St. Charles Streetcar: Die Fahrt, die dir New Orleans zeigt
Der St. Charles Streetcar ist mehr als nur ein Verkehrsmittel. Er fährt tagsüber häufig, nachts nur eingeschränkt – prüfe den aktuellen RTA-Fahrplan, bevor du eine späte Fahrt planst. Die Linie führt entlang einer der geschichtsträchtigsten Alleen Amerikas, vorbei an Herrenhäusern aus der Antebellum-Zeit, alten Eichen und dem ruhigen Alltagsleben von Uptown New Orleans – für gerade mal 1,25 Dollar pro Fahrt. So viel für so wenig Geld bekommst du in dieser Stadt selten.
Fakten im Überblick
- Lage
- St. Charles Avenue, vom Canal Street (CBD) durch Uptown bis zur Carrollton Avenue
- Anfahrt
- Einsteigen am Canal St & Carondelet (CBD-Ende) oder an jeder Haltestelle entlang der St. Charles Ave
- Zeitbedarf
- 40 Minuten für die gesamte Strecke einfach; 2–3 Stunden, wenn du unterwegs aussteigst und erkundest
- Kosten
- 1,25 $ pro Fahrt (passend zahlen); 3 $ für einen Tages-Jazzy-Pass mit unbegrenzten Fahrten über die RTA Le Pass App
- Am besten für
- Architekturbegeisterte, Sparreisende, Erstbesucher, Paare
- Offizielle Website
- www.norta.com

Was der St. Charles Streetcar wirklich ist
Der St. Charles Streetcar, offiziell Linie 12, ist eine echte Nahverkehrslinie – und gleichzeitig ein National Historic Landmark. Die heutigen Straßenbahnen wurden von der Perley A. Thomas Company in den Jahren 1923–24 gebaut und sind bis heute täglich im Einsatz. Die St. Charles-Linie selbst fährt seit dem 19. Jahrhundert ununterbrochen, was sie zu einer der ältesten ihrer Art in den Vereinigten Staaten macht. Das hier ist keine Touristenbahn, die Geschichte nachspielt. Das ist Geschichte – und sie tut noch immer ihren Job.
Die Linie überbrückt 21 Kilometer vom Carondelet am Canal Street im Central Business District entlang der St. Charles Avenue durch das Garden District und Uptown, mit einer Schleife um Riverbend zur Carrollton Avenue an der Claiborne. Jeder Wagen fasst bis zu 52 Fahrgäste. Die Linie fährt tagsüber häufig, nachts nur eingeschränkt – prüfe den aktuellen RTA-Fahrplan, bevor du eine späte Fahrt planst. Betreiber ist die New Orleans Regional Transit Authority (RTA).
💡 Lokaler Tipp
Lad die RTA Le Pass App herunter, bevor du einsteigst. Damit kannst du bargeldlos zahlen, Wagen in Echtzeit verfolgen und Mehrtagespässe kaufen. Wer an einem Tag mehr als ein paar Fahrten plant, hat den 3-Dollar-Tagespass sofort raus.
Die Fahrt selbst: Was du siehst und spürst
Am Canal Street eingestiegen, ruckt der Wagen mit einem ganz eigenen mechanischen Ächzen los – einem Geräusch, das irgendwie absichtlich wirkt, als hätte er sich das Recht erarbeitet, langsam zu fahren. Die Holzsitze, mit Lamellen und wendbar, damit man immer vorwärts schauen kann, haben die glatte Abnutzung eines Jahrhunderts täglicher Nutzung. Deckenventilatoren drehen sich oben. Die Fenster klappen nach unten statt zur Seite, und an kühleren Morgen fährt die halbe Wagenladung mit dem Ellbogen draußen.
Die ersten Blocks verlaufen durch das untere Ende des Garden District, wo die Stadt rasch von städtischer Dichte in wohnliche Pracht übergeht. Nach zehn Minuten öffnet sich die St. Charles Avenue zu einem breiten, eichenüberdachten Korridor. Der Neutral Ground – New Orleans' Begriff für den begrünten Mittelstreifen – ist hier breit genug für Jogger und Hundebesitzer. Die Bäume wölben sich so hoch, dass das Nachmittagslicht durch flackernden grünen Schatten auf die Gleise fällt.
Wenn der Wagen das Herz des Garden Districts erreicht, rund um Washington und Prytania, ist das Straßenbild fast schwindelerregend in seiner Großzügigkeit. Herrenhäuser im griechischen Revival- und Italianate-Stil hinter schmiedeeisernen Zäunen zurückgesetzt, tiefe Veranden, Magnolien in Blüte oder kahl je nach Jahreszeit. Manche sind makellos gepflegt. Andere zeigen den sanften Verfall des Alters im feuchten Klima – was auf seine eigene Weise schön ist.
Je weiter der Wagen Uptown fährt, desto mehr verschiebt sich die Fahrgastmischung von Touristen zu Einheimischen: Studenten der Tulane und Loyola, Familien, Menschen mit Einkaufstaschen. Das ist kein Zufall – genau das macht die Fahrt so lohnenswert. Wer die Architektur des Viertels richtig verstehen will, das man gerade durchquert, sollte dem Garden District mindestens eine Stunde zu Fuß widmen, nachdem man ausgestiegen ist.
Tickets & Führungen
Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.
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Ab 32 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungWalking the Devil's Empire tour with HELLVISION™ in New Orleans
Ab 32 €Sofortige BestätigungKostenlose StornierungThe New Orleans haunted cemetery city bus tour
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Ab 72 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Früh morgens, vor 8 Uhr, ist der Wagen spärlich besetzt und ruhig. Das Licht auf der St. Charles Avenue ist weich und tief, und die Avenue fühlt sich weniger wie ein Touristenkorridor an und mehr wie ein Viertel, das aufwacht. In der Nachteulenzeit (Mitternacht bis 6 Uhr) fährt die Bahn nur alle 36 Minuten, früh morgens (vor 7 Uhr) alle 18 Minuten – also vorher in der RTA Le Pass App nachschauen.
Mittags, von 12 bis 18 Uhr, ist die Taktfolge mit etwa alle 9 Minuten am dichtesten, und die Wagen füllen sich schnell. Die Sommerhitze zwischen Juni und August treibt die Temperaturen auf über 33 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit, und die offenen Fenster mit Deckenventilator helfen nur bedingt. Wer im Sommer fährt, sollte die Mittagszeit meiden – Morgen- oder Abendfahrten sind deutlich angenehmer.
Der Abend, besonders rund um die Dämmerung, ist die schönste Zeit für die Fahrt. Die Eichen fangen das letzte Licht ein, die Hitze lässt nach, und die Avenue nimmt ein langsameres Tempo an. Nach dem Abendessen in einen halb leeren Wagen zu steigen, während die Villen von innen beleuchtet sind, ist ein ganz anderes Erlebnis als der tagsüber betriebsame Touristenstrom.
⚠️ Besser meiden
Während Mardi Gras und großen Festivalwochenenden wird die St. Charles Avenue zur Parade-Route. Der Streetcar kann stundenlang umgeleitet oder eingestellt werden. Vor dem Festival unbedingt die RTA-Website oder die Le Pass App auf Betriebsmeldungen prüfen.
Historischer und kultureller Hintergrund
Die St. Charles-Linie hat gute Chancen, die älteste ununterbrochen betriebene Straßenbahn der Welt zu sein – ihre Ursprünge gehen auf die New Orleans and Carrollton Railroad von 1835 zurück. Diese Kontinuität, durch die Elektrifizierung 1893, durch den Niedergang und das Verschwinden der Straßenbahnkultur in den meisten amerikanischen Städten Mitte des 20. Jahrhunderts und durch Hurrikanschäden und Wiederaufbau hindurch, ist ein Grund, warum die Linie als National Historic Landmark ausgezeichnet wurde.
Die St. Charles Avenue ist untrennbar mit der Sozialgeschichte der Stadt verbunden. Die Herrenhäuser entlang ihrer Länge wurden größtenteils im 19. Jahrhundert von der amerikanischen Kaufmannsklasse erbaut, die sich nach dem Louisiana Purchase in Uptown niederließ – getrennt von der kreolischen Bevölkerung des French Quarter. Wer ein oder zwei Blocks von der Avenue abbiegt, entdeckt ruhigere Straßen mit Shotgun Houses, Doppelveranden und Eckläden. Wer mehr über die Geschichte New Orleans' erfahren möchte, findet im New-Orleans-Geschichtsführer nützlichen Kontext für das, woran man vorbeifährt.
Tennessee Williams, der in New Orleans lebte und „A Streetcar Named Desire" hier ansiedelte, griff die psychologische Textur einer Stadt auf, in der Vergangenheit und Gegenwart auf denselben Gleisen fahren. Die Linie, die er benannte, ist fiktiv – die Stadt, die er beschrieb, nicht.
Praktischer Ablauf: Einsteigen und Herumkommen
Das Canal-Street-Ende ist der logischste Startpunkt für Besucher, die aus dem French Quarter oder dem CBD kommen. Die Haltestelle an Carondelet und Canal liegt fußläufig von den meisten Downtown-Hotels entfernt. Von dort dauert die Fahrt bis zum Carrollton-Ende ohne Stops etwa 40 Minuten.
Für die meisten Besucher lohnt es sich mehr, im Garden District auszusteigen, das Viertel zu Fuß zu erkunden und dann wieder einzusteigen. Die Haltestelle bei der Washington Avenue liegt nahe am Lafayette Cemetery No. 1. Die Haltestelle bei der Napoleon Avenue bringt dich zur Magazine Street, einen Block Richtung Fluss, mit einer Mischung aus Restaurants, Antiquitätenläden und Boutiquen.
Wer mit Kindern unterwegs ist: Die Straßenbahn ist unkompliziert und gut handhabbar. Kinder unter 2 Jahren fahren gratis; Schulkinder vom Kindergarten bis Klasse 12 zahlen 0,50 $. Wer wissen möchte, was sich in der Stadt für Familien sonst noch anbietet, findet im New-Orleans-mit-Kindern-Ratgeber praktische Tipps und altersgerechte Ausflugsziele.
Barrierefreiheit: Alle RTA-Straßenbahnlinien sind ADA-zugänglich. Hörbehinderte Fahrgäste können die RTA unter TTY 504-827-7832 erreichen.
ℹ️ Gut zu wissen
Wer bar zahlt, muss passend zahlen. Das Ticket kostet 1,25 $ pro Fahrt. Senioren und Fahrgäste mit anerkannter Behinderung zahlen 0,40 $. Im Wagen gibt es keinen Wechselautomat – also Münzen und Scheine vorher bereitlegen oder einfach die Le Pass App nutzen.
Fotografie und worauf man achten sollte
Der meistfotografierte Abschnitt der Linie verläuft zwischen der Jackson Avenue und der Napoleon Avenue, wo das Eichendach sich vollständig über die Strecke schließt und der Neutral Ground am breitesten ist. Das Morgenlicht trifft die westseitig gelegenen Villen am besten am späten Nachmittag, aber frühes Licht an einem klaren Tag trifft den Tau auf den Eisenzäunen und das Moos auf den Eichen auf eine Art, die sich später kaum wiederholen lässt.
Vom vorderen Teil des Wagens aus lassen sich Gleisaufnahmen in Fahrtrichtung machen, die besonders gut wirken, wenn ein anderer Wagen auf dem Gegengleis entgegenkommt. Das grüne Äußere der Wagen vor dem Eichendach lässt sich auch gut von der Straße aus fotografieren, wenn man bereits ausgestiegen ist.
Wer seinen Aufenthalt rund ums Fotografieren plant, findet im Guide zu den schönsten Fotomotiven in New Orleans mehrere Orte, die sich direkt von den Haltestellen der St. Charles Avenue aus erreichen lassen.
Für wen das hier nichts ist (oder wer die Erwartungen anpassen sollte)
Wer hauptsächlich das French Quarter, die Nachtleben-Meile oder die Uferpromenade am Mississippi erkunden möchte, fährt mit der St. Charles-Linie in die entgegengesetzte Richtung. Das ist eine Uptown-Erfahrung. Wer eine kommentierte Stadtrundfahrt erwartet, wird enttäuscht: Das hier ist ein normales Nahverkehrsmittel, das lediglich die Haltestellennamen ansagt.
Die Fahrt ist langsam. Es wird häufig gehalten. Zu den Stoßzeiten am Tag kann es voll werden. Mobilitätseingeschränkte Reisende sollten wissen: Obwohl die Wagen ADA-zugänglich sind, kann das Einsteigen je nach Konfiguration das Überwinden einer Stufe an der Straße erfordern. Am besten die aktuelle Barrierefreiheit vorher bei der RTA erfragen.
Klimaanlage gibt es hier nicht. Im Juli oder August kann die Fahrt über die gesamte Strecke ohne Luftzug wirklich unangenehm werden. Die Empfehlung bleibt: Im Sommer morgens oder abends fahren.
Insider-Tipps
- Setz dich beim Einsteigen am Canal Street (Richtung Uptown) auf die rechte Seite des Wagens – dort hast du den besten Blick auf die villengesäumte Seite der Avenue. Links liegt der Neutral Ground, der zwar schön ist, aber architektonisch weniger eindrucksvoll.
- Am Carrollton-Ende der Linie, rund um Riverbend, landest du in der Nähe mehrerer guter Lokale und des Camellia Grill – ein klassisches Diner im Kurzbestellstil in der 626 S. Carrollton Ave. Ein natürlicher Endpunkt für die Fahrt, wenn du vor der Rückfahrt noch etwas essen möchtest.
- Wenn du den Wagen fast für dich allein haben willst, steig an einem Wochentag zwischen 9 und 11 Uhr ostwärts (Richtung Canal) ein, wenn der Berufsverkehr sich gelegt hat. Bis zum CBD-Ende hat sich der Wagen dann merklich geleert.
- Die RTA Le Pass App zeigt die Positionen der Wagen in Echtzeit. An Tagen mit Verspätungen erspart dir das, 25 Minuten ahnungslos an einer Haltestelle zu stehen.
- Der Lafayette Cemetery No. 1, direkt bei der Haltestelle Washington Avenue, öffnet an Wochentagen um 7 Uhr. Wer früh kommt, bevor die Reisegruppen eintreffen, hat den Friedhof fast für sich allein – und das ist hier wirklich etwas Besonderes.
Für wen ist St. Charles Streetcar geeignet?
- Erstbesucher, die Uptowns Architektur günstig erkunden wollen, ohne ein Auto zu mieten
- Architektur- und Geschichtsbegeisterte mit Interesse am amerikanischen Wohnungsbau des 19. Jahrhunderts
- Sparreisende: Für 1,25 $ pro Fahrt ist das die preiswerteste Sightseeing-Option in New Orleans
- Paare, die eine gemütliche Abendfahrt durch eichenüberdachte Alleen genießen möchten
- Reisende, die eine Straßenbahnfahrt mit einem Spaziergang durch das Garden District oder die Magazine Street verbinden wollen