Selfridges London: Das Kaufhaus, das den Einkauf neu erfunden hat

1909 von Harry Gordon Selfridge eröffnet, ist Selfridges an der Oxford Street weit mehr als ein Ort zum Einkaufen. Es ist ein Erlebnis aus Größe, Kuration und Spektakel, das geprägt hat, wie Londoner – und Besucher – über Einzelhandel denken. So gehst du es wie ein erfahrener Shopper an.

Fakten im Überblick

Lage
400 Oxford Street, London W1A 1AB (West End)
Anfahrt
Bond Street (3 Min. zu Fuß); Marble Arch (6 Min. zu Fuß) – Central, Jubilee und Elizabeth Line an der Bond Street; Central Line an der Marble Arch
Zeitbedarf
1,5 bis 3 Stunden, je nachdem wie viele Etagen du besuchst
Kosten
Kostenlos; kein Eintritt
Am besten für
Modebegeisterte, Beauty-Käufer, Feinschmecker in der Food Hall, Architekturliebhaber
Offizielle Website
www.selfridges.com
Die imposante Fassade des Selfridges London an einer belebten Oxford Street, mit Menschenmassen von Einkäufern unter strahlend blauem Himmel.
Photo Alan Hughes (CC BY-SA 2.0) (wikimedia)

Was Selfridges wirklich ist – und warum es noch immer relevant ist

Selfridges eröffnete am 15. März 1909 an der 400 Oxford Street und veränderte den städtischen Einzelhandel in Großbritannien nahezu über Nacht. Bevor Harry Gordon Selfridge seine amerikanisch geprägte Vision auf die Oxford Street brachte, waren Kaufhäuser transaktionale Orte – Verkäufer gingen auf Kunden zu, Waren lagen hinter Theken, und Bummeln war nicht wirklich vorgesehen. Selfridge kehrte das Modell um: offene Auslagen, Parfüm und Kosmetik am Eingang (ein Layout, das bis heute weltweit kopiert wird), theatralische Schaufensterdekoration und die Philosophie, dass Einkaufen sich wie ein Ereignis anfühlen soll.

Mehr als ein Jahrhundert später nimmt Selfridges noch immer dieselbe Position in Londons Einzelhandelslandschaft ein. Das Haus steht an der 400 Oxford Street und belegt einen beeindruckenden neoklassizistischen Block mit markanten ionischen Säulen, die die gesamte Fassade entlangziehen. Das Gebäude allein ist es wert, ein paar Minuten vom Gehweg aus betrachtet zu werden – besonders der Mittelteil, wo die Säulen ihre volle Höhe erreichen und die Proportionen fast römisch wirken.

Wer einen ausgedehnten West-End-Tag plant, profitiert davon, dass Selfridges am ruhigeren, etwas weniger chaotischen westlichen Ende der Oxford Street liegt – ein natürlicher Ankerpunkt für einen Vormittag oder Nachmittag, der auch die Oxford Street oder eine Runde durch das West End insgesamt einschließt.

Das Gebäude und das Erdgeschoss

Kaum bist du drin, fällt dir als erstes der Duft auf: eine dichte, vielschichtige Duftwolke aus Dutzenden von Parfümtheken, die sich über das gesamte Erdgeschoss verteilen. Das ist kein Zufall. Es war Selfridges ursprüngliche Idee, Kosmetik und Parfüm auf Straßenebene zu platzieren – und das Haus hält bis heute daran fest. Das Erdgeschoss ist auch dort, wo die Beleuchtung am durchdachtesten ist: warm, diffus, darauf ausgelegt, Hauttöne und Produktfarben optimal wirken zu lassen. Im Vergleich zu den schärferen Deckenleuchten in den oberen Etagen hat das Erdgeschoss eine fast theatralische Qualität.

Die Theken hier repräsentieren einige der umfassendsten Beauty- und Parfümangebote in London. Nischen-Parfümhäuser stehen neben globalen Flaggschiff-Marken, und das Verhältnis von Personal zu Kunden ist spürbar höher als bei vergleichbaren Einzelhändlern. Wer obskure Düfte ohne den Druck eines Boutique-Besuchs ausprobieren möchte, findet hier einen der wenigen Orte in London, wo das angenehm funktioniert.

💡 Lokaler Tipp

Komm an einem Wochentag vor 11 Uhr, wenn du das Erdgeschoss für dich haben möchtest. Ab Mittag zieht es deutlich mehr Besucher zu den Parfümtheken, und der Lärmpegel steigt erheblich. Morgens ist es ruhiger, und das Personal hat mehr Zeit für Fragen.

Die Food Hall: Unterschätzt und einen Besuch wert

Die Food Hall im Untergeschoss ist einer der überzeugendsten Bereiche für Reisende, die nicht primär wegen der Mode hier sind. Das Angebot ist beachtlich: Charcuterie, Käse, frisches Brot, Patisserie, japanische Convenience-Foods, Kaviar und eine ungewöhnlich breite Auswahl an britischen Produkten. Das Preisniveau ist gehoben, aber die Qualität rechtfertigt es in den meisten Kategorien.

In der Food Hall gibt es Sitzplätze und Theken-Restaurants, die eine vernünftige Wahl für eine Mittagspause beim Einkaufen darstellen – ohne die vorhersehbaren Kettenrestaurants entlang der Oxford Street aufsuchen zu müssen. Das Publikum hier ist eine Mischung aus Touristen, lokalen Büroangestellten und einkaufswilligen Feinschmeckern, was die Atmosphäre spürbar ruhiger macht als in den Etagen darüber.

Das Foodangebot von Selfridges ist beachtlich, aber es ist nicht das einzige ernsthafte Lebensmittelmarkterlebnis im Zentrum Londons. Der Borough Market in Southwark bleibt der Maßstab für Größe und Produktvielfalt, wenn Essen dein Hauptziel ist.

Mode, Wohnaccessoires und die oberen Etagen

Selfridges bietet auf seinen Modeetagen eine ungewöhnlich breite Preisspanne – von erschwinglichen Contemporary-Marken bis hin zu hochkarätigen Designerlabels mit eigenen Shop-in-Shop-Bereichen. Die Kuration ist insgesamt abenteuerlustiger als in vergleichbaren britischen Kaufhäusern, mit einem erkennbaren Gespür für aufstrebende Designer neben etablierten Luxusnamen. Die Damen- und Herrenmodeabteilungen erstrecken sich über mehrere Ebenen, und das Layout kann beim ersten Besuch labyrinthisch wirken – es gibt keine strengen Raster, und die Abteilungen gehen ineinander über, was zum Stöbern einlädt.

Die Wohn- und Designbereiche im vierten Stockwerk lohnen sich für alle, die ein Auge für zeitgenössisches Design haben. Küchenutensilien, Schreibwaren, Möbel und Lifestyle-Objekte sind hier mit mehr redaktionellem Anspruch kuratiert als in den meisten Kaufhäusern – die Auswahl designorientierter Produkte macht es zu einer guten Adresse für durchdachte Geschenke.

ℹ️ Gut zu wissen

Selfridges hat in der Regel montags bis samstags von 10:00 bis etwa 21:00 Uhr und sonntags von spätem Vormittag bis frühem Abend geöffnet. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten auf der offiziellen Website vor deinem Besuch. Die Sonntagsöffnungszeiten sind deutlich kürzer – plane entsprechend, wenn du am Wochenende kommst.

Wann du hingehen solltest – und wie sich die Menschenmassen verhalten

Selfridges an einem Samstagnachmittag in der Vorweihnachtszeit ist eine Übung in Menschenmengenmanagement. Das Haus füllt sich ab etwa Mittag, an den Rolltreppen bilden sich Schlangen, und die Parfümzone im Erdgeschoss wird ohne konkretes Ziel kaum navigierbar. Wer stöbern oder entdecken möchte, sollte das meiden. Wochentags morgens – besonders dienstags bis donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr – herrscht eine grundlegend andere Atmosphäre: ruhiger, geräumiger, und das Verkaufspersonal hat Zeit für ein richtiges Gespräch.

Sommerwochenenden bringen den ganzen Tag über eine anhaltende Touristenpräsenz, und die Schaufenster, in die Selfridges als saisonale Installationen viel investiert, ziehen Gruppen von Fotografen auf der Oxford Street an. Wer die Außenfassade ohne Menschenmassen fotografieren möchte, hat sonntags früh morgens (vor der Öffnung um 11:30 Uhr) die besten Chancen – dann ist die Oxford Street am ruhigsten.

Im Januar und während der Sommerschlussverkäufe bilden sich vor der Öffnung sehr lange Schlangen, die sich manchmal die gesamte Oxford-Street-Fassade entlangziehen. Das ist nichts für Gelegenheitsbesucher – es sind intensive Einkaufsereignisse für Käufer mit ganz konkreten Zielen. Gut zu wissen, wenn du in diesen Zeiträumen in London bist, aber kein Grund, eine Reise danach auszurichten.

⚠️ Besser meiden

Die Oxford Street insgesamt wird an Wochenenden und in den Schulferien extrem voll. Wer mit kleinen Kindern, einem Kinderwagen oder eingeschränkter Mobilität unterwegs ist, sollte unbedingt auf Wochentags-Vormittage ausweichen. Das Kaufhaus selbst hat überall Aufzüge, aber an Wochenenden sind sie durch die Menschenmassen langsamer.

Anreise und praktische Hinweise

Die Station Bond Street, bedient von der Central, Jubilee und Elizabeth Line, bringt dich in drei Minuten zu Fuß zum Haupteingang. Geh Richtung Oxford Street und biege links (Richtung Osten) ab – die Säulenfassade von Selfridges ist sofort zu sehen. Die Station Marble Arch an der Central Line liegt sechs Minuten entfernt und bringt dich ans westliche Ende der Oxford Street, was einen etwas längeren Fußweg bedeutet, aber eine nützliche Alternative ist, wenn Bond Street überlastet ist.

Mehrere Buslinien bedienen die Oxford Street, aber aufgrund der TfL-Beschränkungen für den Durchgangsverkehr können Fahrten über die gesamte Länge zu Stoßzeiten langsamer sein als die U-Bahn. Die Elizabeth Line an der Bond Street (mit eigenem Eingang in der Nähe) bietet schnelle Verbindungen von Paddington, der City und Canary Wharf – Selfridges ist damit von fast überall im Zentrum Londons gut erreichbar.

Es gibt keinen eigenen Besucherparkplatz. Mit dem Auto zur Oxford Street zu fahren ist aufgrund der geltenden Verkehrsbeschränkungen und der einfachen Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln dringend abzuraten. Die Congestion-Charge-Zone gilt für diesen Bereich, und Parkmöglichkeiten in Gehweite sind rar und teuer.

Wenn Selfridges Teil eines größeren Einkaufstags ist, bietet es sich an, es mit der Carnaby Street im Osten zu kombinieren (etwa 15 Minuten zu Fuß) – für einen ganz anderen Einzelhandelscharakter – oder Richtung Liberty London in der Great Marlborough Street aufzubrechen – mit seinem intimeren Arts-and-Crafts-Interieur und einer engeren, sorgfältig kuratierten Auswahl.

Wer es lieben wird – und wer vielleicht nicht

Selfridges belohnt Menschen, die Größe, Vielfalt und das Erlebnis eines gut geführten Einzelhandelsraums genießen. Für Modebegeisterte, Beauty-Käufer oder alle, die ernsthaftes Wohnaccessoire- oder Lebensmittelangebot suchen, rechtfertigt es seinen Ruf. Die Schaufenster und die Außenfassade des Gebäudes sind ebenfalls sehenswert – auch wenn du gar nichts kaufen möchtest.

Besucher, die etwas kulturell Spezifisches über London suchen oder das komprimierte historische Erlebnis erwarten, das die Museen und Sehenswürdigkeiten der Stadt bieten, könnten Selfridges als eigenständiges Ziel enttäuschend finden. Es ist letztlich ein Kaufhaus – ein außergewöhnliches mit echter historischer Bedeutung, aber in erster Linie ein Ort zum Einkaufen und nicht zum Sightseeing. Wer wenig Zeit in London hat und Shoppen keine Priorität ist, findet für diese Stunden lohnendere Alternativen.

Für einen vollständigeren Überblick, wie du begrenzte Zeit im West End und darüber hinaus am besten einteilst, bietet der 3-Tage-Reiseplan für London einen praktischen Rahmen, der Einkaufen, Kultur und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt in Einklang bringt.

Insider-Tipps

  • Das Wonder Room im Erdgeschoss bietet feine Schmuckstücke, Uhren und einige der ungewöhnlichsten Luxusobjekte im ganzen Haus. Es ist ein eigener Bereich mit besonderer Beleuchtung und Atmosphäre – und deutlich ruhiger als die Beautyetage, selbst wenn das Kaufhaus voll ist.
  • Selfridges-Eigenmarkenprodukte aus der Food Hall sind praktische und erschwinglich Mitbringsel. Die gelbe Tragetasche ist weltweit ein Erkennungszeichen, und die verpackten Waren aus der Food Hall – Marmeladen, Kekse, Schokolade – sind eine solide Alternative zu den touristischeren Optionen weiter oben auf der Oxford Street.
  • Die Schaufensterdekorationen wechseln saisonal und werden als ernsthafte kreative Auftragsarbeiten behandelt. Es lohnt sich, die gesamte Front entlang der Oxford Street und der Duke Street vor dem Betreten fünf Minuten zu begehen – besonders zu Weihnachten, wenn sie echte redaktionelle Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
  • Wer mitten in einem langen West-End-Tag eine ruhige Pause braucht: Die Restaurants und Cafés in den oberen Etagen sind spürbar ruhiger als die Cafés auf Straßenniveau und bieten gutes Essen zu moderaten Preisen. Unter der Woche zur Mittagszeit findet man am ehesten einen freien Platz.
  • Selfridges nimmt an Mehrwertsteuerrückerstattungsprogrammen für berechtigte Nicht-UK-Besucher bei entsprechenden Einkäufen teil. Der zuständige Schalter erledigt das Papierkram, aber zu Stoßzeiten kann die Bearbeitung 20 bis 30 Minuten dauern. Das solltest du einplanen, wenn du hochwertige Artikel kaufst und die Steuer vor der Abreise aus dem Vereinigten Königreich zurückfordern möchtest.

Für wen ist Selfridges geeignet?

  • Mode- und Beautybegeisterte, die Londons umfassendstes Angebot von Luxus bis Contemporary unter einem Dach wollen
  • Feinschmecker, die eine ernsthafte Alternative zu Supermarktketten für Spezialitäten und Premium-Produkte suchen
  • Architekturinteressierte, die sich für die neoklassizistische Oxford-Street-Fassade aus dem frühen 20. Jahrhundert begeistern
  • Einkäufer aus dem Ausland, die an einem einzigen Ort viele Produktkategorien und Mehrwertsteuerrückerstattung unter einen Hut bringen wollen
  • Alle, die einen ganzen West-End-Tag planen und einen zentralen, gut ausgestatteten Ankerpunkt auf halbem Weg suchen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in West End:

  • British Library

    Die British Library besitzt über 170 Millionen Objekte aus Jahrtausenden menschlichen Denkens – von der Magna Carta bis zu handgeschriebenen Beatles-Liedtexten. Der Eintritt ins Gebäude und in die Dauerausstellungen ist kostenlos, was sie zu einem der lohnendsten Stopps im Londoner Zentrum für neugierige Reisende macht.

  • British Museum

    Das British Museum beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen zur Menschheitsgeschichte weltweit – zwei Millionen Jahre Geschichte, verteilt auf über 60 kostenlose Galerien. Der Eintritt zur Dauerausstellung ist gratis, doch wer weiß, wie man sich in diesem riesigen Haus zurechtfindet, erlebt einen ganz anderen Besuch.

  • Carnaby Street

    Carnaby Street ist das Fußgänger-Einkaufsviertel in Soho, das den Look der Londoner 1960er-Jahre geprägt hat und bis heute Modebegeisterte, Feinschmecker und neugierige Spaziergänger anzieht. Der Eintritt ist kostenlos, die U-Bahn-Station Oxford Circus liegt fünf Minuten entfernt – und wer sich Zeit nimmt und durch die Seitenstraßen schlendert, wird belohnt.

  • Coal Drops Yard

    Coal Drops Yard ist ein revitalisiertes viktorianisches Industriegelände in King's Cross – heute mit unabhängigen Läden, Restaurants und Bars unter eindrucksvoll restaurierten Backsteinbögen. Der Außenbereich ist kostenlos zugänglich und nur wenige Gehminuten vom Bahnhof King's Cross St Pancras entfernt.

Zugehöriger Ort:West End
Zugehöriges Reiseziel:London

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