Tower of London: Der komplette Besucherguide
Fast tausend Jahre Geschichte in einer einzigen Festung am Flussufer. Der Tower of London beherbergt die Kronjuwelen, erzählt von königlicher Gefangenschaft und Hinrichtungen – und gehört zu den bedeutendsten historischen Stätten Großbritanniens. Alles, was du vor deinem Besuch wissen musst.
Fakten im Überblick
- Lage
- Tower of London, London EC3N 4AB – am Nordufer der Themse, an der Grenze zwischen der City of London und dem London Borough of Tower Hamlets
- Anfahrt
- Tower Hill (District & Circle Line, 5 Minuten zu Fuß); Tower Gateway DLR (7 Minuten zu Fuß); Tower Pier für Flussboote
- Zeitbedarf
- 2,5 bis 4 Stunden für einen ausführlichen Besuch; plane einen halben Tag ein, wenn du an einer Yeoman-Warder-Tour teilnehmen und bei den Kronjuwelen verweilen möchtest
- Kosten
- Erwachsene 37 £, Kinder (5–15 Jahre) 18,50 £, Ermäßigt 29,50 £ (Standardpreise ohne Spende; Preise vor der Buchung auf hrp.org.uk prüfen)
- Am besten für
- Geschichtsbegeisterte, Familien mit älteren Kindern, Architekturliebhaber, Erstbesucher in London
- Offizielle Website
- www.hrp.org.uk/tower-of-london

Was der Tower of London wirklich ist
HM Tower of London, so der vollständige offizielle Name, ist kein einzelner Turm. Es handelt sich um einen Komplex aus rund 20 Türmen, Mauern, Innenhöfen und Gebäuden am Nordufer der Themse, unmittelbar östlich des Finanzzentrums der City of London. Von außen, auf dem gepflasterten Weg nahe Tower Hill, ist das Ausmaß beeindruckend: Die mächtigen Steinmauern erheben sich über einem trockenen Graben, und die vier Türme des White Tower ragen deutlich sichtbar über die Zinnen.
Den White Tower im Herzen des Komplexes ließ Wilhelm der Eroberer nach der normannischen Eroberung 1066 errichten; der Hauptbau entstand in den späten 1070er-Jahren. Was heute steht, ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, das im Laufe seiner fast tausendjährigen Geschichte als königliche Residenz, Schatzkammer, Menagerie, Waffenkammer, Gefängnis und Hinrichtungsstätte diente. Diese vielschichtige Geschichte macht den hohen Eintrittspreis für den richtigen Reisenden absolut gerechtfertigt.
💡 Lokaler Tipp
Kauf deine Tickets online im Voraus auf hrp.org.uk. An Sommerwochenenden kann die Warteschlange an der Tageskasse über 45 Minuten lang sein, und die Preise vor Ort sind höher als im Vorverkauf. Die Tickets sind zeitgebunden – wähle deinen Einlass-Slot sorgfältig.
Öffnungszeiten und Anreise
Die Öffnungszeiten folgen einem saisonalen Muster. Von März bis Oktober öffnet der Tower täglich um 9:00 Uhr; letzter Einlass ist um 16:00 Uhr, Schließung um 17:30 Uhr. Von November bis Februar sind die Zeiten kürzer: Unter der Woche öffnet er um 9:00 Uhr, sonntags und montags um 10:00 Uhr; letzter Einlass um 15:30 Uhr, Schließung um 16:30 Uhr. Die letzte Yeoman-Warder-Tour des Tages startet in der Regel um 15:15 Uhr. Diese Zeiten können sich rund um Feiertage ändern – prüfe daher immer die Website von Historic Royal Palaces vor deinem Besuch.
Am einfachsten kommt man mit der U-Bahn. Die Station Tower Hill an der District und Circle Line liegt etwa fünf Gehminuten vom Haupteingang entfernt. Von Tower Gateway an der DLR sind es ein paar Minuten mehr. Wer mit dem Boot anreist: Der Tower Pier liegt direkt vor den Mauern und wird von Uber Boat by Thames Clippers vom Westminster Pier, dem London Eye Pier und weiteren Haltestellen entlang der Themse angefahren. Die Anreise per Schiff erinnert daran, wie Staatsgefangene einst ankamen – per Kahn durch das Traitors' Gate.
Der Tower liegt an der Grenze zwischen der City of London und dem London Borough of Tower Hamlets – gut angebunden, aber unter der Woche von starkem Fußgängerverkehr aus den umliegenden Büros geprägt. Werktags füllt sich die Gegend um Tower Hill mittags mit Büroangestellten; an Wochenenden sind es fast ausschließlich Touristen. Der Tower Bridge Eingang liegt nur einen kurzen Fußweg östlich, sodass sich beide Sehenswürdigkeiten an einem Vormittag gut kombinieren lassen, wenn man zügig unterwegs ist.
Die Kronjuwelen: Erwartungen und Warteschlange
Für die meisten Besucher sind die Kronjuwelen das Highlight – und sie enttäuschen nicht. Die Sammlung befindet sich in den Waterloo Barracks und umfasst die Imperial State Crown, das Zepter mit Kreuz, den Staatsapfel und weitere Insignien, die bei Krönungen und Staatsanlässen verwendet werden. Die Diamanten sind riesig und eindeutig echt – was banal klingt, bis man tatsächlich davor steht.
Das Warteschlangensystem führt über ein langsam fahrendes Laufband an den wichtigsten Stücken vorbei – in Stoßzeiten kann man also nicht so lange stehen bleiben, wie man möchte. Wer ungestörte Zeit vor den Juwelen will, sollte direkt bei Öffnung in die Waterloo Barracks gehen, bevor sich Schlangen bilden. An Sommerwochenenden sind Wartezeiten von 30 Minuten oder mehr innerhalb des Gebäudes ab 11:00 Uhr keine Seltenheit. Fotografieren ohne Blitz ist grundsätzlich erlaubt, kann sich aber ändern – schau vor Ort auf die Hinweisschilder.
⚠️ Besser meiden
Die Kronjuwelen-Galerie schließt gelegentlich für Staatsanlässe oder Wartungsarbeiten. Historic Royal Palaces kündigt geplante Schließungen im Voraus an. Wenn die Kronjuwelen der Hauptgrund deines Besuchs sind, prüfe die offizielle Website in der Woche vor deiner Reise.
Die Yeoman-Warder-Touren: Unbedingt einplanen
Die Yeoman Warders, im Volksmund Beefeaters genannt, sind keine bloße Dekoration. Es sind pensionierte höhere Unteroffiziere der britischen Streitkräfte, die innerhalb der Towermauern wohnen und als zeremonielle Wächter dienen. Ihre kostenlosen Führungen – im Eintrittspreis inbegriffen – starten den ganzen Tag über am Haupteingang und dauern ungefähr eine Stunde. Die letzte Tour ist um 15:15 Uhr.
Die Touren sind kurzweilig. Yeoman Warders sind ausgebildete Geschichtenerzähler und liefern eine Version der Tower-Geschichte, die Hinrichtungen, Gefangennahmen, königliche Intrigen und die Legenden rund um die berühmten Raben mit echtem Farbreichtum und gelegentlich düsterem Humor behandelt. Die Tour deckt nicht jeden Winkel des Geländes ab, gibt aber einen Kontext, der den Rest des Besuchs deutlich sinnvoller macht. Wer wenig Zeit hat, fährt gut damit, zunächst eine Tour mitzumachen und danach Kronjuwelen und White Tower auf eigene Faust zu erkunden.
Die Raben gehören zur Identität des Towers. Eine Überlieferung besagt, dass der Tower und die Krone fallen werden, wenn die Raben ihn verlassen – eine Prophezeiung, die Karl II. angeblich formalisiert hat. Derzeit leben mehrere Raben auf dem Gelände, betreut vom Ravenmaster, einer Yeoman-Warder-Rolle, die in den letzten Jahren erhebliche Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Die Vögel bewegen sich tagsüber frei auf dem Gelände und sind oft auf dem Grün vor dem White Tower zu sehen.
Der White Tower und der Mittelalterliche Palast
Der White Tower ist das älteste und architektonisch bedeutendste Bauwerk auf dem Gelände. Seine dicken Mauern aus normannischem Caen-Stein vermitteln sofort ein Gefühl von Schwere und Alter. Im Inneren zeigt die Ausstellung der Royal Armouries mittelalterliche Waffen, Rüstungen und Ausrüstungen aus verschiedenen Jahrhunderten, aufgeteilt auf mehrere Etagen. Die Sammlung ist detailliert genug, um jeden zu fesseln, der sich für Militärgeschichte interessiert, und die schiere Größe der ausgestellten Rüstungen hinterlässt bei Besuchern fast jeden Alters Eindruck.
Die Kapelle des Hl. Johannes des Evangelisten im Obergeschoss des White Tower ist eine der besterhaltenen normannischen Kapellen Englands – klein, schlicht, mit Rundbögen und massiven Säulen. Man kann sie schnell durchqueren, aber fünf Minuten in diesem Raum – vergleichsweise ruhig gegenüber dem Rest des Geländes – sind es wert, um das Gefühl von Maßstab und Alter auf sich wirken zu lassen.
Der Mittelalterliche Palast, im 13. Jahrhundert von Heinrich III. und Eduard I. erbaut, wurde teilweise mit zeitgenössischen Möbeln und bemalten Wänden rekonstruiert, um einen Eindruck der königlichen Gemächer zu vermitteln. Gemessen an späteren Palaststandards ist er bescheiden, historisch jedoch bedeutsam. Wer sich dafür interessiert, wie mittelalterliche Monarchie im Alltag funktionierte, wird hier fündig. Für weiteren Kontext zu Stätten aus dieser Ära bieten Westminster Abbey und das Banqueting House weitere Schichten der königlichen Geschichte Londons.
Tower Green und die Hinrichtungsstätte
Tower Green, die Rasenfläche im inneren Burghof, ist der Ort, an dem einige der bekanntesten Hinrichtungen des Towers stattfanden. Zu den hier Hingerichteten gehörten Anne Boleyn (1536), Catherine Howard (1542) und Lady Jane Grey (1554). Ein Denkmal aus Glas und Stein, vom Künstler Brian Catling gestaltet und 2006 eingeweiht, markiert heute den ungefähren Hinrichtungsort. Es ist zurückhaltend und leicht zu übersehen – was angesichts des sonst von Besuchern überfüllten Geländes durchaus passend wirkt.
Die Hinrichtungsstätte und Tower Green liegen im Freien und sind dem Londoner Wetter schutzlos ausgesetzt. Im Winter verleihen graue Steine, kahle Bäume und fahles Licht dem Ort eine düstere Atmosphäre, die Fotos selten einfangen. Im Sommer picknicken hier Besucher auf dem Rasen – ein schriller Kontrast, den manche als störend empfinden. Das ist keine Kritik am Ort selbst, sondern einfach die Realität einer vielbesuchten Touristenattraktion zu Stoßzeiten.
Praktisches: Was anziehen, mitnehmen und wissen
Auf dem Gelände ist man viel auf unebenem Kopfsteinpflaster und Steintreppen unterwegs. Bequeme, flache Schuhe sind sehr empfehlenswert. Viele mittelalterliche Treppenhäuser sind eng und steil, besonders in den Türmen entlang der Außenmauer. Das Gelände ist teilweise barrierefrei: Stufenfreie Wege und barrierefreie Toiletten sind am Brick Tower, am Cradle Tower und in den New Armouries vorhanden. Rollstühle können ausgeliehen werden, und ein Changing-Places-WC ist über einen RADAR-Schlüssel vom Café aus zugänglich. Eine digitale Gebärdensprachführung in britischer Gebärdensprache ist ebenfalls verfügbar. Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten vor dem Besuch die Barrierefreiheitsseite von Historic Royal Palaces auf aktuelle Wegdetails prüfen.
Auf dem Gelände gibt es ein Café und ein Restaurant, beide unter dem Dach von Historic Royal Palaces. Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis sind solide, aber nicht besonders. Wer auf den Preis achtet, isst besser vorher oder danach in einer der umliegenden Straßen. Der Tower liegt in bequemer Gehweite vom Borough Market und vom Leadenhall Market, wo es deutlich bessere Alternativen gibt.
Fotografieren ist auf dem gesamten Gelände grundsätzlich erlaubt, mit Ausnahme einiger Bereiche rund um die Kronjuwelen. Die Außenansicht des White Tower vor dem Himmel, der Blick auf die Tower Bridge von der Außenmauer und das Traitors' Gate aus der Froschperspektive sind allesamt dankbare Motive. Das Morgenlicht im März und Oktober taucht den Stein in warme Töne. Das Mittagslicht im Sommer ist flach und hart – wenn Fotografie ein Schwerpunkt ist, plane entsprechend.
ℹ️ Gut zu wissen
Der London Pass schließt den Eintritt zum Tower of London ein. Wenn du auf einer kurzen Reise mehrere kostenpflichtige Sehenswürdigkeiten besuchen möchtest, kann er sich lohnen. Vergleiche die aktuellen Pass-Preise mit den Einzelticketkosten, bevor du kaufst – es hängt von deinem Programm ab.
Für wen es sich nicht lohnt – und ehrliche Grenzen
Der Tower of London ist bedeutend – aber auch teuer und voll. Zu Stoßzeiten im Sommer kann er sich eher wie eine Freizeitparkattraktion als wie eine historische Stätte anfühlen. Wer ruhige, ungestörte Geschichte über das Spektakel der Kronjuwelen stellt, wird das Erlebnis möglicherweise nicht im Verhältnis zum Preis empfinden. Familien mit sehr kleinen Kindern sollten bedenken, dass lange Warteschlangen und enge mittelalterliche Treppenhäuser den Besuch körperlich anspruchsvoll und potenziell frustrierend machen.
Reisende mit kleinem Budget sollten wissen, dass einige der besten historischen und kulturellen Einrichtungen Londons kostenlos sind. Das British Museum und das National Maritime Museum in Greenwich bieten beide weltklasse Sammlungen ohne Eintritt. Der Tower ist seinen Preis wert, wenn du echtes Interesse an britischer Königsgeschichte, den Kronjuwelen oder mittelalterlicher Architektur mitbringst. Wenn du primär gehst, weil er auf einer Liste steht, überlege gut, ob Zeit und Geld woanders besser investiert wären.
Insider-Tipps
- Komm dienstags oder mittwochs zur Öffnungszeit – das sind die ruhigsten Wochentage. An einem Sommerwochenende ist der innere Burghof bereits um 9:30 Uhr voller Reisegruppen.
- Der Rundgang entlang der Außenmauer – über die Zinnen zwischen den Türmen – wird von vielen Besuchern übersehen, die sich auf Kronjuwelen und White Tower konzentrieren. Von den Zinnen hat man einen der besten bodennahen Ausblicke auf die Themse und die Tower Bridge in diesem Teil Londons, und es ist selten voll.
- Die letzte Yeoman-Warder-Tour startet um 15:15 Uhr. Wer am Nachmittag ankommt, hat nur diese eine Möglichkeit für die kostenlose Führung. Plane entsprechend, damit du sie nicht knapp verpasst.
- Der Tower schließt schrittweise, und das Personal beginnt in den letzten 30 Minuten recht bestimmt, Besucher Richtung Ausgang zu lenken. Wenn du ungestörte Zeit im Mittelalterlichen Palast oder in der Kapelle des Hl. Johannes möchtest, plane einen Puffer ein – spar dir diese Orte nicht für den Schluss auf.
- Die Anreise per Boot über den Tower Pier ist ein anderes Erlebnis als die U-Bahn. Ein Uber Boat vom Westminster Pier dauert etwa 20 Minuten auf dem Wasser, passiert mehrere Wahrzeichen und setzt dich direkt am Tower-Eingang ab. Es kostet etwas mehr als die Tube, aber weniger als ein Taxi – und der Blick auf die Festung vom Fluss aus ist sein Geld wert.
Für wen ist Tower of London geeignet?
- Erstbesucher in London, die die britische Königsgeschichte an einem einzigen Nachmittag erleben möchten
- Geschichtsbegeisterte mit besonderem Interesse am Mittelalter, der Tudor-Monarchie oder dem britischen Militärerbe
- Familien mit Kindern ab 8 Jahren, die Kopfsteinpflaster, Treppen und einen halben Tag auf den Beinen gut meistern können
- Architekturliebhaber, die sich für normannische und mittelalterliche Baukunst in beeindruckendem Maßstab interessieren
- Reisende, die die Kronjuwelen nicht nur fotografieren, sondern auch ihren historischen Kontext verstehen möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in The City of London:
- Leadenhall Market
Der Leadenhall Market ist eine denkmalgeschützte viktorianische Markthalle im Herzen der City of London, erbaut 1881 auf einem Gelände, das seit der Römerzeit als Handelsplatz genutzt wird. Mit seinem prachtvollen Dach aus Schmiedeeisen und Glas, den Kopfsteinpflastergassen und dem Mix aus Weinbars, Restaurants und kleinen Läden gehört er zu den stimmungsvollsten Orten in der Square Mile – und der Eintritt ist kostenlos.
- Millennium Bridge
Der London Millennium Footbridge ist eine schlanke Stahlbrücke für Fußgänger, die die City of London mit Bankside verbindet – auf der einen Seite die St Paul's Cathedral, auf der anderen die Tate Modern und Shakespeares Globe. Rund um die Uhr kostenlos begehbar, bietet sie einige der meistfotografierten Ausblicke auf die Themse und einen direkten Blick auf zwei der gegensätzlichsten Stadtsilhouetten Londons.
- Sky Garden
155 Meter über der City of London, im sogenannten Walkie-Talkie-Gebäude, bietet der Sky Garden einen Panoramablick auf die Themse, die St Paul's Cathedral und die Skyline der Stadt – und das ohne Eintritt. Der Haken: Tickets müssen im Voraus gebucht werden, und die sind schnell weg.
- St Bartholomew the Great
Gegründet im Jahr 1123 von einem Höfling König Heinrichs I., ist St Bartholomew the Great in Smithfield Londons älteste erhaltene Pfarrkirche. Der Eintritt ist frei, die normannische Architektur beeindruckend – und kaum ein anderer Ort in der Stadt vermittelt so unmittelbar das Gefühl echter Jahrhunderte.