The Lakes (Søerne): Kopenhagens ruhiger Stadtkanal
Über 3 km entlang des westlichen Stadtzentrums erstrecken sich Kopenhagens drei künstliche Seen – Sankt Jørgens Sø, Peblinge Sø und Sortedams Sø – und bilden einen der meistgenutzten öffentlichen Räume der dänischen Hauptstadt. Kostenlos, flach und rund um die Uhr zugänglich, lohnen sie sich für Spaziergänger, Läufer und alle, die sehen wollen, wie Kopenhagen wirklich lebt.
Fakten im Überblick
- Lage
- Westlicher Rand von Indre By, Kopenhagen – von der Østerbrogade (Norden) bis zur Gyldenløvesgade beim Tycho-Brahe-Planetarium (Süden)
- Anfahrt
- Metrostation Forum (M1/M2) nahe dem südlichen Ende am Sankt Jørgens Sø
- Zeitbedarf
- 45 Minuten für einen kurzen Teilabschnitt; 90 Minuten für die volle Runde von 6,3–6,6 km
- Kosten
- Kostenlos – vollständig öffentlicher Raum, kein Ticket erforderlich
- Am besten für
- Morgenläufe, Abendspaziergänge, Vogelbeobachtung, Fotografie und das alltägliche Kopenhagener Stadtleben

Was sind die Seen?
Søerne – die Seen – sind drei miteinander verbundene künstliche Seen, die die frühere westliche Stadtgrenze des historischen Kopenhagener Zentrums nachzeichnen. Die drei Gewässer, Sankt Jørgens Sø, Peblinge Sø und Sortedams Sø, sind in fünf Becken unterteilt und erstrecken sich zusammen über gut 3,2 km von Nord nach Süd. Mit einer durchschnittlichen Breite von rund 200 Metern wirken sie großzügig offen, sind aber schmal genug, dass das gegenüberliegende Ufer stets in Sichtweite bleibt.
Das hier ist kein gepflegter Park mit Eingangstoren und Eintrittspreisen. Es gibt keine Zäune, keine Kassenhäuschen und keine Öffnungszeiten – weil es keine gibt. Die Uferpfade sind öffentliches Wegegebiet, das durchgehend genutzt wird: von Berufspendlern, Frühläufern vor dem Frühstück und Rentnern, die am späten Nachmittag mit dem Hund unterwegs sind. Genau diese Alltäglichkeit macht Søerne so sehenswert – und es lohnt sich, das vor dem Besuch zu wissen.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Seen sind ein öffentlicher Außenbereich ohne Eintritt und ohne Schließzeit. Der Zugang ist kostenlos – 24 Stunden am Tag, das ganze Jahr.
Eine Geschichte, die im Wasser steht
Die Geschichte der Seen reicht bis ins 16. und 17. Jahrhundert zurück, als die Stadt Kopenhagen mehrere kleine Bäche entlang ihres westlichen Stadtrands aufstaute, um ein Verteidigungsgrabensystem zu schaffen. Wasser war ein nützliches militärisches Mittel: Breite, offene Wasserflächen verlangsamten heranrückende Truppen und gaben den Verteidigern Zeit zu reagieren. Als die Bedrohung durch Belagerungen später nachließ, wurden die Seen zu Kopenhagens wichtigstem Trinkwasserreservoir umgewidmet – eine Funktion, die sie bis weit in die Neuzeit hinein erfüllten.
Diese Entstehungsgeschichte erklärt die heutige Form der Seen. Sie sind lang, schmal und verlaufen nahezu in einer geraden Linie – der alten Stadtgrenze folgend, nicht der natürlichen Topografie. Die Brücken, die sie in regelmäßigen Abständen queren, und die breiten Fußgängerwege daneben wurden angelegt, als die Stadt im späten 19. Jahrhundert nach Westen expandierte und die Seen von Infrastruktur zu Stadtgrün wurden. Wer die Runde heute geht, folgt einer Route, die Jahrhunderte städtischen Pragmatismus widerspiegelt – kein Landschaftsdesign.
Wie der Spaziergang wirklich aussieht
Die komplette Runde um alle drei Seen umfasst etwa 6,3 bis 6,6 km auf einem größtenteils flachen Weg. Der Untergrund ist auf den meisten Abschnitten gepflastert, mit einigen Kiespassagen – das macht ihn auch für Kinderwagen und Radfahrer geeignet. Nennenswerter Hügel: keiner. Die Wege verlaufen direkt am Wasser, Bänke sind in regelmäßigen Abständen aufgestellt, und die Aussicht über jeden See bleibt auf langen Strecken unverbaut.
Jeder See hat seinen eigenen Charakter. Der Sankt Jørgens Sø, das südlichste Becken nahe dem Tycho-Brahe-Planetarium, zieht wegen der Nähe zur Metrostation Forum besonders viele Radfahrer und Pendler an. Am Peblinge Sø in der Mitte stehen die meisten Bänke, und hier sitzen auch die meisten Menschen einfach da. Der Sortedams Sø im Norden Richtung Østerbrogade ist oft der ruhigste der drei – mit etwas breiteren Uferstreifen und mehr Vogelbeobachtungsmöglichkeiten.
Wer einen längeren Stadtspaziergang plant, kann die Seen gut mit umliegenden Vierteln verbinden. Das Ostufer verläuft direkt entlang von Indre By, während das Westufer an verschiedenen Punkten Nørrebro, Vesterbro und Østerbro berührt – Søerne sind damit eine natürliche Grenzlinie und ein Übergang zwischen dem Kopenhagener Zentrum und seinen Brückenvierteln.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Am frühen Morgen sind die Seen am ruhigsten. Zwischen 6 und 8 Uhr werktags teilst du den Weg hauptsächlich mit Läufern, ein paar Gassigehern und dem gelegentlichen Radfahrer. Das Wasser ist zu dieser Zeit oft sehr still, und in den kühleren Monaten kann ein leichter Nebel über der Oberfläche liegen, der das Frühlichts auf eine Weise einfängt, die ohne fotografisches Können eindrucksvoll wirkt.
Ab Vormittag an einem sonnigen Tag – besonders im Frühling und Sommer – füllen sich die Bänke und die Wege werden deutlich belebter. Zur Mittagszeit unter der Woche strömen Büroangestellte aus den umliegenden Straßen heraus. Wochenendnachmittage sind insgesamt am vollsten: Picknickdecken erscheinen auf den Rasenflächen, Inlineskater nutzen die glatteren Wegabschnitte, und gelegentlich tauchen Kajakfahrer auf den breiteren Wasserabschnitten auf. Die Stimmung ist gesellig statt besinnlich.
Abende um den Sonnenuntergang herum lohnen es, gezielt einzuplanen. Die langen dänischen Sommerabende – im Juni kann es bis nach 21 Uhr hell sein – bedeuten, dass das Licht über dem Westufer gegen 20 bis 21 Uhr außergewöhnlich schön sein kann. Die Menge lichtet sich nach ihrem Nachmittagshöhepunkt, und der Stadtlärm nimmt leicht ab. Das ist das Zeitfenster, auf das die meisten Fotografen hinarbeiten.
💡 Lokaler Tipp
Für Fotos: Plane die Stunde nach Sonnenaufgang oder die 90 Minuten vor Sonnenuntergang ein. Der flache Lichteinfall über der Wasseroberfläche minimiert Reflexblendung und bringt die Spiegelungen der Stadtsilhouette am gegenüberliegenden Ufer zum Vorschein.
Tierwelt und Ökologie
Obwohl es sich um ein künstliches Stadtgewässer handelt, beherbergen Søerne eine bemerkenswerte Population von Wasservögeln. Höckerschwäne sind die auffälligsten Dauerbewohner – sie sind das ganze Jahr über präsent und oft nah genug am Ufer, um sie in aller Ruhe zu beobachten. Stockenten, Blässhühner und Haubentaucher sind ebenfalls häufig. Im Winter ziehen Tauchenten an, die im Sommer kaum zu sehen sind, darunter die Reiherente und gelegentlich die Bergente.
Die Seen sind keine ausgewiesenen Badegewässer. Die Wasserqualität wird aus ökologischen Gründen verwaltet, nicht zum Schwimmen, und es gibt keine offiziellen Einrichtungen für Badegäste. Kajakfahren und kleine nicht motorisierte Wasserfahrzeuge sind in bestimmten Bereichen erlaubt, und im Sommer soll es möglich sein, Tretboote zu mieten – das sollte aber vorab mit den aktuellen Vorschriften vor Ort überprüft werden.
Anreise und Fortbewegung
Der einfachste Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Metrostation Forum (M1/M2), die dich am südlichen Ende der Seen nahe dem Sankt Jørgens Sø und dem Tycho-Brahe-Planetarium absetzt. Von hier aus kannst du direkt auf den Uferpfad wechseln und bei Bedarf die gesamte Länge nach Norden ablaufen. Mehrere Buslinien fahren auch entlang der Straßen, die die Seen begrenzen, besonders auf der Ostseite.
Kopenhagen ist eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt, und mit dem Rad zu den Seen zu kommen ist oft die praktischste Option. Leihräder sind im gesamten Stadtzentrum verfügbar. Einen umfassenden Überblick über das Radfahren in Kopenhagen bietet der Radfahren-in-Kopenhagen-Guide mit Routen, Mietoptionen und Verkehrsregeln im Detail.
Die Copenhagen Card beinhaltet unbegrenzte Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, was die Anreise zu den Seen von überall in der Stadt unkompliziert macht – wobei der eigentliche Mehrwert der Karte eher beim Museumszugang als beim ÖPNV liegt.
💡 Lokaler Tipp
Wer vom Nyhavn oder der Innenstadt zu Fuß kommt: Die Seen sind vom Kongens Nytorv aus nur etwa 15 Minuten westwärts entfernt. Kein Nahverkehr nötig.
Jahreszeiten und was dich jeweils erwartet
Frühling (April bis Mai) ist wohl die schönste Jahreszeit. Die Bäume entlang der Wege treiben aus, Zugvögel kehren zurück, und die Lichtqualität verbessert sich nach den grauen Wintermonaten deutlich. Die Temperaturen sind kühl, aber angenehm zum Spazieren, und es ist weniger los als im Sommer.
Sommer (Juni bis August) bringt maximale Aktivität. Die Wege sind von morgens bis abends belebt, und die Rasenflächen am Ufer werden an Wochenenden zu informellen Treffpunkten. Wer im Sommer Ruhe sucht, ist vor 8 Uhr morgens am besten dran.
Herbst (September bis Oktober) wird unterschätzt. Das Herbstlaub am Ostufer kann beeindruckend sein, die Sommermassen sind weg, und an ruhigen Tagen wird die Seeoberfläche spiegelglatt. Zieh dich warm an – nach Sonnenuntergang kann die Temperatur schnell fallen.
Winter (November bis März) ist kalt und oft feucht. Die Seen frieren selten vollständig zu, können bei starker Kälte aber Eis ansetzen. Der Spaziergang ist weiterhin möglich und kann im klaren Winterlicht eine eigene Atmosphäre haben – rechne aber mit Temperaturen um 0 bis 4 °C und zieh dich entsprechend an. Einen umfassenden Überblick über Kopenhagen in der kälteren Jahreszeit bietet der Kopenhagen-Weihnachtsguide mit der saisonalen Stimmung quer durch die Stadt.
Für wen dieser Ort nichts ist
Wer Indoor-Kulturerlebnisse, kostenpflichtige Attraktionen oder geführte Sightseeing-Touren bevorzugt, wird bei den Seen gegenüber Kopenhagens Museen und historischen Stätten das Nachsehen haben. Das hier ist ein städtischer Spaziergang im Freien – kein Ausflugsziel mit festem Programm. Besucher mit eingeschränkter Mobilität sollten beachten, dass die Wege zwar grundsätzlich flach sind, aber einige Abschnitte unebenes Pflaster aufweisen, und es gibt keine offiziellen barrierefreien Einrichtungen entlang der Strecke.
An einem verregneten Wintertag ist das Erlebnis deutlich weniger lohnend als bei gutem Wetter. Die Wege bieten keinen Unterstand, und die umliegende Straßenlandschaft – so angenehm sie auch ist – kann nicht ersetzen, was die Seen ausmacht: der weite Blick über offenes Wasser.
Insider-Tipps
- Die nordwestliche Ecke des Sortedams Sø, nahe der Dronning Louises Bro (Königin-Luise-Brücke), ist an sonnigen Nachmittagen der Lieblingsplatz der Einheimischen. Die Brücke ist ein echtes soziales Wahrzeichen – es lohnt sich, kurz innezuhalten und den Blick nach Süden über die Seen zu genießen.
- Wenn du Runden läufst: Die volle Runde von 6,3–6,6 km ist unter Lokalläufern bestens bekannt, aber nicht ausgeschildert. Biege an der Metrostation Forum rechts ab und folge einfach dem Wasser – die Strecke ist eindeutig und ohne Unterbrechung.
- Der östliche Weg entlang der Indre-By-Seite ist oft etwas belebter mit Pendlerradfahrern. Wer lieber ruhig spaziert, ist auf den Westuferpfaden durch Nørrebro und Vesterbro an Werktägmorgen meist besser aufgehoben.
- Nimm ein Weitwinkelobjektiv mit oder nutze den Panoramamodus deines Handys an den breiteren Abschnitten des Peblinge Sø. Die flache Perspektive und die spiegelnde Wasseroberfläche sorgen für eindrucksvolle Fotos – ganz ohne Fachkenntnisse.
- Das Tycho-Brahe-Planetarium am südlichen Ende des Sankt Jørgens Sø ist ein praktischer Orientierungspunkt. Die markante zylindrische Form ist vom Weg aus gut sichtbar und hilft dir, deinen Standort auf der Runde auch ohne Karte einzuschätzen.
Für wen ist The Lakes (Søerne) geeignet?
- Läufer und Spaziergänger, die eine flache, malerische, autofreie Strecke durch ein echtes Wohnviertel suchen
- Reisende, die den Kopenhagener Alltag erleben wollen statt Touristenrouten abzulaufen
- Fotografen, die frühmorgendliche Spiegelungen oder das lange Sommerlicht am Abend einfangen wollen
- Vogelbeobachter mit Interesse an städtischen Wasservögeln, besonders im Winter, wenn Tauchenten anzutreffen sind
- Sparfüchse, die ein wirklich lohnendes kostenloses Erlebnis im Freien suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Indre By (Altstadt):
- Schloss Amalienborg
Amalienborg ist der offizielle Wohnsitz der dänischen Königsfamilie und eines der architektonisch stimmigsten Ensembles Kopenhagens. Vier nahezu identische Rokoko-Palais rahmen einen großzügigen achteckigen Platz ein, und das Amalienborg-Museum im Christian-VIII.-Palais ist für Besucher geöffnet. Die tägliche Wachablösung um 12 Uhr ist eine pünktliche, ruhige Zeremonie – es lohnt sich, den Besuch danach auszurichten.
- Der Schwarze Diamant
Der Schwarze Diamant ist der moderne Anbau der Königlichen Dänischen Bibliothek – verkleidet mit poliertem schwarzem Granit und dem Hafen auf Slotsholmen zugewandt. Der Eintritt ist frei, das Atrium ist wirklich beeindruckend, und das Gebäude erschließt sich umso mehr, je genauer man hinschaut.
- Botanischer Garten der Universität Kopenhagen
Direkt hinter dem Nørreport Bahnhof im Herzen der Stadt liegt der Botanische Garten der Universität Kopenhagen – ein 10 Hektar großes grünes Refugium mit einem viktorianischen Gewächshauskomplex, einem stillen See und rund 8.000 Pflanzenarten. Der Eintritt ins Freigelände ist kostenlos, was ihn zu einem der lohnendsten Stopps im Zentrum Kopenhagens macht.
- Schloss Christiansborg
Schloss Christiansborg liegt auf der Insel Slotsholmen im Herzen Kopenhagens und beherbergt gleichzeitig das dänische Parlament, den Obersten Gerichtshof, das Büro des Premierministers und die Königlichen Repräsentationsräume. Es gilt als einzigartiges Gebäude, das alle drei Staatsgewalten unter einem Dach vereint. Der 106 Meter hohe Turm bietet einen der besten kostenlosen Panoramablicke der Stadt.