Dritte Mann Museum Wien: Im Herzen der kinematografischsten Obsession der Stadt

Das Dritte Mann Museum in der Pressgasse 25 ist ein privat geführtes Heiligtum für Carol Reeds Filmklassiker von 1949, das sich auf 400 Quadratmetern und 16 Räumen voller Requisiten, Poster und Wiener Nachkriegsatmosphäre erstreckt. Es öffnet nur samstagnachmittags – was dem Besuch eine angenehm geheimnisvolle Note verleiht, die perfekt zum Film passt.

Fakten im Überblick

Lage
Pressgasse 25, 1040 Wien (4. Bezirk, in der Nähe des Naschmarkts)
Anfahrt
U4 Kettenbrückengasse (4 Minuten zu Fuß); Bus 59A, Haltestelle Pressgasse
Zeitbedarf
1,5 bis 2 Stunden
Kosten
Erwachsene €12 / Ermäßigt €10 / Kinder (10–16 Jahre) €8
Am besten für
Filmfans, Kalter-Krieg-Begeisterte, Liebhaber der Wiener Nachkriegsgeschichte
Offizielle Website
www.3mpc.net
Der Eingang zum Dritten Mann Museum in Wien mit einer Filmplakatausstellung und einer Gittertür mit einer laufenden Silhouettengrafik.
Photo Hannu Makarainen (CC BY-SA 2.0) (wikimedia)

Was das Dritte Mann Museum wirklich ist

Das Dritte Mann Museum, auf Englisch Third Man Museum, eröffnete 2005 als privat kuratiertes Denkmal für einen der gefeiertsten Filme der Kinogeschichte. Carol Reeds Noir-Thriller von 1949 wurde fast ausschließlich an Originalschauplätzen im zerbombten, sowjetisch besetzten Wien gedreht – und die Stadt hat dieses atmosphärische Erbe nie ganz hinter sich gelassen. Das Museum widmet der Produktionsgeschichte des Films, seiner kulturellen Wirkung und dem realen Nachkriegswien, das ihm seine beunruhigende Textur verlieh, über 400 Quadratmeter und 16 Räume.

Das hier ist kein städtisch gefördertes Kulturerbe mit polierten Infotafeln. Es ist das Herzensprojekt zweier Privatsammler – Karin und Gerhard Strassgschwandtner –, die ein beeindruckendes Archiv aus Originalplakaten, Lobbykarten, Drehbüchern, Fotografien, Soundtrack-Memorabilia und Alltagsgegenständen der späten 1940er-Jahre zusammengetragen haben. Die Dichte der Objekte ist geradezu überwältigend – auf die beste Art. Man biegt um eine Ecke und steht plötzlich vor der Original-Zither von Anton Karas oder einer Sammlung von Filmrollen aus internationalen Veröffentlichungen, an die man nie gedacht hätte.

⚠️ Besser meiden

Das Museum ist für Einzelbesucher nur samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Gruppenbesuche können nach Voranmeldung an jedem Wochentag organisiert werden. Das Museum hat eine Winterpause – genaue Daten bitte vorab auf der offiziellen Website prüfen, da die Schließung manchmal bis in den Frühling dauern kann.

Der Film und warum Wien unersetzlich war

Der 1949 erschienene Film Der dritte Mann zeigt Joseph Cotten als Holly Martins, einen amerikanischen Groschenroman-Autor, der im Nachkriegswien seinen Freund Harry Lime (Orson Welles) besuchen will – und ihn offenbar tot unter verdächtigen Umständen vorfindet. Das Drehbuch von Graham Greene ist eine Studie in moralischer Ambiguität, Schwarzmarkt-Penizillin und dem angespannten Nebeneinander von vier Besatzungsmächten: Amerikanern, Briten, Franzosen und Sowjets. Wien im Jahr 1948, als die Dreharbeiten stattfanden, war eine Stadt der buchstäblichen und seelischen Trümmer.

Was das Museum auch für gelegentliche Besucher fesselnd macht, ist die Erkenntnis, dass Wien keine bloße Kulisse war. Das Produktionsteam nutzte die echten Abwasserkanäle unter der Stadt für die Verfolgungsjagd am Höhepunkt des Films. Das Riesenrad im Prater, die zerbombten Straßen der Innenbezirke, die barocken Fassaden, die sich in Regenpfützen spiegelten – all das war real, ohne jegliche Studiodekoration. Das Museum stellt diese Drehorte ihren heutigen Entsprechungen gegenüber, und man erkennt, wie viel von der damaligen Stadt noch immer zu finden ist, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Das Museum ergänzt sich gut mit einem ausgedehnteren Spaziergang durch Wiens filmische und Kalter-Krieg-Geografie. Das Wiener Riesenrad im Prater, wo Orson Welles die berühmte „Kuckucksuhr"-Rede hält, ist mit der U-Bahn etwa 20 Minuten entfernt und zählt zu den eindrucksvollsten noch erhaltenen Filmschauplätzen Europas.

Tickets & Führungen

Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.

  • Viennese wine tasting in a roman wine-cellar

    Ab 36 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
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Durch die 16 Räume

Die Ausstellung folgt einer lockeren chronologischen und thematischen Logik: Sie beginnt mit der politischen und physischen Lage Wiens in den späten 1940er-Jahren und führt durch Vorproduktion, Castingentscheidungen und technische Herausforderungen des Films. Die ersten Räume schaffen historischen Kontext: Besatzungszonen, Schwarzmarkt, Vertriebene. Das ist kein Lückenfüller. Wer versteht, wie Wien 1948 wirklich aussah und sich anfühlte, für den entfaltet das nachfolgende Filmmaterial eine viel stärkere Wirkung.

Die mittleren Abschnitte der Ausstellung widmen sich der Produktion: originale Drehdispositionslisten, Kostümdetails, Briefwechsel zwischen Reed und Greene sowie Setfotos, die zeigen, wie improvisiert vieles beim Dreh war. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Anton Karas, dem Wiener Zitherspieler, den Reed angeblich in einem Heurigen entdeckte und der den gesamten Soundtrack in zwei Wochen einspielte. Das daraus entstandene Thema wurde zu einem der bekanntesten Filmmusikstücke aller Zeiten – und das Museum widmet ihm die Aufmerksamkeit, die es verdient.

Die letzten Räume verfolgen den internationalen Vertrieb des Films, Zensurkämpfe in verschiedenen Ländern (das amerikanische Studio wollte ein glücklicheres Ende; Reed lehnte ab) und sein langes kritisches Nachleben. Die Ausstellung schließt mit Material zu den Kanalführungen und Stadtspaziergängen, die Filmenthusiasten noch heute durch die Stadt führen. Wenn man schließlich auf die Pressgasse hinaustritt, hat man die Straßen bereits im Kopf kartiert.

💡 Lokaler Tipp

Audioguides sind verfügbar und sehr empfehlenswert. Viele Objekte haben keine ausführlichen gedruckten Beschriftungen, und der Audioinhalt gibt den Produktionsfotos und Zeitdokumenten erheblich mehr Tiefe.

Samstagnachmittag: Was dich erwartet

Samstagnachmittags zieht dieses Museum eine ganz bestimmte Art von Besucher an: Leute, die sich vorbereitet haben, Filmstudenten, ernsthafte Cineasten, Wiener Stadthistoriker. Die Atmosphäre ist ruhig und konzentriert. Hier drängen keine Schulklassen an einem vorbei. Auch an beliebten Wochenenden wirkt es selten überfüllt – teils weil die Öffnungszeiten so begrenzt sind, teils weil das Thema von selbst geduldige, neugierige Besucher anzieht.

Das Gebäude liegt in einem Wohnblock, nur wenige Gehminuten vom Naschmarkt entfernt. Der Eingang befindet sich an der Ecke Pressgasse/Mühlgasse. Zu beachten: Es gibt 11 Stufen am Eingang – das Gebäude ist für Rollstuhlfahrer nicht vollständig zugänglich, und die Drehtüren am Eingang sind 90 cm breit. Assistenzhunde sind willkommen. Wer die vollen zwei Stunden ohne Hetze genießen möchte, sollte möglichst pünktlich um 14:00 Uhr ankommen.

Die unmittelbare Umgebung lohnt einen kurzen Spaziergang vor oder nach dem Besuch. Der Naschmarkt ist nur wenige Minuten zu Fuß entfernt, und die Karlskirche ist ebenfalls bequem zu Fuß erreichbar. Der gesamte Streifen des 4. und 5. Bezirks hat eine gelebte, unprätentiöse Qualität, die sich dem Wien des Films viel näher anfühlt als die großen Prachtboulevards der Ringstraße.

Anfahrt

Am einfachsten kommt man mit der U4 bis Kettenbrückengasse, von dort sind es etwa vier Minuten zu Fuß bis zum Museumseingang. Vom Karlsplatz (U1, U2 und U4) dauert der Spaziergang durch ruhige Wohnstraßen ungefähr zehn Minuten. Alternativ fährt der Bus 59A von der Haltestelle Oper/Karlsplatz ab; die dritte Haltestelle ist Pressgasse – direkt vor der Tür. Dedizierte Parkplätze gibt es keine, in den umliegenden Straßen jedoch gebührenpflichtige Stellplätze.

Wer sich zum ersten Mal mit dem Wiener Öffentlichen Verkehr zurechtfinden muss, findet im Wien-Verkehrsguide nützliche Informationen zu Tarifzonen, Tageskarten und der Logik des U-Bahn-Netzes.

Fotografieren und praktische Hinweise

Fotografieren ist im Museum für den persönlichen Gebrauch grundsätzlich erlaubt – bitte beim Personal am Eingang nachfragen. Die Beleuchtung ist in mehreren Räumen bewusst stimmungsvoll gehalten, was zum Thema passt, scharfe Freihandaufnahmen aber schwieriger macht. Ein Smartphone mit guter Nachtaufnahme-Funktion ist hier oft besser geeignet als eine große spiegellose Kamera mit einem lichtarmen Objektiv.

Für Einzelbesucher während der regulären Samstagöffnung ist keine Reservierung erforderlich. Einfach ankommen, an der Kasse zahlen und den Audioguide mitnehmen. Der Eintrittspreis ist angesichts der Tiefe und Qualität der Sammlung fair – besonders im Vergleich zu manchen großen Wiener Museen, bei denen man deutlich mehr bezahlt und dafür deutlich weniger echtes Engagement erhält.

ℹ️ Gut zu wissen

Das Museum ist Teil von Wiens breiterem Panorama zur Geschichte des Kalten Krieges und des 20. Jahrhunderts. Wer mehr historischen Kontext zur Wiener Zeit im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit sucht, findet in den dedizierten Geschichtsressourcen zu dieser Epoche weiterführende Informationen.

Insider-Tipps

  • Schau vor deinem Besuch auf www.3mpc.net nach. Das Museum hat eine Winterpause, die sich in manchen Jahren bis in den März oder sogar darüber hinaus erstrecken kann. Viele Besucher stehen sonst am Samstag vor verschlossenen Türen.
  • Der nahe gelegene Kanaleingang am Naschmarkt ist einer der echten Drehorte aus der Verfolgungsjagd im Film. Ein Spaziergang dorthin vor oder nach dem Museumsbesuch lohnt sich – die Gegenüberstellung mit den Fotos im Museum ist beeindruckend.
  • Die Samstagöffnungen ziehen ein kleines, aber kundiges Publikum an. Wer früh am Nachmittag kommt und mit anderen Besuchern oder dem Personal ins Gespräch gerät, erfährt oft Details und Anekdoten, die weit über die Beschriftungen hinausgehen.
  • Gruppenbesuche sind an jedem Wochentag nach Voranmeldung möglich und bieten – besonders für filmbegeisterte Gruppen – oft eine persönlichere, geführte Erfahrung mit einem Kurator.
  • Kombinier deinen Besuch mit der Dritten Mann Kanalführung, die von einem anderen Ort in der Stadt startet und durch die echten unterirdischen Gänge führt, die beim Dreh benutzt wurden. Das Museum liefert den Kontext – die Kanalführung das körperliche Erlebnis.

Für wen ist Dritte Mann Museum geeignet?

  • Filmhistoriker und leidenschaftliche Cineasten, die mehr Tiefe suchen als eine reine Locationtour bietet
  • Kalter-Krieg-Enthusiasten, die sich für die Besatzungszeit Wiens und die europäische Nachkriegspolitik interessieren
  • Besucher, die Der dritte Mann bereits gesehen haben und den Originalrequisiten und -artefakten der Produktion begegnen möchten
  • Reisende, die kleine, spezialisierte Museen mit echtem kuratorischen Tiefgang den großen Überblicksinstitutionen vorziehen
  • Alle, die Naschmarkt, Karlskirche und den 4. Bezirk zu einem halbtägigen Spaziergang kombinieren möchten

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Belvedere & Landstraße (3. Bezirk):

  • Albertina Modern

    2020 im historischen Künstlerhaus am Karlsplatz eröffnet, ist die Albertina Modern Wiens Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Auf 2.500 Quadratmetern bietet sie ein Gegengewicht zur Habsburg-und-Alte-Meister-Erzählung, die so viele Museen der Stadt prägt.

  • Belvedere Gardens

    Die Belvedere Gärten erstrecken sich zwischen zwei Schlössern, die für Prinz Eugen von Savoyen erbaut wurden, und zählen zu den schönsten Barockgartenanlagen Mitteleuropas. Der Eintritt in die Hauptgärten ist kostenlos – und je nach Tageszeit erlebt man die Anlage völlig anders.

  • Heeresgeschichtliches Museum

    Das Heeresgeschichtliches Museum ist in einem beeindruckenden maurisch-byzantinischen Arsenalgebäude aus den 1850er Jahren untergebracht und zählt zu den ältesten Militärmuseen der Welt. Für nur 3,50 € Eintritt bietet es einen überraschend tiefen Einblick in Österreichs Militär- und Politikgeschichte – darunter das Original-Fahrzeug, in dem Erzherzog Franz Ferdinand 1914 erschossen wurde.

  • Hundertwasserhaus

    Das Hundertwasserhaus ist ein Gemeindewohnbau im 3. Wiener Bezirk – es wirkt, als hätte es ein Kind bemalt und ein Wald entworfen. Die Fassade ist jederzeit kostenlos zu besichtigen, und das benachbarte Hundertwasser Village lädt zum Verweilen ein. Was dich bei einem Besuch wirklich erwartet.