Istanbuls berühmte Katzen: Alles, was du wissen musst

Istanbul ist Heimat von schätzungsweise 125.000 oder mehr Straßenkatzen, die nicht als Streuner, sondern als Gemeinschaftstiere gelten und von Einheimischen und Besuchern gleichermaßen geschätzt werden. Dieser Guide behandelt Geschichte, kulturelle Wurzeln, berühmte Katzen, die besten Viertel und praktische Tipps für Katzenliebhaber.

Eine Straßenkatze sitzt aufmerksam auf einem Geländer, im Hintergrund Istanbuls ikonische Moschee mit Minaretten unter dramatisch bewölktem Himmel.

Reise planen und buchen

Tools von unserem Partner Travelpayouts zum Vergleichen von Flügen und Hotels. Bei Buchung können wir eine Provision erhalten – ohne Mehrkosten für dich.

Flüge

Hotelkarte

Kurzfassung

  • Istanbul hat schätzungsweise über 125.000 Straßenkatzen, die auf Türkisch sokak kedisi (Gemeinschaftskatzen) heißen und informell von Anwohnern, Ladenbesitzern und sogar Gemeinden versorgt werden.
  • Katzen sind tief in der türkisch-islamischen Kultur und der osmanischen Geschichte verwurzelt – das ist kein neuer Trend oder eine Touristenattraktion. Mehr dazu in unserem Guide zur osmanischen Geschichte Istanbuls.
  • Zu den berühmten Katzen zählen Gli aus der Hagia Sophia (gestorben 2020) und Tombili aus Kadıköy, der zu Ehren sogar eine Bronzestatue errichtet wurde.
  • Die besten Viertel für Katzenbegegnungen sind Sultanahmet, Karaköy, Fener-Balat und Kadıköy – jedes mit seiner eigenen Katzenkultur.
  • In Istanbul gibt es zwei Katzenmuseen; da sich Öffnungszeiten und Eintrittspreise häufig ändern, empfiehlt sich eine Überprüfung vor dem Besuch.

Warum Istanbul so viele Katzen hat

Zwei Straßenkatzen und eine Möwe ruhen am Ufer von Istanbul, mit Stadtpanorama und Wasser im Hintergrund.
Photo Fatih Özer

Die schiere Anzahl der Katzen in Istanbul überrascht die meisten Erstbesucher. Schätzungen zufolge leben etwa 125.000 Straßenkatzen in der Stadt, wobei manche Zählungen nahelegen, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher sein könnte – eine genaue Erhebung in einer Metropole mit fast 16 Millionen Menschen, die sich über rund 1.500 km² erstreckt, ist schlicht unmöglich. Was jedoch klar ist: Diese Katzen sind keine Streuner oder Verwilderten im westlichen Sinne. Sie sind Gemeinschaftstiere, werden täglich von Anwohnern gefüttert, von Ladenbesitzern betreut und in manchen Vierteln sogar mit eigens gebauten Holzunterkünften von der Gemeinde versorgt.

Die am häufigsten genannte Erklärung für den historischen Katzenreichtum Istanbuls verweist auf den osmanischen Handelsverkehr. Katzen wurden gezielt auf Schiffen mitgeführt, die zwischen Ägypten und Istanbul pendelten, um Ratten in den Laderäumen zu bekämpfen. Als diese Schiffe in Istanbuls Häfen einliefen, gingen die Katzen von Bord – und blieben. Über Jahrhunderte wuchs die Population und wurde Teil des städtischen Gefüges. Historiker und Anthropologen weisen jedoch darauf hin, dass diese eine Ursprungsgeschichte teils kulturelles Gedächtnis, teils Legende ist. Die Wirklichkeit ist aller Wahrscheinlichkeit nach vielschichtiger und umfasst mehrere Einwanderungswellen von Katzen über verschiedene Handelsrouten hinweg.

ℹ️ Gut zu wissen

Die Türkei verfolgt grundsätzlich einen schützenden Umgang mit Straßentieren. Statt Katzen in Tierheimen einzusperren, werden sie üblicherweise kastriert, geimpft und in ihre Viertel zurückgebracht. Das ist der Grund, warum man hier Katzen begegnet, die erkennbar gesund und sozial sind – nicht scheu oder krank.

Die kulturellen und religiösen Wurzeln der Katzenverehrung in Istanbul

In der islamischen Tradition nehmen Katzen eine besonders hohe Stellung ein. Sie gelten als rituell reine Tiere – im Gegensatz zu Hunden, die in vielen islamischen Rechtsschulen als rituell unrein angesehen werden – und dürfen Moscheen betreten. Geschichten über die Zuneigung des Propheten Muhammad zu Katzen sind in der muslimischen Welt weithin bekannt, und in Istanbul sind diese Geschichten Teil des Alltags, nicht nur religiöse Lehre. Man findet Katzen, die ungestört in Moscheehöfen schlafen, auf Gebetsteppichen dösen und von Gläubigen selbstverständlich akzeptiert werden.

Osmanische Wohltätigkeitsstiftungen (Vakıfs) formalisierten die Praxis, Straßentiere zu füttern, mit besonderem Schwerpunkt in den Wintermonaten, wenn Nahrung knapp war. Diese institutionelle Großzügigkeit entwickelte sich schließlich zu einem informellen, aber tief verwurzelten Gesellschaftsvertrag: Die Anwohner füttern die Katzen, die Katzen halten das Ungeziefer in Schach, und die Stadt drückt bei der kleineren Unordnung, die das mit sich bringt, ein Auge zu. Diese Kultur zeigt sich heute in den Futternäpfen, Wasserschalen und improvisierten Unterkünften, die man vor Wohnhäusern in praktisch jedem Viertel findet – vom wohlhabenden Nişantaşı bis ins Arbeiter-Viertel Fatih.

Berühmte Katzen, die du kennen solltest

Eine getigerte Katze, die auf einem Zaun vor Schildern und dem Eingang der Hagia Sophia in Istanbul läuft, mit einer Person in der Nähe.
Photo Duygu

Keine Katze der jüngeren Istanbuler Geschichte hat internationale Aufmerksamkeit erregt wie Gli, die Hauskatze der Hagia Sophia. Gli (ausgesprochen wie „Glee") lebte rund 16 Jahre in der Moschee-Museum und wurde 2009 sogar mit US-Präsident Obama fotografiert. Sie hatte einen eigenen Wikipedia-Eintrag, eine beachtliche Social-Media-Fangemeinde und wurde zum Symbol der Stadt. Gli starb im November 2020. Nach der Rückumwandlung der Hagia Sophia in eine aktive Moschee waren Katzen zunächst weiterhin willkommen – passend zum islamischen Umgang mit Katzen –, doch die praktischen Gegebenheiten haben sich seither verändert.

Tombili ist die andere Katze, die jeder Istanbul-Besucher kennen sollte. Die rundliche Tigerkatze lebte im Ziverbey-Viertel von Kadıköy und wurde im Internet zur Sensation, weil sie es liebte, sich lässig mit einer aufgestützten Pfote an eine Treppenkante zu lehnen – vollkommen unbeeindruckt von der Welt. Sie starb 2016. Innerhalb weniger Monate sammelten Anwohner per Crowdfunding genug Geld, um eine kleine Bronzestatue in exakt ihrer typischen Pose an derselben Kadıköy-Straße aufzustellen, wo sie früher zu sitzen pflegte. Die Statue steht noch immer dort und ist längst ein kleines Pilgerziel für Katzenliebhaber geworden.

  • Gli (Hagia Sophia) Lebte 2004–2020. Istanbuls international bekannteste Katze, über ein Jahrzehnt lang Bewohnerin der Hagia Sophia und fotografiert mit Staatsoberhäuptern.
  • Tombili (Kadıköy) Eine Straßenkatze, geliebt für ihre entspannte Sitzhaltung. Gestorben 2016; geehrt mit einer Bronzestatue in Ziverbey, Kadıköy.
  • Sari (überall anzutreffen) Eher ein Typ als eine einzelne Katze – orangefarbene Tigerkatzen (sarı kedi, „gelbe Katze") sind besonders häufig und gelten als die geselligsten gegenüber Fremden.

Die besten Viertel für Katzenbegegnungen in Istanbul

Frau, die auf einer Treppe in einer bunten Straße in Istanbul sitzt und eine Katze streichelt, mit historischen Gebäuden und einem gelben Auto in der Nähe.
Photo Esra Erdoğdu

Katzen gibt es in ganz Istanbul, aber in manchen Vierteln sind die Begegnungen besonders schön. Fener und Balat am Goldenen Horn sind besonders lohnenswert: Die engen, farbenfrohen Gassen dieser historischen griechischen und jüdischen Viertel werden von vergleichsweise wenigen Reisegruppen besucht, und die ansässigen Katzenkolonien sind hier gut etabliert. Katzen räkeln sich auf bröckelnden byzantinischen Mauern und lugen hinter Wäscheleinen hervor – es fühlt sich mehr nach Istanbul der 1970er Jahre an als der Rest der Stadt.

Karaköy und die Gegend rund um den Galataturm haben ebenfalls eine dichte Katzenpopulation – teils weil die Fischrestaurants und Marktstände des Viertels zuverlässig Essensreste liefern. Die Katzen hier sind selbstbewusst und kommen Besuchern oft ohne Zögern entgegen. Auch die Eminönü-Uferpromenade nahe der Galatabrücke ist ein hervorragender Ort zum Katzenspähen – die Fischer, die am unteren Deck der Brücke stehen, teilen ihren Fang gerne, und eine feste Kolonie hat sich entlang des Ufers angesiedelt.

In Sultanahmet, der touristischen Hauptzone der historischen Halbinsel, findet man Katzen auf dem Gelände der Blauen Moschee und rund um den Gülhane-Park. Diese Katzen sind Touristen gewohnt und lassen sich oft geduldig fotografieren. Der Nachteil: Gutgemeinte Besucher füttern sie manchmal mit ungeeignetem Essen, weshalb die Katzen in den touristischen Hauptzonen gelegentlich weniger gesund wirken als jene in Wohnvierteln.

⚠️ Besser meiden

Füttere Istanbuls Straßenkatzen nicht mit menschlichem Essen wie Brot, Chips oder verarbeiteten Snacks – das schadet ihnen. Wer sie versorgen möchte, kauft am besten Trocken- oder Nassfutter (kedi maması) im nächsten Lebensmittelladen – eine kleine Packung kostet etwa 60–100 TRY. Einheimische werden die Geste sichtbar zu schätzen wissen.

Katzenmuseen, Tierheime und besondere Orte

Zwei Katzen sitzen auf einem Steinvorsprung vor einem historischen Gebäude in Istanbul, mit detaillierter Steinmetzarbeit im Hintergrund.
Photo Beyza Cebeci

Istanbul hat mindestens zwei Orte, die sich Katzen als kulturellem Thema widmen. Das Istanbul Katzenmuseum in Beşiktaş, untergebracht im Çırağan-Dienstgebäude der Beşiktaş-Gemeinde, wurde vom türkischen Schriftsteller Sunay Akın gegründet. Es befasst sich mit der Geschichte und künstlerischen Darstellung von Katzen in Istanbul und zeigt Skulpturen, Fotografien, Gemälde und Archivmaterial. Ein zweites Katzenmuseum betreibt die Gemeinde Kadıköy, ebenfalls mit Fokus auf die Kulturgeschichte der Katzen in der Stadt. Öffnungszeiten und Eintrittspreise beider Einrichtungen ändern sich regelmäßig – besser direkt bei den Gemeinden anfragen, statt sich auf Drittanbieter zu verlassen.

Wer mehr tun möchte als nur zuschauen, kann das Prinkipo-Katzenasyl auf Büyükada (der größten der Prinzeninseln) mit Spenden oder als Freiwilliger unterstützen. Die Insel selbst ist autofrei und per Fähre ab Kabataş erreichbar – das ergibt einen schönen Tagesausflug mit Meeresluft, Elektrofahrzeugen und echter Begegnung mit Tierschutzarbeit statt kuratiertem Touristenprogramm.

Praktische Tipps für Katzenliebhaber in Istanbul

Istanbuls Straßenkatzen sind im Allgemeinen gesellig und an Menschen gewöhnt, aber sie sind und bleiben Tiere mit eigenen Persönlichkeiten. Manche kommen sofort auf dich zu, andere beobachten lieber aus der Distanz. Die wichtigste Regel: Lass die Katze den ersten Schritt machen, besonders wenn eine Mutter Kätzchen dabei hat. Hinknien auf Augenhöhe und langsam eine Hand hinhalten ist der verlässlichste Ansatz. Katzen hochzuheben sollte man vermeiden, wenn sie nicht offensichtlich damit einverstanden sind – viele Istanbuler Katzen dulden Streicheln, mögen es aber nicht, angehoben zu werden.

  • Kedi maması (Trockenfutter) gibt es in jedem Bakkal (Tante-Emma-Laden) – weit verbreitet und günstig.
  • Am besten fotografiert man Katzen am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht schöner und der Touristenandrang geringer ist – besonders in Sultanahmet.
  • Der Dokumentarfilm „Kedi" (2016, Regie: Ceyda Torun) ist eine hervorragende Vorbereitung auf die Reise – er porträtiert sieben Istanbuler Straßenkatzen und die Menschen, die sich um sie kümmern.
  • Im Winter (Dezember bis Februar) brauchen die Katzen besonders viel Fürsorge. Wer dann zu Besuch kommt, wird bemerken, dass Einheimische extra Futter und provisorische Unterkünfte in Hauseingängen aufstellen.
  • Katzen in Moscheehöfen sind in der Regel ruhiger und in besserem Zustand als jene in stark frequentierten Touristenzonen – ein lohnendes Ziel für eine ruhigere Begegnung.
  • Wer eine verletzte Katze findet: Die Istanbuler Stadtverwaltung (İBB) unterhält einen Tierservice; die Bezirksgemeinden betreiben außerdem eigene Tierheime und Tierkliniken.

✨ Profi-Tipp

Der Dokumentarfilm „Kedi" ist auf verschiedenen Plattformen verfügbar und dauert 79 Minuten. Wer ihn vor der Reise schaut, wird Istanbul mit anderen Augen sehen – man erkennt die Dynamik in den Vierteln, versteht die Beziehung zwischen Mensch und Katze und weiß, worauf man in den verschiedenen Stadtteilen achten sollte.

Häufige Fragen

Warum hat Istanbul so viele Katzen?

Die Gründe sind vielschichtig. Historisch gesehen kamen Katzen auf Handelsschiffen in die Stadt, um Ratten in den Laderäumen zu bekämpfen, und die osmanischen Wohltätigkeitsstiftungen machten die Versorgung von Straßentieren zur Institution. Die islamische Tradition sieht Katzen als rituell reine Tiere, die besondere Fürsorge verdienen. Hinzu kommt, dass die Türkei auf eine Tötungs- und Einfangpolitik verzichtet: Katzen werden kastriert und in ihre Viertel zurückgebracht, statt weggeschafft zu werden. Das Ergebnis ist eine Stadt, in der Katzen seit Jahrhunderten zum Alltag gehören – und nicht als Problem verwaltet werden.

Ist es sicher, Istanbuls Straßenkatzen zu streicheln?

Meistens ja, aber gesunder Menschenverstand ist gefragt. Katzen, die auf dich zukommen und sich an deinen Beinen reiben, fühlen sich offensichtlich wohl. Katzen, die zurückweichen oder die Ohren anlegen, nicht. Vermeide es, Katzen am Kopf oder Rücken zu berühren, wenn sie angespannt wirken. Nach dem Streicheln eines Straßentiers solltest du dir die Hände waschen. Tollwut ist in der Türkei vorhanden – bei einem Biss oder Kratzer also zeitnah ärztliche Hilfe aufsuchen, auch wenn Bisse von Istanbuler Katzen wirklich selten sind.

Wo finde ich die Tombili-Statue in Kadıköy?

Die Bronzestatue von Tombili steht in der Günay Sokak im Ziverbey-Viertel von Kadıköy, nahe der Stelle, an der die echte Tombili früher zu entspannen pflegte. Vom Kadıköy-Markt aus sind es etwa 10 Minuten zu Fuß ins Landesinnere. Die Straße ist Wohngebiet und leicht zu übersehen – am besten „Tombili heykeli" in Google Maps eingeben, dann kommt man direkt hin.

Was ist mit Gli, der Katze der Hagia Sophia, passiert?

Gli lebte seit etwa 2004 in der Hagia Sophia und wurde zu einem der meistfotografierten Tiere Istanbuls. Sie starb am 7. November 2020 in einem Istanbuler Tierheim. Ihr Tod wurde auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Hagia Sophia bekannt gegeben und international berichtet. Eine Katze namens Sarı (ein anderes Tier) wurde seitdem im Komplex gesichtet, und mehrere weitere Katzen bewohnen weiterhin die Sultanahmet-Gegend.

Lohnt sich ein Besuch in einem der Katzenmuseen Istanbuls?

In Istanbul gibt es zwei Katzenmuseen: eines in Beşiktaş (gegründet vom Schriftsteller Sunay Akın, untergebracht im Çırağan-Dienstgebäude) und eines in Kadıköy. Beide widmen sich der Kultur- und Kunstgeschichte der Katzen in der Stadt – keine lebenden Tiere. Es sind eher kleine Einrichtungen, die vor allem für überzeugte Katzenliebhaber oder Menschen interessant sind, die sich für Istanbuls Sozialgeschichte begeistern. Da sich die Öffnungszeiten häufig ändern, empfiehlt es sich, vor einem extra Besuch direkt bei der Beşiktaş- oder Kadıköy-Gemeinde nachzufragen.

Zugehöriges Reiseziel:istanbul

Du planst eine Reise? Entdecke personalisierte Aktivitäten mit der Nomado-App.