The Postal Museum: Londons geheime U-Bahn-Post und 500 Jahre Postgeschichte
Das Postal Museum in Clerkenwell verbindet eine fesselnde Sammlung zur Geschichte der britischen Kommunikation mit etwas Besonderem: einer Fahrt durch die Tunnel der Mail Rail, der kleinen U-Bahn, die einst Briefe unter Londons Straßen transportierte. Es ist eines der ungewöhnlichsten Spezialmuseen der Stadt – und lohnt sich für Besucher fast jeden Alters.
Fakten im Überblick
- Lage
- 15-20 Phoenix Place, London WC1X 0DA (Clerkenwell, in der Nähe des West End)
- Anfahrt
- Chancery Lane (Central Line) oder Farringdon (Circle, Hammersmith & City, Metropolitan und Elizabeth Line), jeweils etwa 10–12 Minuten zu Fuß
- Zeitbedarf
- 3–4 Stunden für Museum und Mail Rail zusammen
- Kosten
- Ab 18,50 £ für Erwachsene; ab 11,00 £ für Kinder, mit Ermäßigungen und Art-Fund-Rabatten. Aktuelle Preise unter postalmuseum.org prüfen
- Am besten für
- Familien mit Kindern, Geschichtsbegeisterte und alle, die Londons verborgene Infrastruktur fasziniert
- Offizielle Website
- www.postalmuseum.org

Was das Postal Museum eigentlich ist
Das Postal Museum öffnete in seiner heutigen Form 2017 in einem eigens umgebauten Gebäude neben dem Mount Pleasant Mail Centre in Clerkenwell. Das Gelände besteht aus zwei klar getrennten Teilen: den Ausstellungsräumen im Obergeschoss, die über 500 Jahre britische Post- und Kommunikationsgeschichte nachzeichnen, und der Mail Rail darunter, wo man in kleine offene Wagen steigt und durch die echten Tunnel fährt, die Royal Mail bis 2003 genutzt hat. Beide Bereiche sind im kombinierten Ticket enthalten.
Das hier ist kein verstaubtes Briefmarkenarchiv. Die Sammlung ist breit aufgestellt, klug präsentiert und umfasst Objekte von originalen Postkutschen und Prototypen der roten Briefkästen bis hin zu Propagandabriefen aus dem Zweiten Weltkrieg und Designarchiven. Der Penny Black, 1840 als weltweit erste Klebebriefmarke herausgegeben, ist hier zu sehen. Ebenso die Geschichte, wie Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert erstmals ein königliches Postsystem formalisierte – das sich schließlich zu einer Institution entwickelte, die Hunderttausende Menschen beschäftigte und jeden Haushalt in Großbritannien erreichte.
💡 Lokaler Tipp
Buche die Mail-Rail-Zeitfenster online im Voraus. Die U-Bahn hat begrenzte Kapazitäten pro Abfahrt, und beliebte Slots sind besonders am Wochenende und in den Schulferien schnell ausgebucht.
Mail Rail: das Highlight
Die Mail Rail verkehrte von 1927 bis 2003 rund 20 Meter unter Londons Straßen und beförderte Post zwischen Sortierstellen auf fahrerlosen Elektrozügen. Auf ihrem Höhepunkt transportierte sie täglich über vier Millionen Briefe. Die Tunnel erstrecken sich insgesamt über etwa zehn Kilometer und verbinden Liverpool Street im Osten mit Paddington im Westen, mit Mount Pleasant als Mittelpunkt. Als Royal Mail das System stilllegte, wurde es einfach versiegelt und sich selbst überlassen.
Das Museum hat einen Teil des östlichen Abschnitts restauriert und den ursprünglichen Bahnsteig in Mount Pleasant in einen Einstiegsbereich umgewandelt. Die Fahrt selbst dauert insgesamt etwa 15 Minuten – bei niedriger Geschwindigkeit durch die engen viktorianischen Tunnel, begleitet von Lichtprojektionen und Audio-Kommentaren, die erklären, wofür die verschiedenen Streckenabschnitte genutzt wurden. Die Wagen sind offen und schmal und bieten jeweils etwa acht bis zehn Personen Platz. Es ist keine Achterbahnfahrt – keine steilen Gefälle, keine abrupten Bewegungen. Aber die Kombination aus engem Tunnel, atmosphärischer Beleuchtung und der echten Patina der Infrastruktur um einen herum hinterlässt einen stillen, bleibenden Eindruck.
Kinder sind begeistert. Erwachsene empfinden die Fahrt oft als unerwartet berührend – zum Teil, weil die Tunnel echte Betriebsinfrastruktur sind und keine Nachbauten, zum Teil, weil man das Ausmaß des ursprünglichen Betriebs (jede Woche wurden 76 Jahre lang Tausende von Tonnen Post unsichtbar unter der Stadt bewegt) leicht unterschätzt. Die Fahrt endet wieder am Bahnsteig, wo ein kleiner Ausstellungsbereich ermöglicht, zwischen restaurierten Mail-Rail-Zügen zu schlendern und mehr über das Funktionsprinzip des Systems zu erfahren.
⚠️ Besser meiden
Die Mail-Rail-Wagen haben niedrige Decken und offene Seiten. Wer unter Platzangst leidet oder auf stufenfreien Einstieg angewiesen ist, sollte die Barrierefreiheitsdetails vor der Buchung direkt mit dem Museum klären. Für Kinder gilt ein Mindestalter oder eine Mindestgröße – aktuelle Anforderungen auf der offiziellen Website prüfen.
Die Ausstellungsräume: mehr als nur Briefmarken
Die Ausstellungsräume im Hauptgebäude decken den gesamten Bogen der britischen Postgeschichte ab – mit mehr Tiefe und Breite, als die meisten Besucher erwarten. Die frühen Abschnitte befassen sich mit den politischen und gesellschaftlichen Mechanismen des Aufbaus eines nationalen Postnetzes – ein überraschend umstrittener Prozess, an dem private Kuriere, staatliche Kontrolle und die schrittweise Vereinheitlichung der Tarife beteiligt waren. Die Einführung des Penny Black 1840, der einheitlich niedrige vorausbezahlte Tarife durch den Absender statt den Empfänger standardisierte, war eine radikale demokratische Reform. Die ausgestellten Originalexemplare sind kleine Objekte mit enormer Tragweite.
Spätere Abteilungen widmen sich dem Design und der Herstellung der Briefkästen (die charakteristischen roten Postkästen wurden in den 1850er Jahren eingeführt, mit verschiedenen Prototyp-Formen zu sehen), der Rolle der Post beim Betrieb des britischen Telefon- und Telegrafennetzes sowie der Sozialgeschichte des Briefeschreibens in Kriegszeiten. Es gibt einen eigenen Kinderspielbereich namens The Works, der jüngeren Besuchern ermöglicht, das Sortieren, Zustellen und die Mechanik des Postwegs spielerisch zu erleben.
Fotografieren ist in den Ausstellungsräumen grundsätzlich erlaubt. Die Sammlung ist besonders stark bei bedruckten Ephemera, Umschlägen und archivarischem Design – ein lohnenswerter Halt für alle, die sich für Grafikgeschichte oder Typografie interessieren. Wer Londoner Spezialsammlungen mag, könnte auch das Sir John Soane's Museum im nahen Lincoln's Inn Fields mögen oder das London Transport Museum in Covent Garden, das einen ähnlichen Ansatz zur verborgenen Infrastrukturgeschichte Londons verfolgt.
Wie sich der Besuch im Tagesverlauf verändert
Zur Öffnungszeit (10:00 Uhr an regulären Tagen) ist es am ruhigsten. Das Museum zieht Familien, Schulklassen und Einzelbesucher an, wobei es am Wochenende und in den Schulferien gegen späten Vormittag am vollsten wird. Wer bei der Öffnung da ist und direkt zum Mail-Rail-Bahnsteig für den gebuchten Zeitslot geht, hat die Ausstellungsräume die ersten 45 Minuten weitgehend für sich.
Gegen Mittag belebt sich der Kinderbereich und die Warteschlange vor der Mail Rail füllt sich. Am frühen Nachmittag ist der Andrang am stärksten. Die letzten Mail-Rail-Abfahrten finden am späten Nachmittag statt – die genauen Zeiten auf der offiziellen Website prüfen, da die letzte Abfahrt oft vor der Museumsschließzeit um 17:00 Uhr liegt. Wer nur nachmittags kommen kann, hat an einem Wochentag außerhalb der Schulferien gegen 14:30 Uhr noch ein angenehmes Erlebnis.
Das Museum ist in der Schulzeit montags und dienstags geschlossen und öffnet an diesen Tagen nur in den Schulferien – deshalb immer vorab den aktuellen Kalender prüfen. Der Dienstag ist oft merklich ruhiger als der Rest der Woche. Das Clerkenwell-Viertel rund um den Phoenix Place ist ein Arbeitsquartier und kein Touristenpfad, sodass von außen kein zusätzlicher Besucherstrom hereinkommt.
Anfahrt und die Umgebung
Das Museum liegt am Phoenix Place in Clerkenwell, einer kurzen Straße zwischen der Rosebery Avenue im Süden und dem Mount-Pleasant-Komplex im Norden. Die nächsten U-Bahn-Stationen sind Chancery Lane an der Central Line (etwa 10 Minuten zu Fuß) und Farringdon an der Circle, Hammersmith & City, Metropolitan und Elizabeth Line (etwa 12 Minuten zu Fuß), beide durch ruhige Wohn- und Geschäftsstraßen. Der Weg von beiden Stationen führt durch Bloomsbury oder Holborn – beides angenehm zu Fuß.
Mehrere Buslinien bedienen den Korridor Rosebery Avenue/Gray's Inn Road in der Nähe. Wer diesen Besuch mit dem British Museum in Bloomsbury (etwa 15 Minuten zu Fuß südwestlich) oder der British Library in der Nähe von King's Cross (rund 20 Minuten zu Fuß) verbinden möchte, fügt sich das Postal Museum gut in einen vollen Tag in diesem Teil Zentrallondons ein.
Die unmittelbare Umgebung des Museums ist kein Restaurantviertel. Auf dem Exmouth Market, etwa fünf Minuten südlich zu Fuß, gibt es eine Handvoll Cafés – eine angenehme Fußgängerstraße mit unabhängigen Ständen, die mittags geöffnet sind. Das Museum selbst hat ein kleines Café vor Ort.
Praktische Hinweise: Was du vorher wissen solltest
Die Öffnungszeiten sind in der Regel Mittwoch bis Sonntag, 10:00 bis 17:00 Uhr, mit zusätzlichen Tagen in den Schulferien. In der Schulferienzeit öffnet das Museum auch montags. Der reguläre Erwachseneneintritt beträgt zum Zeitpunkt dieser Angaben 18,50 £, mit ermäßigtem Tarif von 9,25 £ für Art-Fund-Mitglieder und bestimmte Gruppen. Die Preise können sich ändern – aktuelle Tarife und etwaige Online-Buchungsrabatte vorab unter postalmuseum.org prüfen.
Das Museum ist kompakt genug, dass zwei bis drei Stunden für die meisten Besucher ausreichen, um alles in Ruhe zu sehen – inklusive der Mail-Rail-Fahrt. Besonderes Equipment brauchst du nicht, bequeme Schuhe genügen. Die Tunnelbereiche sind ganzjährig kühl, eine leichte Jacke ist sinnvoll, wenn einem schnell kalt wird. Das Gebäude ist zu ebener Erde stufenfrei; Barrierefreiheitsdetails für den Mail-Rail-Bahnsteig sollten aber direkt mit dem Museum geklärt werden, da die Wagen eng sind und das Einsteigen etwas körperliches Geschick erfordert.
Wer einen ausgedehnten Sightseeing-Tag in London plant, kann dieses Museum gut mit dem Somerset House im Süden kombinieren oder den Tag in Richtung West End verlängern. Wer ein mehrtägiges Programm plant, findet in einem Drei-Tage-Reiseplan für London hilfreiche Hinweise, welche Attraktionscluster geografisch am besten zusammenpassen.
Lohnt sich der Eintrittspreis?
Mit rund 18,50 £ für ein Erwachsenenticket liegt das Postal Museum im Mittelfeld der kostenpflichtigen Londoner Attraktionen. Vom Ausmaß her ist es nicht der Tower of London oder das Natural History Museum – wer ein riesiges Haus erwartet, wird ein intimeres Museum vorfinden. Dafür ist die Qualität der Vermittlung hoch, die Mail Rail ist einzigartig in London, und die Sammlung hat echte Tiefe für alle, die sich für Sozialgeschichte, Design oder Infrastruktur interessieren.
Ehrlich gesagt: Wer kein besonderes Interesse an Post- oder Kommunikationsgeschichte mitbringt und vor allem Spektakel sucht, könnte die Ausstellungsräume etwas langatmig finden. Das Museum belohnt Neugier, keine passive Besichtigung. Wer Ausstellungstexte liest, Fragen stellt und gerne herausfindet, wie Alltagssysteme eigentlich funktionieren, erlebt hier einen überdurchschnittlich guten Nachmittag. Wer Sehenswürdigkeiten abhakt und wenige Tage hat, wird es vielleicht beim ersten Londonbesuch nicht auf die Liste schaffen.
Wer aufs Budget achtet: Viele der großen nationalen Museen in London sind kostenlos. Für einen vollständigen Überblick über alles, was ohne Eintritt zu sehen ist, lohnt sich ein Blick in den Ratgeber für kostenlose Aktivitäten in London, bevor man irgendwo kostenpflichtig einsteigt.
Insider-Tipps
- Buche deinen Mail-Rail-Slot am besten für die frühestmögliche Zeit nach der Ankunft – besonders am Wochenende sind die Plätze schnell vergriffen. Wer um 10:00 Uhr da ist und die erste oder zweite Abfahrt erwischt, hat die Ausstellungsräume danach für sich.
- Die Dauersammlung umfasst ein umfangreiches Archiv zur Geschichte des Briefmarkendesigns und der Postgestaltung, das nicht vollständig dauerhaft ausgestellt ist. Bei spezialisiertem Interesse lohnt es sich, vorab beim Museum wegen des Zugangs zur Forschungssammlung anzufragen.
- Der Exmouth Market, etwa fünf bis zehn Minuten südlich die Farringdon Road hinunter, ist eine der besseren Lunch-Straßen in Zentrallondon – mit einer Auswahl an unabhängigen Imbissständen und Restaurants, die an Wochentagen mittags geöffnet sind.
- Als Art-Fund-Mitglied bekommst du 50 % Rabatt auf den Eintritt. Die Karte gilt außerdem in hunderten weiteren Museen und Galerien in Großbritannien – wer auf einer Londonreise mehrere kostenpflichtige Museen besucht, hat den Mitgliedsbeitrag schnell wieder drin.
- Der Museumsshop bietet eine gut kuratierte Auswahl an designorientierten Produkten, darunter Nachdrucke ikonischer Briefmarken-Artworks und Bücher zur Geschichte des Postdesigns. Für Designgeschenke ist er einer der besseren Museumshops in diesem Teil Londons.
Für wen ist The Postal Museum geeignet?
- Familien mit Kindern zwischen 4 und 12 Jahren, die die Mail-Rail-Fahrt und den interaktiven Kinderbereich lieben werden
- Geschichte- und Sozialgeschichtsbegeisterte, die sich dafür interessieren, wie Alltagsinstitutionen das britische Leben geprägt haben
- Design-, Typografie- und Grafikkunst-Fans, die von der Briefmarken- und Druckgrafiksammlung angezogen werden
- Reisende, die Londons wenig bekannte Infrastrukturgeschichten mögen – ähnlich wie das London Transport Museum
- Besucher mit einem halben Tag in Bloomsbury oder Clerkenwell, die etwas Gehaltvolles abseits der üblichen Route suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in West End:
- British Library
Die British Library besitzt über 170 Millionen Objekte aus Jahrtausenden menschlichen Denkens – von der Magna Carta bis zu handgeschriebenen Beatles-Liedtexten. Der Eintritt ins Gebäude und in die Dauerausstellungen ist kostenlos, was sie zu einem der lohnendsten Stopps im Londoner Zentrum für neugierige Reisende macht.
- British Museum
Das British Museum beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen zur Menschheitsgeschichte weltweit – zwei Millionen Jahre Geschichte, verteilt auf über 60 kostenlose Galerien. Der Eintritt zur Dauerausstellung ist gratis, doch wer weiß, wie man sich in diesem riesigen Haus zurechtfindet, erlebt einen ganz anderen Besuch.
- Carnaby Street
Carnaby Street ist das Fußgänger-Einkaufsviertel in Soho, das den Look der Londoner 1960er-Jahre geprägt hat und bis heute Modebegeisterte, Feinschmecker und neugierige Spaziergänger anzieht. Der Eintritt ist kostenlos, die U-Bahn-Station Oxford Circus liegt fünf Minuten entfernt – und wer sich Zeit nimmt und durch die Seitenstraßen schlendert, wird belohnt.
- Coal Drops Yard
Coal Drops Yard ist ein revitalisiertes viktorianisches Industriegelände in King's Cross – heute mit unabhängigen Läden, Restaurants und Bars unter eindrucksvoll restaurierten Backsteinbögen. Der Außenbereich ist kostenlos zugänglich und nur wenige Gehminuten vom Bahnhof King's Cross St Pancras entfernt.