Schloss Christiansborg: Dänemarks Machtzentrum und bester kostenloser Ausblick Kopenhagens
Schloss Christiansborg liegt auf der Insel Slotsholmen im Herzen Kopenhagens und beherbergt gleichzeitig das dänische Parlament, den Obersten Gerichtshof, das Büro des Premierministers und die Königlichen Repräsentationsräume. Es gilt als einzigartiges Gebäude, das alle drei Staatsgewalten unter einem Dach vereint. Der 106 Meter hohe Turm bietet einen der besten kostenlosen Panoramablicke der Stadt.
Fakten im Überblick
- Lage
- Prins Jørgens Gård, Insel Slotsholmen, Indre By, Kopenhagen
- Anfahrt
- Zu Fuß aus der Innenstadt gut erreichbar; mehrere Stadtbusse halten in der Nähe. Nächste Metro: Gammel Strand (M3/M4), dann ca. 5–7 Minuten zu Fuß; Kongens Nytorv (M1/M2) ist etwa 10 Minuten entfernt.
- Zeitbedarf
- 1,5–3 Stunden für einen ausführlichen Besuch; 30 Minuten, wenn nur der Turm
- Kosten
- Turm: kostenlos. Kombiticket (Besucherbereiche des Schlosses, inkl. Königliche Repräsentationsräume, Ruinen, Stallungen u. v. m.): 215 DKK für Erwachsene; Kinder unter 18 Jahren in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen frei. Preise können sich ändern – vor dem Besuch prüfen.
- Am besten für
- Geschichtsbegeisterte, Architekturliebhaber und Erstbesucher, die Stadtpanoramen kostenlos genießen wollen
- Offizielle Website
- denkongeligesamling.dk/en/christiansborg-palace

Was Schloss Christiansborg wirklich ist
Schloss Christiansborg (auf Dänisch Christiansborg Slot) ist weder ein als Palast verkleidetes Museum noch ein zur Touristenattraktion umgenutzter Königssitz. Es ist ein vollständig funktionierendes Regierungszentrum. Das dänische Parlament, das Folketing, tagt hier. Der Oberste Gerichtshof fällt hier seine Urteile. Das Büro des Premierministers befindet sich im Südflügel. Und wenn die dänische Monarchin Staatsoberhäupter empfängt, geschieht das in den Königlichen Repräsentationsräumen im Piano nobile. Wer das vor dem Besuch weiß, sieht das Gebäude mit völlig anderen Augen.
Diese Kombination – Legislative, Judikative, Exekutive und königliche Repräsentation unter einer Adresse – ist weltweit einzigartig. Das Schloss gilt als das einzige Gebäude, das gleichzeitig alle drei Staatsgewalten eines Landes beherbergt, zusammen mit einer königlichen Residenz. Für Reisende mit wenig Zeit ist genau diese Dichte das Argument: ein Gebäude, ein Ticket, über 800 Jahre dänische Geschichte in Schichten.
💡 Lokaler Tipp
Der Turm ist kostenlos und in der Regel ohne kostenpflichtige Zeitfenstertickets zugänglich – ein echtes Highlight in einer Stadt, wo die meisten Aussichtspunkte Eintritt verlangen. Wer wenig Zeit hat, sollte direkt mit dem Turm beginnen.
Acht Jahrhunderte auf einer Insel
Die Insel Slotsholmen ist seit Bischof Absalons Festungsbau im Jahr 1167 das politische und militärische Zentrum Kopenhagens. Diese Festung wurde abgerissen und durch das Kopenhagener Schloss ersetzt, das wiederum dem ersten Christiansborg weichen musste, das König Christian VI. zwischen 1733 und 1745 errichten ließ. Ein Feuer zerstörte es 1794. Ein zweites Schloss entstand an seiner Stelle, wurde 1828 unter Frederik VI. fertiggestellt und brannte 1884 erneut ab. Das dritte und heutige Gebäude wurde zwischen 1907 und 1928 errichtet, der Grundstein von Frederik VIII. gelegt und die Einweihung von Christian X. geleitet.
Das heutige Schloss ist ein bedeutendes Beispiel des Neobarock mit früheren Barock- und neoklassizistischen Einflüssen, entworfen von Thorvald Jørgensen. Die Außenfassade ist mit grauem Granit von der Insel Bornholm verkleidet, was dem Gebäude eine Solidität verleiht, die eher bewusst und ernst als dekorativ wirkt. Der 106 Meter hohe, kupfergedeckte Turm ist der höchste in Kopenhagen und von zahlreichen Punkten in der Innenstadt und am Hafen sichtbar.
Was sich unter dem heutigen Gebäude verbirgt, ist mindestens genauso fesselnd. Ausgrabungen haben die Fundamente von Bischof Absalons ursprünglicher Festung und das darauffolgende mittelalterliche Schloss freigelegt. Diese Ruinen sind heute eine Dauerausstellung unterhalb des Schlosses – einer der stimmungsvollsten archäologischen Orte Dänemarks, wo rohe Steinfundamente im Halbdunkel liegen und Informationstafeln die Besucher durch die vielschichtige Geschichte des Ortes führen.
Was du tatsächlich besichtigen kannst
Das Schloss gliedert sich in mehrere Bereiche mit separaten Tickets oder kostenlosem Zugang. Es lohnt sich, das vorher zu wissen, bevor man sich anstellt.
Der Turm (kostenlos)
Der Zugang ist kostenlos und während der regulären Öffnungszeiten möglich. Der Aufstieg erfolgt größtenteils mit einem Aufzug, gefolgt von einer letzten Wendeltreppe zur offenen Plattform. Oben angekommen, eröffnet sich ein Blick über die Kupferdächer der Altstadt, den Turm der Erlöserkirche auf der anderen Seite des Kanals in Christianshavn, die Hafeneinfahrt und bei klarem Wetter sogar die schwedische Küste jenseits des Øresund. Die Plattform umläuft alle vier Seiten, sodass man einen vollständigen 360-Grad-Überblick über Kopenhagens Stadtgeografie bekommt. Morgens ist das Licht weicher und es sind weniger Besucher da; an Sommernachmittagen können sich am Fuß des Turms längere Warteschlangen bilden.
Die Königlichen Repräsentationsräume
Das sind die formellen Staatsräume, die die dänische Königsfamilie für offizielle Zeremonien und diplomatische Empfänge nutzt. Der Besuch ist kostenpflichtig, Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten. Die Räume sind auf höchstem zeremoniellen Niveau ausgestattet: flämische Wandteppiche aus dem 20. Jahrhundert, mächtige Kronleuchter, bemalte Decken und formelle Möbel, so angeordnet, als würden sie gleich in Gebrauch genommen. Besonders erwähnenswert ist der Teppichzyklus zur dänischen Geschichte, der in den 1990er Jahren abgeschlossen wurde – ein jahrzehntelanges Projekt, das als eine der bedeutendsten Textilaufträge der dänischen Moderne gilt.
Die Ruinen
Die unterirdische Ruinenausstellung überrascht Besucher oft am meisten. Man steigt unter das heutige Schlossniveau hinab und geht zwischen den Steinresten von Absalons Festung und dem mittelalterlichen Schloss umher, wobei der ursprüngliche Brunnen und die Turmfundamente deutlich sichtbar sind. Der Raum ist kühl, ruhig und wirklich atmosphärisch – besonders kurz nach der Öffnung, wenn noch wenige Menschen da sind.
Die Königlichen Stallungen und Kutschen
Im Stallungsflügel befinden sich historische Kutschen und Reiterausrüstungen des königlichen Haushalts. Das ist ein Nischeninteresse, aber gut präsentiert – und die Stallungen sind noch aktiv: Hier werden Pferde für zeremonielle Zwecke gehalten. Der Geruch eines echten Stalls ist durchaus präsent, was je nach Perspektive zur Atmosphäre beiträgt oder sie etwas mindert.
Ein Kombiticket für die Königlichen Repräsentationsräume, die Ruinen und die Stallungen kostet laut zuletzt verfügbarer Preisangabe 215 DKK pro Erwachsenem; Kinder unter 18 Jahren haben in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen freien Eintritt. Da sich die Preise ändern können, empfiehlt es sich, sie auf der offiziellen Besucherseite oder an der Schlosskasse vor dem Besuch zu prüfen. Die Copenhagen Card schließt den Eintritt zu den Königlichen Repräsentationsräumen und den Ruinen ein, was sich lohnen kann, wenn du ohnehin mehrere kostenpflichtige Attraktionen besuchst.
Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert
Christiansborg öffnet um 10:00 Uhr (Schließung in der Regel um 17:00 Uhr), und der frühe Besuch ist eindeutig die bessere Wahl. Auf Slotsholmen ist es um 10:00 Uhr an einem Werktag so still, dass man Tauben auf dem Kopfsteinpflaster und das leise Plätschern des Kanalwassers hören kann. Der formelle Ehrenhof, gerahmt von den symmetrischen Granitflügeln des Schlosses, ist zu dieser Stunde weitgehend frei von Reisegruppen – und das Morgenlicht auf dem grauen Stein ist flacher und fotogener als die grelle Mittagssonne.
Gegen Mittag treffen die Reisebusse ein, und die Eingangshalle sowie die Turmwarteschlange füllen sich merklich. Die Königlichen Repräsentationsräume kommen damit besser zurecht als die Ruinen, deren enge Gänge mit geführten Gruppen schnell überfüllt sind. Die Stallungen sind den ganzen Tag über konstant ruhiger und bieten eine willkommene Auszeit, wenn man mal durchatmen möchte.
Am späten Nachmittag, besonders im Sommer, gibt es vom Turm aus das schönste Licht. Die Sonne kommt aus dem Nordwesten und taucht den Hafen und Christianshavn in warmes Licht. Allerdings ist das auch die Zeit, zu der die Turmwarteschlange am längsten ist. Im Winter schließt der Turm an manchen Tagen früher – die aktuellen Öffnungszeiten vor dem Besuch prüfen.
⚠️ Besser meiden
Öffnungszeiten und Pläne für die einzelnen Bereiche können je nach Saison und Datum variieren. Vor dem Besuch immer die aktuellen Zeiten für jeden Bereich prüfen (Turm, Königliche Repräsentationsräume, Ruinen, Stallungen). Die Bereiche haben nicht immer dieselben Öffnungszeiten.
Praktische Informationen und Anreise
Slotsholmen ist eine Insel, die durch mehrere kurze Brücken mit dem Rest von Indre By verbunden ist. Vom Strøget, Kopenhagens wichtigster Fußgängerzone, sind es ungefähr 10 Minuten zu Fuß nach Südwesten. Von der Metrostation Kongens Nytorv (Linien M1 und M2) dauert der Fußweg entlang des Holmens Kanal etwa 10 bis 12 Minuten, während die Station Gammel Strand (M3 und M4) etwas näher liegt. Auch mehrere Stadtbusse halten in der näheren Umgebung.
Das Schloss liegt in unmittelbarer Nähe mehrerer bedeutender Sehenswürdigkeiten in Indre By, sodass sich ein Besuch gut mit einem Ausflug zum Thorvaldsens Museum direkt nebenan auf der Insel oder zur Ny Carlsberg Glyptotek ein kurzes Stück weiter südwestlich kombinieren lässt. Das Nationalmuseum Dänemark ist ebenfalls in fünf Minuten zu Fuß erreichbar – der Bereich rund um Slotsholmen gehört damit zu den dichtesten Kulturmeilen der Stadt.
Für Fotografen bietet die kanalzugewandte Südseite des Schlosses bei ruhigen Morgenbedingungen schöne Spiegelungen im Wasser. Der Hauptehrenhof, den man von Norden durch den Rigsdagsgården betritt, liefert die klassische symmetrische Aufnahme, die am meisten mit dem Gebäude verbunden wird. Einen weiteren Blickwinkel auf den Turm bekommt man von der Marmorbroen (Marmorbrücke) im Westen. Wer die Architektur in den Vordergrund stellen möchte, sollte ein Weitwinkelobjektiv mitbringen.
Barrierefreiheit: Das Schloss verfügt über Aufzüge und angepasste Routen für Besucher mit eingeschränkter Mobilität. Der Zugang zum Turm und zu den Ruinen erfordert eine spezielle Routenplanung; die Ruinen haben insbesondere unebene Böden. Vor dem Besuch empfiehlt es sich, das Schloss direkt zu kontaktieren oder die offizielle Besucherwebsite auf aktuelle Informationen zur Barrierefreiheit zu prüfen.
ℹ️ Gut zu wissen
Kameras und Smartphones sind in den öffentlichen Besucherbereichen in der Regel erlaubt, die Fotografierregeln können in den Königlichen Repräsentationsräumen jedoch abweichen, wenn diese für Zeremonien vorbereitet werden. Die ausgehängten Hinweisschilder im Inneren beachten.
Wer die Erwartungen etwas dämpfen sollte
Wer vor allem royalen Glanz sucht, könnte von Christiansborg enttäuscht werden – verglichen etwa mit dem kleineren Schloss Rosenborg, das die echten Kronjuwelen beherbergt und mit einer intimeren, raumweisen Erzählstruktur aufwartet. Die Königlichen Repräsentationsräume in Christiansborg sind formell und großräumig, ausgerichtet auf staatliche Zeremonien statt auf persönliche Geschichten. Wer sich mehr für das dänische Königshaus auf einer menschlicheren Ebene interessiert, wird in Rosenborg oder Amalienborg wohl mehr finden.
Wer nur auf den Turm aus ist: Er ist kostenlos und den Ausflug wert – aber man sollte das Erlebnis nicht überschätzen. Die Plattform ist offen, aber nicht besonders breit, und die Aussicht ist zwar hervorragend, in manchen Richtungen aber teilweise durch die Turmstruktur verdeckt. Wer ein anderes Höhenerlebnis in Kopenhagen sucht, findet in der Wendeltreppe außen am Turm der Erlöserkirche in Christianshavn ein körperlich aufregenderes Abenteuer.
Kinder, die sich nicht besonders für Geschichte oder Architektur begeistern, werden das Gebäude selbst wahrscheinlich weniger spannend finden als die interaktiven Ausstellungen anderswo in der Stadt. Allerdings kommen die Ruinen bei Kindern oft überraschend gut an – wegen der unterirdischen Atmosphäre und der sichtbaren mittelalterlichen Steinstrukturen.
Insider-Tipps
- Der Turm öffnet um 10:00 Uhr, und wer früh da ist, wartet selten mehr als ein paar Minuten. An Sommerwochenenden kann die Schlange ab 12:00 Uhr schon 30 Minuten oder länger sein. Am besten früh planen.
- Die Ruinen sind im Sommer buchstäblich die kühlste Option – ein angenehmer Zwischenstopp am Nachmittag. Dazu ist es dort deutlich ruhiger als am Turm oder in den Repräsentationsräumen.
- Die Marmorbrücke (Marmorbroen) auf der Westseite des Schlosses gehört zu den am wenigsten fotografierten Aussichtspunkten der Gegend. Von hier hat man einen unverstellten Seitenblick auf Turm und Granitfassade – ganz ohne Reisegruppen im Bild.
- Das Parlament tagt während des größten Teils des parlamentarischen Jahres, in der Regel von Anfang Oktober bis Anfang Juni. Während der Sitzungsperiode ist die öffentliche Zuschauertribüne des Folketing kostenlos zugänglich – eine wirklich seltene Gelegenheit, ein funktionierendes nordisches Parlament live zu erleben. Aktuelle Sitzungspläne gibt es auf der Website des Folketing.
- Das Café im Schlosskomplex ist eine solide Pause zwischendurch, aber bei schönem Wetter sind die Bänke am Kanal direkt draußen auf Slotsholmen die bessere Wahl – und sie kosten nichts.
Für wen ist Schloss Christiansborg geeignet?
- Erstbesucher in Kopenhagen, die Dänemarks politische und royale Geschichte an einem Ort erleben wollen
- Architekturbegeisterte, die sich für den dänischen Nationalromantik-Granitbau interessieren
- Reisende mit kleinem Budget, die den besten kostenlosen Panoramablick der Stadt suchen
- Geschichtsinteressierte, die von den mittelalterlichen Ruinen unter dem heutigen Gebäude angezogen werden
- Alle, die mehrere Kultureinrichtungen in Indre By an einem einzigen Tag kombinieren möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Indre By (Altstadt):
- Schloss Amalienborg
Amalienborg ist der offizielle Wohnsitz der dänischen Königsfamilie und eines der architektonisch stimmigsten Ensembles Kopenhagens. Vier nahezu identische Rokoko-Palais rahmen einen großzügigen achteckigen Platz ein, und das Amalienborg-Museum im Christian-VIII.-Palais ist für Besucher geöffnet. Die tägliche Wachablösung um 12 Uhr ist eine pünktliche, ruhige Zeremonie – es lohnt sich, den Besuch danach auszurichten.
- Der Schwarze Diamant
Der Schwarze Diamant ist der moderne Anbau der Königlichen Dänischen Bibliothek – verkleidet mit poliertem schwarzem Granit und dem Hafen auf Slotsholmen zugewandt. Der Eintritt ist frei, das Atrium ist wirklich beeindruckend, und das Gebäude erschließt sich umso mehr, je genauer man hinschaut.
- Botanischer Garten der Universität Kopenhagen
Direkt hinter dem Nørreport Bahnhof im Herzen der Stadt liegt der Botanische Garten der Universität Kopenhagen – ein 10 Hektar großes grünes Refugium mit einem viktorianischen Gewächshauskomplex, einem stillen See und rund 8.000 Pflanzenarten. Der Eintritt ins Freigelände ist kostenlos, was ihn zu einem der lohnendsten Stopps im Zentrum Kopenhagens macht.
- Rathausplatz (Rådhuspladsen)
Der Rådhuspladsen ist der große offene Platz im Zentrum Kopenhagens – kostenlos, rund um die Uhr zugänglich und eingerahmt von einem der fotogensten Rathäuser Skandinaviens. Ob du zur Rushhour oder um Mitternacht ankommst: Der Platz spiegelt die Stimmung der Stadt wider.