Filbert Steps: San Franciscos lohnendster Stadtaufstieg
Die Filbert Steps sind eine öffentlich zugängliche Freitreppe, die die Ostseite des Telegraph Hill von der Sansome Street hinauf bis zum Coit Tower erklimmt. Mit rund 400 Stufen, versteckten Cottage-Gärten, wilden Papageien und Bucht-Panoramen, die sich beim Aufstieg nach und nach öffnen, gehört diese Route zu den ungewöhnlichsten Spaziergängen in San Francisco.
Fakten im Überblick
- Lage
- 202 Filbert St, San Francisco, CA 94133
- Anfahrt
- Muni F-Linie Straßenbahn, Ausstieg nahe Sansome St; zu Fuß Richtung Filbert & Sansome
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten für den vollständigen Auf- und Abstieg
- Kosten
- Kostenlos (öffentliche Treppe, kein Eintritt)
- Am besten für
- Spaziergänger, Fotografen, Naturliebhaber und alle, die Bucht-Panoramen ohne Reisebus erleben wollen

Was die Filbert Steps eigentlich sind
Die Filbert Steps sind die fußläufige Fortsetzung der Filbert Street, wo die Straße für Autos zu steil wird – sie erklimmen die Ostseite des Telegraph Hill von der Sansome Street bis hinauf zum Coit Tower. Die Treppe umfasst insgesamt rund 400 bis 445 Stufen, aufgeteilt auf mehrere Abschnitte aus Holzbohlen und Beton, verbunden durch schmale Gartenwege und kurze Stegpassagen, die durch von Anwohnern gepflegte Privatgrundstücke führen.
Die Filbert Street selbst hat mit rund 31,5 Prozent eines der steilsten Gefälle aller benannten Straßen in San Francisco. Wo der Asphalt endet, beginnen die Holzstufen – und ab diesem Punkt ändert sich der Charakter der Route vollständig. Du verlässt das Stadtgitter und betrittst etwas, das eher einem Hangweg durch einen botanischen Garten ähnelt als einer städtischen Treppe.
ℹ️ Gut zu wissen
Der untere Eingang befindet sich an der Ecke Filbert Street und Sansome Street, unmittelbar östlich des Levi's Plaza. Das ist der Beginn des Holzstufen-Abschnitts. Wer vom Embarcadero kommt, sucht zuerst nach dem Levi's Plaza und geht dann einen Block landeinwärts.
Der Aufstieg: Was du auf dem Weg nach oben siehst
Der erste Abschnitt der Stufen oberhalb der Sansome Street ist aus Holz, von jahrzehntelangem Fußverkehr glattgetreten und gesäumt von dichten Bepflanzungen, die die Anwohner der angrenzenden Grundstücke über viele Jahre kultiviert haben. Die Gärten sind hier ungezwungen und vielschichtig: Jasmin und Kapuzinerkresse hängen über Zäune, Feigenbäume überschatten den Weg, und auf Stegabschnitten fällt das Gelände direkt unter dir steil zur Bucht hin ab. An ruhigen Morgen vereint sich der Duft der Gärten, feuchten Holzes und Salzluft zu etwas, das du nirgendwo sonst in der Stadt findest.
Etwa auf halber Höhe weichen die Holzstufen dem Beton, und der Weg führt an einigen kleinen Cottages mit Adressen an der Montgomery Street vorbei. Das sind echte Wohnhäuser, einige davon älter als das Erdbeben und der Brand von 1906, die den Großteil des umliegenden Viertels zerstörten. Die Cottages überlebten teils durch ihre Lage am steilen Hang – und teils, so geht die Anwohnerlegende, weil Bewohner mit Wein ihre Dächer feucht hielten, um die Flammen aufzuhalten. Ob das offizielle Geschichtsschreibung ist, sei dahingestellt, aber die Gebäude selbst sind real und angesichts der Zerstörung ringsum erstaunlich gut erhalten.
Weiter oberhalb der Montgomery Street wird die Vegetation dichter. Dieser Abschnitt des Hügels ist de facto ein kleines städtisches Naturschutzgebiet, und das Zusammenspiel aus mikroklimatischem Schutz und jahrelanger Bepflanzung durch Anwohner hat ein Blätterdach entstehen lassen, das für diesen Teil der Stadt ungewöhnlich ist. Hier öffnen sich die Blicke auf die Bucht ernsthaft: Die Hügel der East Bay und die Oberkonstruktion der Bay Bridge erscheinen gerahmt zwischen Baumstämmen und Ästen.
Am Ende führen dich die Stufen zum kreisförmigen Aussichtspunkt am Fuß des Coit Tower, wo sich das Panorama nach Norden bis nach Marin County, nach Osten über die Bucht zu Oakland und Berkeley sowie nach Süden entlang der Waterfront erstreckt. Der Übergang vom geschlossenen Gartenpfad zum offenen Hügelgipfel ist abrupt – und wirklich beeindruckend.
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Die wilden Papageien des Telegraph Hill
Der Schwarm wilder Rotstirnkonures (Psittacara erythrogenys), der auf dem und rund um den Telegraph Hill lebt, ist real und fest etabliert. Es sind keine Käfigvögel. Der Schwarm – je nach Saison mehrere Dutzend Tiere – fällt fast täglich über die Obstbäume und Gartenbepflanzungen entlang der Filbert Steps her. Du hörst sie, bevor du sie siehst: ein scharfes, durchdringendes Kreischen, das den Hang hinunter bis zum Embarcadero hallt.
Am besten begegnet man den Papageien am Morgen, typischerweise zwischen 8 und 10 Uhr, wenn der Schwarm durch den oberen Stufenabschnitt nahe dem Holzsteg und den Feigenbäumen am unteren Montgomery-Street-Abschnitt zieht. Scheu sind sie nicht. An einem ruhigen Wochentag morgens kann man wenige Meter entfernt stehen, während Vögel über dem Weg in den Ästen fressen. Nachmittagsbesuche bieten ebenfalls Papageien-Sichtungen, aber der Schwarm verteilt sich nach Mittag über den ganzen Hügel.
💡 Lokaler Tipp
Für die besten Papageien-Begegnungen: Wochentags vor 10 Uhr morgens ankommen. An Wochenenden ist mehr Betrieb, was die Vögel höher auf den Hang treibt und eine Beobachtung aus der Nähe schwieriger macht.
Tageszeit und wie sie das Erlebnis verändert
Der frühe Morgen ist die stimmungsvollste Zeit auf den Filbert Steps. Das Licht trifft die Ostseite des Hügels direkt, die Gärten sind still und taufrisch, und kaum jemand ist unterwegs. Du teilst die Stufen vielleicht mit ein paar Anwohnern auf dem Weg zum Embarcadero, einem Hundebesitzer und dem Teil des Papageienschwarms, der gerade im Blätterdach frisst. Die Holzabschnitte der Treppe knarzen unter den Schritten – weniger wie städtische Infrastruktur, mehr wie ein Bootssteg.
Ab spätem Vormittag an Wochenenden, besonders im Sommer, steigt die Besucherzahl merklich, da viele von Fisherman's Wharf oder dem Embarcadero kommen. Der Pfad ist stellenweise schmal, und entgegenkommende Fußgänger auf den steileren Holzabschnitten zu passieren, erfordert etwas Geduld. Das ist kein Grund, die Treppe zu meiden, aber ein Grund, den Besuch zeitlich zu planen, wenn dir Ruhe wichtig ist.
Nachmittagsbesuche in den Sommermonaten bergen Nebelrisiko. San Franciscos Meeresschicht rollt von Juni bis August häufig am frühen Nachmittag von Westen herein. Zwar ist die Ostseite des Telegraph Hill oft klarer als die westlichen Viertel, aber die Bucht-Aussichten von den oberen Stufen können im tief hängenden Nebel verschwinden. September und Oktober sind statistisch die klarsten und wärmsten Monate – Nachmittagsbesuche im Herbst werden oft mit scharfen, unverstellten Blicken übers Wasser belohnt.
Ein Besuch in der Abenddämmerung ist möglich, da die Treppe technisch gesehen rund um die Uhr zugänglich ist – aber die Holzabschnitte sind bei schwachem Licht wirklich schwierig zu navigieren. Eine Taschenlampe oder die Taschenlampen-Funktion am Handy mitnehmen, wenn du nach Sonnenuntergang absteigen willst.
Praktischer Überblick: Anreise und Rückweg
Der einfachste Zugang führt vom Embarcadero-Ufer. Geh landeinwärts zur Sansome Street nahe Levi's Plaza und biege in die Filbert Street ein. Die Holztreppe beginnt innerhalb eines Blocks. Von der F-Linie-Straßenbahn aus dauert der Weg von jeder Haltestelle entlang der Waterfront auf ebenem Gelände rund fünf Minuten, bevor der Aufstieg beginnt.
Wer die Treppe mit einem längeren North-Beach-Ausflug kombiniert, findet einen natürlichen Übergang zu einem Spaziergang durch North Beach und den Washington Square Park. Vom Coit Tower oben führt ein separates Treppenset die West- und Nordseite des Hügels zurück ins Straßennetz des Viertels hinunter.
Parkmöglichkeiten nahe dem Eingang sind begrenzt. Die nächstgelegenen Optionen sind die Levi's Plaza Garage in der 101 Lombard Street und die ParcTel Garage in der 1603 Montgomery Street – die Parkgebühren in diesem Teil der Stadt summieren sich jedoch schnell, wenn man einen entspannten Besuch plant. Die BART- und Muni-Verbindungen am Embarcadero machen dies zu einem der am besten mit dem ÖPNV erreichbaren Spaziergänge der Stadt.
⚠️ Besser meiden
Die Filbert Steps sind nicht rollstuhlgerecht und für Menschen mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen eine echte Herausforderung. Die Holzabschnitte haben unebene Trittflächen und an manchen Stellen fehlt ein Geländer auf einer Seite. Festes Schuhwerk mit Grip tragen – die Holzbohlen können nach Nebel oder leichtem Regen rutschig sein.
Hinweise für Fotografen
Der Holzabschnitt zwischen Sansome und Montgomery Street fotografiert sich am besten im Morgenlicht, das den nach Osten ausgerichteten Hang direkt trifft und die Üppigkeit der Gärten richtig zur Geltung bringt. Ein Standardzoom im 28–50-mm-Äquivalent eignet sich sowohl für die nahen Gartendetails als auch für die gerahmten Buchtblicke ohne störende Verzerrung. Die weiteren Aussichten vom oberen Betonabschnitt nahe dem Coit Tower funktionieren gut ab 24 mm aufwärts.
Die Bay Bridge erscheint im Hintergrund vieler Aufnahmen von den oberen Stufen, und an klaren Tagen fluchtet sie sauber mit dem Weg. Für eine breitere architektonische Perspektive auf die Brücke vom Boden aus nach dem Abstieg bietet Crissy Field einen völlig anderen Blickwinkel. Wer die Aussichten quer durch die Stadt vergleichen möchte, findet im Guide zu den besten Aussichtspunkten in San Francisco alle Optionen nach Art und Zugänglichkeit aufgeschlüsselt.
Die Papageien zu fotografieren erfordert mehr Geduld als Ausrüstung. Ein kurzes Teleobjektiv (85–135-mm-Äquivalent) hilft, Distanz zu überbrücken und Vögel vor dem Laub freizustellen – aber der Schwarm kommt oft nah genug heran, dass auch ein Standardobjektiv funktioniert. Das Licht im Gartendach ist fleckig und wechselhaft; im RAW-Format aufnehmen und die Belichtung in der Nachbearbeitung korrigieren gibt mehr Spielraum, als die perfekte Belichtung im Moment zu treffen.
Für wen dieser Spaziergang nichts ist
Die Filbert Steps verlangen echte körperliche Anstrengung. Der Aufstieg entspricht in etwa dem Besteigen eines 30- bis 40-stöckigen Gebäudes. Es gibt zwar flache Absätze und Pausen entlang der Route, aber einen einfachen Ausweg, sobald man im Holzabschnitt oberhalb der Sansome Street steckt, gibt es nicht. Besucher mit Knieproblemen, ernsthaften Herzkreislaufbeschwerden oder Menschen, die Treppensteigen stark schmerzt, sollten überlegen, ob der Coit Tower selbst – per Auto oder Taxi über den Telegraph Hill Boulevard erreichbar – das bietet, wonach sie suchen, ohne körperliche Strapazen.
Wer in erster Linie an den Wandgemälden und den Panoramaaussichten des Coit Towers interessiert ist, kann problemlos mit dem Auto oder einem Rideshare nach oben fahren und die Filbert Steps ganz weglassen. Die Treppe bietet eine ganz spezifische Erfahrung: den Gartenspaziergang, die Papageien, die Cottage-Architektur, die sich langsam entfaltende Bucht. Wenn das keine Prioritäten sind, ist der Aufstieg optional.
Insider-Tipps
- Die Gärten entlang des unteren Holzabschnitts werden freiwillig von Anwohnern gepflegt. Behandle sie wie Privatgrundstück, das du glücklicherweise betreten darfst: Keine Pflanzen pflücken, nicht vom markierten Weg abweichen und nichts entlang der Zäune berühren.
- Wenn der Papageien-Schwarm auf den unteren Holzstufen nicht zu sehen ist, geh hinauf zu den Feigenbäumen kurz unterhalb der Montgomery Street. Die Vögel sammeln sich dort häufiger als irgendwo sonst auf der Route.
- Der Abstieg belastet die Knie deutlich stärker als der Aufstieg. Wer empfindliche Knie hat, sollte den Telegraph Hill Boulevard (die asphaltierte Straße) für den Rückweg nehmen und dann um den Fuß des Hügels zurückgehen.
- Die Treppe ist am fotogensten in den 30 bis 45 Minuten nach Sonnenaufgang, wenn das flache Ostlicht direkt in das Gartendach fällt und die Bucht oft spiegelglatt ist. Dieses Zeitfenster schließt sich schnell, sobald die Sonne über den Hügel steigt.
- Kombiniere die Filbert Steps mit den Greenwich Steps, einer parallelen Treppe auf der Nordseite des Telegraph Hill, für eine Runde, die beide Seiten des Hügels abdeckt und dich über eine ganz andere Route zurück zum Embarcadero führt.
Für wen ist Filbert Steps geeignet?
- Spaziergänger, die eine echte körperliche Herausforderung mit Landschaft suchen, die der Mühe entspricht
- Naturbegeisterte, die sich für den wilden Papageienschwarm auf dem Telegraph Hill interessieren
- Fotografen, die Gartentexturen, Bucht-Panoramen und Vögel im natürlichen Licht suchen
- Erstbesucher, die San Franciscos Topografie jenseits der Postkarten-Ansicht verstehen wollen
- Alle, die North Beach, Coit Tower und das Embarcadero in einer Halbtages-Runde verbinden möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in North Beach:
- Beat Museum
Das Beat Museum in der 540 Broadway im San Franciscoer Stadtviertel North Beach ist ein kompaktes, aber vielschichtiges Denkmal für die Schriftsteller und Künstler, die in den 1950er-Jahren die amerikanische Literatur auf den Kopf stellten. Mit seltenen Manuskripten, persönlichen Gegenständen, Erstausgaben und einer eindringlichen Rekonstruktion der Epoche bietet es weltweit die dichteste Begegnung mit der Beat-Kultur.
- City Lights Booksellers & Publishers
1953 vom Dichter Lawrence Ferlinghetti gegründet, ist City Lights Booksellers & Publishers eine der bedeutendsten unabhängigen Buchhandlungen Amerikas. Über drei Etagen im Viertel North Beach verteilt, hat sie die amerikanische Literaturkultur geprägt und ist bis heute täglich bis 22 Uhr geöffnet – als aktive Buchhandlung und Verlag.
- Coit Tower
Der Coit Tower ragt 64 Meter über North Beach auf dem Telegraph Hill auf und gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen San Franciscos. Das Besondere ist zweierlei: ein 360-Grad-Panorama über die Bay und ein Eingangsbereich mit bemerkenswert gut erhaltenen Freskogemälden aus den 1930er-Jahren. Beides ist aufregender, als eine Postkarte vermuten lässt.
- Kirche Sankt Peter und Paul
Die Kirche Sankt Peter und Paul erhebt sich mit ihren Doppeltürmen über dem Washington Square Park im San Franciscoer Stadtviertel North Beach. Sie ist eine aktive katholische Pfarrgemeinde mit einer bewegten italienisch-amerikanischen Geschichte und einer Fassade, die diese Ecke der Stadt seit 1924 prägt. Der Eintritt ist frei, das Innere ist zu den ausgewiesenen Öffnungszeiten für Besucher zugänglich, und die umliegende Platzanlage macht sie zur fotogensten Kirchenkulisse Kaliforniens.