Ny Carlsberg Glyptotek: Ein Museum, das jede Minute lohnt
Gegründet vom Brauereibesitzer Carl Jacobsen und 1897 eröffnet, beherbergt die Ny Carlsberg Glyptotek über 10.000 Werke – von altägyptischen, griechischen, römischen und etruskischen Antiken bis hin zu dänischen und französischen Meisterwerken des 19. Jahrhunderts. Das Museum liegt nur wenige Gehminuten vom Kopenhagener Hauptbahnhof entfernt und übertrifft seinen Ruf bei Weitem.
Fakten im Überblick
- Lage
- Dantes Plads 7, 1556 Kopenhagen V — Vesterbro
- Anfahrt
- 6 Minuten zu Fuß vom Kopenhagener Hauptbahnhof (København H)
- Zeitbedarf
- 2–3 Stunden für einen ausführlichen Besuch; 1,5–2 Stunden für die Highlights
- Kosten
- 150 DKK für Erwachsene; Kinder von 0–17 Jahren frei; Copenhagen Card kostenlos; letzten Mittwoch im Monat freier Eintritt
- Am besten für
- Kunstliebhaber, Geschichtsinteressierte, Regentage, Alleinreisende
- Offizielle Website
- glyptoteket.com

Was die Glyptotek eigentlich ist
Die Ny Carlsberg Glyptotek ist ein Kunstmuseum von beeindruckender Breite und Tiefe, untergebracht in zwei miteinander verbundenen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert nahe der Außenmauer des Tivoli. Der Name leitet sich vom griechischen „glyptos" (gemeißelt) und „theke" (Sammlung) ab – ein Hinweis auf den skulpturalen Kern des Hauses. Doch die Sammlung ist längst über diese ursprüngliche Idee hinausgewachsen. Heute vereint sie antike mediterrane Artefakte mit Gemälden und Skulpturen des 19. Jahrhunderts aus Dänemark und Frankreich. Damit ist sie einer der wenigen Orte in Skandinavien, an dem man innerhalb von fünf Minuten von einer römischen Porträtbüste zu einem Gauguin-Gemälde spazieren kann.
Was dieses Museum von einer gewöhnlichen städtischen Kunstsammlung unterscheidet, ist die Qualität der einzelnen Objekte und die Stimmigkeit des Gebäudes selbst. Carl Jacobsen, Sohn des Carlsberg-Gründers J.C. Jacobsen, schenkte seine Privatsammlung Ende der 1880er Jahre der Stadt Kopenhagen. Das erste Gebäude wurde 1897 eröffnet. Ein zweiter Flügel folgte, und eine große Erweiterung, abgeschlossen 1996, fügte den modernen Kampmann-Flügel hinzu – die Dauerausstellungen wurden zwischen 2004 und 2006 weiter verfeinert. Das Ergebnis ist ein Museum, das sich zugleich historisch verwurzelt und sorgfältig kuratiert anfühlt.
💡 Lokaler Tipp
Die Glyptotek ist montags geschlossen. Geöffnet dienstags–mittwochs und freitags–sonntags 10:00–17:00 Uhr; donnerstags 10:00–21:00 Uhr (verlängerter Abendeinlass). Plane entsprechend – montags anzukommen ist ein häufiger Fehler von Erstbesuchern.
Der Wintergarten: Das Erste, was du bemerkst
Durch den Haupteingang am Dantes Plads gelangt man fast unmittelbar in das zentrale Atrium des Museums: einen glasüberdachten Wintergarten voller Palmen, blühender Pflanzen und Steinskulpturen, die zwischen Cafétischen stehen. Der Raum ist im Winter angenehm warm und im Sommer spürbar kühler als draußen. Das Licht fällt diffus und leicht grünlich-weiß durch die Kuppel und verändert sich im Laufe des Tages deutlich – früh morgens wirft es lange diagonale Schatten auf den gefliesten Boden, um die Mittagszeit wird es weich und gleichmäßig und verleiht dem Raum eine fast mediterrane Atmosphäre.
Das ist kein bloßer Durchgangsbereich. Der Wintergarten ist das emotionale Herzstück des Museums, und viele Besucher verweilen hier länger als geplant. Das Café bietet Kaffee, Gebäck und leichte Mittagsgerichte. Donnerstagabends, wenn das Museum bis 21:00 Uhr geöffnet ist, hat sich das Tagespublikum längst verzogen – das ist der Moment, in dem der Garten seine schönste Stimmung entfaltet.
Für Reisende, die Kopenhagen im Winter besuchen, ist dieser Raum ein Erlebnis für sich, das man ruhig einplanen sollte. Die Stadt kann von November bis Februar kalt, grau und feucht sein – und der Wintergarten der Glyptotek ist einer der wenigen Innenräume in Kopenhagen, der dem wirklich etwas entgegensetzt.
Die antiken Sammlungen: Mediterrane Antike in großer Tiefe
Die Antikengeschosse umfassen Ägypten, Griechenland, Rom und den antiken Vorderen Orient. Die ägyptische Sammlung zählt zu den bedeutendsten in Nordeuropa – mit mumifizierten Überresten, Uschebti-Figuren und gemeißelten Sarkophagen, die in schwach beleuchteten Räumen präsentiert werden und ruhige Betrachtung einladen. Die griechischen und römischen Porträtbüsten sind das bekannteste Element der Sammlung: Reihen von Marmorgesichtern, die reale Menschen der Antike mit einer Unmittelbarkeit festhalten, die erstaunlich zeitgemäß wirkt.
Die etruskische Sammlung ist kleiner, aber wirklich außergewöhnlich. Etruskische Artefakte sind in den meisten europäischen Museen außerhalb Italiens kaum vertreten, und die Bestände der Glyptotek bieten Kontext und Objekte, denen viele Besucher noch nie begegnet sind. Wer auch nur ein wenig Interesse an vorrömischen Italien mitbringt, sollte diesen Teil gezielt aufsuchen.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Antikensammlungen verteilen sich über mehrere Etagen und Flügel. Nimm dir am Eingang einen kostenlosen Lageplan – der Grundriss des Museums erschließt sich nicht intuitiv, und ohne Plan lässt sich leicht ein ganzer Abschnitt verpassen.
Die Galerien des 19. Jahrhunderts: Vom Dänischen Goldenen Zeitalter zum französischen Impressionismus
Die französische Sammlung ist der zweite große Anziehungspunkt. Die Glyptotek besitzt eine außergewöhnliche Gruppe von Werken Rodins – Bronze- und Marmorskulpturen, die mit genügend Raum rundum präsentiert werden, um die Oberflächen wirklich lesen zu können. Die impressionistischen und postimpressionistischen Gemälde umfassen Werke von Monet, Pissarro, Renoir, Sisley sowie eine bedeutende Gruppe von Gauguin-Gemälden – letztere sind für ein Museum außerhalb Frankreichs besonders bemerkenswert.
Der dänische Teil widmet sich dem Goldenen Zeitalter der dänischen Malerei, grob von 1800 bis 1850, mit Landschaften, Porträts und Interieurs von Künstlern wie Christen Købke und C.W. Eckersberg. Dieser Teil der Sammlung ist international weniger bekannt, bietet aber echten Kontext für das Verständnis der dänischen Bildkultur in einer Zeit, in der das Land seine künstlerische Identität formte. Er ergänzt einen Besuch im SMK (Statens Museum for Kunst) gut, ohne ihn zu wiederholen.
Wer ein gezieltes Museumsprogramm für Kopenhagen plant, kombiniert die Glyptotek gut mit der SMK – Statens Museum for Kunst – zusammen decken sie den gesamten Bogen der dänischen und europäischen Kunst von der Antike bis ins 20. Jahrhundert ab, ohne sich nennenswert zu überschneiden.
Der richtige Zeitpunkt: Wann du gehen solltest und warum das wichtig ist
Dienstag- bis Mittwochvormittag, von der Öffnung um 10:00 Uhr bis etwa mittags, sind die ruhigsten Zeiten der Woche. Schulgruppen kommen gelegentlich am Vormittag, aber das Museum ist groß genug, um sie aufzunehmen, ohne dass andere Besucher davon viel mitbekommen. Wochenendnachmittage zwischen 13:00 und 16:00 Uhr sind am stärksten besucht, besonders im Sommer und in den Schulferien.
Donnerstagabende sind die am meisten unterschätzte Option im Besuchskalender des Museums. Das Gebäude hat bis 21:00 Uhr geöffnet, und ab 18:00 Uhr hat sich das Feierabendpublikum in der Regel bereits verlaufen. Durch die Antikenräume oder die französischen Skulpturensäle zu streifen, wenn kaum jemand sonst da ist, verändert das Erlebnis grundlegend. Auch das Café hat während dieser Stunden geöffnet. Wer tagsüber anderes vorhat, findet hier eine echte Alternative, die die meisten Besucher schlicht übersehen.
💡 Lokaler Tipp
Wer eine Copenhagen Card besitzt, hat freien Eintritt. Die Karte gilt für die meisten großen Museen und die Metro – wer mehr als zwei oder drei Museen plant, rechnet sie oft schnell heraus. Prüf den aktuellen Kartenpreis vor dem Kauf.
Die Copenhagen Card beinhaltet freien Eintritt in die Glyptotek und Dutzende weiterer Sehenswürdigkeiten in der Stadt, inklusive unbegrenzter Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.
Anreise und praktische Infos
Das Museum befindet sich am Dantes Plads 7, direkt hinter dem Tivoli, etwa 5–10 Gehminuten vom Kopenhagener Hauptbahnhof (København H) entfernt. Der Weg vom Bahnhof ist unkompliziert: Ausgang Richtung Tivoli nehmen, dem Hans Christian Andersens Boulevard Richtung Süden folgen, und das Museumsgebäude ist linker Hand sichtbar, bevor man den Kanal erreicht. Eine direkt anliegende Metrostation gibt es nicht, aber die nächste ist Rådhuspladsen auf der M3-Linie; der Hauptbahnhof ist außerdem an das S-Bahn-Netz, den Regionalzug und mehrere Buslinien angebunden.
Dank der Nähe zum Tivoli lassen sich beide Attraktionen an einem einzigen Tag kombinieren, ohne nennenswerte Fahrtzeit dazwischen.
Das Museum ist durchgehend rollstuhlgerecht, einschließlich Café und Garten. Schließfächer für Taschen und Jacken stehen bereit. Fotografieren ohne Blitz ist in weiten Teilen der Dauerausstellung grundsätzlich erlaubt – für Sonderausstellungen sollte man das jedoch immer am Eingang erfragen. Audioguides sind für die wichtigsten Sammlungen gegen Aufpreis erhältlich.
Ehrliche Einschätzung: Lohnt es sich?
Mit 150 DKK für Erwachsene kostet die Glyptotek weniger als viele vergleichbare europäische Museen ähnlicher Qualität. Die Bandbreite der Sammlung, die Architektur des Gebäudes und allein der Wintergarten rechtfertigen den Eintrittspreis für die meisten Besucher. Das Museum ist nicht überhypt – im Gegenteil: Es wird von Reisenden, die Kopenhagens Kunstszene auf das SMK oder das Louisiana reduzieren, regelmäßig unterschätzt.
Wer jedoch weder für antike Artefakte noch für europäische Kunst des 19. Jahrhunderts viel übrighat, wird seine Aufmerksamkeit schnell auf die Probe gestellt sehen. Das hier ist kein interaktives Museum. Es gibt keine großformatigen digitalen Installationen, keine spielerisch aufbereiteten Erlebnisse, keine Kinderbereiche über das Angebot im Café hinaus. Kinder unter 17 Jahren haben freien Eintritt, aber Eltern sollten wissen, dass die Sammlung stark auf Ausstellungsstücke und Texte ausgerichtet ist – Mitmachen ist nicht der Ansatz.
Reisende mit kleinen Kindern finden im Experimentarium oder dem Blue Planet Aquarium vielleicht die bessere Wahl für einen Familientag.
Wer sich ein umfassenderes Bild von Kopenhagens Kulturlandschaft machen möchte, findet im Guide zu den besten Museen in Kopenhagen eine Übersicht, wie die Glyptotek neben den anderen großen Häusern der Stadt einzuordnen ist.
Insider-Tipps
- Donnerstagabende ab 18:00 Uhr bieten nahezu leere Säle und die volle Atmosphäre des Gebäudes – ohne das Gedränge des Tages. Die verlängerten Öffnungszeiten bis 21:00 Uhr werden weit seltener genutzt, als sie es verdienen.
- Das Café im Wintergarten serviert ein Mittagsmenü, das qualitativ deutlich über typischer Museumsgastronomie liegt. Es lohnt sich, das beim Planen einzukalkulieren – komm hungrig und iss vor oder nach den Galerien, statt das Museum für die Mittagspause zu verlassen.
- Der Grundriss des Museums erschließt sich nicht von selbst. Die verschiedenen Flügel sind an unerwarteten Stellen miteinander verbunden, und die antiken Sammlungen verteilen sich über mehrere Etagen. Nimm dir am Eingang den kostenlosen Lageplan und leg zwei oder drei Räume fest, die du unbedingt sehen möchtest.
- Wenn die Gauguin-Sammlung dein Hauptziel ist, geh direkt zur französischen Kollektion – diese Räume sind am stärksten besucht und lassen sich am besten vor dem Mittag erkunden.
- Die Außenfassade des Gebäudes am Dantes Plads wirkt im Morgenlicht besonders eindrucksvoll, vor allem die Seite, die zum kleinen Platz zeigt. Diese Seite liegt grob nach Osten und ist vor 11:00 Uhr am schönsten.
Für wen ist Ny Carlsberg Glyptotek geeignet?
- Kunst- und Antikenbegeisterte, die europäische Sammlungen abseits der großen westeuropäischen Hauptstädte suchen
- Reisende, die an einem regnerischen oder kalten Kopenhagen-Tag eine gehaltvolle Indoor-Alternative wollen
- Alleinreisende, die ein ruhiges und ungestörtes Museumserlebnis suchen
- Copenhagen-Card-Inhaber, die mehrere Museumsbesuche optimal kombinieren möchten
- Alle, die sich für französische impressionistische und postimpressionistische Skulptur und Malerei interessieren – besonders Rodin und Gauguin
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Indre By (Altstadt):
- Schloss Amalienborg
Amalienborg ist der offizielle Wohnsitz der dänischen Königsfamilie und eines der architektonisch stimmigsten Ensembles Kopenhagens. Vier nahezu identische Rokoko-Palais rahmen einen großzügigen achteckigen Platz ein, und das Amalienborg-Museum im Christian-VIII.-Palais ist für Besucher geöffnet. Die tägliche Wachablösung um 12 Uhr ist eine pünktliche, ruhige Zeremonie – es lohnt sich, den Besuch danach auszurichten.
- Der Schwarze Diamant
Der Schwarze Diamant ist der moderne Anbau der Königlichen Dänischen Bibliothek – verkleidet mit poliertem schwarzem Granit und dem Hafen auf Slotsholmen zugewandt. Der Eintritt ist frei, das Atrium ist wirklich beeindruckend, und das Gebäude erschließt sich umso mehr, je genauer man hinschaut.
- Botanischer Garten der Universität Kopenhagen
Direkt hinter dem Nørreport Bahnhof im Herzen der Stadt liegt der Botanische Garten der Universität Kopenhagen – ein 10 Hektar großes grünes Refugium mit einem viktorianischen Gewächshauskomplex, einem stillen See und rund 8.000 Pflanzenarten. Der Eintritt ins Freigelände ist kostenlos, was ihn zu einem der lohnendsten Stopps im Zentrum Kopenhagens macht.
- Schloss Christiansborg
Schloss Christiansborg liegt auf der Insel Slotsholmen im Herzen Kopenhagens und beherbergt gleichzeitig das dänische Parlament, den Obersten Gerichtshof, das Büro des Premierministers und die Königlichen Repräsentationsräume. Es gilt als einzigartiges Gebäude, das alle drei Staatsgewalten unter einem Dach vereint. Der 106 Meter hohe Turm bietet einen der besten kostenlosen Panoramablicke der Stadt.