Père Lachaise: Paris' Stadt der Unsterblichen

Der Cimetière du Père-Lachaise ist der meistbesuchte Friedhof der Welt und gleichzeitig das größte Grünflächenareal im Osten von Paris. Der Eintritt ist kostenlos, und auf 44 Hektar mit geschwungenen Wegen, kunstvollen Grabmälern und alten Kastanienbäumen lohnt sich ein Besuch – ob als Freiluftmuseum oder als Ort echter Besinnung.

Fakten im Überblick

Lage
16 Rue du Repos, 75020 Paris (20. Arrondissement)
Anfahrt
Philippe Auguste (Linie 2, Haupteingang) oder Gambetta (Linie 3, oberer Eingang)
Zeitbedarf
2–4 Stunden für einen gezielten Besuch; ein halber Tag, wenn du alles erkundest
Kosten
Eintritt frei
Am besten für
Geschichtsinteressierte, Kunst- und Architekturbegeisterte, Einzelreisende, Fotografie
Sonnenbeschienener Kopfsteinpflasterweg, der sich zwischen kunstvollen Grabmälern und Mausoleen unter belaubten Bäumen im Friedhof Père Lachaise in Paris hindurchschlängelt – Frieden und Geschichte in einem.

Was ist Père Lachaise wirklich?

Der Cimetière du Père-Lachaise ist keine gewöhnliche Touristenattraktion. Er ist aktiver Friedhof, Park, Freiluftmuseum für Grabskulptur und einer der atmosphärischsten Orte in Paris – alles auf einmal. 1804 auf einem bewaldeten Hügel am damaligen östlichen Stadtrand eröffnet, wurde er vom Architekten Alexandre-Théodore Brongniart auf dem ehemaligen Anwesen von Père François de la Chaise entworfen, dem Beichtvater Ludwigs XIV. Heute umfasst er 44 Hektar, beherbergt rund 70.000 Grabstellen und zieht jährlich mehr Besucher an als jeder andere Friedhof der Welt.

Diese Zahl kann einen falschen Eindruck vermitteln. An den meisten Werktagen – besonders zwischen November und Februar – ist der Friedhof wirklich ruhig. Man hört Tauben, das Knirschen von Kies und das ferne Rauschen des Ostpariser Verkehrs. Keine Reisegruppenführer, sofern man sie nicht aktiv aufsucht. Père Lachaise besitzt diese seltene Eigenschaft unter Pariser Sehenswürdigkeiten: Er schluckt Menschenmengen, ohne sich voll anzufühlen – einfach weil 44 Hektar schlicht viel Platz sind.

💡 Lokaler Tipp

Hol dir am Haupteingang am Boulevard de Ménilmontant oder an der Porte des Amandiers (April bis Oktober) einen kostenlosen Papierplan. Ohne einen solchen ist das Navigieren durch die über 5.000 Wege selbst mit Smartphone echtes Kopfzerbrechen.

Öffnungszeiten und Eingänge

Der Friedhof hat zwei Saisonstaffeln. Vom 16. März bis 5. November öffnet er werktags um 8:00 Uhr, samstags um 8:30 Uhr und sonn- sowie feiertags um 9:00 Uhr; Schließung ist durchgehend um 18:00 Uhr, letzter Einlass um 17:15 Uhr. Vom 6. November bis 15. März gelten dieselben Öffnungszeiten, aber die Schließzeit ist werktags und samstags auf 17:30 Uhr vorgezogen, sonn- und feiertags auf 17:00 Uhr. Der Eintritt ist immer kostenlos.

Es gibt mehrere Eingänge. Das Haupttor am Boulevard de Ménilmontant (gegenüber Nummer 21) ist der am stärksten frequentierte und wird von der Métrostation Philippe Auguste (Linie 2) bedient. Der Gambetta-Eingang weiter oben am Hang im Nordosten ist praktisch, wenn man aus dieser Richtung kommt oder die neueren Abteilungen zuerst erkunden möchte. Auch die Porte des Amandiers nahe der Métrostation Père Lachaise (Linien 2 und 3) funktioniert gut. Jeder Eingang führt in einen anderen Teil des Geländes – die Wahl des Tors hat also echten Einfluss auf die Route.

⚠️ Besser meiden

Wenn du einen Leichenwagen oder eine kleine Trauergesellschaft an einem Grab siehst, halt gebührenden Abstand. Père Lachaise ist nach wie vor ein aktiver Bestattungsort, und Beerdigungen finden regelmäßig statt. Stille und Diskretion sind hier nicht nur höfliche Bitte, sondern selbstverständliche Erwartung.

Das Gelände: Mehr als ein Friedhof

Brongniarts ursprüngliches Entwurfskonzept verband die englische Gartentradition mit einem französischen Verständnis von bürgerlicher Repräsentation. Das Ergebnis ist ein Friedhof, der sich wie eine kleine Stadt auf einem Hang anfühlt – mit benannten Alleen, Kreuzungen und Vierteln mit jeweils eigenem Charakter. Das älteste Areal, manchmal als romantische Sektion bezeichnet, liegt im Südwesten und umfasst die ursprünglichen 16 Acres von 1804. Die Grabmäler hier gehören zu den dramatischsten der Welt: Neugotische Türme, ägyptische Obelisken, Haussmann-zeitliche Gruftgewölbe mit Eisentoren und modernistische Platten stehen nebeneinander – ohne erkennbare Logik außer dem Lauf der Zeit.

Das Gelände ist wirklich hügelig. Im zentralen Bereich rund um die Abteilungen 36 bis 49 gibt es einige der steilsten Steigungen des gesamten Areals, und die Wege reichen von breiten, gepflasterten Alleen bis hin zu schmalen Kieswegen zwischen dicht gedrängten Grabmälern. Festes Schuhwerk mit Profil ist empfehlenswert. Im Herbst machen Laubblätter die Hänge rutschig; bei Regen werden einige unbefestigte Wege matschig. Die Bäume – hauptsächlich Kastanien und Linden – spenden im Sommer Schatten und bilden im Winter ein skelettartiges Geäst, das der Atmosphäre noch mehr Tiefe verleiht.

Wer sich für das weitere Spektrum der Pariser Grünflächen interessiert, kann den Friedhofsbesuch gut mit einem Spaziergang durch den Parc des Buttes-Chaumont verbinden – ein gestalteter Park im selben nordöstlichen Stadtbogen, der eine ganz andere Facette des Pariser Designs aus dem 19. Jahrhundert zeigt.

Wer hier begraben liegt: Die bekanntesten Gräber

Die ursprüngliche Marketingkampagne für den Friedhof ist eines der ungewöhnlicheren Kapitel der Pariser Handelsgeschichte. Als Père Lachaise erstmals öffnete, zögerten die Pariser, ihre Toten so weit vom Stadtzentrum entfernt zu bestatten. Die Verwaltung reagierte, indem sie die sterblichen Überreste von Molière, La Fontaine, Héloïse und Abaelard auf das Gelände überführte und dem Friedhof damit sofort Prestige verlieh. Es funktionierte. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde eine Beisetzung hier zum Zeichen kultureller Bedeutung, und die Liste der Bestatteten wuchs zu einem inoffiziellen Kanon des französischen Geistes- und Künstlerlebens heran.

Zu den meistbesuchten Gräbern zählen Frédéric Chopin (Abteilung 11), dessen Grabmal polnische Besucher regelmäßig mit Blumen schmücken; Marcel Proust (Abteilung 85); Honoré de Balzac (Abteilung 48); Guillaume Apollinaire (Abteilung 86) und Colette (Abteilung 4). Oscar Wildes Grab in Abteilung 89, 1914 von Jacob Epstein gestaltet, ist eines der meistfotografierten Objekte des Friedhofs. Jahrzehntelang bedeckten Besucher es mit Lippenstiftküssen; 2011 wurde eine Glasbarriere installiert, um weiteren Steinschaden zu verhindern.

Jim Morrisons Grab in Abteilung 6 ist nach wie vor die meistbesuchte Grabstelle überhaupt. Es liegt in einem unscheinbaren Teil des älteren Friedhofsbereichs, umgeben von schlichten französischen Grabmälern – genau dieser Kontrast macht es interessant. Zu fast jeder Jahreszeit findet sich eine kleine Menschentraube davor. Früh morgens, gegen 8:30 Uhr, lässt sich der Besuch oft noch in relativer Ruhe genießen.

ℹ️ Gut zu wissen

Die Abteilungsnummern auf dem Gratisplan sind dein wichtigstes Navigationswerkzeug. Lern, das Abteilungsraster der Karte mit den nummerierten Markierungen an den Wegkreuzungen abzugleichen. Nach etwa zehn Minuten hat man den Dreh raus.

Historische und kulturelle Bedeutung

Père Lachaise ist nicht nur wegen seiner berühmten Bewohner bedeutend. Im Mai 1871 endete hier der letzte Widerstand der Pariser Kommune. Die überlebenden Kommunarden wurden auf dem Friedhof in die Enge getrieben und gegen die heute als Mur des Fédérés – die Föderalistenmauer – bekannte Mauer in Abteilung 76 erschossen. Über hundert Leichen wurden am Fuß der Mauer in einem Massengrab verscharrt. Die Stätte wurde im gesamten 20. Jahrhundert zu einem Wallfahrtsort der französischen Linken und ist bis heute ein Ort politischer Erinnerung.

Die Grabskulpturen auf dem gesamten Friedhof bilden eine der umfassendsten Freilichtsammlungen monumentaler Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Europa. Man findet hier alles: von neoklassischen Porträtbüsten über Jugendstil-Eisenreliefs bis hin zu reduzierten modernistischen Grabsteinen. Manche der eindrucksvollsten Stücke zieren Gräber von Menschen, deren Namen einem ausländischen Besucher nichts sagen – ein gutes Argument dafür, zumindest einen Teil des Besuchs ohne festes Programm zu verbringen.

Wer durch die Skulpturen in Père Lachaise Interesse an Pariser Monumentalkunst entwickelt, findet im Musée Bourdelle und dem Musée Rodin weiteren Kontext – auch wenn beide in anderen Stadtteilen liegen.

Wie sich der Besuch je nach Tageszeit und Jahreszeit verändert

Der frühe Morgen – von der Öffnung bis etwa 10:00 Uhr – ist die atmosphärischste Besuchszeit. Das Licht fällt flach durch die Bäume, besonders schön im Herbst, wenn die Blätter gold und orange leuchten. Auf den Wegen trifft man vor allem Jogger, Hundebesitzer und gelegentlich einen Gärtner beim Laubharken. Es riecht nach feuchtem Stein und Erde, hin und wieder durchbrochen vom Duft frischer Blumen an einem Grab.

Mittags kommen die meisten Touristengruppen – in der Regel zwischen 10:30 und 14:00 Uhr, konzentriert auf die zwölf oder so berühmten Gräber. Wer im Frühling oder Sommer fotografiert und keine Menschenmassen im Bild möchte, kommt am besten früh oder nach 15:30 Uhr, wenn viele Gruppen weitergezogen sind. An Wochenenden im Mai und Juni können die Hauptalleen nahe den Gräbern von Molière, Chopin und Morrison richtig voll werden.

Winterbesuche haben ihre eigene Logik. Zwischen November und Februar ist es kalt und oft grau, aber das fehlende Laub gibt den Blick auf die Architektur der Grabmäler frei, und die Atmosphäre wechselt vom Malerischen zu etwas Ruhigerem, Kargem. Warme Schichten einpacken – der Wind fegt ungehindert über die oberen Hangbereiche.

Père Lachaise liegt im 20. Arrondissement, am Rand des Viertels Canal Saint-Martin und Belleville. Nach dem Besuch bieten die Straßen rund um Belleville und Ménilmontant einige der interessantesten unabhängigen Cafés und Restaurants im Osten von Paris – ein natürlicher Abschluss für den Tag.

Praktische Hinweise für deinen Besuch

Essen und Trinken auf dem Friedhofsgelände ist nicht gestattet. Toiletten gibt es nahe den Haupteingängen, aber eigenes Papier mitbringen ist ratsam. Das Gelände stellt für Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine echte Herausforderung dar: Einige flache Wege nahe den Haupteingängen sind gut befahrbar, aber der Großteil des Areals beinhaltet Stufen, Steigungen und unebenes Kiesgefläche. Sitzgelegenheiten sind rar – wer einen langen Besuch plant, sollte das einkalkulieren.

Fotografieren ist überall willkommen, und der Friedhof gehört zu den besten kostenlosen Fotolocations in Paris. Das Zusammenspiel von Licht, Schatten, Architektur und natürlicher Textur erzeugt Ergebnisse, die anderswo in der Stadt kaum zu erzielen sind. Früh morgens im Herbst oder nach leichtem Regen, wenn der Stein nass und dunkel ist, entstehen besonders starke Aufnahmen.

Wer mehr über Fotospots in Paris erfahren möchte, findet im beste Fotospots in Paris-Guide eine Auswahl an Orten, die einen Besuch hier sinnvoll ergänzen.

Wer eine umfassendere Reiseroute plant, die bekannte Sehenswürdigkeiten mit weniger offensichtlichen Orten verbindet, findet im Paris-Reiseroute für 3 Tage Père Lachaise in logischer Reihenfolge neben anderen Stadtvierteln eingebettet.

Insider-Tipps

  • Der Gambetta-Eingang im Nordosten bringt dich direkt in die Abteilungen 70–97, wo du Proust, Apollinaire und die Mur des Fédérés findest – mit deutlich weniger Andrang als am Haupteingang am Boulevard.
  • Jim Morrisons Grab wird immer besucht, aber die benachbarte Abteilung 6 beherbergt einige der schönsten Belle-Époque-Grabmäler des gesamten Friedhofs. Schau dich ruhig in den umliegenden Feldern um, statt nur vor dem berühmten Grab zu stehen.
  • Kostenlose Papierkarten gibt es an den Eingängen, unter anderem an der Porte des Amandiers (April bis Oktober). Das Personal beantwortet Orientierungsfragen auf Französisch.
  • Die Mur des Fédérés in Abteilung 76 ist historisch gesehen der bedeutendste Ort des Friedhofs – und wird von den meisten Besuchern übersehen. Eine schlichte Backsteinmauer mit einer kleinen Gedenktafel im südöstlichen Eck. Der Kontrast zwischen ihrer Bescheidenheit und ihrer Geschichte ist bemerkenswert.
  • Wenn du Ende Oktober oder Anfang November rund um Allerheiligen (Toussaint) kommst, schmücken Familien die Gräber mit frischen Chrysanthemen. Der Anblick verwandelt den gesamten Friedhof – zu keiner anderen Jahreszeit sieht er so aus.

Für wen ist Friedhof Père Lachaise geeignet?

  • Geschichts- und Literaturbegeisterte, die den greifbaren Spuren des französischen Kulturlebens über drei Jahrhunderte nachspüren möchten
  • Architektur- und Kunstliebhaber, die Grabskulpturen von der Romantik bis zur frühen Moderne erleben wollen
  • Fotografen, die einen kostenlosen, stimmungsvollen Ort mit starken natürlichen und architektonischen Motiven in jeder Jahreszeit suchen
  • Alleinreisende, die lieber ohne festes Programm umherstreifen, als sich in Warteschlangen vor Touristenattraktionen einzureihen
  • Besucher mit einem halben freien Tag, die etwas wirklich anderes als die übliche Pariser Sehenswürdigkeitenroute suchen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Canal Saint-Martin & Belleville:

  • Atelier des Lumières

    In einer 3.300 m² großen Gusseisengießerei aus dem Jahr 1835 projiziert das Atelier des Lumières monumentale digitale Ausstellungen auf jede Oberfläche. Es gehört zu den ungewöhnlichsten Kulturorten in Paris – industrielle Architektur trifft auf spektakuläres visuelles Storytelling.

  • Belleville

    Auf 108 Metern über dem Meeresspiegel liegt der Parc de Belleville – der höchste öffentliche Park in Paris und einer der wenigen Orte, von denen aus du den Sonnenuntergang hinter dem Eiffelturm gratis erleben kannst. 1988 auf dem historischen Belleville-Hügel eröffnet, vereint der Park atemberaubende Stadtpanoramen, einen 100 Meter langen Wasserfall, echte Pinot-Meunier-Weinreben und eine authentisch lokale Atmosphäre, die die touristischen Parks im Stadtzentrum selten bieten.

  • Canal Saint-Martin

    Der Canal Saint-Martin erstreckt sich 4,6 Kilometer durch das 10. Arrondissement und bietet gusseiserne Fußgängerbrücken, von Platanen gesäumte Ufer und ein Viertel, das alten Pariser Arbeitercharme mit einer lebhaften kreativen Szene verbindet. Ob du an einem Sonntagsnachmittag entlangschlenderst oder eine Bootsfahrt durch die neun Schleusen unternimmst – das hier ist eines der schönsten kostenlosen Erlebnisse der Stadt.

  • Parc des Buttes-Chaumont

    Auf dem Gelände eines ehemaligen Kalksteinbruchs und einer Hinrichtungsstätte entstanden, bietet der Parc des Buttes-Chaumont auf 25 Hektar Felsen, Grotten und einen Inseltempel mitten in einem See – und die meisten Touristen finden ihn nie. Eintritt frei, bei Einheimischen geliebt, und wirklich anders als jeder andere Park der Stadt.