Jeanneke Pis: Brüssels andere Pinkelfigur – und was dich wirklich erwartet
Jeanneke Pis ist ein kleiner Bronzebrunnen, der ein hockendes Mädchen zeigt. Er wurde 1987 als schelmisches Gegenstück zum berühmten Manneken Pis aufgestellt. Versteckt in einer engen Sackgasse im Viertel Îlot Sacré, ist er kostenlos, jederzeit zugänglich und in etwa fünf Minuten gesehen – aber die umliegenden Straßen haben eigentlich mehr zu erzählen als die Figur selbst.
Fakten im Überblick
- Lage
- Impasse de la Fidélité 10–12, Îlot Sacré, 1000 Brüssel (3–5 Minuten zu Fuß nordöstlich vom Grand-Place)
- Anfahrt
- Metrolinien 1 & 5, Station Gare Centrale (Brüssel-Zentral); alternativ De Brouckère auf den Linien 1 & 5
- Zeitbedarf
- 5–15 Minuten an der Statue; 30–60 Minuten, wenn du sie mit nahegelegenen Sehenswürdigkeiten kombinierst
- Kosten
- Kostenlos – kein Ticket erforderlich
- Am besten für
- Neugierige Erstbesucher, Familien, die Brüssels Trio der Pinkelfiguren vervollständigen wollen, und alle, die durch das Îlot Sacré schlendern
- Offizielle Website
- http://www.jeannekepis.be

Was Jeanneke Pis ist – und was nicht
Jeanneke Pis ist ein kleiner Bronzebrunnen in einem flachen Steinbecken am Ende der Impasse de la Fidélité, einer engen Sackgasse, die von der Rue des Bouchers im Stadtzentrum von Brüssel abzweigt. Die 1987 eingeweihte Statue zeigt ein junges Mädchen, das hockend uriniert – bewusst als weibliches Gegenstück zum weitaus älteren und berühmteren Manneken Pis konzipiert, der nur wenige hundert Meter entfernt steht. Der Schöpfer Denis Adrien Debouvrie wählte diese versteckte Gasse, um der Figur das Gefühl einer Entdeckung zu geben, statt sie zur Schau zu stellen.
Die Statue ist klein. Sie steht hinter einem Metallgitter, das zum Schutz vor Diebstahl und Vandalismus angebracht wurde, und man betrachtet sie von der Gassenseite aus. An einem kleinen Kettengitter hängen zahlreiche Vorhängeschlösser, die Besucher im Laufe der Jahre dort befestigt haben. Wasser plätschert aus dem Brunnen in das Becken darunter – ein leises Geräusch, das man oft schon hört, bevor man die Statue überhaupt sieht, wenn man in die Gasse einbiegt.
ℹ️ Gut zu wissen
Jeanneke Pis gehört zu Brüssels inoffiziellem Trio der Pinkelfiguren – zusammen mit Manneken Pis und Zinneke Pis. Wer alle drei besuchen möchte, sollte dafür rund 90 Minuten zu Fuß einplanen.
Die Gasse und ihre Umgebung: Was dich erwartet
Die Impasse de la Fidélité ist so kurz, dass man die Statue schon vom Eingang aus sieht. Die Gasse ist mit verwittertem Kopfsteinpflaster belegt und wird auf beiden Seiten von Rückwänden und Seitenfassaden der Restaurants gesäumt, die die Rue des Bouchers flankieren. Mittags zieht der Geruch von Pommes frites und gegrilltem Fleisch durch die Gasse. Im Sommer stellen Restaurantmitarbeiter manchmal Seitentüren auf, und das Klappern der Küche hallt von den Steinwänden wider.
Das Gitter vor der Statue ist oft mit kleinen Münzen gespickt, die Besucher zwischen die Eisenstäbe gesteckt haben – als Glücksbringer. Im Winter, wenn der Touristenstrom nachlässt und die Restaurantterrassen verschwinden, wird die Gasse ruhiger, und die Statue lässt sich leichter fotografieren, ohne dass sich andere Besucher ins Bild drängen.
Die umliegenden Straßen des Viertels Îlot Sacré sind einen kurzen Umweg wert. Der Grand-Place liegt zwei Gehminuten in südwestlicher Richtung, und die Galeries Royales Saint-Hubert – Brüssels prachtvoll verzierte Einkaufspassage aus dem 19. Jahrhundert – ist in die entgegengesetzte Richtung genauso weit entfernt. Die meisten Besucher entdecken Jeanneke Pis auf einem natürlichen Rundgang zwischen diesen beiden Sehenswürdigkeiten.
Historischer Kontext: Eine Statue von 1987 mit einer älteren Idee
Anders als der Manneken Pis, der aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt und jahrhundertealte Folklore trägt, ist Jeanneke Pis ein zeitgenössisches Werk mit einem klar kommerziellen Ursprung. Denis Adrien Debouvrie schuf sie 1987 – teils um Mittel für die Erforschung unheilbarer Krankheiten zu sammeln, teils als augenzwinkernden Beitrag zur Straßenskulptur-Tradition Brüssels. Sie war nie als Träger tiefer historischer Symbolik gedacht, und wer das von Anfang an weiß, vermeidet die häufigste Enttäuschung beim Besuch.
Brüssel hat eine lange Tradition des trockenen, selbstironischen Stadthumors, und Jeanneke Pis fügt sich nahtlos in diese Tradition ein. Die Stadt nimmt es mit einem Schmunzeln hin, dass ein pinkelndes Kind zum geliebten Wahrzeichen geworden ist – und die Ergänzung durch ein weibliches Gegenstück 1987 hat den Witz fortgeschrieben, ohne ihm mehr Tiefe zu verleihen. Trotzdem hat die Figur inzwischen einen echten Platz in Brüssels Straßenikonografie eingenommen: Sie erscheint auf Stadtplänen und in so gut wie jedem Reiseführer seit den 1990er-Jahren.
Beste Besuchszeit und wie das Licht das Erlebnis beeinflusst
Die Gasse verläuft ungefähr in Nord-Süd-Richtung, weshalb direktes Sonnenlicht die Statue an klaren Tagen nur für ein kurzes Zeitfenster am Nachmittag erreicht. Für Fotografien sind bedeckte Verhältnisse – in Brüssel aufgrund des gemäßigten Seeklimas für einen Großteil des Jahres üblich – eigentlich ideal: Sie sorgen für gleichmäßiges Licht ohne harte Schatten auf der Bronzeoberfläche.
Am ruhigsten ist es am Morgen vor 10:00 Uhr. Das nahegelegene Restaurantviertel an der Rue des Bouchers kommt erst gegen späten Vormittag richtig in Fahrt, und die Gruppen vom Grand-Place trudeln meist nach 10:30 Uhr ein. Im Juli und August ist die Gasse von Vormittag bis Abend voll – in diesen Sommermonaten fühlt sich die Statue weniger wie eine Entdeckung an und eher wie ein Pflichtpunkt auf einer Gruppenrundtour.
💡 Lokaler Tipp
Im Sommer am besten vor 10:00 Uhr besuchen oder kurz nach dem Mittagsansturm (gegen 14:30–15:00 Uhr) – dann ist die Chance auf eine halbwegs ruhige Aussicht am größten. Die Statue ist rund um die Uhr zugänglich, und ein Abendbesuch kann eine besondere Atmosphäre haben, auch wenn die Beleuchtung in der Gasse eher spärlich ist.
Anfahrt: Mit der U-Bahn, zu Fuß und praktische Orientierung
Der direkteste U-Bahn-Zugang ist über den Bahnhof Brüssel-Zentral (Gare Centrale), der von den Metrolinien 1 und 5 bedient wird. Vom Stationsausgang am Boulevard de l'Impératrice sind es weniger als 10 Minuten zu Fuß bis zur Impasse de la Fidélité, vorbei durch das untere Ende des Îlot Sacré. Die Station De Brouckère, ebenfalls auf den Linien 1 und 5, ist ein etwas längerer Fußweg von Norden, bringt dich aber näher an die Rue des Bouchers heran.
Wer zu Fuß vom Grand-Place kommt, verlässt den Platz über die Rue de la Colline oder die Rue des Harengs, geht nordöstlich entlang der Rue Chair et Pain und biegt in die Rue des Bouchers ein. Die Impasse de la Fidélité ist eine kleine Gasse auf der linken Seite, die durch ein unscheinbares Schild markiert ist. Wer zügig durch diesen restaurant-gesäumten Korridor läuft, übersieht sie leicht.
Die Gasse ist gepflastert und eng. Eine offizielle Dokumentation zur Barrierefreiheit gibt es nicht. Obwohl es am Eingang keine Stufen gibt, können das unebene Pflaster und die beengte Breite für Rollstühle und andere Mobilitätshilfen eine Herausforderung sein. Die Statue selbst befindet sich ebenerdig und ist ohne Auf- oder Abstieg aus der Gasse sichtbar.
Fotografieren: Was funktioniert – und was nicht
Die größte fotografische Herausforderung ist das Metallgitter vor der Statue. Mit einem lichtstarken Objektiv und nah herangegangen lässt sich der Zaun fast vollständig aus dem Bild herausrechnen. Mit einem Smartphone wird das Gitter dagegen in der Regel sichtbar bleiben. Ein enger Ausschnitt der Statue, aufgenommen durch die breiteren Lücken im Eisenwerk, liefert meistens sauberere Ergebnisse.
Die Gassenwände und der Schlösser-behängte Zaun sind oft interessantere Bildelemente als die Statue allein. Weitwinkelaufnahmen, die die Steinwände und die Schlösserkette einbeziehen, vermitteln den Charakter des Ortes oft wirkungsvoller als ein Nahschuss der Bronzefigur. Nachts vom Blitz abraten – er erzeugt flache, überbelichtete Ergebnisse auf der Bronzeoberfläche und unterbelichtet die umgebende Gasse.
Ehrliche Einschätzung: Wie viel Zeit ist sie wert?
Jeanneke Pis ist einen fünf- bis zehnminütigen Stopp wert, wenn du sowieso im Îlot Sacré unterwegs bist. Als einziger Grund, quer durch die Stadt zu fahren, reicht sie nicht. Wer das kulturelle Gewicht des Manneken Pis erwartet (selbst eine kleine Statue mit übergroßem Ruf), wird Jeanneke Pis für sich allein noch ernüchternder wirken. Ihr Wert ist vor allem kontextuell: als Teil von Brüssels fortlaufendem Stadtscherz über Pinkelfiguren, als kleines Stück des Straßenbilds im Îlot Sacré und als kostenlose, unkomplizierte Ergänzung für jeden Spaziergang durch diesen Teil der Innenstadt.
Wer wenig Zeit in Brüssel hat und einen vollen Terminkalender, kann sie getrost auslassen. Familien mit Kindern, die bereits Manneken Pis genossen haben, werden die Parallele wahrscheinlich amüsant finden und den kurzen Umweg nicht bereuen. Architektur- oder Street-Art-Fans verbringen ihre Zeit besser in den Galeries Saint-Hubert oder auf der Suche nach Jugendstil-Fassaden in der Umgebung.
⚠️ Besser meiden
Die Rue des Bouchers, die Hauptstraße zur Impasse de la Fidélité, ist gesäumt von auf Touristen ausgerichteten Restaurants, die für aggressive Anwerbung bekannt sind. Du bist nicht verpflichtet, die dir entgegengestreckten Speisekarten anzunehmen, und das Essen dort gilt im Vergleich zu den umliegenden Vierteln allgemein als schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Jeanneke Pis mit dem Îlot Sacré kombinieren
Das Îlot Sacré (die „Heilige Insel") ist das fußgängerfreundliche mittelalterliche Straßennetz zwischen dem Grand-Place und den Galeries Saint-Hubert. Ein Spaziergang durch das Viertel verbindet mehrere lohnenswerte Stationen: das Brüsseler Rathaus und das Maison du Roi direkt am Grand-Place, die vergoldeten Arkaden der Galeries Royales und die dicht beschilderte Rue des Bouchers mit ihren hängenden Meeresfrüchte-Auslagen.
Der vollständige Rundgang durch Brüssels drei Pinkelfiguren – Manneken Pis, Jeanneke Pis und Zinneke Pis – ist ein kurzweiliger Spaziergang von 60 bis 90 Minuten, der verschiedene Ecken des Brüsseler Stadtzentrums erschließt. Zinneke Pis, 1999 entstanden und einen kleinen Hund darstellend, ist die jüngste der drei Figuren und steht weiter nordwestlich in der Nähe des Kanalviertels.
Insider-Tipps
- Die Schlösser am Zaun vor der Statue sind keine offizielle Tradition – sie haben sich einfach über die Jahre angesammelt. Es gibt kein Ritual und keine besondere Bedeutung dahinter, aber viele Besucher hängen trotzdem eines als persönliche Geste dazu.
- Wenn die Gasse voll ist, tritt zum Eingang zurück und schau von dort hinein: Der leichte Höhenunterschied zur Straße gibt dir eine bessere Sichtlinie über die Köpfe der Leute vor dem Zaun.
- Die nahegelegenen Galeries Royales Saint-Hubert, nur 90 Sekunden zu Fuß in Richtung Norden, sind architektonisch deutlich beeindruckender und eine natürliche Ergänzung. Das Licht in der Glas-und-Eisen-Galerie ist besonders schön am späten Nachmittag.
- Meide die Rue des Bouchers für einen Restaurantbesuch. Die Straßen ein Block weiter östlich oder westlich des Touristenkorridors bieten deutlich bessere Qualität – oft zum gleichen oder günstigeren Preis.
- Ähnlich wie beim Manneken Pis tragen Besucher oder Passanten der Statue gelegentlich kleine Kostüme oder Accessoires auf. Ob du sie 'verkleidet' antriffst, ist reine Glückssache.
Für wen ist Jeanneke Pis geeignet?
- Erstbesucher in Brüssel, die das inoffizielle Trio der Pinkelfiguren der Stadt vervollständigen wollen
- Familien mit kleinen Kindern, die den Humor schätzen und von der Größe der Figur nicht überfordert werden
- Reisende mit einer freien Stunde im Îlot Sacré, die ihren Spaziergang zum Grand-Place unkompliziert ergänzen möchten
- Hobbyfotografen, die urbane Stillleben in engen Gassenkulissen interessant finden
- Alle, die verstehen wollen, wie eine Stadt über Jahrzehnte hinweg eine skurrile städtische Identität aufbaut und pflegt
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Grand-Place & Îlot Sacré:
- Belgisches Comic-Zentrum
Das Belgische Comic-Zentrum residiert in einem vom Jugendstil-Pionier Victor Horta entworfenen Meisterwerk und erzählt die Geschichte von Belgiens außergewöhnlichem Beitrag zur Comickunst. Von Tim und Struppi bis zu den Schlümpfen – eines der lohnendsten Museumserlebnisse in Brüssel, für Besucher fast jeden Alters.
- Brussels Beer Museum
Im Gewölbekeller eines barocken Gildehauses am Grand-Place erzählt das Museum der Belgischen Brauer (Musée des Brasseurs belges) die Geschichte des belgischen Brauens – mit historischen Geräten, Dokumenten und einem Bier, das im €5-Eintrittspreis inbegriffen ist. Klein, ruhig und wirklich atmosphärisch: ein lohnender Stopp für alle, die mehr über einen der prägendsten Kulturexporte Belgiens erfahren wollen.
- Brüsseler Rathaus (Hôtel de Ville)
Das Brüsseler Rathaus, offiziell Hôtel de Ville de Bruxelles, ist das gotische Bauwerk, das den UNESCO-geschützten Grand-Place seit Jahrhunderten prägt. Das Innere ist nur mit einer Führung zugänglich – Vorausplanung ist daher wichtig. Die Fassade hingegen kann jederzeit und kostenlos bewundert werden.
- Kathedrale St. Michael und St. Gudula
Nur wenige Minuten vom Grand-Place entfernt, thront die Kathedrale St. Michael und St. Gudula über einer breiten Freitreppe aus Stein – und ist damit das architektonisch bedeutendste Kirchengebäude Belgiens. Der Eintritt ins Hauptschiff ist kostenlos, die Buntglasfenster gehören zu den schönsten in Nordeuropa, und die Atmosphäre wechselt dramatisch zwischen der Stille des frühen Morgens und dem Trubel der Reisegruppen am Nachmittag.