Princes Street Gardens: Edinburghs dramatischster Stadtpark
Unterhalb des Edinburgher Schlosses, auf dem trocken gelegten Bett eines mittelalterlichen Sees, erstrecken sich die Princes Street Gardens – ein 15 Hektar großer öffentlicher Park im Herz der Stadt. Der Eintritt ist frei, die Geschichte beeindruckend, und zu fast jeder Tageszeit lohnt es sich, hier innezuhalten und den Blick schweifen zu lassen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Princes Street, Edinburgh EH2 2HG – Südseite der Princes Street, New Town
- Anfahrt
- Straßenbahnhaltestelle Princes Street sowie mehrere Bushaltestellen entlang der Princes Street
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 2 Stunden, je nach Tempo; täglich ab 7:00 Uhr geöffnet (Schließzeiten variieren je nach Jahreszeit)
- Kosten
- Eintritt frei
- Am besten für
- Blicke auf das Schloss, eine ruhige Mittagspause, Fotografie, Familien und Geschichtsinteressierte
- Offizielle Website
- www.edinburghoutdoors.org.uk/directory-record/112/princes-street-gardens

Was die Princes Street Gardens wirklich sind
Die Princes Street Gardens bestehen aus zwei öffentlichen Parks – einem Ost- und einem Westteil, getrennt durch The Mound –, die sich entlang der Südseite der Princes Street im Herzen Edinburghs erstrecken. Zusammen umfassen sie gut 15 Hektar und liegen im Tal zwischen der georgianischen New Town oben und dem mittelalterlichen Altstadtrücken darunter. Das Ergebnis ist einer der dramatischsten Stadtparks Europas: ein flacher grüner Korridor, über dem ein vulkanischer Burgfelsen aufragt und die gesamte Silhouette der Altstadt sichtbar ist.
Die Gardens sind wirklich kostenlos und das ganze Jahr über täglich geöffnet. Sie dienen gleichzeitig als Abkürzung für Pendler, Mittagspausenort für Büromenschen, Touristenroute und wichtiger Veranstaltungsort. Diese Vielschichtigkeit sorgt dafür, dass die Atmosphäre je nach Tageszeit und Jahreszeit stark wechselt.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Tore öffnen täglich um 7:00 Uhr. Die Schließzeiten variieren je nach Jahreszeit – von 18:00 Uhr im Winter bis 22:00 Uhr im Hochsommer. Die Tore werden etwa eine Stunde vor der angegebenen Schließzeit geschlossen, damit der Park sicher geräumt werden kann.
Von einem See zu einem Garten: Geschichte unter den Füßen
Der Boden, auf dem man hier spaziert, war bis ins 18. Jahrhundert vom Nor Loch bedeckt – einem absichtlich angelegten Verteidigungsgewässer unterhalb des Burgfelsens, das die nördliche Grenze des mittelalterlichen Edinburghs bildete. Ein malerisches Idyll war es nicht. Zeitgenössische Berichte beschreiben es als stark verschmutzt, als Entsorgungsort für Abfälle und gelegentlich auch als Schauplatz von Hexenprozessen mit Wasserprobe. Als die Stadt in den 1760er Jahren nach Norden expandierte und die New Town angelegt wurde, war die Trockenlegung des Sees schlicht notwendig.
Die Entwässerungsarbeiten begannen in den 1760er Jahren, die Gartenplanung folgte in den 1770ern, und 1820 wurden die Gardens offiziell eröffnet, nachdem das Seebett vollständig trocken gelegt worden war. Anfangs waren die Gardens privat und nur für Anwohner der umliegenden Straßen zugänglich. 1876 wurden sie zum öffentlichen Park. Diese Verwandlung von einem stinkenden Verteidigungssee zu einem gepflegten öffentlichen Garten innerhalb von etwa einem Jahrhundert gehört zu den bemerkenswertesten städtischen Transformationen der schottischen Geschichte.
Wer diese Geschichte kennt, sieht den Blick auf die Burg mit anderen Augen. Wenn man auf dem Rasen steht und zum Edinburgh Castle auf seinem Basaltfelsen hinaufschaut, steht man buchstäblich auf dem Grund eines ehemaligen Burggrabens. Der Höhenunterschied zwischen dem Gartenboden und der Burgterrasse darüber beträgt rund 30 Meter – das verleiht dem ganzen Panorama eine fast architektonische Dramatik.
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Ost und West: Zwei Parks mit eigenem Charakter
The Mound, die aufgeschüttete Straße und der Verbindungsweg zwischen der Princes Street und der Altstadt, teilt die Gardens in zwei klar unterschiedliche Hälften. Es lohnt sich, diesen Unterschied zu kennen, bevor man hingeht.
Die West Princes Street Gardens sind der ruhigere, eher wohnlich wirkende Teil. Es gibt einen Bandstand, der im Sommer kostenlose Konzerte veranstaltet, offene Rasenflächen für Sonnenbäder und Picknicks, den Ross Fountain (ein viktorianischer gusseiserner Zierbrunnen) und die Blumenuhr, die seit 1903 jedes Jahr neu bepflanzt wird. Im Westgarten steht auch das nationale Denkmal für Wojtek, den syrischen Braunbären, den das polnische II. Korps im Zweiten Weltkrieg adoptierte – eine Skulptur, die fast jeden überrascht, der ihr begegnet.
Die East Princes Street Gardens, näher am Bahnhof Waverley und am oberen Ende von The Mound, haben deutlich mehr Fußgängerverkehr. Die Scottish National Gallery liegt an ihrem östlichen Rand, und The Mound selbst bietet einen naheliegenden Zugang von der Altstadt. Dieser Teil ist flacher, offener und tendenziell windiger. Im Sommer taucht hier oft die Infrastruktur für Großveranstaltungen auf. Der bekannte Ross Bandstand für große Freiluftkonzerte liegt im Westgarten. Zur Weihnachtszeit beherbergen die Ostgärten den Hauptteil des Weihnachtsmarkts mit Fahrgeschäften und Rummelplatz.
Wer zwischen der New Town und der Altstadt unterwegs ist, findet über die Gardens und The Mound den malerischsten und gleichzeitig direktesten Weg. Der Aufstieg über The Mound führt an der Scottish National Gallery vorbei und landet in etwa acht Minuten ab der Princes Street auf der Royal Mile.
Wie sich die Gardens im Tagesverlauf verändern
Am frühen Morgen, besonders zwischen 7:00 und 9:00 Uhr, ähneln die Gardens eher einem lokalen Park als einem Touristenziel. Hundebesitzer, Jogger und Pendler queren den Park auf dem Weg zur Arbeit. Die Burg oben fängt das erste Licht auf ihrer Ostseite ein, und die Luft ist noch frisch – unabhängig von der Jahreszeit. Das ist die beste Zeit für ungestörte Fotos: leere Bänke, ruhige Wege und die Burgsilhouette vor dem Morgenhimmel in beeindruckender Klarheit.
Mittags mischen sich Büroarbeiter und Besucher in etwa gleicher Zahl. Die Rasenflächen füllen sich an jedem trockenen Tag – Edinburgher haben ein pragmatisches Verhältnis zur Sonne und nutzen sie, wann immer sie scheint. Die Gardens können zur Mittagszeit erstaunlich gesellig wirken, mit Essen aus nahe gelegenen Cafés und dem Duft von frisch gemähtem Gras im Sommer.
Der späte Nachmittag ist das fotogenste Zeitfenster für Burgaufnahmen. Ab etwa 15:00 Uhr fällt das Licht im Westteil seitlich auf die Burgfassade, statt sie von oben auszuwaschen. Im Hochsommer sind die Gardens bis 22:00 Uhr geöffnet (Tore ab 21:00 Uhr), was bedeutet, dass es ein goldenes Stundenfenster gibt, das die meisten Besucher komplett verpassen – weil sie annehmen, Parks schließen bei Einbruch der Dunkelheit.
💡 Lokaler Tipp
Für Burgfotos am besten am späten Nachmittag auf dem Rasen des Westgartens positionieren. Von dort erfasst ein einziger Bildrahmen die Burg, das Scott Monument im Osten und die gestaffelte Dachsilhouette der Altstadt. Am besten ein Weitwinkelobjektiv mitbringen oder den Panoramamodus am Handy nutzen.
Jahreszeitliche Wandlungen: Was man wann erwartet
Im Januar und Februar wirken die Gardens karg und dramatisch. Kahle Bäume rahmen die Burg, ohne mit ihr zu konkurrieren, und der tiefe Sonnenstand wirft lange Schatten über den frostgehärteten Rasen. Besucherzahlen sind minimal – eine der wenigen Zeiten, in denen sich die Gardens wirklich verlassen anfühlen.
Der Frühling, grob von Ende März bis Mai, ist wohl die schönste Jahreszeit. Im März und April erscheinen im Westgarten zahlreiche Narzissen, gefolgt von Kirschblüten und den ersten Beetpflanzen. Die Blumenuhr ist meist Anfang Mai wieder bepflanzt und in Betrieb. Die Besucherzahlen steigen, bleiben aber überschaubar im Vergleich zum Hochsommer.
Der August verwandelt die Gardens grundlegend. Während des Edinburgh Fringe und des Royal Edinburgh Military Tattoo verdoppelt sich die Stadtbevölkerung praktisch, und die Gardens nehmen entsprechend viele Menschen auf. Besonders die Ostgärten können sich gedrängt voll anfühlen. Das Royal Edinburgh Military Tattoo findet direkt oben auf der Burgterrasse statt, und an Vorführungsabenden hört man Dudelsäcke und Trommeln deutlich vom Rasen des Westgartens aus – ein unerwarteter Bonus dafür, im August nach Einbruch der Dunkelheit im Park zu sitzen.
Im Winter verwandelt der Weihnachtsmarkt Teile beider Gardens von Ende November bis Anfang Januar. Holzbuden, Eisbahnen und Fahrgeschäfte ersetzen die offenen Rasenflächen. Manche Besucher lieben diesen Wandel, andere können ihn mit dem Parkcharakter nur schwer vereinbaren. Wer gezielt wegen des natürlichen Charakters der Gardens kommt, sollte den Edinburgher Weihnachtsmarkt-Zeitraum bei der Planung berücksichtigen.
Anreise und Orientierung vor Ort
Die Princes Street Gardens liegen direkt an der Princes Street, Edinburghs wichtigster Ost-West-Achse. Die Straßenbahnlinie verläuft entlang der Princes Street mit einer eigenen Haltestelle, und zahlreiche Buslinien sind gut ausgeschildert. Vom Bahnhof Waverley ist der Eingang zu den Ostgärten in 3 Minuten zu Fuß erreichbar. Die Gardens sind nicht zu übersehen – man braucht keine besondere Navigation.
Innerhalb der Gardens sind die Wege größtenteils befestigt und zugänglich, obwohl das Gelände von Ost nach West natürlich abfällt und einige Abschnitte des Westgartens Graswege haben, die bei Regen weich werden. Öffentliche Toiletten sind in den Gardens vorhanden. Für Besucher mit speziellen Anforderungen an barrierefreie Zugänge bietet die Parkseite des City of Edinburgh Council detaillierte Informationen.
⚠️ Besser meiden
Die Schließzeiten variieren je nach Jahreszeit erheblich, und die Tore schließen früher als angegeben, damit der Park geräumt werden kann. Wer abends einen Besuch plant, sollte die aktuellen Zeiten vorab auf der Edinburgh Outdoors-Website prüfen. Im Park eingeschlossen zu werden ist kein angenehmes Erlebnis – besonders nicht im Winter.
Was die Gardens nicht sind
Die Princes Street Gardens werden gerne als Edinburghs Antwort auf den Central Park bezeichnet – was sowohl ihre Größe als auch ihre Abgeschiedenheit übertreibt. Mit 15 Hektar sind sie eher ein langer, schmaler Korridor als ein wirklich immersiver Grünraum. Man ist nie weit vom Geräusch der Eisenbahnlinie entfernt, die durch das Tal unter der Princes Street führt, und Verkehrslärm von der Straße oben ist in den Ostgärten ständig präsent. Am besten versteht man die Gardens als eine dramatische urbane Pause – nicht als Flucht ins Grüne.
Wer mehr Wildnis im Stadtgrünen sucht, wird im Holyrood Park, der Arthur's Seat umgibt und echtes Hügelwandern und nahezu vollständige Stille bietet, mehr finden. Der Royal Botanic Garden Edinburgh in Inverleith, ebenfalls kostenlos, bietet ein ruhigeres, botanisch geprägtes Erlebnis. Was aber schiere Dramatik der Lage im Stadtzentrum angeht, haben die Princes Street Gardens keinen ernsthaften Rivalen.
Insider-Tipps
- Die Blumenuhr im Westgarten, seit 1903 jedes Jahr neu bepflanzt, ist eine der ältesten funktionstüchtigen Blumenuhren der Welt. Sie liegt nahe der Kreuzung The Mound/Princes Street – wird aber oft übersehen, weil alle nach oben zur Burg schauen statt nach unten auf den Boden.
- An Tattoo-Abenden im August kann man die gesamte Vorführung vom Rasen des Westgartens aus hören. Einfach eine Jacke und etwas zum Sitzen mitbringen – so erlebt man eines der begehrtesten Ticketevents Edinburghs völlig kostenlos.
- Die Tore schließen offiziell eine Stunde vor der angegebenen Schließzeit. Im Hochsommer schließen die Tore des Westgartens um 21:00 Uhr, obwohl als Schließzeit 22:00 Uhr angegeben ist. Abendbesuche entsprechend planen.
- Der Weg am Fuß des Burgfelsens im Westgarten wird deutlich weniger begangen als die Hauptroute über den Rasen. Er führt nah an der steilen Felswand entlang und vermittelt ein viel besseres Gefühl für die wahre Größe des Felsens als der offene Rasen.
- Das Scott Monument am östlichen Rand der Gärten kann gegen eine kleine Gebühr bestiegen werden und bietet eine ungewöhnliche Aussicht in geringer Höhe – zurück über die Gardens und auf das Schloss. Von außen etwas seltsam anzuschauen, der Blick von den oberen Plattformen ist aber wirklich besonders.
Für wen ist Princes Street Gardens geeignet?
- Erstbesucher, die den klassischen Edinburgh-Blick auf Burg und Skyline wollen – ohne Eintritt zu zahlen
- Fotografen, die Stadtporträts aufnehmen, besonders im frühen Morgen- oder späten Nachmittagslicht
- Familien, die freie Grünflächen im Stadtzentrum mit öffentlichen Einrichtungen in der Nähe suchen
- Spaziergänger, die die Gardens als Teil einer Route zwischen Old Town und New Town nutzen
- Besucher des Fringe oder Tattoo, die einen ruhigen Gegenpol zu den Augustmassen suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in New Town:
- Calton Hill
Der Calton Hill erhebt sich 103 Meter über dem Zentrum Edinburghs und ist ein kostenloser, rund um die Uhr zugänglicher Park mit Denkmälern, vulkanischer Geologie und einem der vollständigsten Stadtpanoramen Schottlands. Vom Princes Street aus ist er in unter 20 Minuten zu Fuß erreichbar – und die Aussicht lohnt jeden Schritt.
- Charlotte Square
Der Charlotte Square liegt am westlichen Ende der George Street und ist das architektonische Herzstück von Edinburghs erster New Town. Entworfen von Robert Adam im Jahr 1791 und 1820 fertiggestellt, ist der Platz ein frei zugängliches Straßenbild und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der Stadt.
- Edinburgher Weihnachtsmarkt
Der Weihnachtsmarkt erstreckt sich über die East und West Princes Street Gardens sowie die George Street und läuft jedes Jahr von Mitte November bis Anfang Januar. Der Eintritt ist frei, die Burg thront im Hintergrund, und die Atmosphäre hängt stark davon ab, wann du ankommst.
- Edinburgh Gin Distillery
Die am 6. Dezember 2024 eröffnete Edinburgh Gin Distillery in The Arches an der East Market Street ist die Brand-Home einer der bekanntesten schottischen Craft-Gin-Marken. In den eindrucksvollen steinernen Gewölbebögen unter den historischen Eisenbahnbögen nahe dem Bahnhof Waverley bietet sie Verkostungen, Touren und ein Einkaufserlebnis, das tief in Edinburghs wachsendem Ruf als Hochburg für handwerkliche Spirituosen verwurzelt ist.