Piazza Navona: Roms großartigster Barockplatz
Die Piazza Navona liegt im Herzen von Roms historischem Zentrum – genau dort, wo einst ein römisches Stadion aus dem ersten Jahrhundert stand. Der Eintritt ist frei, der Platz rund um die Uhr geöffnet. Am schönsten ist er früh morgens oder nach Sonnenuntergang, wenn die Brunnen erleuchtet sind und der Trubel nachlässt.
Fakten im Überblick
- Lage
- Centro Storico, Rom (41°53′56″N 12°28′23″E)
- Anfahrt
- Buslinien 40, 46, 62, 64 bis Corso Vittorio Emanuele II; keine direkte U-Bahn-Anbindung
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 2 Stunden, je nachdem wie lange du verweilest
- Kosten
- Kostenlos (öffentlicher Platz, rund um die Uhr zugänglich)
- Am besten für
- Barockkunst-Fans, Abendspaziergänger, Familien, Geschichtsbegeisterte

Was die Piazza Navona wirklich ist
Die Piazza Navona ist nicht einfach ein Platz. Sie ist ein 2.000 Jahre altes römisches Stadion, das nie aufgehört hat, genutzt zu werden. Kaiser Domitian ließ das Domitiansstadion im Jahr 86 n. Chr. für athletische Wettkämpfe errichten. Es fasste rund 30.000 Zuschauer. Als das Stadion außer Betrieb geriet, wuchs die Stadt nicht darüber hinweg, sondern hinein: Bewohner bauten ihre Häuser an die Außenmauern, Händler trieben auf dem Innenoval Handel. Im Mittelalter war die Arenafläche längst zum Marktplatz geworden. Das langgezogene Oval, durch das du heute spazierst, folgt den antiken Sitzreihen fast auf den Meter genau.
Auch der Name geht auf diese antiken Spiele zurück. Das lateinische Wort Agones bezeichnete die hier ausgetragenen athletischen Wettkämpfe. Im Laufe der Jahrhunderte verschliff sich die Aussprache: aus in Agone wurde Nagone, dann Navona. Mit Booten hat der Name nichts zu tun – egal, was manche Händler behaupten mögen.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Platz ist jederzeit kostenlos zugänglich und hat keine Schließzeiten. Je nach Uhrzeit wirkt er jedoch völlig anders. Früh morgens und spät abends hat man die klarsten Blicke und die stimmungsvollste Beleuchtung an den Brunnen.
Die barocke Umgestaltung unter Papst Innozenz X.
Das heutige Erscheinungsbild der Piazza ist größtenteils das Werk eines einzigen ehrgeizigen Pontifikats. Papst Innozenz X., der von 1644 bis 1655 amtierte, wollte den Platz vor dem Palazzo seiner Familie in den spektakulärsten öffentlichen Raum Roms verwandeln. Er beauftragte den Vierströmebrunnen, gab seinen Architekten bei der Kirche Sant'Agnese in Agone freie Hand und machte aus einem lebendigen Marktplatz ein Prunkstück gegenreformatorischer Größe.
Die Fontana dei Quattro Fiumi, der große Mittelbrunnen, wurde von Gian Lorenzo Bernini entworfen und zwischen 1647 und 1651 fertiggestellt. Vier kolossale Marmorgestalten verkörpern die vier großen Ströme der damals bekannten Welt: den Nil, den Ganges, die Donau und den Río de la Plata. Jede Figur ist von heimischen Tieren und Pflanzen begleitet. Darüber erhebt sich ein altägyptischer Obelisk, den Domitian ursprünglich aus Ägypten hatte bringen lassen und später in seinem Circus an der Via Appia aufstellen ließ. Bernini setzte ihn hier neu in Szene – gekrönt von einer päpstlichen Taube ganz oben.
Die populäre Geschichte, Bernini habe die Río-de-la-Plata-Figur so gestaltet, dass sie die Augen vor der Fassade von Borrominis gegenüberliegender Kirche abschirmt – als theatralische Beleidigung seines Rivalen –, ist mit ziemlicher Sicherheit nachträglich erfunden. Die Kirche war noch gar nicht gebaut, als Bernini den Brunnen vollendete. Die Rivalität zwischen Bernini und Francesco Borromini war trotzdem real und erbittert. Mehr über die Barocklandschaft des Centro Storico erfährst du im Guide zu Roms schönsten Kirchen.
Sant'Agnese in Agone, die Kirche mit der konkaven Fassade, die die Westseite des Platzes prägt, wurde von Carlo und Girolamo Rainaldi begonnen und von Borromini vollendet. Sie steht an der Stelle, an der die christliche Märtyrerin Agnes der Überlieferung nach ausgesetzt und wundersam beschützt wurde. Die ungewöhnlich geschwungene Fassade erzeugt eine Tiefenwirkung, die das Gebäude größer erscheinen lässt, als es ist – ein typischer barocker Raumtrick, der sich bei genauem Hinschauen erschließt.
Was du beim Durchqueren des Platzes siehst
Wenn du aus den engen Gassen im Norden oder Süden kommst, fällt zuerst die Dimension auf. Der Platz ist rund 240 Meter lang und 65 Meter breit, die umliegenden Fassaden hoch genug, um ein starkes Gefühl von Umschlossenheit zu erzeugen. Das Pflaster unter den Füßen ist von Jahrhunderten des Fußverkehrs glattgetreten, stellenweise leicht uneben und bei Nässe deutlich rutschig.
Drei Brunnen sind entlang der Mittelachse angeordnet. Die Fontana dei Quattro Fiumi dominiert die Mitte. Am südlichen Ende steht die Fontana del Moro, die einen Mohren beim Kampf mit einem Delphin zeigt – ursprünglich 1574 von Papst Gregor XIII. in Auftrag gegeben und später von Bernini überarbeitet. Am nördlichen Ende ist die Fontana del Nettuno zu sehen, die Neptun im Kampf mit einem Oktopus darstellt. Die Figuren, die man heute sieht, sind allerdings Ergänzungen aus dem 19. Jahrhundert von Antonio Della Bitta und Gregorio Zappalà – sie ersetzten ein schlichteres Becken, das dort jahrhundertelang gestanden hatte.
Der Rand des Platzes ist mit Restaurantterrassen, Eisdielen und Künstlern gesäumt, die Drucke und Porträts verkaufen. All das gehört zum Charakter der Piazza – ist aber auch ihr kommerziell aufdringlichster Aspekt. Wer an den Außenbereichen verweilt, muss vor allem zwischen Mittag und frühem Abend damit rechnen, angesprochen zu werden.
Wie sich der Platz im Laufe des Tages verändert
Um halb acht morgens ist die Piazza Navona fast menschenleer. Das Licht fällt flach aus dem Osten, streicht über die Brunnenfiguren und wirft lange Schatten auf das Pflaster. Das Plätschern des Wassers ist deutlich zu hören. Ein paar Römer überqueren den Platz auf dem Weg zur Arbeit. Das ist die Stunde, um die Brunnen ohne Selfie-Sticks in Ruhe zu studieren.
Gegen 11 Uhr treffen die ersten Reisegruppen ein und die Terrassencafés öffnen vollständig. Den Höhepunkt an Besucherdichte erlebt der Platz zwischen etwa 12 und 20 Uhr, wenn Touristen, Straßenkünstler, Karikaturisten und Restaurantgäste zusammenkommen und es wirklich voll wird. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl kommt man zu diesen Zeiten durch – braucht aber Geduld.
Nach 21 Uhr ändert sich die Atmosphäre erneut. Das Licht der Restaurants spiegelt sich im feuchten Kopfsteinpflaster, die Brunnen sind angestrahlt, und der Platz bekommt etwas von einem Bühnenset. Das ist auch die Zeit, zu der die Römer selbst zur abendlichen Passeggiata auftauchen – und die Piazza Navona am fotogensten ist.
💡 Lokaler Tipp
Für die besten Brunnenfotos komm in der Stunde nach Sonnenuntergang: Der Himmel hat noch Farbe, aber die künstliche Beleuchtung ist bereits an. Fotografiere vom schmalen Ende des Platzes in Längsrichtung – so bekommst du alle drei Brunnen in einem Bild.
Was darunter liegt: das Domitiansstadion
Das ursprüngliche Stadion liegt etwa 4,5 bis 6 Meter unter dem heutigen Straßenniveau. Teile der antiken Struktur sind an zwei Stellen sichtbar: im Untergeschoss von Sant'Agnese in Agone und unter einem Gebäude an der benachbarten Piazza di Tor Sanguigna, wo eine eigene archäologische Stätte eingerichtet wurde. Die unterirdische Ausgrabungsstätte des Domitiansstadions bietet geführte Besuche der erhaltenen Sitzreihen und der geschwungenen Abschlussmauer – und vermittelt ein klares Bild davon, wie die antike Struktur alles darüber geprägt hat. Eintritt wird separat erhoben; wer sich für römische Archäologie interessiert, sollte den Umweg nicht scheuen.
Das nördliche Ende der Piazza, wo die Straße um den halbrunden Vorsprung biegt, folgt exakt der geschwungenen Stirnseite der Stadiumbahn. Wer dort steht und nach Süden über die gesamte Länge des Platzes blickt, nimmt in etwa dieselbe Position ein wie ein römischer Zuschauer in den oberen Rängen im ersten Jahrhundert. Die räumliche Erinnerung an das Bauwerk ist nie ganz verschwunden.
Praktische Informationen für den Besuch
Die Piazza Navona ist ein öffentlicher Platz ohne Eintritt und ohne Öffnungszeiten. Für den Platz selbst muss nichts im Voraus gebucht werden. Die nächsten Bushaltestellen befinden sich am Corso Vittorio Emanuele II, etwa fünf Gehminuten südlich, angefahren von mehreren Linien darunter 40, 46, 62 und 64. Eine U-Bahn-Station in fußläufiger Nähe gibt es nicht. Taxis können in den umliegenden Straßen halten, in die Fußgängerzone selbst aber nicht einfahren.
Der Platz liegt im Herzen des Centro Storico, was ihn natürlich mit anderen wichtigen Sehenswürdigkeiten verbindet. Das Pantheon ist 7 Gehminuten entfernt, der Campo de' Fiori rund 10 Minuten südlich. Wer einen ganzen Tag in diesem Viertel plant, kann die Piazza gut als Ausgangspunkt am Morgen oder als Schlusspunkt am Abend einplanen – weniger als eigenständiges Ziel.
In den Terrassenrestaurants am Platz zu essen ist teuer im Verhältnis zum Gebotenen: Man zahlt einen deutlichen Aufschlag für die Lage. Besser: die Piazza als Treffpunkt oder Rastpause nutzen und für ein Essen ein oder zwei Straßen weitergehen – dort ist es oft einen Bruchteil günstiger. Dasselbe gilt für den Kaffee: Ein Espresso an der Bar zwei Blocks weiter kostet weniger als die Hälfte von dem, was die Terrassen am Platz verlangen.
⚠️ Besser meiden
Taschendiebstahl ist bei Menschenansammlungen ein hartnäckiges Problem. Taschen immer geschlossen und vor dem Körper tragen, besonders beim Fotografieren der Brunnen. An der Fontana dei Quattro Fiumi sind organisierte Gruppen unterwegs, die gezielt mit Ablenkungsmanövern arbeiten.
Mit Kindern ist der Platz eine prima kostenlose Aktivität – allerdings sollte man damit rechnen, dass Restaurants und Eisdielen entsprechende Wünsche wecken. Für ein umfassenderes familienfreundliches Programm in Rom empfehlen wir den Guide für Rom mit Kindern.
Im Dezember verwandelt sich die Piazza Navona in einen Weihnachtsmarkt – eine Tradition, die auf mehrere Jahrhunderte zurückgeht. Er läuft von Anfang Dezember bis Anfang Januar und füllt den Platz mit Ständen voller Spielzeug, Süßigkeiten und saisonalen Spezialitäten. Er macht wirklich Spaß, ist aber extrem voll. Wer wissen möchte, wann die beste Reisezeit für Rom ist, findet im Guide zur besten Reisezeit für Rom alle Infos Monat für Monat.
Insider-Tipps
- Das unterirdische Domitiansstadion an der Piazza di Tor Sanguigna, direkt am nördlichen Ende des Platzes, wird von den meisten Besuchern schlicht ignoriert – sie verbringen 45 Minuten am Brunnen und gehen wieder. Dabei liefert es den entscheidenden Kontext für alles, was darüber zu sehen ist.
- Straßenkünstler, die anbieten, dein Porträt zu zeichnen, dürfen das legal tun – nutzen aber gerne aggressive Verkaufstaktiken, sobald sie angefangen haben. Preis vorher vereinbaren, oder von Anfang an klar ablehnen.
- Den besten unverstellten Blick auf die Fontana dei Quattro Fiumi bieten die Stufen der gegenüberliegenden Kirche Sant'Agnese in Agone. Die meisten Besucher stehen direkt am Brunnenbecken und verpassen dabei die volle Wirkung der Komposition.
- An Wochentagen zwischen 7 und 9 Uhr dient die Piazza Navona als Abkürzung für römische Pendler und Lieferdienste. Den Platz in dieser nüchternen, alltäglichen Funktion zu erleben – bevor er sich in einen Touristenmagnet verwandelt – vermittelt ein ehrlicheres Bild davon, wie die Stadt ihn wirklich nutzt.
- Der Palazzo Pamphilj auf der Westseite, von Girolamo Rainaldi für die Familie von Papst Innozenz X. entworfen, beherbergt seit 1960 die brasilianische Botschaft. Er ist nicht öffentlich zugänglich, aber Länge und Qualität der Fassade lohnen einen aufmerksamen Blick von der gegenüberliegenden Seite.
Für wen ist Piazza Navona geeignet?
- Architektur- und Barockkunst-Fans, die Bernini und Borromini gleichzeitig im Blick haben wollen
- Abendspaziergänger, die einen gut beleuchteten, stimmungsvollen Außenbereich mit Restaurants in der Nähe suchen
- Familien, die mitten in Rom einen kostenlosen, offenen Platz brauchen, auf dem Kinder sich frei bewegen können
- Fotografen – besonders zur goldenen Stunde oder kurz nach Sonnenuntergang, wenn die Brunnen angestrahlt werden
- Geschichtsinteressierte, die den oberirdischen Platz mit dem unterirdischen Stadion kombinieren möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Centro Storico:
- Ara Pacis
Der Senat ließ den Altar 13 v. Chr. zur Feier von Augustus' Feldzügen in Gallien und Hispanien errichten. Die Ara Pacis Augustae gehört zu den besterhaltenen Denkmälern des antiken Roms und steht heute in einem markanten modernen Pavillon am Ostufer des Tiber – ein ungewöhnlich nahes Erlebnis mit kaiserlicher Marmorkunst auf Augenhöhe.
- Campo de' Fiori
Der Campo de' Fiori ist einer der bekanntesten Plätze Roms. Montags bis samstags findet hier täglich ein Markt mit frischem Obst, Gemüse und Blumen statt – abends verwandelt sich der Platz in einen lebhaften Treffpunkt. Sein Pflaster hat öffentliche Hinrichtungen, päpstliche Machtspiele und Jahrhunderte des Handels erlebt.
- Kapitolinischer Hügel
Der Kapitolinische Hügel liegt im symbolischen Zentrum Roms. Michelangelos perfekt proportionierte Piazza krönt einen Ort, der seit der Bronzezeit besiedelt ist. Heute beherbergt er die ältesten öffentlichen Museen der Welt, Roms Rathaus und einige der beeindruckendsten Ausblicke über das Forum Romanum.
- Kapitolinische Museen
Hoch oben auf dem Kapitolshügel mit Blick auf das Forum Romanum beherbergen die Musei Capitolini einige der bedeutendsten Skulpturen und Gemälde der Antike – verteilt auf drei miteinander verbundene Paläste. Gegründet 1471, sind sie über drei Jahrhunderte älter als der Louvre und bieten neben Meisterwerken auch Panoramablicke, die kaum eine andere Sehenswürdigkeit Roms übertrifft.