1933 Old Millfun: Einblicke in Shanghais architektonisch beeindruckendsten Kreativkomplex

1933 als städtischer Schlachthof erbaut und heute als Design- und Kulturziel neu erfunden, ist das 1933 Old Millfun einer der fotogensten und architektonisch ungewöhnlichsten Orte Shanghais. Der Eintritt ist frei, das Gebäude ist wirklich außergewöhnlich, und die Lage in Hongkou macht es zu einem idealen Zusatz für einen Tag rund um das North-Bund-Viertel.

Fakten im Überblick

Lage
Liyang Road 611, Bezirk Hongkou, Shanghai
Anfahrt
Station Hailun Road (U-Bahn-Linien 4 & 10), Ausgang 3, ca. 10 Minuten zu Fuß
Zeitbedarf
1 bis 2 Stunden
Kosten
Allgemeiner Eintritt kostenlos; einige Ausstellungen kosten extra
Am besten für
Architekturbegeisterte, Fotografen, Designfans und neugierige Spaziergänger
Frontfassade des 1933 Old Millfun in Shanghai bei Tageslicht, mit dem markanten Betongitter aus runden und eckigen Fenstern und dem Eingangstor.
Photo Supanut Arunoprayote (CC BY 4.0) (wikimedia)

Was ist das 1933 Old Millfun?

Das 1933 Old Millfun (上海1933老场坊) ist ein ehemaliger städtischer Schlachthof im Hongkou-Bezirk Shanghais, der zu einem Kreativkomplex aus Läden, Cafés, Galerien und Veranstaltungsräumen umgebaut wurde. Das 1933 fertiggestellte Gebäude wurde in Stahlbeton errichtet und folgt einer für ein Industriegebäude ungewöhnlich durchdachten Raumlogik: ein Labyrinth aus spiralförmigen Rampen, Hängebrücken und mehrgeschossigen Plattformen, über die das Vieh ohne Stau durch das Gebäude geführt werden konnte. Heute verleihen genau diese Rampen und Wege dem Gebäude seinen einzigartigen Charakter und machen es zu einem der meistfotografierten Innenräume Shanghais.

Der Name „Old Millfun" ist eine Transliteration des chinesischen Namens 老场坊, was in etwa „altes Fabrikgelände" bedeutet. Der allgemeine Eintritt in den Komplex ist kostenlos, einzelne Ausstellungen oder Veranstaltungen können jedoch eigene Eintrittspreise haben. Das Gebäude ist täglich geöffnet, in der Regel von 09:00 Uhr bis in den späten Abend, wobei einzelne Läden und Mieter oft kürzere Öffnungszeiten haben.

💡 Lokaler Tipp

Komm an einem Werktag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr, um das beste Licht im Atrium und die wenigsten Besucher zu haben. Die Betonrampen und der zentrale offene Schacht fangen am Vormittag diffuses Tageslicht ein, das Fotografen gezielt ansteuern.

Die Architektur: Warum dieses Gebäude aus der Masse heraussticht

Kaum ein umgenutztes Industriegebäude in China hat so viel von seiner ursprünglichen baulichen Wirkung bewahrt wie das 1933 Old Millfun. Von außen wirkt es wie ein massiver, fast monolithischer Betonblock mit kleinen, runden Fenstern, die sich in gleichmäßigen Mustern über die Fassade ziehen. Von der Straße aus wirkt das Gebäude nüchtern – was den Innenraum beim ersten Betreten umso desorientierender macht.

Das Innere ist um ein zentrales Atrium organisiert, das sich über mehrere Etagen erstreckt. Breite Betonrampen winden sich spiralförmig an der Außenwand empor und sind in regelmäßigen Abständen durch schmale Brücken verbunden, die den offenen Kern überqueren. Die Raumaufteilung wird oft als brutalistisch beschrieben, obwohl sie dem eigentlichen Brutalismus zeitlich vorausgeht. Das Design war funktional gedacht: Das Vieh betrat das Gebäude auf einer Ebene, wurde über Rampen und Brücken durch die Anlage geführt und begegnete dabei weder Arbeitern noch anderen Tieren auf eine Weise, die Panik hätte auslösen können. Wer diese ursprüngliche Logik versteht, erlebt den Raum mit einer zusätzlichen Schicht, die reiner Architekturtourismus manchmal übersieht.

Der Zustand des Gebäudes ist insgesamt gut gepflegt – der Beton wurde gereinigt und die tragenden Elemente erhalten, statt kosmetisch verändert zu werden. Für Reisende, die sich dafür interessieren, wie Industrieerbe umgenutzt wird, steht das 1933 Old Millfun neben Orten wie der Power Station of Art und dem M50 Creative Park als Beispiele für Shanghais Ansatz, bedeutende Bauwerke aktiv zu nutzen statt sie abzureißen.

Tickets & Führungen

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Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert

Am Morgen ist das Gebäude ruhiger, und das von oben ins Atrium einfallende Licht hat eine helle, klare Qualität, die sich besonders gut für Fotos eignet. Die Rampen sind weitgehend leer, sodass man die Geometrie ohne Menschenmassen auf sich wirken lassen kann. Einige Cafés öffnen früh, aber viele Läden lassen ihre Rollläden erst gegen 11:00 Uhr oder später hoch.

Am frühen Nachmittag füllt sich der Komplex mit Besuchern – ein Mix aus Einheimischen, die durch die Läden bummeln, Studierenden von nahe gelegenen Universitäten und Touristen, die ihren Hongkou-Tag abarbeiten. Das zentrale Atrium wird zum natürlichen Treffpunkt. Der Schall spiegelt sich auf interessante Weise an dem Beton: Gespräche aus mehreren Etagen höher sind unten deutlich zu hören, sodass der Raum ein gleichmäßiges, leises Summen hat, selbst wenn er nicht voll ist.

Am Abend entsteht eine ganz andere Atmosphäre. Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Komplex künstlich beleuchtet, und das Wechselspiel aus Licht und Schatten auf den Betonrampen wird dramatischer. Einige Events, Pop-up-Märkte oder Kunstinstallationen finden gezielt in den Abendstunden statt. Wer nach Einbruch der Dunkelheit in Hongkou unterwegs ist, sollte dem Gebäude einen zweiten Besuch abstatten – es sieht im Vergleich zum Tageslicht völlig anders aus. Die umliegenden Straßen sind ruhig und wohnlich, was das Gefühl verstärkt, etwas leicht Unerwartetes entdeckt zu haben.

ℹ️ Gut zu wissen

Die einzelnen Läden und Galerien im Komplex bestimmen ihre Öffnungszeiten selbst. Wenn du gezielt ein Restaurant, ein Café oder eine Ausstellung besuchen möchtest, ruf vorher dort an oder schau auf der Website nach. Das Gebäude selbst ist bis in den späten Abend geöffnet, aber die Mieter schließen früher.

Anfahrt und Orientierung in Hongkou

Am einfachsten gelangt man mit den U-Bahn-Linien 4 oder 10 zur Station Hailun Road (海伦路站). Ausgang 3 nehmen und dann rund 650 Meter nördlich entlang der Liyang Road laufen. Der Fußweg dauert etwa 10 Minuten und führt durch ein Wohnviertel von Hongkou, das einen guten Eindruck des Stadtteils vermittelt. Die Adresse lautet Liyang Road 611 (溧阳路611号).

Mehrere Buslinien halten in der Nähe des Komplexes an der Liyang Road und der Zhoujiazui Road, darunter die Linien 6, 13, 25, 145, 220, 308 und weitere – für die meisten Besucher ist die U-Bahn aber einfacher. Hongkou gehört nicht zu Shanghais meistbesuchten Bezirken, lohnt sich aber. Der North Bund und das Museum der jüdischen Flüchtlinge Shanghai sind beide in zumutbarer Entfernung erreichbar, sodass eine Hongkou-Halbtagestour zu Fuß gut machbar ist.

Die Barrierefreiheit ist für ein historisches Gebäude dieses Alters recht gut. Rampen und Aufzüge ermöglichen Rollstuhlfahrern den Zugang zu den meisten Bereichen des Komplexes, auch wenn einzelne Mietflächen in den oberen Etagen Stufen haben können. Die breiten Betonrampen, die ursprünglich für den Viehtransport gebaut wurden, funktionieren – mit einer gewissen Ironie – nun als der zugänglichste Weg durch das Gebäude.

Was dich innen erwartet: Mieter und Atmosphäre

Der Mietermix im 1933 Old Millfun hat sich im Laufe der Jahre verändert und entwickelt sich weiter. Zu verschiedenen Zeiten beherbergte das Gebäude Modeboutiquen, Designstudios, Gastronomie, Kunstgalerien, eine Tierklinik (eine Anspielung auf die ursprüngliche Nutzung) und Veranstaltungsflächen. Das Angebot ist nicht immer perfekt kuratiert, und die gewerbliche Auslastung kann schwanken – manche Etagen wirken daher ruhiger oder spärlicher besetzt als andere. Das sollte man im Voraus wissen: Das 1933 Old Millfun ist in erster Linie ein architektonisches Erlebnis, und Läden sowie Cafés sind dem gegenüber zweitrangig.

Der Kaffeeduft zieht durchs Atrium – von welchem Café im Erdgeschoss auch immer gerade geöffnet hat – und mischt sich mit dem leichten Mineralgeruch des alten Betons. Wer die Hand an die Rampenwände hält, spürt eine raue, leicht körnige Oberfläche: die unfertige Textur des Industriebaus der 1930er-Jahre, nicht der glatte Guss von modernem Beton. Diese kleinen Sinneseindrücke sind ein Teil dessen, was das Gebäude echt alt wirken lässt und nicht nur künstlich gealtert.

Fotografieren ist in den Gemeinschaftsbereichen praktisch uneingeschränkt möglich. Der zentrale Atrium-Blick nach oben durch die spiralförmigen Rampen ist das Bild, das am stärksten mit diesem Gebäude verbunden wird – und das zu Recht: Es ist wirklich beeindruckend. Aber auch die Brückenverbindungen zwischen den Etagen, die kleinen runden Fenster mit ihren geometrischen Rahmen und die Außenfassade in der Abenddämmerung bieten starke Bildkompositionen, die seltener reproduziert werden.

Ehrliche Einschätzung: Für wen es sich lohnt – und für wen nicht

Reisende, die Architektur, Fotografie oder Designgeschichte in den Vordergrund stellen, werden das 1933 Old Millfun als echten Gewinn empfinden. Es ist einer der wenigen Orte in Shanghai, an dem ein Industrieinterieur aus der Vorkriegszeit mit genug Substanz erhalten geblieben ist, um inhaltlich zu überzeugen – statt nur als Kulisse zu dienen. Zusammen mit dem architektonischen Reichtum Shanghais fügt es sich natürlich in einen Reiseplan, der auf die vielschichtige Baugeschichte der Stadt ausgerichtet ist.

Allerdings werden Besucher, die eine polierte Touristenattraktion mit klarer Beschilderung, durchgehender englischsprachiger Erläuterung und einem vollen Ausstellungsprogramm erwarten, wahrscheinlich enttäuscht sein. Das Gebäude selbst ist die Attraktion – kein Rahmenprogramm drumherum. An ruhigeren Tagen fühlen sich manche Etagen eher wie ein schlecht belegtes Bürogebäude an als wie ein kuratiertes Kulturziel. Wer in Shanghai nur begrenzt Zeit hat und Erlebnisse mit garantierten Inhalten bevorzugt, für den wird das hier möglicherweise nicht mit den großen Museen oder den Flussufern mithalten können.

Wer hauptsächlich shoppen oder essen möchte, findet anderswo bessere Optionen. Tianzifang und Xintiandi bieten beide ein verlässlicheres Einkaufs- und Gastronomieagebote – allerdings ohne den architektonischen Kontext, der das 1933 Old Millfun besonders macht.

⚠️ Besser meiden

Das Gebäude kann leer wirken, wenn du an einem Werktag vor der Öffnung der Mieter kommst. Wenn dich die Architektur allein nicht reizt, plane deinen Besuch gezielt rund um ein Event oder einen Markt – das belebt den Komplex deutlich mehr.

Praktische Hinweise vor deinem Besuch

Der allgemeine Eintritt ist kostenlos. Bring ein aufgeladenes Handy oder eine Kamera mit. Das beste Innenlicht gibt es am Vormittag. Bequeme Schuhe sind sinnvoll, da die Rampen – so breit sie auch sind – auf jeder Ebene ein leichtes Gefälle haben. Das Gebäude ist täglich ab dem Morgen bis in den Abend geöffnet (in der Regel ab etwa 09:00 Uhr), aber die einzelnen Läden haben ihre eigenen Zeiten.

Hongkou liegt im nordöstlichen Stadtkern Shanghais, jenseits des Suzhou Creek vom Bund-Viertel entfernt. Es ist einer der 16 Stadtbezirke Shanghais und wird von Touristen seltener besucht als die ehemalige Französische Konzession oder Pudong – was dem Gebäude in Sachen Besucherzahlen zugutekommt. Für eine umfassendere Orientierung in Hongkou verbindet das Viertel Hongkou und North Bund mehrere Sehenswürdigkeiten, die sich in einem halben Tag zu Fuß oder mit kurzen U-Bahn-Fahrten erkunden lassen.

Das Wetter beeinflusst das Erlebnis weniger als bei Sehenswürdigkeiten im Freien, da das Gebäude weitgehend überdacht ist. Im Sommer bleibt das Betongebäude in den unteren Etagen relativ kühl und bietet so eine angenehme Zuflucht vor Shanghais feuchter Hitze. Im Winter können einige Bereiche ungeheizt sein, daher empfiehlt sich Kleidung im Zwiebelschalenprinzip. Das Gebäude schließt auch bei Regen nicht, was es an verregneten Tagen zu einer praktischen Alternative macht, wenn Sightseeing im Freien wenig verlockend ist.

Insider-Tipps

  • Das meistfotografierte Motiv im Gebäude ist der Blick senkrecht nach oben durch das Atrium mit den spiralförmigen Rampen und Brücken. Für das beste Ergebnis empfiehlt sich ein Besuch an einem hellen Tag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr, wenn das natürliche Licht von oben einfällt und harte Schatten minimiert werden.
  • Geh über die Rampen ganz nach oben, anstatt den Aufzug zu nehmen. Die wechselnden Perspektiven beim Aufstieg zeigen Details, Winkel und das volle Ausmaß des Raums, die man mit dem Aufzug komplett verpasst.
  • Schau vor deinem Besuch nach, ob Events, Märkte oder Ausstellungen geplant sind. Die Social-Media-Kanäle des Gebäudes und lokale Veranstaltungskalender in Shanghai kündigen gelegentlich Pop-ups an, die dem Komplex deutlich mehr Leben einhauchen als an einem gewöhnlichen Werktag.
  • Die Außenfassade lässt sich am besten am späten Nachmittag fotografieren, wenn die tiefstehende Sonne die runden Fenster und die Betontextur betont. Die meisten Besucher gehen direkt hinein, ohne draußen innezuhalten – daher ist die Außenseite fürs Fotografieren meist menschenleer.
  • Wenn die oberen Etagen wenig belebt wirken, nicht zu früh umkehren. Die Brücken in den oberen Ebenen und der Blick hinunter ins Atrium sind architektonische Highlights für sich – unabhängig davon, welche Läden gerade geöffnet haben.

Für wen ist 1933 Old Millfun geeignet?

  • Architektur- und Designbegeisterte, die ein originales Industrieinterieur der 1930er-Jahre erleben möchten, das nicht glattgebügelt wurde
  • Fotografen, die ein starkes Innenmotiv mit geometrischer Tiefe und natürlichem Licht suchen
  • Reisende, die einen Hongkou-Halbtagsausflug rund um North Bund und nahegelegene Kulturstätten planen
  • Alle, die Abkühlung von Shanghais Sommerhitze suchen oder eine Regenalternative brauchen
  • Besucher, die sich dafür interessieren, wie chinesische Städte mit Industrieerbe und adaptiver Umnutzung umgehen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Hongkou & North Bund:

  • North Bund Riverside

    Die North Bund Riverside ist eine etwa 2,5 km lange öffentliche Promenade am Nordufer des Huangpu in Hongkou. Kostenlos zugänglich und deutlich ruhiger als der gegenüberliegende Bund, bietet sie einige der fotogensten Aussichten auf die historische Uferfront und die Pudong-Skyline – aus einem Blickwinkel, den die meisten Besucher nie zu Gesicht bekommen.

  • Shanghaier Museum für jüdische Flüchtlinge

    Das Shanghaier Museum für jüdische Flüchtlinge befindet sich in der historischen Ohel-Moshe-Synagoge im Hongkou-Viertel und erzählt eine der außergewöhnlichsten Geschichten des Zweiten Weltkriegs: wie Shanghai für rund 20.000 europäische Juden zum Zufluchtsort wurde, als ihnen fast überall sonst auf der Welt die Tür verschlossen blieb. Ein kleines Museum mit einer enormen emotionalen Wirkung.