Queen Elizabeth Olympic Park: Olympisches Erbe im East End Londons
Für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2012 erbaut, verwandelte der Queen Elizabeth Olympic Park ein ehemaliges Industriebrachen in Stratford in rund 100 Hektar Parklandschaft, Feuchtgebiete und erstklassige Sportstätten. Der Eintritt in die Grünflächen ist kostenlos, und der Park fungiert heute als echter Stadtteilpark genauso wie als Touristenattraktion.
Fakten im Überblick
- Lage
- Stratford, Ost-London (E20 1JN)
- Anfahrt
- Stratford International (6 Min. zu Fuß); West Ham (8 Min. zu Fuß); Bahnhof Stratford (Jubilee, Central, Elizabeth Line, DLR, Overground)
- Zeitbedarf
- 2–4 Stunden für den Park; ganzer Tag, wenn du die Sportstätten besuchst
- Kosten
- Parkeintritt kostenlos; einzelne Sportstätten und Aktivitäten kosten extra
- Am besten für
- Familien, Architekturbegeisterte, Jogger und alle, die das olympische Erbe erkunden möchten
- Offizielle Website
- www.queenelizabetholympicpark.co.uk

Was der Queen Elizabeth Olympic Park wirklich ist
Der Queen Elizabeth Olympic Park ist kein Freizeitpark, kein Museum und kein Denkmal. Er ist ein öffentlicher Park – rund 100 Hektar zurückgewonnenes Ost-Londoner Land, das vor Londons Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 brachliegendes Industriegelände war. Die Transformation war gewaltig: verseuchte Böden wurden saniert, Flussläufe umgeleitet und eine völlig neue Landschaft von Grund auf bepflanzt. Als der Park 2013 unter seinem heutigen Namen wiedereröffnete, wurde er als größter neuer Stadtpark beschrieben, der in Europa seit über 150 Jahren angelegt worden war.
Heute umfasst der Park rund 10 Hektar Wald, weitläufige Feuchtgebiete, Radwege, Spielplätze und eine Reihe ikonischer Olympiastätten, die noch immer aktiv genutzt werden. Das Aquatics Centre, das Velodrom, das London Stadium (heute Heimspielstätte von West Ham United) und der Aussichtsturm ArcelorMittal Orbit liegen innerhalb oder direkt angrenzend an den Park. Die meisten kommen zum Spazierengehen, Joggen oder Picknicken. Einige besuchen gezielt die Sportstätten. Und manche kommen mit der Erwartung eines durchgetakteten Ausflugziels und gehen leicht enttäuscht – was allerdings mehr über die Erwartungen aussagt als über den Park selbst.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Grünflächen des Parks sind in der Regel rund um die Uhr zugänglich, obwohl einige Tore und Bereiche über Nacht aus Sicherheitsgründen oder für Veranstaltungen geschlossen werden können. Der Informationspunkt im Pavilion, Stratford Cross, öffnet täglich von 11:00 bis 16:00 Uhr. Die Wasserfontänen im South Park Waterworks laufen von 10:00 bis 17:00 Uhr. Die Öffnungszeiten der einzelnen Sportstätten variieren stark – immer vorab prüfen, bevor du ein bestimmtes Gebäude besuchen möchtest.
Die Parklandschaft: Was du beim Spaziergang erwartet
Der Park gliedert sich grob in einen Nordpark und einen Südpark, getrennt durch die Hauptradroute Veloway und die Wasserläufe der Lea Navigation. Im Südpark verbringen die meisten Besucher ihre Zeit: Hier befinden sich die Wasserfontänen, die großen Rasenflächen für Veranstaltungen und direkte Sichtachsen auf den ArcelorMittal Orbit – den verdrehten Stahlaussichtsturm, der von Anish Kapoor und Cecil Balmond entworfen wurde und nach wie vor zu Londons umstrittensten öffentlichen Kunstwerken zählt.
Der Nordpark wirkt ruhiger und naturnaher. Die Feuchtgebietsvegetation hier – Gräser, Wildblumen und wassertolerante Pflanzen – zieht Watvögel an und bildet einen Korridor für Stadtwildtiere. An einem Wochenmorgen kann man die nördlichen Wege mit kaum anderen Besuchern erkunden, was für einen bedeutenden Londoner Grünraum ungewöhnlich ist. Der Kontrast zur polierten Veranstaltungsinfrastruktur im Süden ist bemerkenswert.
Der Tumbling Bay Spielplatz im nördlichen Bereich ist einer der besseren Kinderspielplätze in Ost-London: mit Baumstammkletterpassagen, Sandkästen und Wasserspielelementen, die Kinder instinktiv anziehen. Anders als viele städtische Spielplätze wirkt er nicht in eine Ecke gequetscht.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Früh morgens – vor 9:00 Uhr – gehört der Park den Joggern und Hundebesitzern. Die Hauptwege entlang der Wasserläufe sind beliebte Laufrouten, und im Sommer kann das Licht über der Lea wunderschön sein, wenn der Morgennebel tief über dem Schilf liegt. Der Park hat zu dieser Stunde eine ungehetzte Qualität, die sich schnell verflüchtigt.
Mittags an Wochenenden in den wärmeren Monaten füllt sich der Park. Familien breiten sich auf den Südrasenflächen aus, die Fontänen locken kleine Kinder an, und die Imbissstände laufen auf Hochtouren. Das Velodrom und das Aquatics Centre ziehen ihre eigenen Besucherströme an. Es ist nicht unangenehm, aber voll – und da der Park sehr offen gestaltet ist, gibt es kaum Schatten. Im Sommer Sonnenschutz mitbringen.
Späte Nachmittage unter der Woche sind wohl das angenehmste Besuchsfenster. Die Veranstaltungsmassen fehlen, das Licht ist weicher, und die Außenfassade des Olympiastadions fängt die Abendsonne auf eine Weise ein, die geradezu fotogen wirkt. Der Orbit-Turm wirft lange, kantige Schatten auf den Südrasen. Im Herbst färben sich die Feuchtgebietsgräser bernsteinfarben, und der gesamte nördliche Parkbereich wird visuell deutlich interessanter als im Hochsommer.
💡 Lokaler Tipp
Fotografietipp: Der ArcelorMittal Orbit wirkt am eindrucksvollsten, wenn er vom Südrasen bei niedrigem Lichtstand aufgenommen wird, mit dem London Stadium dahinter. Vermeide es, von der Nordseite direkt in die Sonne zu fotografieren – der rote Stahl der Konstruktion verschwindet im Gegenlicht.
Die Sportstätten: Was du jenseits des Spazierengehens tun kannst
Der ArcelorMittal Orbit (114,5 Meter hoch) bietet eine Aussichtsplattform und – ungewöhnlicher – die weltweit längste und höchste Tunnelrutsche: eine 178 Meter lange Rutsche, die sich schraubenartig um die Außenseite der Konstruktion windet. Für die Rutsche fällt ein Aufpreis zum Eintrittspreis an. Die Aussicht von der Plattform ist an klaren Tagen gut und reicht über Ost-London bis nach Canary Wharf und in die andere Richtung bis zur Skyline der City. Mit The Shard ist sie panoramatechnisch nicht vergleichbar, aber der Parkkontext schafft eine ganz eigene Perspektive.
Das von Zaha Hadid entworfene London Aquatics Centre ist außerhalb von Wettkämpfen und Vereinsbelegungen für öffentliche Schwimmsessions zugänglich – prüfe die aktuellen Schwimmzeiten vorab auf der offiziellen Parkwebsite. Das wellenförmige Dach ist von außen beeindruckend, aber das Innere – mit zwei 50-Meter-Becken und der ursprünglichen olympischen Atmosphäre – ist das eigentliche Highlight für alle, die sich für Architektur oder Sport interessieren. Es steht gemeinsam mit der breiteren Ost-Londoner Uferpromenade als eines der stärksten Beispiele postindustriellen Designs in der Gegend.
Der Lee Valley VeloPark ist eine Wettkampfradsportanlage, die öffentlich für Bahnradfahren und Mountainbiking geöffnet ist. Öffentliche Bahneinheiten müssen vorab gebucht werden. Es ist ein ungewöhnliches und unvergessliches Erlebnis, in einem Wettkampf-Velodrom zu fahren – die Steilkurven sind steiler, als die meisten erwarten – und es lohnt sich, wenn Radfahren Teil deines Reiseprogramms ist.
Das London Stadium, das heute hauptsächlich als Fußball- und Leichtathletikstadion genutzt wird, bietet keine regulären öffentlichen Führungen wie das Wembley Stadium. Besuche an Spieltagen von West Ham geben jedoch eine andere Perspektive auf das olympische Erbe. Die aktuelle Kapazität des Stadions beträgt 60.000 Plätze, und die Umrüstung von einer Leichtathletik- zu einer Fußballarena war nicht unumstritten. Wer sich für große Sportveranstaltungen interessiert, ist im Wembley Stadium nach wie vor besser aufgehoben.
Historischer und städtischer Kontext
Vor der olympischen Entwicklung war das Lower Lea Valley eines der am stärksten verseuchten und wirtschaftlich benachteiligsten Gebiete im inneren Ost-London. Das industrielle Erbe umfasste Chemiefabriken, Gaswerke und Jahrzehnte ungeregelter Abfallentsorgung. Der Zuschlag für die Spiele 2012 löste eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in der Geschichte Großbritanniens aus: Rund 200 Unternehmen und 425 Bewohner wurden umgesiedelt, und die Bodensanierung allein war eine mehrjährige Ingenieurleistung.
Das umliegende Viertel Stratford hat sich seitdem erheblich verändert. Das Westfield Stratford City, eines der größten städtischen Einkaufszentren Europas, öffnete 2011 direkt neben dem Park. Das Stratford-Viertel ist heute eines der interessantesten Beispiele für raschen Stadtumbau im zeitgenössischen London – ein Thema, das im Kontext der sich wandelnden Identität Ost-Londons weiter vertieft wird.
Die Umbenennung des Parks zu Ehren von Königin Elizabeth II. erfolgte, als er im Juli 2013, etwa ein Jahr nach den Spielen, wieder für die Öffentlichkeit eröffnet wurde. Die Nachnutzungsphase wurde von der London Legacy Development Corporation geleitet, die die Umwandlung der olympischen Einrichtungen in dauerhaft öffentlich zugängliche Anlagen begleitet hat – ein Prozess, der hier erfolgreicher verlaufen ist als in vielen früheren Olympia-Gastgeberstädten.
Anreise und Orientierung vor Ort
Der Bahnhof Stratford ist der wichtigste Zugangspunkt und einer der bestangebundenen Außenbahnhöfe Londons: Er wird von der Jubilee Line, der Central Line, der Elizabeth Line, der DLR, der London Overground sowie den Fernzügen von Greater Anglia und c2c bedient. Von der Londoner Innenstadt dauert die Fahrt mit der Jubilee Line ab London Bridge etwa 15 Minuten, mit der Elizabeth Line ab Liverpool Street rund 8–9 Minuten. Stratford International (High-Speed-1-Züge) ist nur 6 Gehminuten vom Haupteingang am Stratford Cross entfernt.
Radfahrer sind gut versorgt: Der Park hat eigene Radwege und ist mit dem weiteren Londoner Radwegenetz verbunden. Sichere Fahrradabstellplätze gibt es in der Nähe der Haupteingänge. Die internen Wege sind durchgehend kinderwagen- und rollstuhlgerecht – das flache Gelände und die breiten Wege machen den Park barrierefreier als viele ältere Londoner Parks.
⚠️ Besser meiden
Der Park ist groß genug, dass man sich beim ersten Besuch leicht verlaufen kann. Der Informationspunkt im Pavilion, Stratford Cross (9 Endeavour Square, E20 1JN) ist der klarste Ausgangspunkt. Hol dir eine Karte oder mach vorher einen Screenshot des Parkplans – der Mobilfunkempfang kann im Nordpark stellenweise schwach sein.
Für wen sich der Besuch lohnt – und für wen nicht
Besucher mit einem kurzen London-Programm, die hauptsächlich historische Sehenswürdigkeiten, Galerien oder zentrale Londoner Wahrzeichen sehen möchten, sollten die Fahrtzeit sorgfältig abwägen. Stratford liegt an einem guten Tag 20 Minuten von der Innenstadt entfernt – also 40 Minuten Hin- und Rückfahrt von einer Unterkunft im West End. Das ist ein beträchtlicher Teil eines zweitägigen Aufenthalts. Wer noch nicht das British Museum, die South Bank oder Westminster gesehen hat, sollte das zuerst angehen.
Der Park macht am meisten Sinn für Besucher, die ohnehin Zeit in Ost-London verbringen, Familien mit Kindern, die Außenraum und einen Spielplatz brauchen, Architekturbegeisterte, die Hadids Aquatics Centre oder den Orbit sehen möchten, und alle, die verstehen wollen, wie London das olympische Erbe genutzt hat, um einen vernachlässigten Stadtteil neu zu gestalten. Er eignet sich auch für Läufer, Radfahrer und alle, die einfach eine große Grünfläche ohne das Wochenendgedränge des Hyde Parks oder des Regent's Parks suchen.
Regen verändert das Erlebnis erheblich. Anders als gedeckte Attraktionen bietet der Park kaum Schutz abseits der Sportstätten selbst. An einem grauen, nassen Londoner Tag verliert er viel von seinem Reiz, es sei denn, du hast eine konkrete Veranstaltungsbuchung. Bei anständigem Wetter – besonders von Mai bis September – verdient er seinen Ruf als eines der besten kostenlosen Outdoor-Erlebnisse in Ost-London.
Insider-Tipps
- Die Wasserfontänen im South Park Waterworks sind kostenlos und ein Riesenspaß für Kinder – laufen aber nur täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr. Wer außerhalb dieser Zeiten mit kleinen Kindern ankommt und auf Wasserspiele hofft, wird eine Enttäuschung erleben.
- Im gesamten Park gibt es kostenloses WLAN – du registrierst dich mit Name und E-Mail-Adresse. Praktisch, um beim Ankommen Geländekarten herunterzuladen oder Schwimmzeiten zu prüfen.
- Der Park bietet regelmäßig kostenlose Open-Air-Veranstaltungen, besonders im Sommer. Schau vor deinem Besuch in den offiziellen Veranstaltungskalender – an manchen Tagen sind die Südrasenflächen für Konzerte oder Märkte belegt, was die Atmosphäre deutlich verändert.
- Das Velodrom mit seinem von Hopkins Architects entworfenen Seilspanndach gilt als eines der besten Beispiele moderner Sportarchitektur in Großbritannien. Geh einmal komplett darum herum, statt es nur vom Hauptweg aus zu betrachten – die Konstruktionsdetails kommen von der Nordseite am besten zur Geltung.
- Wenn du im Aquatics Centre schwimmen möchtest, buche eine öffentliche Session am besten vorab online. Walk-ins sind begrenzt, besonders am Wochenende – und es gibt kaum etwas Frustrierenderes als die Fahrt nach Stratford, nur um dann an der Tür abgewiesen zu werden.
Für wen ist Queen Elizabeth Olympic Park geeignet?
- Familien mit kleinen Kindern, besonders für den Tumbling Bay Spielplatz und die Wasserfontänen
- Architektur- und Designbegeisterte, die Zaha Hadids Aquatics Centre und den ArcelorMittal Orbit sehen möchten
- Läufer und Radfahrer, die eine große, flache, verkehrsfreie Strecke in Ost-London suchen
- Besucher, die sich für Stadterneuerung und das langfristige Erbe der Olympischen Spiele 2012 interessieren
- Alle, die einen Tagesausflug nach Ost-London planen und den Park mit Stratfords Gastronomie- und Einkaufsangebot verbinden möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Shoreditch & the East End:
- Brick Lane
Die Brick Lane führt mitten durch das Herz von East London und trägt fünf Jahrhunderte Einwanderungsgeschichte in ihren Curry-Restaurants, Beigel-Läden und überdachten Märkten. Der Eintritt ist kostenlos, die Abwechslung endlos – am besten erlebt man sie an einem Sonntagmorgen, wenn der Markt auf Hochtouren läuft.
- Old Spitalfields Market
Der Old Spitalfields Market ist eines der beständigsten Wahrzeichen des Londoner Ostens – eine historische Markthalle, auf deren Gelände seit dem 17. Jahrhundert Handel getrieben wird. Heute vereint er unabhängige Designer, Street-Food-Stände und ein wechselndes Programm aus Thementagen unter einem prachtvollen Dach aus Eisen und Glas aus dem 19. Jahrhundert. Der Eintritt ist frei, die Atmosphäre lebendig ohne zu überfordern, und die umliegenden Straßen von Shoreditch und Spitalfields laden zum weiteren Erkunden ein.
- Victoria Park
1845 für die Arbeiterviertel des East End eröffnet, ist der Victoria Park einer der ältesten zweckgebauten öffentlichen Parks Londons – und bis heute der demokratischste. Mit 86 Hektar in Tower Hamlets zieht er jährlich über 9 Millionen Besucher an: Seen, Gärten, Sportanlagen, Sommerfestivals und eine entspannte Nachbarschaftsatmosphäre, die größere, zentralere Parks selten hinbekommen.
- Whitechapel Gallery
Die Whitechapel Gallery steht seit 1901 an der Spitze der zeitgenössischen Kunst und bringt bedeutende internationale Ausstellungen ins Herz von East London. Der Eintritt zu den meisten Ausstellungen ist kostenlos, donnerstags gibt es Abendöffnungen – und das Gebäude selbst ist schon eine Betrachtung wert. Ein Besuch lohnt sich weit mehr, als der vergleichsweise geringe Bekanntheitsgrad vermuten lässt.