Bois de Vincennes: Der komplette Guide zu Pariser größtem Ostpark
Mit knapp 1.000 Hektar am östlichen Stadtrand ist der Bois de Vincennes Pariser größte Grünfläche: uralter Wald, drei Seen, ein botanischer Garten, ein erstklassiger Zoo und eine mittelalterliche Königsburg – ideal für einen entspannten Nachmittag oder einen ganzen Tag.
Fakten im Überblick
- Lage
- Östlicher Stadtrand von Paris, 12. Arrondissement (75012)
- Anfahrt
- Métro Linie 1, Château de Vincennes (Haupteingang); Porte Dorée auf Linie 8 (Zoo/Parc Floral)
- Zeitbedarf
- 2–3 Stunden für einen gezielten Besuch; ganzer Tag für Park + Burg + Zoo
- Kosten
- Park kostenlos; Parc Floral 3 € (Apr.–Sep.); Zoo und Château kosten extra
- Am besten für
- Familien, Radfahrer, Picknick-Fans, Geschichtsinteressierte, Tierfreunde
- Offizielle Website
- www.paris.fr/lieux/2439-bois-de-vincennes

Was der Bois de Vincennes wirklich ist
Der Bois de Vincennes ist Pariser größter Park – 995 Hektar entlang des östlichen Stadtrands. Er ist fast doppelt so groß wie der Central Park in New York und groß genug, um einen ganzen Tag hier zu verbringen, ohne einen Weg zweimal zu gehen. Das hier ist kein gepflegter Garten wie die Tuilerien: Ein Großteil ist echtes Waldgelände mit dichtem Blätterdach, unbefestigten Waldwegen und drei Seen, auf denen sich tatsächlich rudern lässt.
Erstmals urkundlich erwähnt bereits im Jahr 847 n. Chr., diente das Gelände im Mittelalter als königliches Jagdrevier. Napoleon III. und sein Stadtplaner Haussmann verwandelten es zwischen 1855 und 1866 in einen öffentlichen Park und bepflanzten es nach englisch-romantischem Vorbild neu. 1929 wurde es Paris eingemeindet und gehört heute zum 12. Arrondissement.
Innerhalb seiner Grenzen findest du den Parc Floral de Paris, das Château de Vincennes (eine der größten erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Europas), den Parc Zoologique de Paris (Pariser Zoo), einen buddhistischen Tempel, eine Pferderennbahn, ein Velodrom, ein Puppentheater und mehrere Cafés. Wer hierher kommt und einfach nur spazieren gehen will, wird von dieser Dichte an Möglichkeiten angenehm überrascht – das ist eine klassisch Pariser Erfahrung.
💡 Lokaler Tipp
Der Park selbst ist kostenlos und ganzjährig rund um die Uhr geöffnet. Die einzelnen Attraktionen im Inneren (Parc Floral, Zoo, Château-Innenbereich) erheben jeweils separate Eintrittsgebühren und haben saisonale Öffnungszeiten. Überleg dir vorher, was du sehen möchtest – besonders wenn du mit Kindern kommst.
Der Park zu verschiedenen Tageszeiten
Die frühen Morgenstunden gehören hier den Joggern und Gassigehern aus dem 12. Arrondissement. Das Licht fällt tief und diffus durch das Blätterdach aus Eichen und Kastanien, und die Seen – besonders der Lac Daumesnil – spiegeln die Baumreihen nahezu spiegelglatt, bevor der Wind aufkommt. Am späten Vormittag an Wochenenden treffen Familien mit Picknickdecken ein, die Seewege füllen sich mit Radfahrern, und der Parc Floral zieht Besucher mit seinen saisonalen Pflanzungen an. Die Atmosphäre bleibt entspannt statt gedrängt, und im Hochsommer ist das schattige Waldinnere einer der kühlsten Orte der Stadt.
Der späte Nachmittag ist das beste Zeitfenster für Fotos. Das westliche Licht trifft die Oberfläche des Lac de Saint-Mandé und taucht die Türme des Château de Vincennes in ein warmes, schräges Licht, das die Mittagssonne nicht erzeugt. Der Bootsverleih am Lac Daumesnil läuft im Sommer bis in den frühen Abend – eine spätnachmittägliche Ruderpartie gehört zu den still-schönen Dingen hier.
Das Château de Vincennes: Eine Königsburg, die kaum jemand kennt
An der westlichen Spitze des Parks, direkt neben dem Métro-Ausgang, steht die mittelalterliche Königsburg, die dem gesamten Gebiet seinen Namen gab. Der Bergfried, im 14. Jahrhundert unter Karl V. erbaut, erhebt sich 52 Meter hoch und ist einer der höchsten mittelalterlichen Türme Frankreichs. Die Ringmauern und der Burggraben sind weitgehend erhalten. Die meisten Paris-Besucher sehen Fotos von Versailles, ohne je zu erfahren, dass dieses Bauwerk existiert.
Der Zugang zum äußeren Burghof ist kostenlos und die wenigen Minuten wert – auch wenn du kein Ticket für das Innere kaufst. Im Frühjahr und Sommer nisten Wanderfalken im oberen Mauerwerk des Bergfrieds. Das Innere wird vom Centre des Monuments Nationaux verwaltet, erfordert ein Ticket und umfasst die Sainte-Chapelle de Vincennes, eine Kapelle im Flamboyant-Gotik-Stil, die eng mit der berühmteren Sainte-Chapelle auf der Île de la Cité verwandt ist.
ℹ️ Gut zu wissen
Das Château de Vincennes hat eigene Eintrittspreise und Öffnungszeiten, die separat vom Park verwaltet werden. Schau vor dem Besuch auf der Website des Centre des Monuments Nationaux nach, da die Zeiten je nach Saison variieren und das Schloss gelegentlich für Veranstaltungen geschlossen ist.
Parc Floral und die Seen: Zwei gegensätzliche Seiten
Der Parc Floral de Paris umfasst 31 Hektar innerhalb des Bois und wird seit 1969 als botanischer Garten der Stadt Paris betrieben. Er bietet wechselnde Saisonbepflanzungen, einen Kinderspielbereich, Minigolf und Sommerkonzerte im Freien. Der Eintritt kostet 2,60 € für Erwachsene (1,50 € ermäßigt) von April bis September; im Winter ist der Eintritt frei, allerdings schließt der Garten an bestimmten Feiertagen.
Der Garten ist für aufeinanderfolgende Farben über das Jahr hinweg bepflanzt: Tulpen und Narzissen im Frühfrühling, Dahlien und Seerosen durch den Sommer, und japanische Ahorne in leuchtendem Orange-Rot im Oktober. Wer sich für das botanische Paris insgesamt interessiert, kann diesen Besuch gut mit einem Ausflug zum Jardin des Plantes im 5. Arrondissement verbinden – der einen anderen Charakter hat (formeller, wissenschaftlicher), aber eine ähnlich unterschätzte Tiefe.
Die beiden Hauptseen des Parks, Lac Daumesnil und Lac de Saint-Mandé, bestimmen die westliche Seite. Ruder- und Tretboote können am Lac Daumesnil für rund 14,80 € pro Stunde für eine oder zwei Personen gemietet werden. Zwei kleine Inseln im See, über Fußgängerbrücken verbunden, beherbergen einen buddhistischen Tempel (Centre Bouddhiste de Paris) und einen Café-Kiosk. Diese Inseln bleiben selbst an belebten Wochenenden ruhig, weil viele Besucher sie vom Hauptweg aus schlicht nicht wahrnehmen.
Rad- und Wanderrouten
Der Bois de Vincennes verfügt über mehr als 80 Kilometer Wege, darunter eigene Radwege, die durch den Wald und um die Seen führen. Es ist einer der wenigen Orte in Paris, wo man einen echten Radelrhythmus aufrechterhalten kann, ohne ständig an Ampeln zu stoppen. Vélib'-Stationen an mehreren Parkeingängen machen es leicht, hier zu starten und zu enden, ohne ein eigenes Fahrrad mitbringen zu müssen.
Wer eine Route plant, findet die Seerunde um den Lac Daumesnil (rund 4 Kilometer) am landschaftlich schönsten und auch für Fußgänger am zugänglichsten. Die Waldwege tiefer im Park sind ruhiger und weniger beschildert – eine vorab heruntergeladene Offline-Karte ist hilfreich. Einen Überblick über Radrouten in ganz Paris bietet der Paris-Verkehrsguide mit Vélib'-Preisen, Radinfrastruktur und praktischen Tipps für die Navigation durch die Stadt.
⚠️ Besser meiden
Einige unbefestigte Waldwege werden nach Regen matschig und rutschig. Trag im Herbst oder Winter Schuhe mit griffiger Sohle und meide die Waldpfade im Inneren direkt nach starken Niederschlägen.
Der Zoo: Lohnt sich der Abstecher?
Der Parc Zoologique de Paris wurde 2014 nach umfassender Renovierung wiedereröffnet und ist tatsächlich ein sehr guter moderner Zoo, gegliedert in fünf Biozonen, die unterschiedliche globale Ökosysteme abbilden: Sahel-Sudan-Savanne, Patagonien, tropischer Regenwald und mehr. Er umfasst 14,5 Hektar innerhalb des Bois und beherbergt rund 180 Tierarten, betrieben vom Muséum National d'Histoire Naturelle. Die nächste Métro-Station ist Porte Dorée auf Linie 8 (unter 10 Minuten zu Fuß). Aktuelle Ticketpreise am besten auf der offiziellen Zoo-Website prüfen und in den Schulferien online buchen – die Warteschlangen an der Kasse können lang sein.
Wer einen langen Familientag mit Zoo und dem Rest des Bois plant, sollte prüfen, ob der Paris Museum Pass zum Zeitpunkt des Besuchs den Zooeintritt abdeckt – und einkalkulieren, dass Zoo und Parc Floral auf gegenüberliegenden Seiten des Parks liegen, rund 30 Minuten zu Fuß voneinander entfernt.
Anreise und praktische Infos
Der einfachste Einstiegspunkt ist die Station Château de Vincennes auf Métro-Linie 1, der Ost-West-Achse, die auch den Louvre und die Champs-Élysées bedient. Vom Ausgang aus sind Parkeingang und Burg sofort sichtbar. Für den Zoo nimmst du stattdessen Porte Dorée auf Linie 8. Die Busse 46, 86 und 325 halten ebenfalls an Haltestellen neben dem Park, und die Tram T3a hält an der Porte Dorée. Vélib'-Stationen gibt es an mehreren Eingängen; Autofahren ist möglich, aber die Parkplätze füllen sich an warmen Wochenenden schnell.
Der Bois de Vincennes liegt am östlichen Stadtrand von Paris, etwa 20 Métro-Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Er fügt sich gut in ein Programm ein, das die östlichen Sehenswürdigkeiten von Paris verbindet: der Marché d'Aligre im 12. Arrondissement ist etwa 15 Métro-Minuten entfernt, und das Bercy Village ist über die Linie-14-Verbindung am Bahnhof Bercy erreichbar. Für einen ganzen Tag im Osten von Paris schau in den 3-Tage-Paris-Reiseplan für Planungsideen.
Ehrliche Einschätzung: Für wen lohnt es sich – und für wen nicht?
Der Bois de Vincennes ist kein glamouröser Ort. Er hat nicht die gepflegte Schönheit des Jardin du Luxembourg und auch nicht die majestätische Achsengeometrie der Tuilerien. Viele Waldwege sind funktional statt malerisch, und wer einen formellen Garten erwartet, wird die ländlichen Abschnitte vielleicht enttäuschend finden. Wer nur einen freien Nachmittag hat und vor allem auf Ästhetik aus ist, bekommt im Luxembourg mehr pro Quadratmeter.
Wo der Bois de Vincennes punktet, ist Weitläufigkeit, Abwechslung und das Gefühl, wirklich in Ruhe anzukommen. Familien, die Platz brauchen, Radfahrer, die Kilometer machen wollen, Picknick-Fans, die Raum suchen, und alle, die sich für die mittelalterliche Geschichte am Westeingang interessieren, werden ihn als einen der lohnendsten Parkbesuche in Paris erleben. Wie er sich im Vergleich zu anderen Grünanlagen der Stadt schlägt, erklärt der Guide zu den besten Parks und Gärten in Paris im Detail.
Insider-Tipps
- Die beiden kleinen Inseln im Lac Daumesnil sind über Fußgängerbrücken verbunden und fast immer ruhiger als der Hauptweg am Seeufer. Der buddhistische Tempel auf der größeren Insel (Centre Bouddhiste de Paris) ist für respektvolle Besucher geöffnet.
- Wanderfalken nisten vom Spätwinter bis in den Sommer im Bergfried des Château de Vincennes. Stell dich im äußeren Burghof hin und schau am späten Nachmittag nach oben – du kannst sie über den Zinnen jagen sehen. Der Zugang zum Burghof ist kostenlos.
- Der Parc Floral ist in den Wintermonaten (November bis März) kostenlos zu besichtigen, was Herbstbesuche mit leuchtendem Blätterdach praktisch zum Nulltarif macht. Überprüfe die genauen Daten auf der offiziellen Paris.fr-Seite vor dem Besuch.
- Vélib'-Fahrräder, die an einer zentralen Pariser Station ausgeliehen wurden, können über die eigens ausgebaute Fahrradinfrastruktur entlang der Coulée Verte / Promenade Plantée bis in den Bois gefahren werden – der Korridor führt durch das 12. Arrondissement und verbindet sich mit dem nördlichen Parkrand.
- Das Puppentheater (Les Marionnettes du Parc Floral) kostet rund 5 € pro Person und zeigt Vorstellungen mittwochs, am Wochenende und in den Schulferien. Die Stücke sind auf Französisch, aber die Slapstick-Einlagen kommen auch bei Kindern an, die die Sprache nicht sprechen.
Für wen ist Bois de Vincennes geeignet?
- Familien mit kleinen Kindern, die Freiraum, Spielplätze, einen Zoo und ein Puppentheater bei einem einzigen Ausflug wollen
- Radfahrer, die eine lange, weitgehend autofreie Route durch echten Wald suchen – verbindbar mit der Promenade Plantée
- Geschichtsbegeisterte, die mittelalterliche französische Architektur erleben möchten, ohne den Touristenandrang von Versailles
- Picknick-Fans und Einheimische, die einen entspannten Nachmittag mit Seeblick, Ruderbooten und viel Platz suchen
- Fotografen, die mit natürlichem Licht arbeiten und frühmorgendliche Spiegelungen auf den Seen oder das warme Abendlicht auf den Burgtürmen einfangen wollen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Château de Fontainebleau
Älter als Versailles und von mehr französischen Monarchen genutzt: Das Château de Fontainebleau ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, 55 km südöstlich von Paris. Mit über 1.900 Räumen, kostenlos zugänglichen Gartenanlagen und deutlich weniger Andrang als andere Königsschlösser lohnt sich die 40-minütige Zugfahrt aus Paris allemal.
- Château de Vaux-le-Vicomte
Das zwischen 1656 und 1661 für Finanzminister Nicolas Fouquet erbaute Château de Vaux-le-Vicomte ist das größte Schloss in Privatbesitz in Frankreich. Seine formalen Gärten, vergoldeten Prunkräume und die außergewöhnliche Geschichte dahinter machen es zu einem der lohnendsten Tagesausflüge von Paris.
- Château de Vincennes
Am östlichen Rand von Paris erhebt sich das Château de Vincennes – eine der vollständigsten mittelalterlichen Königsfestungen Europas. Mit dem höchsten mittelalterlichen Bergfried Frankreichs und einer beeindruckenden Gotikkapelle belohnt es alle, die sich jenseits der Touristenzentren vorwagen, mit Jahrhunderten nahezu unberührter Königsgeschichte.
- Cité des Sciences et de l'Industrie
Frankreichs größtes Wissenschafts- und Technikmuseum befindet sich in einem markanten Glas-Stahl-Bau am nördlichen Rand des Parc de la Villette. Mit interaktiven Dauerausstellungen, einem digitalen Planetarium, dem U-Boot Argonaute und speziellen Kinderbereichen lohnt sich ein halber Tag – und das Erlebnis übertrifft bei Weitem das, was man von einem normalen Museumsbesuch erwartet.