Ermita de San Antonio de la Florida: Goyas Fresken und seine letzte Ruhestätte
Eine kleine neoklassizistische Einsiedelei am Manzanares beherbergt einen der bemerkenswertesten Freskenzyklen Spaniens – 1798 von Francisco de Goya gemalt. Der Eintritt ist frei, es ist selten voll, und der Maler selbst liegt unter der Kuppel begraben, die er einst ausgemalt hat.
Fakten im Überblick
- Lage
- Glorieta de San Antonio de la Florida 5, 28008 Madrid (Bezirk Moncloa-Aravaca)
- Anfahrt
- Príncipe Pío (Metro Linien 6 und 10, Cercanías); ca. 10 Minuten zu Fuß entlang des Paseo de la Florida
- Zeitbedarf
- 45–75 Minuten
- Kosten
- Eintritt frei. Kostenlose Gruppenführungen (bis 25 Personen, ca. 20 Min.) nach vorheriger telefonischer Anmeldung.
- Am besten für
- Kunstliebhaber, Geschichtsinteressierte und alle, die eine ruhige Alternative zur üblichen Museumsrunde suchen
- Offizielle Website
- www.patrimonionacional.es/visita/ermita-de-san-antonio-de-la-florida

Was dieser Ort eigentlich ist
Die Ermita de San Antonio de la Florida ist eine kleine neoklassizistische Kirche, die 1798 am westlichen Rand Madrids nahe dem Fluss Manzanares fertiggestellt wurde. Auftraggeber war König Karl IV., entworfen hat sie der italienische Architekt Filippo Fontana. Was sie so besonders macht, ist nicht das Gebäude selbst – es ist schlicht und überschaubar –, sondern was Goya darin gemalt hat: ein durchgehender Freskenzyklus, der Kuppel, Apsis und Bögen bedeckt und das Wunder des heiligen Antonius von Padua mit einer Schar weltlicher Figuren zeigt, die so gar nichts mit traditioneller religiöser Kunst gemein haben.
Nachdem die Ermita 1905 zum Nationaldenkmal erklärt worden war, entschied man sich, sie genau so zu erhalten, wie Goya sie hinterlassen hatte – und nicht weiter als aktive Kultstätte zu nutzen. 1928 wurde direkt daneben eine zweite, architektonisch identische Kirche gebaut, damit Gottesdienste weiterhin stattfinden konnten. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches Gebäudepaar, das Seite an Seite steht: eines für das Gebet, eines für die Kunstgeschichte. In der originalen Ermita, die heute als Teil des Patrimonio Nacional im historischen Komplex des Königspalastes verwaltet wird, ruhen Goyas sterbliche Überreste seit 1919 – überführt aus Bordeaux, wo er im Exil gestorben war.
ℹ️ Gut zu wissen
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag 09:30–20:00 Uhr (regulär); 09:30–19:00 Uhr vom 15. Juni bis 15. September. Montags sowie am 1. und 6. Januar, am 1. Mai und am 24., 25. und 31. Dezember geschlossen. Eintritt frei.
Die Fresken: Was Goya hier geschaffen hat
Goya bemalte den gesamten Innenraum zwischen Juni und Dezember 1798, arbeitete zügig und mit beachtlicher künstlerischer Freiheit. Das Thema ist das Wunder des heiligen Antonius: Der Legende nach erweckte Antonius in Lissabon einen Toten, damit dieser bezeugte, dass Antonius' Vater, dem Mord vorgeworfen worden war, unschuldig sei. Goya nahm diese fromme Geschichte und verlegte sie in ein zeitgenössisches Madrider Milieu. Der auferstandene Tote ist da – aber ebenso Majas und Majos, Straßentypen, neugierige Schaulustige, Kinder, die durch ein Geländer spähen, und Figuren, die über eine gemalte Balustrade lehnen, als würden sie von einem Balkon aus einem Schauspiel zusehen.
Die Hauptszene entfaltet sich in der Kuppel, gemalt in warmen Ockertönen, Braun und sanftem Grau, mit Passagen in leuchtendem Weiß. Goya bediente sich Techniken aus der aufkommenden Romantik und seinem eigenen, sich entwickelnden Stil: lockerer Pinselstrich, Figuren mit ausdrucksstarken statt idealisierten Gesichtern, ein Gefühl von echtem Gewicht und Körperhaltung statt himmlischer Entrücktheit. Der gemalte Himmel, der die Laterne oben ausfüllt, ist blass und diffus – kein golddurchtränktes Firmament wie in der Barockmalerei. Den Kopf direkt darunter in den Nacken zu legen ist die einzige Möglichkeit, das Ganze richtig zu erfassen.
Das Apsis-Fresko, kleiner, aber ebenso detailreich, zeigt Engel und Seraphim, die dieselbe erdverbundene Qualität wie die menschlichen Figuren in der Kuppel ausstrahlen. Goyas Engel wirken weniger wie himmlische Wesen als wie junge Madrileños, die sich für den Anlass herausgeputzt haben. Das war 1798 leise radikal – und es ist heute noch visuell verblüffend.
⚠️ Besser meiden
Fotografieren im Inneren ist nicht erlaubt. Lass das Handy stecken und schau einfach hin. Das gedämpfte Licht macht die Fresken auf Fotos ohnehin kaum erfassbar – sie erschließen sich nur durch Zeit und direkte Betrachtung.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
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Die Atmosphäre zu verschiedenen Tageszeiten
Die Ermita ist so klein, dass ihre Stimmung sich vollständig verändert, je nachdem wie viele Menschen darin sind. Um 10:00 Uhr an einem Werktag bist du vielleicht einer von nur wenigen Besuchern. Das Licht, das durch die kleinen Fenster fällt, ist kühl und gerichtet und betont die Textur des Putzuntergrunds und die trockene, kreidige Qualität von Goyas Pigmenten. Der diensthabende Aufseher gibt manchmal eine kurze Einführung und zeigt auf bestimmte Figuren, wenn man Interesse zeigt.
Um die Mittagszeit im Frühling und Herbst kommen manchmal kleine Gruppen zusammen, aber so voll wie in den großen Museen wird es nie. Sommers vor 11:00 Uhr ist es zuverlässig ruhig. Der Weg vom Bahnhof Príncipe Pío entlang des Paseo de la Florida dauert rund zehn Minuten und ist größtenteils von Bäumen entlang des Flussufers beschattet – auch an wärmeren Tagen eine angenehme Route. An Sommernachmittagen kann der Weg selbst aber heiß sein, und die reduzierten Sommeröffnungszeiten (Schließung um 19:00 statt 20:00 Uhr) lassen weniger Spielraum bei der Planung.
Der späte Herbstnachmittag, wenn die tiefstehende Sonne horizontales Licht durch die westseitigen Fenster wirft, ist die stimmungsvollste Zeit für einen Besuch. Die Ockertöne der Fresken vertiefen sich, und der kleine Innenraum wirkt auf eine besondere Weise still. Kein Café, kein Souvenirladen, kein Einlasssystem. Du gehst rein, schaust nach oben, schaust dich um und gehst in deinem eigenen Tempo wieder raus.
Goyas Grab und das Gelände
Francisco de Goya starb 1828 im Alter von 82 Jahren in Bordeaux, wohin er nach der Restauration der absoluten Monarchie freiwillig ins Exil gegangen war. Seine sterblichen Überreste wurden 1919 nach Madrid überführt und in genau der Ermita beigesetzt, deren Kuppel er 121 Jahre zuvor bemalt hatte. Das Grab ist schlicht gehalten und befindet sich im Boden nahe dem Eingang. Etwas an dieser Symmetrie ist tief berührend: Der Maler liegt unter der Decke, die er selbst ausgemalt hat, und die Decke hat sich seit seiner Fertigstellung kaum verändert.
Ein Detail, das manche Besucher beunruhigt: Goya wurde in Bordeaux zunächst in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Als seine Überreste exhumiert und nach Spanien zurückgebracht wurden, fehlte der Schädel – und er wurde nie gefunden. Das Grab in der Ermita enthält sein Skelett, aber nicht seinen Kopf. Wer mehr über Goyas Bedeutung im kulturellen Leben Madrids erfahren möchte, findet im Museo del Prado die weltgrößte Sammlung seiner Gemälde – darunter die Schwarzen Gemälde und die bedeutenden Porträts. Ein Besuch dort ergänzt die Ermita ideal.
Die 1928 erbaute Doppelkirche steht direkt daneben. Sie ist eine aktive Kultstätte und in der Regel nicht für Touristen zugänglich, aber das äußere Nebeneinander der zwei identischen neoklassizistischen Fassaden ist für sich genommen einen Moment der Betrachtung wert. Die Umgebung umfasst den Paseo de la Florida, eine baumgesäumte Promenade entlang des Flussufers, die südlich zum Madrid-Río-Park führt.
Anreise und praktische Hinweise
Am einfachsten ist die Anreise mit der Metro zur Station Príncipe Pío (Linien 6 und 10, auch mit der Cercanías erreichbar), gefolgt von einem Fußweg nordwärts entlang des Paseo de la Florida. Die Strecke ist flach und dauert etwa zehn Minuten. Auch Buslinien halten am Paseo de la Florida an den Haltestellen 37 und 8. Die Ermita liegt an der Glorieta de San Antonio de la Florida 5, an der Kreuzung von Paseo de la Florida und Avenida de Valladolid. Der Madrid-Río-Park liegt direkt südlich davon – beides lässt sich gut zu einem halben Tag am Fluss kombinieren.
Der Bezirk Moncloa-Aravaca gehört nicht zu Madrids touristischen Hauptachsen. Die Ermita liegt in einem vergleichsweise ruhigen Stadtabschnitt, der eher dem Viertel Moncloa-Argüelles ähnelt als dem weiter südlich gelegenen Museumsviertel. Tourismusinfrastruktur gibt es in der direkten Umgebung kaum: keine Souvenirläden, nur wenige Cafés entlang des Flussufers. Nimm Wasser mit, wenn du den Besuch in einen längeren Spaziergang am Fluss verlängern willst.
Informationen zur Barrierefreiheit im Inneren sollten vor dem Besuch direkt beim Museumsmanagement der Stadt Madrid erfragt werden, da das originalgetreue Gebäude aus dem 18. Jahrhundert bauliche Einschränkungen haben kann, die den Rollstuhlzugang betreffen. Die offizielle städtische Seite enthält aktuelle Kontaktdaten.
💡 Lokaler Tipp
Kostenlose Gruppenführungen (bis 25 Personen, ca. 20 Minuten) sind nach vorheriger telefonischer Anmeldung direkt bei der Ermita buchbar. Sie lohnen sich, wenn du interpretativen Kontext möchtest: Der Guide erklärt in der Regel Goyas Technik und weist auf einzelne Figuren in der Kuppel hin, die man ohne Hinweis leicht übersieht.
Für wen es sich lohnt – und für wen weniger
Die Ermita de San Antonio de la Florida belohnt Besucher, die bereits ein gewisses Interesse an Goya oder der spanischen Kunstgeschichte mitbringen. Wer ohne Vorwissen kommt, wird die Fresken zwar visuell ansprechend finden, versteht aber möglicherweise nicht ganz, was er da sieht oder warum es bedeutsam ist. Ein kurzer Überblick über Goyas Leben vor dem Besuch – oder ein Vormittag im Museo Thyssen-Bornemisza, um den weiteren Bogen der europäischen Malerei jener Zeit zu erfassen – schärft die Erfahrung deutlich.
Wer Drama, Weitläufigkeit oder interaktive Inhalte erwartet, wird enttäuscht sein. Die Ermita ist ein einziger kleiner Raum mit Fresken. Es gibt keine Informationstafeln im Inneren außer minimaler Beschriftung, keinen Audioguide vor Ort und keinen angeschlossenen Ausstellungsbereich. Der Besuch ist von Natur aus kurz. Wer eher auf umfassende Museumserlebnisse mit kuratorischer Aufbereitung steht, sollte die Ermita als Ergänzung zum Prado sehen – nicht als eigenständiges Ziel.
Für Reisende, die einen kunstorientierten Tag planen, lässt sich die Ermita gut mit einem Spaziergang südwärts entlang des Flusses zum Madrid Río und dann ostwärts in die historische Innenstadt verbinden. Wer sich für religiöse Architektur der Stadt interessiert, sollte auch die Almudena-Kathedrale oder das Real Monasterio de la Encarnación in Betracht ziehen – beide bieten einen ganz anderen Maßstab und Kontext. Einen umfassenderen Überblick über Madrids Kunstszene bietet der Guide zu den besten Museen in Madrid mit ebenso konkreten praktischen Informationen.
Insider-Tipps
- Stell dich auf den geometrischen Mittelpunkt des Bodens direkt unter der Kuppel und schau senkrecht nach oben – so hat Goya die Szene gedacht: die zentrale Handlung nahe dem Scheitelpunkt, die Menschenmenge rund um die gemalte Balustrade darunter.
- Die baugleiche Kirche nebenan (errichtet 1928) wird für aktive Gottesdienste genutzt. Wenn du während eines Gottesdienstes ankommst, ist die ursprüngliche Ermita oft ungewöhnlich ruhig, weil der Großteil der Besucher nebenan absorbiert wird.
- Werktags zwischen 10:00 und 11:30 Uhr ist es am wenigsten voll. Schlangen bilden sich kaum, aber kleine Gruppenführungen können den winzigen Innenraum kurzzeitig füllen.
- Kombiniere den Besuch mit einem Spaziergang südwärts entlang des Paseo de la Florida zum Madrid-Río-Park und seinen Flussstränden (Playas de Madrid) im Sommer – der Kontrast zwischen der Einsiedelei aus dem 18. Jahrhundert und der modernen Flussinfrastruktur macht aus dem Ausflug einen interessanten halben Tag.
- Wer gedrucktes Material möchte: Auf der verlinkten Patrimonio-Nacional-Seite gibt es herunterladbare Infos zu den Fresken. Einen Buchladen gibt es vor Ort nicht, und Postkarten oder Reproduktionen werden in der Ermita nicht verkauft.
Für wen ist Ermita de San Antonio de la Florida geeignet?
- Kunsthistorisch Interessierte, die Goyas Freskenzyklus im Original erleben möchten – nicht als Reproduktion im Museum
- Reisende, die Prado und Reina Sofía schon kennen und ein ruhigeres, weniger besuchtes Gegenstück suchen
- Alle, die sich speziell für Goya interessieren – einschließlich seiner Bestattungsgeschichte und der Geschichte des verschwundenen Schädels
- Besucher, die einen Spaziergang entlang des Madrid Río mit einem Kulturstopp verbinden wollen
- Sparfüchse: kostenloser Eintritt, keine Reservierung nötig, gut mit anderen kostenlosen Sehenswürdigkeiten in der Nähe kombinierbar
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Moncloa & Argüelles:
- Casa de Campo
Einst königliches Jagdrevier der spanischen Könige, ist die Casa de Campo heute Madrids größter öffentlicher Park mit 1.535,52 Hektar westlich des Königspalastes. Der Eintritt ist das ganze Jahr über frei – dich erwarten ein See, Waldwege, eine Seilbahn und zwei Familienattraktionen, alles in Reichweite der Innenstadt.
- Madrid Río
Madrid Río ist ein rund 150 Hektar großer Landschaftspark, der sich etwa 7 Kilometer entlang des Manzanares erstreckt – gebaut auf der unterirdisch verlegten Stadtautobahn M-30. Der Eintritt ist frei, der Park rund um die Uhr geöffnet. Radwege, Spielplätze, Flusspromenaden und ein direkter Blick auf den Königspalast – alles fußläufig vom Madrider Zentrum.
- Faro de Moncloa
92 Meter über dem Straßenniveau bietet die Aussichtsplattform des Faro de Moncloa einen 360-Grad-Panoramablick über Madrid – schon ab 4 €. Der schlanke 110 Meter hohe Turm wurde 1992 gebaut und gehört zu den günstigsten und am wenigsten überlaufenen Aussichtspunkten der Stadt.
- Museo Cerralbo
Das Museo Cerralbo ist eine Seltenheit: ein aristokratischer Palast aus dem 19. Jahrhundert, der fast genauso erhalten geblieben ist, wie sein Besitzer ihn hinterlassen hat – mit über 50.000 Objekten, darunter Gemälde, Rüstungen, Keramiken und vergoldete Ballsäle. Im Madrider Stadtteil Argüelles nahe der Plaza de España gelegen, bietet es einen ungewöhnlich persönlichen Einblick in das aristokratische Madrid – zu einem Bruchteil des Eintrittspreises der großen Stadtmuseen.