Superkilen: Kopenhagens Park, gebaut von der Welt
Superkilen ist ein 750 Meter langer öffentlicher Park, der sich durch Nørrebro zieht – Kopenhagens vielfältigstes Viertel. Entworfen von BIG, Topotek1 und SUPERFLEX und 2012 eröffnet, vereint er urbane Objekte aus über 60 Ländern in drei farblich codierten Zonen. Der Eintritt ist frei, der Park rund um die Uhr geöffnet.
Fakten im Überblick
- Lage
- Nørrebrogade 208, 2200 København N
- Anfahrt
- Mehrere Buslinien entlang der Nørrebrogade; kurze Rad- oder Fußwegentfernung vom Stadtzentrum
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten für die gesamte Länge; mehr, wenn du dich treiben lässt
- Kosten
- Kostenlos – öffentlicher Raum, kein Ticket erforderlich
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Stadtspaziergehende, Familien, Fotografen, Designfans
- Offizielle Website
- big.dk/projects/superkilen-1621

Was Superkilen eigentlich ist
Superkilen ist ein öffentlicher Park, der sich auf etwa 750 Metern durch das Herz von Nørrebro zieht – Kopenhagens dichtestem und kulturell gemischtestem Stadtviertel. Im Juni 2012 eröffnet, nach einer Planungsphase von 2009 bis 2010, umfasst er rund 30.000 Quadratmeter und wurde gemeinsam von der Stadt Kopenhagen und der privaten Stiftung Realdania in Auftrag gegeben. Der Name bedeutet auf Dänisch sinngemäß „Der Super-Keil" – ein Verweis auf die langgestreckte, keilförmige Form, die sich zwischen Wohnblöcken und Radwegen hindurchschneidet.
Drei Architekturbüros arbeiteten am Entwurf: Bjarke Ingels Group (BIG) übernahm das Gesamtkonzept und den Masterplan, Topotek1 leitete die Landschaftsarchitektur, und das Kopenhagener Kunstkollektiv SUPERFLEX gestaltete die kulturelle Programmierung und die Objektauswahl. Das Ergebnis ist kein klassischer Park. Es gibt keine formalen Blumenbeete oder Schmuckbrunnen im herkömmlichen Sinne. Stattdessen funktioniert Superkilen als eine Art Freiluftsammlung urbaner Objekte aus mehr als 60 Ländern – ausgewählt, um die über 57 Nationalitäten widerzuspiegeln, die die Bewohner des umliegenden Nørrebro mitbringen.
ℹ️ Gut zu wissen
Superkilen ist 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr geöffnet. Es gibt keine Tore, keine Tickets und keine Schließzeiten. Er ist genauso Stadtstraße wie Park.
Die drei Bereiche: Ein farblich codierter Spaziergang
Der Park gliedert sich in drei klar unterschiedliche Bereiche, jeder mit eigener Farbpalette, Oberflächengestaltung und Atmosphäre. Von Süden nach Norden durchquert man den Roten Platz, den Schwarzen Markt (auch Schwarzer Platz genannt) und den Grünen Park. Die Farbcodierung ist nicht bloß dekorativ: Sie signalisiert einen Wechsel in Zweck, sozialem Charakter und Stimmung.
Der Rote Platz
Der Rote Platz am südlichen Ende nahe der Nørrebrogade ist der urbanste und energiegeladenste Abschnitt. Der Boden ist in tiefen Rottönen gestrichen, die sich an Wände und über Flächen erstrecken und dem Ganzen nachmittags, wenn die Sonne tief steht, eine leicht surreale Qualität verleihen. Diese Zone beherbergt Sportanlagen, einen Boxring und einen großen Brunnen, den Kinder an warmen Tagen als Wasserplanschbecken nutzen. Die Geräuschkulisse hier tendiert zur Aktivität: Skateboard-Räder, Fußballschüsse, Gespräche auf Dänisch, Arabisch und Somali – alles ohne große Aufhebens durcheinander.
Der Schwarze Markt
Die mittlere Zone ist mit schwarzem Asphalt gepflastert, auf dem weiße topografische Linien verlaufen, die die Fläche wie eine Karte oder technische Zeichnung wirken lassen. Dieser Abschnitt wird am stärksten für alltägliche Erledigungen und Pendlerwege genutzt: Radfahrer fahren stetig durch, und auf den Bänken sitzen Menschen beim Mittagessen oder einfach beim Warten. Zu den Objekten zählen ein japanischer Gullydeckel im Boden, ein Tintenfisch-Klettergerüst aus Japan und verschiedene Leuchtreklamen. Wer aufmerksam schaut, wird belohnt. Wer schnell durchläuft, verpasst das meiste.
Der Grüne Park
Der nördliche Abschnitt geht in weicheres, hügeliges Gelände mit Rasenflächen über. Die grüne Zone ist im Parksinn die konventionellste – aber auch hier ist das Mobiliar alles andere als gewöhnlich. Bänke, Fitnessgeräte und Spielstrukturen wurden aus aller Welt beschafft und kamen mit ihren Original-Herstellerkennzeichnungen an. An Sommernachmittagen füllt sich dieses Ende des Superkilens mit Familien auf Picknickdecken, Jugendlichen im Gras und Hunden, die zwischen beiden hin- und herwuseln.
Die kulturelle Logik hinter dem Design
Nørrebro ist seit Langem Kopenhagens demografisch vielfältigstes Viertel: Dänische Arbeiterfamilien, Einwanderer aus dem Nahen Osten, Ostafrika und Südostasien, Studenten sowie eine gewachsene Gemeinschaft von Künstlern und Kreativen teilen sich dieselben Straßen. Diese Verdichtung hat historisch sowohl Reibung als auch echtes Gemeinschaftsgefühl erzeugt – und Superkilen wurde explizit als Antwort auf diesen Kontext konzipiert.
Der Entwurfsprozess bezog die Bewohner Nørrebros direkt ein: Sie wurden konsultiert, welche Objekte importiert werden sollten. Das war kein bloßes Symbol. Bewohner unterschiedlicher Herkunft nominierten Gegenstände, die für ihre Heimatländer oder Gemeinschaften von Bedeutung waren, und SUPERFLEX koordinierte die Beschaffung, den Transport und die Installation dieser Objekte.
Dieser partizipative Ansatz im Städtebau sorgte für internationales Aufsehen und brachte Superkilen 2016 den Aga-Khan-Preis für Architektur ein, einen der renommiertesten Preise der Branche. Wer sich dafür interessiert, wie Kopenhagen Design als soziales Werkzeug einsetzt, der kombiniert den Besuch gut mit einem Ausflug zum Dänischen Architekturzentrum, das regelmäßig Ausstellungen zu dänischem öffentlichem Raum und Stadtplanung zeigt.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Früh morgens, etwa zwischen 7 und 9 Uhr, ist Superkilen am lokalsten. Pendlerradfahrer rollen in einem stetigen Strom durch, einige Hundespaziergänger überqueren die grüne Zone, und das Licht steht tief genug, um die rote Farbe zum Leuchten zu bringen. Dies ist wohl die beste Zeit, den Park zu fotografieren: Die Flächen sind gut erkennbar, die Farben sättigen sich im weichen Morgenlicht, und du konkurrierst nicht mit Fußgängern um einen freien Bildausschnitt.
Mittags kommt die Mittagspause-Crowd, besonders in den Schwarzen-Markt-Abschnitt, wo die Bänke zur Sonne ausgerichtet sind. Der Park wirkt zu dieser Stunde wie ein echter Gemeinschaftsraum, nicht wie eine Touristenattraktion: Menschen essen, streiten, scrollen auf dem Handy und spielen. Jetzt kann man einfach sitzen und die Objektsammlung in eigenem Tempo auf sich wirken lassen, ohne das Gefühl zu haben, weitergehen zu müssen.
Sommerabende sind besonders lebhaft. Die Sportbereiche auf dem Roten Platz werden bis in die Dämmerung genutzt, die Leuchtreklamen und beleuchteten Installationen beginnen sich gegen den verblassenden Himmel abzuzeichnen, und das soziale Gefüge verändert sich hin zu einem jüngeren Publikum. Im Winter bricht der Fußgängerverkehr deutlich ein und der Park nimmt einen ruhigeren, leicht melancholischen Charakter an. Der Farbkontrast zwischen den bemalten Flächen und dem grauen Kopenhagener Himmel hat seinen ganz eigenen Reiz – die Atmosphäre unterscheidet sich aber erheblich von der sommerlichen.
💡 Lokaler Tipp
Für Fotos am besten in den ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang oder in der Stunde vor Sonnenuntergang kommen. Die bemalten Bodenflächen reagieren dramatisch auf streifendes Licht, und die topografischen Linien im Schwarzen-Markt-Abschnitt wirken bei tiefem Lichteinfall dreidimensional.
Anreise und Erkundung von Nørrebro
Superkilen verläuft entlang der Nørrebrogade, der Hauptachse des Viertels, die von mehreren Stadtbuslinien bedient wird. Aus dem Kopenhagener Zentrum ist der Park bequem mit dem Fahrrad erreichbar – was auch die naheliegendste Variante ist, da der Park selbst einen eigenen Radweg einschließt. Kopenhagens Radinfrastruktur macht Nørrebro auch ohne Karte problemlos erreichbar.
Die gesamten 750 Meter in gemächlichem Tempo abzulaufen und dabei die Objektschilder und Tafeln zu lesen, dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Die meisten Besucher verbinden Superkilen mit einem ausgedehnteren Bummel durch Nørrebro – was sich wirklich lohnt. Die Haupteinkaufs- und Cafémeile entlang der Nørrebrogade und den Seitenstraßen bietet eine zuverlässige Auswahl an unabhängigen Kaffeehäusern, Bäckereien und Foodständen. Der Markt bei Torvehallerne ist 15 Gehminuten südlich gelegen und macht sich als natürliche Ergänzung zu einem Morgenbesuch gut.
Wer Kopenhagen zum ersten Mal besucht und seine Zeit sinnvoll einteilen möchte: Superkilen fügt sich gut in einen Nørrebro-Halbtag ein, der auch den Assistens-Friedhof umfasst – nur wenige Gehminuten westlich gelegen, wo Hans Christian Andersen und Søren Kierkegaard begraben sind. Die Kombination gibt einem ein klares Gefühl für die Bandbreite des Viertels: ein Friedhof aus dem 19. Jahrhundert und ein Designexperiment des 21. Jahrhunderts innerhalb derselben Postleitzahl.
Ehrliche Einschätzung: Was funktioniert und was nicht
Superkilen ist als Idee und als Umsetzung dieser Idee im urbanen Maßstab wirklich beeindruckend. Die Objektsammlung ist echt, nicht inszeniert, und der partizipative Prozess, der sie hervorgebracht hat, war substanziell. Besucher, die sich mit dem Objektkatalog auseinandersetzen und die Logik hinter der Parkstruktur verstehen, gehen mit einem deutlich stärkeren Eindruck als jene, die einen konventionellen Park erwarten.
Dennoch ist der Park nicht ohne Kritik. Einige Stadtplaner haben gefragt, ob die Sammlung von Objekten aus 60 Ländern kulturelle Unterschiede eher ästhetisiert als strukturelle Ungleichheit im Viertel angeht. Der Park ist schön. Ob er gerecht ist, ist eine andere Frage, die das Design allein nicht beantworten kann.
Praktisch gesehen kann der Park bei schlechtem Wetter enttäuschen. Die offenen Flächen bieten kaum Schutz, und der bemalte Boden kann bei Nässe rutschig werden. Wer einen konventionellen Grünraum mit Schattenbäumen und Tierwelt erwartet, wird enttäuscht: Das hier ist ein Stadtdesignprojekt, kein Garten.
⚠️ Besser meiden
Superkilen hat keine öffentlichen Toiletten vor Ort. Die nächsten Optionen befinden sich in den nahegelegenen Cafés entlang der Nørrebrogade, wo in der Regel ein Kauf erwartet wird. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man mit Kindern kommt.
Praktische Hinweise für deinen Besuch
Bequeme Schuhe mit gutem Grip sind empfehlenswert: Die bemalten Flächen, besonders auf dem Roten Platz, können uneben sein und lassen sich am besten zu Fuß erkunden – keine Lederschuhe oder Sandalen. Es gibt keinen Einlassprozess, keine Taschenkontrollen und keine Führungsinfrastruktur vor Ort. Selbstgeführte Informationen sind jedoch über die BIG- und SUPERFLEX-Projektseiten abrufbar, bevor man losfährt.
Der Park ist kostenlos und immer geöffnet, was ihn zu einer guten Option für einen budgetbewussten Kopenhagen-Reiseplan macht. Er funktioniert auch als eigenständiger Stopp von etwa einer Stunde für Besucher mit wenig Zeit, die etwas jenseits der historischen Altstadt sehen wollen. Wer ein vollständiges Programm plant, findet Superkilen im Kopenhagen Design- und Architekturführer – zusammen mit den anderen bedeutenden Bauten der Stadt.
Radfahrer sollten beachten, dass der Radweg durch den Park aktiv und mit Pendlern geteilt wird – kein reiner Freizeitweg. Rechts halten und vor dem Anhalten signalisieren.
Insider-Tipps
- Lad dir die SUPERFLEX-Projektdokumentation vor deinem Besuch herunter: Sie enthält einen vollständigen Katalog der Objekte mit Herkunftsländern und den Geschichten hinter ihrer Auswahl. Die Schilder im Park liefern nur knappe Hinweise – die Hintergründe sind aber erheblich interessanter.
- Die Farbe des Roten Platzes wirkt am gesättigtsten und dramatischsten am späten Nachmittag, wenn die Sonne nach Westen sinkt. Morgens ist der Park besser für Fotos ohne Menschenmassen; nachmittags erlebt man ihn im vollen sozialen Betrieb.
- Wenn du mit dem Fahrrad aus der Innenstadt kommst, geh den Park von Nord nach Süd. Der Grüne Park am nördlichen Ende ist ruhiger und stimmt dich sanft ein, bevor der intensivere Rote Platz im Süden an der Nørrebrogade folgt.
- Der Brunnen auf dem Roten Platz ist in Betrieb und an heißen Tagen bei Kindern sehr beliebt. Wer im Juli oder August mit Kindern kommt, hat hier einen zuverlässigen Stopp ganz ohne Planung.
- Superkilen taucht in den meisten gängigen Kopenhagen-Reiseführern kaum auf – was bedeutet, dass es an Wochentagen morgens wirklich leer ist. An Sommerwochenenden kommen mehr Besucher, besonders nachmittags, aber selbst dann erreicht es nie die Dichte der historischen Altstadt.
Für wen ist Superkilen geeignet?
- Architektur- und Stadtplanungsinteressierte, die partizipative Raumgestaltung in großem Maßstab erleben wollen
- Fotografen, die auf der Suche nach kräftigen Farben, geometrischen Flächen und ungewöhnlichem Licht sind
- Familien mit kleinen Kindern, besonders wegen der Spielgeräte und des Sommerbrunnens
- Reisende, die sich über Multikulturalismus und urbane Sozialpolitik jenseits des oberflächlichen Tourismus informieren wollen
- Radfahrer und Fußgänger, die Nørrebro erkunden und ein Designwahrzeichen mit einer Viertelentdeckung verbinden möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Nørrebro:
- Assistens Kirkegård
Die Assistens Kirkegård ist gleichzeitig aktiver Friedhof, Stadtteilpark und einer der stimmungsvollsten Orte Kopenhagens, um in aller Stille durch Geschichte zu spazieren. Der Eintritt ist frei, der Friedhof das ganze Jahr geöffnet – und hier im Nørrebro liegen Hans Christian Andersen, Søren Kierkegaard und Niels Bohr begraben.