Sendero del Bosque Encantado: Teneriffas uralter Lorbeerwald-Wanderweg
Der Sendero del Bosque Encantado führt durch das Integrale Naturreservat El Pijaral im Anaga-Gebirge – eines der letzten erhaltenen Stücke uralten Lorbeerwalds (Laurisilva) in Europa. Der Eintritt ist kostenlos, aber streng auf 45 Besucher pro Tag begrenzt, weshalb eine Vorabreservierung unbedingt erforderlich ist. Wer eine Genehmigung ergattert, erlebt einen der eindrucksvollsten Wanderwege der Insel.
Fakten im Überblick
- Lage
- La Ensillada, TF-123, Parque Rural de Anaga, Nordosten Teneriffas
- Anfahrt
- Auto erforderlich. Fahrt von Santa Cruz über die TF-12 Richtung Anaga, dann TF-123 Richtung Taganana. Kleiner Parkplatz (~10 Autos) am Startpunkt La Ensillada. Kein Linienbus fährt direkt zum Ausgangspunkt.
- Zeitbedarf
- 3–4 Stunden für die Rundtour (ca. 6,7–7 km, 260 m Höhenunterschied)
- Kosten
- Kostenlos. Die Pflichtgenehmigung ist ebenfalls gratis, aber auf 45 Personen pro Tag begrenzt – buchbar über das Reservierungsportal des Cabildo de Tenerife. Wer ohne Genehmigung den Weg betritt, riskiert ein Bußgeld von rund 600 €.
- Am besten für
- Wanderer, Naturfotografen und alle, die in völliger Stille durch Urwald spazieren wollen
- Offizielle Website
- www.tenerife.es

Was ist der Sendero del Bosque Encantado?
Der Sendero del Bosque Encantado, auch Sendero Pijaral genannt, ist ein Rundwanderweg innerhalb der Reserva Natural Integral de El Pijaral im Anaga-Gebirge. Seinen volkstümlichen Namen „Enchanted Forest Trail" verdankt er der Vegetation: knorrige, mit Moos und Lebermoosen überzogene Lorbeerbäume, deren Äste sich über dem Weg zu einem nahezu dauerhaften Blätterdach verflechten, durch das fahles Licht in wechselnden Säulen fällt. An bedeckten Morgen wirkt die Szenerie fast unwirklich.
El Pijaral genießt eine der höchsten Schutzkategorien nach kanarischem Umweltrecht. Ein Integrales Naturreservat ist keine leichtfertige Bezeichnung. Sie bedeutet, dass das Ökosystem als so ökologisch sensibel gilt, dass der menschliche Zugang aktiv eingeschränkt und nicht nur verwaltet wird. Hier wächst Laurisilva – der subtropische Reliktwald, der einst weite Teile Südeuropas und Nordwestafrikas bedeckte, bevor die Eiszeiten sein Verbreitungsgebiet auf die Inseln der Makaronesischen Region zurückdrängten. Durch ihn zu wandern fühlt sich weniger nach Erholung an und mehr wie ein Schritt in eine ökologische Zeitkapsel.
⚠️ Besser meiden
Genehmigung vorab erforderlich. Das Tageskontingent beträgt 45 Besucher. Buche deine kostenlose Genehmigung über das „Tenerife ON"-Reservierungsportal des Cabildo de Tenerife, bevor du zum Startpunkt fährst. Wer ohne Genehmigung den Weg betritt, riskiert ein Bußgeld von rund 600 € – und Ranger kontrollieren tatsächlich.
Der Wald selbst: Was du hier eigentlich durchwanderst
Laurisilva ist keine einzelne Art, sondern eine Gemeinschaft von Bäumen aus der Lorbeer-Familie, darunter Ocotea foetens, Laurus novocanariensis, Persea indica und Apollonias barbujana, ergänzt durch eine untere Schicht aus Baumheiden und Sträuchern. In El Pijaral wachsen sie in einer Dichte und Größe, die auf den Kanarischen Inseln selten zu finden ist. Die Stämme sind dick, oft seltsam schief gewachsen und so dicht mit Moosen und Farnen bewachsen, dass die Borke kaum sichtbar ist. Die Bodenschicht ist ebenso üppig: Lebermoose, Farne und Moose bilden auf den feuchteren Abschnitten des Weges einen weichen, schwammigen Teppich.
Dieser Waldtyp überlebte die pleistozänen Vergletscherungen auf den Kanarischen Inseln und Madeira, während die gleiche Vegetation auf dem europäischen Festland verschwand. Die UNESCO erkannte Anaga als Biosphärenreservat an; die bedeutendsten Welterbe-Lorbeerwälder befinden sich auf La Gomera und Madeira. El Pijaral zählt zu den herausragendsten erhaltenen Beispielen überhaupt – genau deshalb werden die Besucherzahlen so streng begrenzt.
Der Wanderweg misst etwa 6,7 bis 7 Kilometer als Rundkurs mit insgesamt rund 260 Metern Höhenunterschied. Die Pfade sind durchgehend unbefestigt und verbinden schmale Waldwege mit breiteren Erdpfaden. Einzelne Abschnitte können nach Regen matschig und selbst in Trockenperioden rutschig sein – einfach weil das Blätterdach Feuchtigkeit speichert und es noch lange nach einem Schauer tropft. Schuhe mit gutem Profil sind kein Luxus, sondern Pflicht.
So bekommst du eine Genehmigung und erreichst den Trail
Das Genehmigungssystem wird vom Cabildo de Tenerife über die Online-Plattform „Tenerife ON" verwaltet. Die Genehmigungen sind kostenlos und werden nach dem First-come-first-served-Prinzip vergeben. Angesichts des Tageslimits von rund 45 Besuchern sind beliebte Termine – vor allem Wochenenden und Feiertage – oft weit im Voraus ausgebucht. Unter der Woche ist meist mehr verfügbar, wobei das je nach Saison schwankt. Buche so früh wie deine Reisepläne es erlauben.
Der Weg beginnt an La Ensillada, einer kleinen Stelle am Straßenrand der TF-123 (Carretera de Las Vueltas) nahe Taganana im äußersten Nordosten Teneriffas. Der Parkplatz fasst etwa zehn Autos. Sind diese Plätze bei deiner Ankunft belegt, gibt es in der Nähe keine praktische Alternative. Das ist ein weiterer Grund, früh zu kommen: sowohl wegen des Parkplatzes als auch weil der Wald in den ersten Stunden des Tages am stimmungsvollsten ist.
Die Anreise erfordert ein Auto. Von Santa Cruz de Tenerife folgt die Fahrt der TF-12 ins Herz von Anaga, bevor es auf der TF-123 hinuntergeht. Die Straße ist stellenweise eng und kurvenreich. Plane mindestens 40 bis 50 Minuten von Santa Cruz ein. Kein TITSA-Bus fährt La Ensillada direkt an. Für Besucher, die im Norden der Insel untergebracht sind, bietet der Anfahrtsweg über das Dorf Taganana eine etwas andere Route. Wer kein Auto hat, kann sich einer kleinen, lizenzierten Führungsgruppe eines lokalen Anbieters anschließen – wobei zu beachten ist, dass kommerzielle Gruppen keinen Zugang zum Reservat haben.
💡 Lokaler Tipp
Komm an Wochentagen spätestens um 9 Uhr am Startpunkt an. Der Nebel hängt oft bis in den späten Vormittag im Kronendach und sorgt für die fotogensten Bedingungen. An sonnigen Tagen trocknet der Waldboden ab Mittag etwas aus, und die unwirkliche Atmosphäre ist weniger ausgeprägt.
Wie sich die Wanderung zu verschiedenen Tageszeiten anfühlt
Am frühen Morgen, besonders zwischen Oktober und März, wenn die nordöstlichen Passatwinde Wolken in das Anaga-Gebirge treiben, herrscht im Wald nahezu Stille – nur Vogelgesang und das gelegentliche Tropfen von Kondenswasser aus den Ästen über dir sind zu hören. Die Luft riecht nach feuchter Erde, Holz und einer leichten pflanzlichen Süße, die sich außerhalb des Waldes schwer beschreiben lässt. Das Licht ist gedämpft und grünlich-grau, und schon in mittlerer Entfernung verschwimmen die Bäume im Nebel.
Gegen späten Vormittag, wenn der Tag klar ist, erreichen Sonnenstrahlen Teile des Wegs und das Moos an den Bäumen nimmt einen wärmeren Farbton an. Der Wald wirkt dann weniger eingeschlossen und etwas zugänglicher. Nachmittagsbesuche sind durchaus angenehm, verlieren aber einen Teil der atmosphärischen Dichte, die den Bosque Encantado so einzigartig macht. Wer eine Genehmigung für einen Nachmittag hat und flexibel genug ist, sollte einen Morgenslot anstreben.
Das Wetter beeinflusst das Erlebnis erheblich. Regen schärft die Gerüche und vertieft das Grün, macht aber manche Abschnitte rutschig. Trockene Sommertage können einen Großteil der Feuchtigkeit und des Nebels rauben, die den Charakter des Waldes ausmachen. Der Trail ist ganzjährig über das Genehmigungssystem zugänglich, aber der Herbst bis in den frühen Frühling, wenn Anaga beständiger bewölkt ist, liefert das repräsentativste Bild davon, wie dieser Wald wirklich aussieht und sich anfühlt.
Praktischer Routenüberblick
Die Rundtour beginnt an La Ensillada und führt durch das Innere von El Pijaral zurück zum Ausgangspunkt. Der erste Abschnitt steigt stetig in den Wald hinauf, das Kronendach schließt sich schnell. Der Weg ist einigermaßen gut markiert, obwohl man an manchen Abzweigungen im Nebel aufmerksam sein muss. Die 260 Höhenmeter verteilen sich auf die gesamte Runde statt sich in einem einzigen Aufstieg zu bündeln, was den Schwierigkeitsgrad eher moderat als anspruchsvoll macht. Die meisten fiten Wanderer schaffen die Runde in drei bis vier Stunden inklusive Pausen.
Auf dem Trail gibt es keinerlei Einrichtungen: keine Toiletten, keine Wasserentnahmestellen, keine Cafés. Bring Wasser für die gesamte Wanderung mit und Essen, falls du pausieren möchtest. Das Handynetz ist im Wald unzuverlässig. Lade eine Offline-Karte herunter oder mach einen Screenshot der Route, bevor du das Auto verlässt. Der Parkplatz an La Ensillada ist nicht besetzt, und es gibt kein Besucherzentrum am Startpunkt.
- Schuhwerk: Trailrunner oder Wanderschuhe mit gutem Profil. Turnschuhe sind bei Nässe riskant.
- Kleidung: Lagen. Der Wald ist spürbar kühler als das Küsten-Teneriffa und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Eine leichte Regenjacke ist das ganze Jahr über sinnvoll.
- Wasser: Mindestens 1,5 Liter pro Person mitbringen. Auf dem Weg gibt es keine Wasserquelle.
- Kamera: Ein Weitwinkelobjektiv fängt den Kronendach-Effekt ein. Bring ein Objektivtuch mit – Nebel und Feuchtigkeit beschlagen Glas schnell.
- Genehmigung: Ausgedruckt oder als digitale Kopie mitführen. Ranger patrouillieren das Reservat und kontrollieren.
Für wen der Trail vielleicht nichts ist
Der Bosque Encantado ist nicht für jeden geeignet. Wer weite Ausblicke, dramatische Küstenlandschaften oder klar ausgeschilderte Touristenwege erwartet, wird enttäuscht sein. Die Landschaft ist vollständig von Vegetation umschlossen: Es gibt keine Panoramapunkte im Reservat. Wenn dir eindrucksvolle Küstenpanoramen am wichtigsten sind, bieten der Mirador de Humboldt oder der Wanderweg von Afur nach Taganana mehr visuelle Abwechslung in Kombination mit Anagas typischer Landschaft.
Der Trail ist für Rollstühle und Kinderwagen völlig ungeeignet. Die Wege sind uneben, stellenweise steil und können matschig sein. Jüngere Kinder können die Wanderung genießen, wenn sie sich drei oder mehr Stunden auf natürlichem Gelände wohlfühlen – aber das Fehlen jeglicher Einrichtungen macht ihn als Familienausflug mit Kleinkindern anspruchsvoll. Wer eingeschränkte Mobilität hat, sollte Alternativen in Anaga in Betracht ziehen, die leichteren und zugänglicheren Wegen folgen.
Die Genehmigungspflicht ist auch eine echte Hürde für Spontanbesucher. Wer ohne vorab gebuchte Genehmigung durch Anaga fährt, darf El Pijaral nicht legal betreten. Der Parque Rural de Teno und andere Teile des Anaga Ruralparks haben Wanderwege, die ohne Voranmeldung zugänglich sind – falls du kurzfristig eine Alternative brauchst.
Insider-Tipps
- Buche deine Genehmigung für einen Dienstag oder Mittwoch. Wochenendplätze sind oft wochenlang im Voraus ausgebucht, besonders von Oktober bis März, wenn der Wald am stimmungsvollsten ist.
- Der Parkplatz an La Ensillada fasst etwa zehn Autos. Sei vor 8:30 Uhr dort, um sicher einen Platz zu bekommen. Ist er voll, gibt es auf der TF-123 keine sichere Alternative am Straßenrand.
- Bring deine Genehmigung ausgedruckt oder als hochauflösenden Screenshot mit. Das Handynetz im Wald ist unzuverlässig, und eine Genehmigung, die nur im Browser-Tab liegt, lädt vielleicht nicht mehr, wenn ein Ranger sie sehen will.
- Die Temperatur im Wald liegt das ganze Jahr über einige Grad unter dem Küstendurchschnitt. Auch wenn es beim Losfahren in Santa Cruz 24 °C sind: Pack ein Fleece und eine leichte Regenjacke ein. Anaga hat sein eigenes Mikroklima – unabhängig von der Insel-Wettervorhersage.
- Erwarte den Nebel nicht auf Bestellung. An klaren Sommertagen kann der Wald wie ein ganz gewöhnlicher Wald wirken. Das magische Feeling hängt von Wolken und Luftfeuchtigkeit ab. Wenn die Passatwinde Wolken in den Norden der Insel schieben, ist genau das der richtige Zeitpunkt.
Für wen ist Sendero del Bosque Encantado (Enchanted Forest Trail) geeignet?
- Wanderer mit echtem Interesse an alten Ökosystemen und Reliktwald-Lebensräumen
- Natur- und Landschaftsfotografen auf der Suche nach Nebel, Moos und Kronendach-Aufnahmen
- Reisende, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Teneriffas bereits kennen und etwas völlig anderes erleben wollen
- Alleinwanderer oder Paare, die sich auf ruhigem, naturbelassenem Gelände wohlfühlen
- Besucher in den Wintermonaten, wenn die Küstenstrände weniger verlockend sind und Anagas Wald am dramatischsten wirkt
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Anaga Rural Park:
- Anaga-Gebirge & Lorbeerwald
Der Parque Rural de Anaga liegt an der zerklüfteten Nordostspitze Teneriffas und schützt einen der größten noch erhaltenen Lorbeerwälder Europas sowie eine Küstenlinie mit senkrechten Klippen, die direkt in den Atlantik fallen. Der Eintritt ist kostenlos, die Wanderwege sind wirklich wild, und die Landschaft sieht ganz anders aus als der Rest der Insel.
- Dorf Chinamada
Chinamada ist ein kleines, noch bewohntes Höhlendorf, das in den Vulkantuff der Anaga-Berge im Nordosten Teneriffas gehauen wurde. Der Besuch ist kostenlos, zu Fuß durch Lorbeerwald erreichbar und bietet eines der ungewöhnlichsten Kultur- und Landschaftserlebnisse der Insel.
- Natürliche Pools von Punta del Hidalgo
Die Piscina Natural de Punta del Hidalgo liegt an der äußersten Spitze der Nordküste Teneriffas, wo Vulkangestein auf den offenen Atlantik trifft. Der Eintritt ist kostenlos, es ist kaum was los, und die Landschaft erinnert nicht im Geringsten an den Süden mit seinen Urlaubsresorts. Das ist Teneriffa für alle, die etwas Echtes suchen.
- Playa de Benijo
Playa de Benijo ist ein schwarzer Vulkanstrand an Teneriffas abgelegener Nordostküste, eingerahmt von uralten Felsnadeln und dem dichten Lorbeerwald des Anaga Rural Park. Nur über einen steilen Pfad erreichbar – per Auto oder langer Busfahrt – belohnt er alle, die den Weg auf sich nehmen, mit rauer Atlantikkulisse und echter Einsamkeit.