Plaza de Santa Ana: Madrids literarischer Platz und gesellschaftlicher Mittelpunkt

Die Plaza de Santa Ana ist ein schöner Platz aus dem 19. Jahrhundert im Herzen Madrids, umgeben von historischen Theatern, traditionellen Tabernen und Terrassenbars. Der Eintritt ist kostenlos und zu jeder Stunde möglich – wer die Tagesrhythmen des Platzes kennt, wird am meisten davon haben: morgens ruhig und fotogen, abends gesellig und lebendig.

Fakten im Überblick

Lage
Plaza de Santa Ana, 28012 Madrid (Barrio Cortes, Bezirk Centro, in der Nähe von Sol)
Anfahrt
Sol (Linien 1, 2, 3) oder Antón Martín (Linie 1)
Zeitbedarf
30–60 Minuten für den Platz selbst; länger, wenn du essen oder Bars erkunden möchtest
Kosten
Eintritt kostenlos. Preise für Essen und Getränke in den umliegenden Bars variieren stark.
Am besten für
Abendatmosphäre, Getränke auf der Terrasse, literarisches und architektonisches Interesse
Plaza de Santa Ana in Madrid mit historischen Gebäuden, einer zentralen Statue, Bücherkiosken im Freien und Menschen, die an einem sonnigen Tag Café-Terrassen genießen.
Photo Sjaak Kempe (CC BY 2.0) (wikimedia)

Was ist die Plaza de Santa Ana?

Die Plaza de Santa Ana ist einer der geschichtsträchtigsten öffentlichen Plätze im Herzen Madrids. Sie liegt im sogenannten Barrio de las Letras (Literaturviertel) im historischen Bezirk Centro. Angelegt zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter der kurzen Herrschaft Joseph Bonapartes, der das auf dem Gelände stehende Kloster Santa Ana abreißen ließ, erhielt der Platz seine heutige Gestalt nach und nach – um etwa 1880 hatte er in etwa sein aktuelles Aussehen erreicht. Er ist rechteckig, offen und für diesen Teil der Stadt verhältnismäßig großzügig bemessen, mit einem langen zentralen Fußgängerstreifen, gesäumt von Bänken und Steinpflaster.

Zwei Gebäude prägen den Platz besonders markant: das Teatro Español am östlichen Ende, eines von Madrids ältesten noch aktiven Theatern mit einer Geschichte, die bis ins späte 16. Jahrhundert zurückreicht, sowie das Hotel ME Madrid auf der nördlichen Seite, untergebracht im historischen Gran Hotel Reina Victoria. Dazwischen prägen traditionelle Tabernen, moderne Bars und Terrassensitzplätze das Erdgeschoss des Platzes – das macht ihn zu einem der verlässlichsten Orte im Zentrum Madrids, um zu fast jeder Stunde draußen etwas zu trinken.

💡 Lokaler Tipp

Wer den Platz in seiner schönsten und ungestörtesten Form erleben möchte, sollte vor 9 Uhr ankommen. Das warme Madrider Licht fällt dann auf die Fassade des Teatro Español, und das Pflaster ist noch fast menschenleer. Gegen 11 Uhr beginnen sich die Terrassenstühle zu füllen.

Der Platz im Tagesverlauf

Der Morgen auf der Plaza de Santa Ana ist wirklich ruhig. Tauben schlendern über das Pflaster, einige Anwohner eilen zur Arbeit, und die Bars stellen gerade erst ihre Stühle raus. Die Luft in dieser Höhenlage – Madrid liegt 667 Meter über dem Meeresspiegel – hat in den frühen Stunden eine Klarheit, die im Sommer mit zunehmender Hitze verschwindet. Das ist die beste Zeit für ungestörte Fotografie: die neoklassizistische Fassade des Teatro Español, die Statue des Dramatikers Pedro Calderón de la Barca am westlichen Ende des Platzes und die dekorierten Kacheltafeln an der Fassade der Cervecería Alemana – all das lässt sich ohne störende Passanten perfekt einfangen.

Am späten Vormittag wechselt der Platz in einen entspannten Leerlauf. Alleinreisende mit Laptops tauchen auf, ältere Anwohner nehmen die mittleren Bänke in Beschlag, und die ersten Touristen trudeln ein. Die Cervecería Alemana, eine traditionelle Bierbar im deutschen Stil an der Südseite des Platzes, die hier seit 1904 ausschenkt, öffnet für den Kaffee. Sie wird am häufigsten mit Ernest Hemingway in Verbindung gebracht, der in den 1920er und 1930er Jahren viel Zeit in Madrid verbrachte und das Lokal angeblich regelmäßig besuchte. Ob diese Geschichte ausgeschmückt ist oder nicht: Das Innere mit seinem dunklen Holz, den marmorgedeckten Tischen und den alten Kacheln sieht aus, als hätte sich in Jahrzehnten kaum etwas verändert.

Ab etwa 18 Uhr verwandelt sich der Platz in einen echten gesellschaftlichen Mittelpunkt. Die Terrassenbars füllen sich mit einem bunten Publikum: Büroangestellte, die ihren Feierabend ausklingen lassen, Freundesgruppen, die sich vor dem Abendessen treffen, und Besucher, die den Nachmittag in den Museen am Paseo del Prado verbracht haben und jetzt entspannen möchten. An einem warmen Abend gegen 21 Uhr ist jeder Terrassenstuhl besetzt, das Stimmengewirr trägt sich über das Pflaster, und der Platz pulsiert in einem Maß, das an Wochenenden weit nach Mitternacht anhält.

⚠️ Besser meiden

An Wochenenden zwischen 22 und 2 Uhr kann es rund um die Bars am Platzrand sehr laut werden. Wer in der Nähe übernachtet, sollte Hotelbewertungen sorgfältig lesen. Wer nur zu Besuch ist: Genau dann ist die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Tickets & Führungen

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Das Literaturviertel als Kontext

Das Barrio de las Letras, das Viertel rund um die Plaza de Santa Ana, verdankt seinen Namen der außergewöhnlichen Dichte an Schriftstellern, die hier während des Goldenen Zeitalters Spaniens lebten und arbeiteten – grob gesagt im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Miguel de Cervantes, der Autor des Don Quijote, lebte und starb in der Calle de Cervantes, nur einen Block vom Platz entfernt. Lope de Vega, der äußerst produktive Dramatiker, dem möglicherweise über 400 erhaltene Stücke zugeschrieben werden, wohnte in der Calle de Lope de Vega. Ihre Häuser lagen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt, in einem Viertel, das auch die corrales de comedias beherbergte – jene Freilichttheaterhöfe, in denen das spanische Drama des Goldenen Zeitalters aufgeführt wurde.

Das Teatro Español, das den östlichen Abschluss des Platzes bildet, ist der direkte institutionelle Nachfahre dieser Theatertradition. Das heutige Gebäude stammt überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurde nach Bränden wiederaufgebaut, steht aber auf einem Gelände, auf dem seit den späten 1500er-Jahren ununterbrochen Theater gespielt wird. Die Stadt Madrid besitzt und betreibt es noch heute als öffentlich gefördertes Theater. Vorstellungen sind auf der Website des Theaters aufgeführt, Tickets können direkt dort gekauft werden. Wer sich für spanischsprachiges Theater interessiert und zufällig während einer Produktion in Madrid ist, hat damit einen echten Grund, seinen Abend rund um den Platz zu planen.

Das weitere Viertel lohnt sich für einen gemächlichen Spaziergang. Die Calle de las Huertas, die parallel zum Platz verläuft, ist gesäumt von Bars und hat literarische Zitate in Messing ins Pflaster eingelassen. Wer ein umfassenderes Bild von Madrids kultureller Geografie möchte, findet im Madrid-Architekturführer eine Einordnung des Barrio de las Letras in die städtebauliche Entwicklung der Gesamtstadt.

Was es rund um den Platz zu sehen und erleben gibt

Der Platz selbst ist kompakt genug, dass ein einziger Rundgang weniger als zehn Minuten dauert. Beginne bei der Statue von Calderón de la Barca: Diese sitzende Bronzefigur des Dramatikers aus dem 17. Jahrhundert wurde 1880 aufgestellt und steht am westlichen Ende des Platzes. Der Sockel trägt Relieffelder mit Szenen aus seinen Werken. Geh entlang der Südseite zur Fassade der Cervecería Alemana mit ihren markanten Kacheltafeln und der historischen Beschriftung. Weiter geht es zum Teatro Español, dessen Spielplanstafeln zeigen, was gerade läuft. Die Nordseite wird vom Hotel ME Madrid dominiert, dessen Dachbar auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich ist und erhöhte Ausblicke über die umliegenden Dächer in Richtung Gran Vía bietet.

Wer sich setzen möchte, findet am Platz Optionen in sehr unterschiedlichen Preisklassen. Die traditionellen Tabernen entlang der Süd- und Westseite sind in der Regel die günstigsten – eine Caña (kleines Fassbier) kostet an der Theke oft weniger als zwei Euro. Die Dachbar des Hotels und einige der designorientierten Bars verlangen deutlich mehr. Das spiegelt sich im Publikum wider: Einheimische und länger verweilende Besucher zieht es zu den traditionellen Lokalen, während Neu-Ankömmlinge oft in den prominenteren Bars landen.

Die umliegenden Straßen verbinden den Platz auf natürliche Weise mit anderen lohnenswerten Stadtteilen. Fünf Minuten zu Fuß in Richtung Westen führen zur Puerta del Sol und von dort weiter zur Plaza Mayor. Nach Südosten entlang der Calle de Atocha gelangt man zu den Museen am Paseo del Prado, darunter das Museo del Prado und das Museo Reina Sofía.

Anreise und Fortbewegung vor Ort

Die Plaza de Santa Ana liegt in einem der fußgängerfreundlichsten Teile des Madrider Zentrums. Von der Puerta del Sol aus sind es etwa fünf Gehminuten in südöstlicher Richtung entlang der Calle del Príncipe. Die nächstgelegenen U-Bahn-Stationen sind Sol (Linien 1, 2 und 3), ein kurzer Fußweg nördlich, und Antón Martín (Linie 1), ungefähr dieselbe Entfernung südlich. Keine der Stationen liegt direkt am Platz, aber beide sind nah genug, dass der Fußweg problemlos ist und durch interessante Straßen führt.

Der Platz liegt auf verhältnismäßig ebenem Gelände, und der zentrale Fußgängerstreifen besteht aus flachem Steinpflaster, das für Menschen mit eingeschränkter Mobilität in der Regel zugänglich ist – auch wenn die umliegenden Straßen unterschiedlich hohe Bordsteine haben. Das Madrider Busnetz EMT bedient ebenfalls Routen durch nahe gelegene Straßen, darunter die Calle de Atocha und den Paseo del Prado.

Wer einen ausgedehnten Tag im Zentrum plant, findet im Madrid-Verkehrsguide ausführliche Informationen zu U-Bahn, Bus und Fußwegen.

Wetter, Jahreszeiten und der beste Reisezeitpunkt

Als offener öffentlicher Platz hängt das Erlebnis auf der Plaza de Santa Ana direkt vom Madrider Klima ab. Im Sommer (Juni bis August) übersteigen die Tagestemperaturen häufig 35 °C, und das Steinpflaster speichert die Hitze intensiv. Terrassensitze, die um 20 Uhr angenehm sind, können um 15 Uhr unerträglich sein. Im Sommer lohnt es sich, entweder früh morgens oder nach 19 Uhr vorbeizuschauen. An warmen Sommernächten bleibt der Platz weit nach Mitternacht lebendig.

Frühling (April und Mai) und Herbst (September und Oktober) sind die angenehmsten Jahreszeiten, um draußen zu verweilen. Die Temperaturen sind moderat, die Terrassen gut besucht, aber nicht überfüllt, und das Licht am späten Nachmittag ist besonders gut für Fotos der Platzfassaden. Winterabende können auf Madrider Höhe kühl werden, aber die Tabernen halten ihre Räume warm, und der Platz wirkt selten vollkommen verlassen.

ℹ️ Gut zu wissen

Frühling und Herbst gelten in Madrid als die besten Jahreszeiten für Sightseeing im Freien. Die Plaza de Santa Ana ist an Abenden dieser Jahreszeiten am schönsten – die Temperaturen sind angenehm, und die Terrassen sind gut gefüllt, ohne chaotisch zu sein.

Lohnt sich der Besuch?

Die Plaza de Santa Ana ist kein spektakuläres architektonisches Gesamtkunstwerk wie die Plaza Mayor und enthält auch kein einzelnes Wahrzeichen, das einen gezielten Besuch allein rechtfertigen würde. Was sie stattdessen bietet, ist ein verlässlicher, gut gelegener Anlaufpunkt mit echter historischer Tiefe, einer Konzentration guter traditioneller Bars und einer Abendatmosphäre, die widerspiegelt, wie ein erheblicher Teil der Madrider Bevölkerung seine Zeit tatsächlich verbringt.

Wer gut auf den Platz anspricht, sind in der Regel Besucher, die sich für die literarische und theatergeschichtliche Vergangenheit der Stadt interessieren, die eine gesellige Basis für einen Abend suchen, ohne sich auf ein einziges Lokal festzulegen, und die den Charme eines europäischen Stadtplatzes schätzen, der eher als gemeinsames Wohnzimmer denn als Touristenattraktion funktioniert. Wer eindrucksvolle Monumente oder eine ruhige Auszeit vom Stadtlärm sucht, wird ihn weniger überzeugend finden – besonders an Wochenendabenden, wenn die umliegenden Bars auf Hochtouren laufen.

Insider-Tipps

  • Die Cervecería Alemana ist abends am vollsten. Wer auf einem der alten Marmortische im Inneren sitzen und die historische Atmosphäre ohne Trubel genießen möchte, sollte an einem Wochentag gegen 16 Uhr hingehen.
  • Die Dachbar des ME Madrid Hotels (The Roof) steht auch Nicht-Hotelgästen offen und bietet einen der besseren Ausblicke über diesen Teil der Stadt. Günstig ist sie nicht – aber ein Drink reicht, um die Aussicht zu genießen, ohne ein Ticket kaufen zu müssen.
  • Auf dem Bürgersteig der Calle de las Huertas, einen Block südlich, sind literarische Zitate in Messing direkt in den Stein eingelassen. Die meisten Besucher laufen einfach darüber hinweg. Schau beim Gehen nach unten.
  • Wenn das Teatro Español eine Vorstellung zeigt, die dich interessiert, kauf die Tickets im Voraus online. Die Preise des Theaters werden öffentlich subventioniert und sind erheblich günstiger als in vergleichbaren Häusern in nordeuropäischen Städten.
  • Für das beste Morgenlicht auf der Fassade des Teatro Español stellst du dich am Ende des Platzes bei der Calderón-Statue auf und fotografierst in Richtung Osten. Das direkte Licht fällt im Frühling und Herbst ungefähr zwischen 9 und 11 Uhr auf die Fassade.

Für wen ist Plaza de Santa Ana geeignet?

  • Reisende, die das Barrio de las Letras und das literarische Erbe des Goldenen Zeitalters erkunden
  • Alle, die eine authentische Abendterrassenerfahrung abseits der überlaufensten Touristenplätze suchen
  • Besucher, die einen Abend rund um die traditionellen Tabernen des Viertels planen
  • Wer die Museen am Paseo del Prado als Tagesbasis nutzt und zum Abschluss noch einen geselligen Ort in der Nähe sucht
  • Architektur- und Stadtgeschichte-Fans mit Interesse an Madrids städtischer Entwicklung im 19. Jahrhundert

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Retiro:

  • CaixaForum Madrid

    Das CaixaForum Madrid ist ein beeindruckendes Kulturzentrum am Paseo del Prado, untergebracht in einem umgebauten Kraftwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert – neu gestaltet von Herzog & de Meuron. Neben wechselnden internationalen Ausstellungen beherbergt es den berühmten vertikalen Garten des Botanikers Patrick Blanc und liegt in Gehweite zu Madrids drei großen Kunstmuseen.

  • Estanque Grande del Retiro

    Der Estanque Grande del Retiro ist ein großer künstlicher See im Zentrum des Parque del Retiro. Im 17. Jahrhundert für königliche Festlichkeiten angelegt, steht er heute allen kostenlos offen. Leih dir ein Ruderboot aus, schau Straßenkünstlern zu oder setz dich einfach auf die Promenade und beobachte, wie sich das Alfonso-XII.-Denkmal im Wasser spiegelt.

  • Museo Nacional del Prado

    Das Museo Nacional del Prado beherbergt eine der wichtigsten Sammlungen europäischer Kunst weltweit – rund 7.000 bis 8.000 Gemälde aus fünf Jahrhunderten abendländischer Malerei. Am Paseo del Prado im Retiro-Viertel gelegen, ist es das kulturelle Herzstück Madrids und für viele Besucher der eigentliche Grund, die Stadt überhaupt zu bereisen.

  • Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía

    Das Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía ist Spaniens nationales Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts, untergebracht in einem umgebauten Krankenhaus aus dem 18. Jahrhundert nahe dem Bahnhof Atocha. Die Sammlung umfasst Picassos Guernica sowie wichtige Werke von Dalí und Miró – damit gehört es zu den bedeutendsten Museen moderner Kunst in Europa.

Zugehöriger Ort:Retiro
Zugehöriges Reiseziel:Madrid

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