag bis in den Oktober zum Picknicken genutzt werden, ein Guignol-Puppentheater und eine kleine Ponyrennbahn. Morgens früh riecht es nach feuchtem Gras und frisch geschnittenen Blättern; die Gärtner fangen bei Sonnenaufgang an, und die ersten Jogger drehen bereits ihre Runden um den See.
Der künstliche See bedeckt rund 1,5 Hektar im Herzen des Parks. Von dort erhebt sich die Belvedere-Insel, erreichbar über zwei Brücken: einen steinernen Bogen und eine schmale eiserne Hängebrücke, die unter den Füßen schwankt. Vom Fuß der Insel führen 173 Stufen den Felsen hinauf zum Temple de la Sibylle, von wo aus man Montmartre und die Kuppel des Sacré-Cœur im Nordwesten sieht. Der späte Nachmittag, wenn das Westtlicht die Säulen des Tempels streift, ist der beste Zeitpunkt für diesen Ausblick.
💡 Lokaler Tipp
Festes Schuhwerk ist Pflicht. Die Wege oben auf der Insel sind steil und nach Regen rutschig. Die Sandalen-und-Kopfsteinpflaster-Kombination, die anderswo in Paris funktioniert, ist hier ein echtes Risiko.
Unterhalb des Hauptfelsens am Südufer liegt die Grotte des Parks: eine niedrige Höhle mit künstlichen Stalaktiten und einem kleinen Wasserfall im Inneren, selbst im Sommer kühl und dämmrig. Viele Erstbesucher gehen einfach daran vorbei, ohne sie zu bemerken.
Wie sich der Park im Laufe des Tages verändert
Die frühen Morgenstunden vor 9 Uhr gehören den Joggern und Hundebesitzern. Die Wege sind still, das Licht flach und schräg, der See spiegelt die Felsen ohne das visuelle Rauschen des Vormittags. Das ist das beste Zeitfenster für Fotos. Mittags an einem sonnigen Wochenende füllen sich die Wiesen mit Familien, Freundesgruppen und offenen Weinflaschen. Der Park ist groß genug, um die Menge aufzunehmen, ohne sich eng anzufühlen.
Der späte Nachmittag bringt das fotografisch schönste Licht: goldene Strahlen auf den Felswänden und der Seeoberfläche. Dann beginnt sich auch Rosa Bonheur, die parkneigene Guinguette (Freiluftbar und Tanzlokal), zu füllen. 2008 gegründet und per Konzession der Mairie des 19. Arrondissements betrieben, ist sie eines der ungewöhnlicheren Gastro-Konzepte in Paris.
Anfahrt und Orientierung im Park
Am direktesten erreichst du den Park über die Metrostation Buttes-Chaumont (Linie 7bis), zwei Minuten vom nördlichen Eingang. Botzaris (ebenfalls Linie 7bis) liegt auf der Ostseite; Laumière an der Linie 5 erschließt die Nordwestecke. Der Park hat 5,5 km Straßen und 2,2 km Fußwege.
Buttes-Chaumont liegt im Canal Saint-Martin und Belleville-Korridor im Nordosten von Paris. Er lässt sich gut mit einem Spaziergang am Canal de l'Ourcq oder einem Nachmittag im Parc de la Villette im Norden kombinieren.
⚠️ Besser meiden
Fahrräder, Roller und Elektrofahrzeuge sind im Park für Personen über 8 Jahren nicht erlaubt. Vélib'-Ständer befinden sich an den Parkeingängen.
Ehrliche Einschätzung: Für wen der Park geeignet ist – und für wen nicht
Buttes-Chaumont lohnt sich für alle, die Paris als lebendige Stadt erleben wollen. Es gibt keine berühmte Sammlung, kein Ticketsystem, keine Schlange. Wenn deine Reise ausschließlich aus Sehenswürdigkeiten besteht, wirkt dieser Park vielleicht wie verlorene Zeit. Aber wenn du verstehen willst, wie Pariser öffentliche Räume wirklich nutzen – wo sie picknicken, laufen, trinken und ihre Samstagnachmittage verbringen – beantwortet der Park diese Frage besser als jeder andere Ort in der Stadt.
Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten wissen, dass alle spektakulären Aussichtspunkte mit erheblichem Kletteraufwand verbunden sind. Die Wege am Seeufer sind zugänglicher, der Gipfel der Insel jedoch nicht. Wer einen flachen, vollständig barrierefreien Grünraum sucht, ist im Jardin des Plantes besser aufgehoben. Bei Regen leidet das Erlebnis spürbar: Die steilen Wege werden glatt und die gesellige Atmosphäre auf den Wiesen ist schnell dahin.
Kulturelle Randnotizen
Éric Rohmer drehte hier Szenen seines Films La Femme de l'aviateur (1981), und Jean Gabin überquerte die Hängebrücke in Jean Grémillons Film Gueule d'amour (1937). Jeden September veranstaltet der Park das Silhouette-Kurzfilmfestival, eine Woche mit kostenlosen Freiluftvorführungen – eine der ruhigeren Freuden im Pariser Herbstkalender.
Der Name wird oft falsch interpretiert: 'Buttes' bezeichnet das hügelige Gelände; 'Chaumont' leitet sich vom altfranzösischen 'chaux mont' ab, also Kalk- oder Gipsberg – ein direkter Verweis auf den jahrhundertelangen Gipsabbau auf diesem Gelände. Wer wissen möchte, wie der Park im Vergleich zu anderen Grünanlagen in Paris einzuordnen ist, findet die Antwort im Guide zu den schönsten Parks und Gärten in Paris.
Insider-Tipps
- Rosa Bonheur, die Guinguette-Bar in der Nordostecke des Parks, wird per Konzession der Mairie des 19. Arrondissements betrieben und bietet Außensitzplätze, kalte Getränke und Wochenendtanz. Im Sommer am besten vor 18 Uhr da sein, um einen Tisch zu ergattern.
- Der Temple de la Sibylle schaut direkt nach Nordwesten auf den Sacré-Cœur. Komm am späten Nachmittag mit der Sonne im Rücken – einer der schönsten Blicke auf Montmartre in ganz Paris, meist ohne andere Touristen im Bild.
- Die Grotte an der südlichen Felswand auf Seehöhe ist leicht zu übersehen. Sie ist der stimmungsvollste Winkel des Parks und fast immer menschenleer. Suche sie unterhalb des Hauptfelsens.
- Wochentags vor 9 Uhr morgens ist der Park am ruhigsten. Fotografen und ambitionierte Picknicker nutzen dieses Zeitfenster – am Wochenende füllt sich der Park nach 11 Uhr schnell.
- Das Silhouette-Kurzfilmfestival findet jeden September statt, mit kostenlosen Freilichtvorführungen nach Einbruch der Dunkelheit im Park. Lohnt sich zu prüfen, wenn du in dieser Zeit in Paris bist.
Für wen ist Parc des Buttes-Chaumont geeignet?
- Picknicker, die echtes Grün, Platz und einen Korkenzieher wollen – keine Café-Terrasse
- Fotografen auf der Suche nach Paris-Ansichten abseits der Postkartenmotive
- Familien mit Kindern: Kasperletheater, Enten, Ponyreiten, Spielplätze und weite Wiesen
- Jogger und Spaziergänger, die Höhenunterschiede statt einer flachen Runde wollen
- Neugierige Reisende, die verstehen möchten, wie Pariser einen Samstagnachmittag verbringen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Canal Saint-Martin & Belleville:
- Atelier des Lumières
In einer 3.300 m² großen Gusseisengießerei aus dem Jahr 1835 projiziert das Atelier des Lumières monumentale digitale Ausstellungen auf jede Oberfläche. Es gehört zu den ungewöhnlichsten Kulturorten in Paris – industrielle Architektur trifft auf spektakuläres visuelles Storytelling.
- Belleville
Auf 108 Metern über dem Meeresspiegel liegt der Parc de Belleville – der höchste öffentliche Park in Paris und einer der wenigen Orte, von denen aus du den Sonnenuntergang hinter dem Eiffelturm gratis erleben kannst. 1988 auf dem historischen Belleville-Hügel eröffnet, vereint der Park atemberaubende Stadtpanoramen, einen 100 Meter langen Wasserfall, echte Pinot-Meunier-Weinreben und eine authentisch lokale Atmosphäre, die die touristischen Parks im Stadtzentrum selten bieten.
- Canal Saint-Martin
Der Canal Saint-Martin erstreckt sich 4,6 Kilometer durch das 10. Arrondissement und bietet gusseiserne Fußgängerbrücken, von Platanen gesäumte Ufer und ein Viertel, das alten Pariser Arbeitercharme mit einer lebhaften kreativen Szene verbindet. Ob du an einem Sonntagsnachmittag entlangschlenderst oder eine Bootsfahrt durch die neun Schleusen unternimmst – das hier ist eines der schönsten kostenlosen Erlebnisse der Stadt.
- Friedhof Père Lachaise
Der Cimetière du Père-Lachaise ist der meistbesuchte Friedhof der Welt und gleichzeitig das größte Grünflächenareal im Osten von Paris. Der Eintritt ist kostenlos, und auf 44 Hektar mit geschwungenen Wegen, kunstvollen Grabmälern und alten Kastanienbäumen lohnt sich ein Besuch – ob als Freiluftmuseum oder als Ort echter Besinnung.