Erlöserkirche: Kopenhagens Spiralturm – der Aufstieg lohnt sich
Vor Frelsers Kirke in Christianshavn gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Kopenhagens. Der schwarz-goldene Wendelturm ragt hoch über das Kanalnetz empor – der gesamte Turm ist rund 90 Meter hoch. Der Eintritt in die Kirche ist kostenlos, und wer den Turm erklimmt, wird mit einem der schönsten Panoramablicke der Stadt belohnt.
Fakten im Überblick
- Lage
- Skt. Annæ Gade 29, Christianshavn, Kopenhagen
- Anfahrt
- Metrostation Christianshavn (M1/M2), ca. 3 Minuten zu Fuß
- Zeitbedarf
- 45–90 Minuten (Kirche + Turmbesteigung)
- Kosten
- Kircheninnenraum kostenlos; Turm: ab 70 DKK für Erwachsene, ab 20 DKK unter 15 Jahren; kostenlos mit Copenhagen Card
- Am besten für
- Panoramablick über die Stadt, Barockarchitektur, Fotografie
- Offizielle Website
- www.vorfrelserskirke.dk/history-tourists/our-saviours-church-copenhagen

Warum sich ein Besuch dieser Kirche wirklich lohnt
Die Erlöserkirche – auf Dänisch Vor Frelsers Kirke – verdient ihren Platz in Kopenhagens Skyline durch schiere architektonische Kühnheit. Die Wendelspitze, die sich viermal gegen den Uhrzeigersinn um den Turm windet und in einer vergoldeten Kugel endet, ist keine digitale Spielerei oder ein modernes Stilmittel – sie wurde 1752 fertiggestellt und zieht seitdem alle Blicke auf sich. Mit rund 90 Metern Gesamthöhe ist der schwarz-goldene Turm aus weiter Entfernung über der flachen Stadt sichtbar, und von der offenen Außentreppe schweift der Blick über die Kanäle von Christianshavn, die Kupferdächer der Altstadt und an klaren Tagen sogar bis zur schwedischen Küste.
Die Kirche wurde am 19. April 1696 geweiht, nach 14 Jahren Bauzeit unter der Schirmherrschaft Christians V. Was heute steht, ist ein niederländisch-barockes Backsteingebäude – ein Stil, der den starken niederländischen Einfluss auf Christianshavns Stadtbild widerspiegelt. Das gesamte Viertel war schließlich nach dem Amsterdamer Kanalnetz modelliert. Der Turm mit seiner außenliegenden Wendeltreppe kam erst Jahrzehnte später hinzu, im Jahr 1752, und ist ein eigenständiges architektonisches Statement: theatralisch, geradezu trotzig – und einzigartig in ganz Dänemark.
💡 Lokaler Tipp
Der Turm ist täglich von 09:00 bis 20:00 Uhr geöffnet – vom 1. Februar bis zum 23. Dezember 2026 – schließt aber bei Regen, Schnee oder starkem Wind vorübergehend aus Sicherheitsgründen. Prüfe die Bedingungen, bevor du den Besuch als einzigen Programmpunkt für den Morgen einplanst.
Der Kircheninnenraum: Die kostenlose Hälfte, die die meisten übersehen
Der Innenraum von Vor Frelsers Kirke ist kostenlos zugänglich, in der Regel täglich von 11:00 bis 15:30 Uhr – allerdings geschlossen während Gottesdiensten und besonderen Veranstaltungen. Die meisten Besucher eilen auf dem Weg zum Turm hindurch, was wirklich schade ist. Das Innere ist eine Lektion in zurückhaltendem Barockdrama: hohes weißes Gewölbe, klare Fenster, die das Kirchenschiff mit nordischem Licht fluten, und eine monumentale Orgel, die von zwei Elefanten getragen wird – eine Anspielung auf den Dänischen Elefantenorden, die höchste Auszeichnung des Königreichs. Die Kirche hat eine aktive Gemeinde, und an belebteren Morgen liegt in der Nähe des Altarbildes ein leichter Duft von Kerzenwachs in der Luft.
Das Erdgeschoss ist vollständig zugänglich und verdient mindestens 15 Minuten aufmerksame Betrachtung. Sieh dir die Orgelempore an, bevor du dich in die Turmschlange einreihst – die handwerkliche Qualität ist außergewöhnlich. Wer mehr von Kopenhagens Kirchenarchitektur sehen möchte, findet in der nahe gelegenen Frederikskirche (die Marmorkirche) ein kontrastreiches Erlebnis in ganz anderem Maßstab und Stil.
Die Turmbesteigung: Was 400 Stufen wirklich bedeuten
Der Aufstieg zur Turmspitze der Erlöserkirche ist kein gemütlicher Sightseeing-Spaziergang. Die rund 400 Stufen beginnen im Inneren des Turms mit einer konventionellen Wendeltreppe – dunkel, eng und steil. Mit jedem Stockwerk wird die Treppe schmaler, und die Holzstufen beginnen zu knarren auf eine Art, die daran erinnert, dass diese Konstruktion fast drei Jahrhunderte alt ist. Etwa zwei Drittel des Weges nach oben tritt man durch eine kleine Tür auf die Außentreppe, die sich an der Außenseite der Spitze entlangwindet.
Hier wird das Erlebnis wirklich unvergesslich – und für manche Besucher auch herausfordernd. Die Außenstufen sind schmal, offen und werden mit zunehmender Höhe steiler, da die Spitze nach oben hin schmaler wird. Es gibt ein Geländer, aber die Treppe ist auf beiden Seiten dem freien Himmel ausgesetzt. An ruhigen, klaren Tagen fühlt sich die Aussetzung aufregend an. Bei Wind wird es ernster. Die Stufen werden zur Spitze hin noch schmaler, und der letzte Abschnitt bis zur goldenen Kugel erfordert eine Portion Mut, die nicht jeder aufbringt. Wer unter Höhenangst leidet, sollte ernsthaft abwägen, ob der Außenabschnitt das Richtige ist – die innere Aussichtsebene bietet eine solide Teilaussicht für alle, die lieber dort bleiben.
⚠️ Besser meiden
Die Außenwendeltreppe ist nicht geeignet für Besucher mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen, Schwindel oder Höhenangst. Kinder müssen engmaschig beaufsichtigt werden. Die Stufen sind Wind und Wetter ausgesetzt – eine Jacke ist auch im Sommer sinnvoll.
Der Abstieg erfolgt über dieselbe Treppe in umgekehrter Richtung, was bei starkem Gegenverkehr zu Engpässen führen kann. Wochentags am Vormittag ist der Andrang am geringsten. An Wochenenden im Juli und August können sich vor dem Turmeingang merkliche Schlangen bilden, besonders zwischen 11:00 und 14:00 Uhr.
Der Blick von oben: Was man wirklich sieht
Vom oberen Abschnitt der Außentreppe und der Plattform nahe der Kugel bietet sich ein wirklich beeindruckendes Panorama über Kopenhagen. Nach Norden und Westen entfaltet sich die Altstadt über das Wasser: Schloss Christiansborg, die Kupfertürme des Doms, die Dachsilhouette des Königlichen Dänischen Theaters und der grüne Streifen des Königsgartens sind alle ohne Vorkenntnisse zu erkennen. Nach Osten hin ist der Öresund sichtbar, an klaren Tagen mit der schwedischen Küste am Horizont. Direkt unter einem zeichnen die Kanäle von Christianshavn ihr ordentliches Raster, und auf Holmen lässt sich das grüne Kupferdach der Kopenhagener Oper ausmachen.
Für Fotografen kann das Mittagslicht im Sommer hart sein und die Stadtlandschaft flach wirken lassen. Die lohnendsten Bedingungen sind früh morgens – wenn der Turm um 09:00 Uhr öffnet und kaum Besucher da sind – oder am späten Nachmittag, wenn das flache Licht das Kanalwasser zum Glänzen bringt und die Kupferdächer warmtoniger werden. Das Viertel Christianshavn direkt unter einem ist aus der Vogelperspektive besonders fotogen – die Kanalgeometrie macht sofort klar, warum es nach dem Vorbild Amsterdams entworfen wurde.
Anreise und der richtige Zeitpunkt für den Besuch
Die Metrostation Christianshavn auf den Linien M1 und M2 ist die direkteste Anfahrtsmöglichkeit – vom Ausgang sind es etwa drei Minuten zu Fuß bis zum Kircheneingang. Vom Bahnhof aus folgt man dem Torvegade nach Osten und biegt dann rechts in die Skt. Annæ Gade – der Turm ist schon über den Dächern sichtbar. Auch mit dem Fahrrad ist die Kirche gut zu erreichen: Christianshavn verfügt über gute Radinfrastruktur, und vom Stadtzentrum ist es eine bequeme Fahrt.
Der Turm ist täglich von 09:00 bis 20:00 Uhr geöffnet (1. Februar bis 23. Dezember 2026). Wer an einem Wochentag kurz nach 09:00 Uhr ankommt, profitiert von der besten Kombination aus gutem Licht, wenig Andrang und der besonderen Stille des frühmorgendlichen Christianshavn, bevor sich die Cafés am Kanalufer füllen. Wer eine Copenhagen Card besitzt, erhält den Turmeintritt kostenlos nach Voranmeldung – bei der Reservierung einfach die Copenhagen-Card-Option auswählen. Das reguläre Erwachsenenticket kostet 70 DKK, Kinder unter 15 Jahren zahlen 20 DKK.
Der Kircheninnenraum ist in der Regel von 11:00 bis 15:30 Uhr geöffnet, schließt aber während der Gottesdienste. Wer vor 11:00 Uhr kommt, um dem Turmansturm zuvorzukommen, kann möglicherweise noch nicht ins Innere – prüfe die offizielle Website, bevor du einen kombinierten Besuch planst.
Christianshavn als Rahmen: Das Viertel macht den Besuch vollständig
Vor Frelsers Kirke steht nicht für sich allein. Christianshavn ist eines der fußgängerfreundlichsten und architektonisch stimmigsten Viertel Kopenhagens, und der Kirchenbesuch lässt sich hervorragend mit einer Erkundung der umliegenden Kanäle und Straßen verbinden. Ein zehnminütiger Spaziergang nach Süden führt zur Freistadt Christiania, der selbstverwalteten Gemeinschaft in den ehemaligen Militärkasernen, die ein völlig anderes Kapitel der Kopenhagener Sozialgeschichte verkörpert. In die andere Richtung bietet der Uferweg nach Norden in Richtung Knippelsbro schöne Blicke zurück auf den Turm von unten.
Das Viertel setzt auch die niederländisch-barocke Architektur der Kirche in einen lebendigen visuellen Kontext. Das Kanalnetz, die zu Wohnhäusern umgebauten Backsteinlagerhäuser, die Zugbrücken über schmale Wasserstraßen – all das spiegelt die niederländische Stadtplanung des 17. Jahrhunderts wider, die Christianshavns ursprüngliches Layout geprägt hat. Das macht es zu einem der architektonisch stimmigsten Stadtteile Kopenhagens für alle, die sich für urbane Strukturen interessieren. Einen umfassenderen Blick auf Kopenhagens Design- und Architekturerbe bietet der Kopenhagen-Design- und Architekturführer.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Kirche ist eine aktive Pfarrgemeinde. Während der Gottesdienste ist kein Besichtigungsbetrieb möglich. Wenn der Innenraum bei deiner Ankunft geschlossen ist, findest du am Eingang ein Aushang mit dem Gottesdienstplan des Tages.
Insider-Tipps
- Komm wochentags zur Turmöffnung um 9:00 Uhr – dann ist kaum etwas los, und das Morgenlicht über dem Kanalnetz ist besonders schön. Ab ca. 10:30 Uhr treffen die ersten Reisegruppen von nahe gelegenen Kreuzfahrtschiffen ein.
- Auf- und Abstieg verlaufen über dieselbe Treppe, was bei starkem Besucheraufkommen zu Staus führen kann. Wenn du oben ankommst und sich schon eine Schlange bildet, warte ein paar Minuten auf der Plattform – es geht dann schnell voran.
- Die Außentreppe wird kurz unterhalb der goldenen Kugel sehr schmal. Wer nicht schwindelfrei ist, findet auf der inneren Aussichtsebene – etwa zwei Drittel des Weges nach oben – immer noch eine lohnenswerte Aussicht, ohne den exponiertesten Abschnitt zu begehen.
- Vor Frelsers Kirke ist eine aktive Gemeindekirche und nicht nur eine Touristenattraktion. Wer sonntags vorbeischaut, kann möglicherweise einem Gottesdienst beiwohnen und die bemerkenswerte Orgel hören – eine der schönsten in ganz Dänemark.
- Fotos vom Turm gelingen am besten, wenn du diagonal über das Kanalnetz in Richtung Stadtmitte fotografierst statt senkrecht nach unten – so bekommst du sowohl die Kanalgeometrie von Christianshavn als auch die Kupfertürme der Altstadt in einem einzigen Bild.
Für wen ist Erlöserkirche geeignet?
- Reisende, die einen echten Panoramablick über die Stadt suchen – ohne den Preis einer kommerziellen Aussichtsplattform
- Architekturbegeisterte, die sich für den niederländischen Barock und Kopenhagens Stadtentwicklung im 17. Jahrhundert interessieren
- Fotografen, die Dachperspektiven mit architektonischem Reiz suchen statt einer Glasbox-Plattform
- Besucher, die einen Halbtag in Christianshavn mit der Freistadt Christiania und dem Kanalufer verbinden
- Inhaber der Copenhagen Card, die möglichst viele inklusive Sehenswürdigkeiten in der Stadtmitte mitnehmen möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Christianshavn:
- Kopenhagener Opernhaus
Das Kopenhagener Opernhaus gehört zu den architektonisch beeindruckendsten Gebäuden Dänemarks – ein 41.000 Quadratmeter großes Wahrzeichen direkt am Holmen-Ufer. Ob du eine Vorstellung besuchst, an einer Führung teilnimmst oder einfach den Bau vom anderen Hafenufer aus betrachtest: Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
- Freetown Christiania
Freetown Christiania ist eine autofreie, selbstverwaltete Gemeinschaft mit rund 900 Bewohnern auf etwa 7,7 Hektar ehemaligem Militärgelände in Christianshavn. Gegründet 1971, funktioniert sie nach eigenen Regeln, mit eigener Architektur und einer Atmosphäre, die es sonst nirgends in der Stadt gibt. Der Eintritt ist frei.