Parque Rural de Anaga: Teneriffas uralter Lorbeerwald und wilde Berglandschaft
Der Parque Rural de Anaga liegt an der zerklüfteten Nordostspitze Teneriffas und schützt einen der größten noch erhaltenen Lorbeerwälder Europas sowie eine Küstenlinie mit senkrechten Klippen, die direkt in den Atlantik fallen. Der Eintritt ist kostenlos, die Wanderwege sind wirklich wild, und die Landschaft sieht ganz anders aus als der Rest der Insel.
Fakten im Überblick
- Lage
- Nordost-Teneriffa, Kanarische Inseln, Spanien. Besucherzentrum: Ctra. Las Mercedes, km 6, 38294 San Cristóbal de La Laguna.
- Anfahrt
- TITSA-Buslinie 076 von La Laguna nach Cruz del Carmen und Taganana. Mit dem Auto über die TF-12 ab Santa Cruz de Tenerife oder La Laguna.
- Zeitbedarf
- Mindestens ein halber Tag; ein ganzer Tag, wenn du mehrere Wanderwege und Aussichtspunkte kombinieren möchtest.
- Kosten
- Kostenlos. Kein Eintrittsgeld. Einige gesperrte Wege in Naturschutzgebieten benötigen eine Vorabgenehmigung (ebenfalls kostenlos).
- Am besten für
- Wanderer, Naturfotografen und alle, die dramatische Teneriffa-Landschaften abseits der Urlaubsküste erleben möchten.
- Offizielle Website
- www.webtenerife.co.uk/what-see/outdoor-attractions/parque-rural-de-anaga

Was der Parque Rural de Anaga wirklich ist
Der Parque Rural de Anaga umfasst das Macizo de Anaga, das alte Vulkanmassiv, das den Nordostarm Teneriffas bildet. Geologisch gesehen ist es weit älter als der Rest der Insel – seine Kammlinien wurden über Millionen von Jahren zu einem messerscharfen Grat aus Gipfeln und tiefen Schluchten geformt, die direkt in den Atlantik abfallen. Der Park ist groß genug, um ganz unterschiedliche Ökosysteme zu beherbergen: Die hohen Kämme sind von Laurisilva bedeckt – dem ursprünglichen Lorbeerwald, der einst weite Teile Südeuropas und der Kanarischen Inseln bedeckte, bevor er in der letzten Eiszeit verschwand. Die unteren Hänge gehen in Heidekrautgebüsch und Küstenklippen über, und ein paar kleine Dörfer klammern sich noch immer an Berghänge, die nur über enge, kurvenreiche Straßen erreichbar sind.
Die UNESCO hat das Macizo de Anaga genau wegen der Laurisilva zum Biosphärenreservat erklärt. Das hier ist kein gepflegter Waldpark im üblichen Sinne. Die Bäume – dominiert von kanarischem Lorbeer, Til und Baumheide – wachsen dicht und unregelmäßig, überzogen von Moosen und Farnen, die in der Feuchtigkeit gedeihen, die die Passatwolken an den Kämmen einfangen. Wenn du den Wald am Vormittag durchquerst, bevor die Wolken aufreißen, bewegst du dich in nahezu vollständiger Stille – unterbrochen nur vom Tropfen des Wassers und dem gelegentlichen Ruf eines Buchfinken.
💡 Lokaler Tipp
Starte am Besucherzentrum Cruz del Carmen (täglich geöffnet: Oktober bis Juni 09:30–16:00 Uhr, Juli bis September 09:30–15:00 Uhr, über Weihnachten 09:30–16:00 Uhr; geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. und 6. Januar). Die Mitarbeiter geben kostenlose Wanderkarten aus, informieren über aktuell begehbare Wege und erklären, welche Naturschutzzonen eine Vorabgenehmigung erfordern.
Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert
Wer an einem Wochentag vor 09:00 Uhr ankommt, hat die Waldwege sehr wahrscheinlich ganz für sich. Auf der TF-12, die den Kamm des Parks durchquert, ist um diese Zeit kaum Verkehr, und die einzigen Geräusche kommen aus dem Wald selbst. Nebel liegt bis zum späten Vormittag regelmäßig auf den Kämmen und filtert das Licht durch die Baumkronen, sodass die gesamte Landschaft grüner und stiller wirkt als mittags. Das ist die beste Zeit für Fotos: Das diffuse Licht eliminiert harte Schatten auf dem Waldboden, und die Feuchtigkeit lässt die Moose leuchten.
Gegen späten Vormittag treffen Tagesausflügler aus Santa Cruz und La Laguna an Cruz del Carmen und den wichtigsten Aussichtspunkten ein. Die Parkplätze an beliebten Haltepunkten können sich an Wochenenden überraschend schnell füllen, besonders am Mirador de Cruz del Carmen und den Aussichten über das Taganana-Tal. Wenn du mit dem Auto kommst, solltest du spätestens um 08:30 Uhr auf der TF-12 sein, um einen Parkplatz in der Nähe der Wanderwegstartpunkte zu ergattern.
Die Nachmittage in Anaga können sich unvorhersehbar entwickeln. Die Wolken, die vom Norden über den Kamm schwappen, können sich an feuchten Tagen nachmittags verdichten und die Sicht an den höheren Aussichtspunkten auf nahezu null reduzieren. An klaren Tagen ist das Nachmittagslicht auf den Küstenklippen außergewöhnlich schön, besonders mit Blick auf die kleinen Strände bei Benijo und Almáciga. Wenn du auf Aussichten hoffst, check die Bedingungen auf dem Weg herauf: Liegt der Kamm bei deiner Ankunft in Cruz del Carmen bereits im Nebel, ist es wahrscheinlicher, dass er sich bis Mittag auflöst, als dass er später noch aufzieht.
Der Lorbeerwald: Was dich auf den Wanderwegen erwartet
Die Laurisilva von Anaga ist technisch gesehen ein subtropischer Waldtyp – ein Reliktökosystem, das die Klimaveränderungen des Pleistozäns überlebt hat, die es vom europäischen und afrikanischen Festland verschwinden ließen. In der Praxis bedeutet das einen Wald, der sich uralt und leicht desorientierend anfühlt: Die Bäume sind nicht so hoch wie in einem gemäßigten Eichenwald, aber sie wachsen dicht in unterschiedlichen Höhen, das Unterholz ist voll von Farnen, die einem bis zur Hüfte reichen, und der Wegbelag ist oft rutschig durch nasse Wurzeln und Steine. Schuhwerk ist hier entscheidend. Trailschuhe oder richtige Wanderstiefel mit Grip sind Pflicht – Sandalen sind keine Option.
Der zugänglichste Lorbeerwald-Einstieg beginnt direkt ab Cruz del Carmen, wo beschilderte Wege den Wald bereits zwei Minuten vom Besucherzentrum entfernt erschließen. Für eine längere Walderfahrung ist der Sendero Bosque Encantado eine der meistfotografierten Waldrouten der Insel – er schlängelt sich durch besonders dichte Laurisilva oberhalb des Dorfes Chinamada. Die Atmosphäre ist wirklich besonders, aber nach Regen kann es matschig und glitschig werden.
Tiefer im Park führt der Wanderweg von Afur nach Taganana vom hohen Kamm durch eine Schlucht zur Küste hinunter und passiert dabei mehrere unterschiedliche Vegetationszonen. Das ist eine anspruchsvolle Wanderung, kein gemütlicher Spaziergang – der Rückweg beinhaltet erheblichen Aufstieg. Rechne mit mindestens vier bis fünf Stunden für diese Route und nimm ausreichend Wasser mit: Jenseits des Startpunkts gibt es keinerlei Einrichtungen.
⚠️ Besser meiden
Einige Wege innerhalb der Reserva Natural Integral-Abschnitte von Anaga erfordern eine Vorabgenehmigung der Umweltabteilung des Cabildo de Tenerife. Diese Einschränkungen schützen besonders empfindliche Ökosysteme. Informiere dich im Voraus: Das unbefugte Betreten gesperrter Zonen wird mit einem Bußgeld geahndet.
Die Dörfer und die Küste
Anaga ist nicht nur ein Waldpark. Die TF-12 führt vom Kamm schließlich hinunter in die kleine Gemeinde Taganana, eine der ältesten Siedlungen Teneriffas, die am Grund einer Schlucht über einer Handvoll schwarzer Sandstrände liegt. Das Dorf hat eine Kirche aus dem 16. Jahrhundert, ein paar Bars und trotz der rund 24 Kilometer Entfernung von Santa Cruz ein ausgeprägtes Gefühl geografischer Abgeschiedenheit. Die Fahrt vom Kamm nach Taganana verläuft auf einer einspurigen Straße mit Ausweichstellen und erfordert sicheres Fahren.
Hinter Taganana führt die Küstenstraße weiter zum Playa de Benijo, einem dunklen Sandstrand, der von Meeresinseln eingerahmt wird und von vielen Besuchern als einer der dramatischsten Küstenorte Teneriffas gilt. Es gibt keine Einrichtungen, keine Liegestuhilvermietung, keine Strandbar – nur den Strand und den Atlantik. Der Strand ist wellenexponiert und zum Schwimmen nicht zuverlässig sicher; überprüfe die Bedingungen, bevor du ins Wasser gehst.
Wer sich für die kleinen Gemeinschaften im Park interessiert, sollte das Dorf Chinamada kennen: eine Ansammlung von Häusern, die zum Teil in den Fels gebaut sind – eine der ungewöhnlicheren Siedlungen der Kanarischen Inseln, die von den Lorbeerwaldwegen aus zu Fuß erreichbar ist.
Anreise nach Anaga: Praktische Infos
Mit dem Auto ist man am flexibelsten und kann Kammstraße, mehrere Aussichtspunkte und Küste bequem an einem Tag kombinieren. Ab Santa Cruz de Tenerife folgt man den Schildern Richtung La Laguna und nimmt dann die TF-12 Richtung Las Mercedes. Die Straße steigt steil durch Eukalyptus und Kiefern an, bevor sie in den Lorbeerwald eintaucht. Die Fahrt von Santa Cruz nach Cruz del Carmen dauert ohne Stops rund 25 bis 30 Minuten. Der Parkplatz direkt am Cruz del Carmen ist kostenlos, aber begrenzt – an belebten Wochenenden ist er oft vor 10:00 Uhr voll.
Ohne Auto fahren die TITSA-Buslinien 076 und 077 vom Busbahnhof La Laguna nach Cruz del Carmen und weiter Richtung Taganana. Aktuelle Fahrpläne findest du auf der TITSA-Website – die Taktfrequenz ist begrenzt, besonders sonntags. Von La Laguna aus ist die Anreise per Straßenbahn ab Santa Cruz unkompliziert. Für allgemeine Informationen zur Fortbewegung auf der Insel findest du alles im Ratgeber zur Fortbewegung auf Teneriffa.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Bergstraße TF-12 und die Abfahrt nach Taganana sind stellenweise einspurig, mit Haarnadelkurven und in einigen Abschnitten ohne Leitplanken. Größere Fahrzeuge und unsichere Fahrer sollten vorsichtig vorgehen. Wohnmobile und Reisebusse werden auf der Abfahrt nach Taganana nicht empfohlen.
Was du mitnehmen, anziehen und wissen solltest
Lagen sind das ganze Jahr über unverzichtbar. Am Cruz del Carmen auf dem Kamm kann es spürbar kühler sein als an der Küste Teneriffas, und die Bewölkung lässt es kälter erscheinen, als das Thermometer anzeigt. Im Winter können die Temperaturen in der Höhe früh morgens einstellig werden. Im Sommer kann derselbe Ort angenehm kühl und neblig sein, während die Südküste bei 30 °C schwitzt.
- Schuhwerk: Trailschuhe oder Wanderstiefel mit Grip sind auf Waldwegen Pflicht.
- Wasser: Nimm mindestens 1,5 Liter pro Person für jede Wanderung über zwei Stunden mit; auf den Wegen gibt es keine Wasserquellen.
- Sonnenschutz: Oberhalb der Wolken ist die UV-Strahlung hoch; trag auch an bewölkten Tagen Sonnencreme auf.
- Navigation: Lade eine Offline-Karte herunter (Wikiloc und AllTrails haben beide Anaga-Routen), bevor du den Park betrittst; das Mobilfunknetz ist auf vielen Wegen unzuverlässig.
- Lagen: Eine leichte wind- oder wasserdichte Jacke ist auch im Sommer nützlich, besonders auf dem Kamm.
- Kamera mit Streulichtblende: Das Licht im Wald ist schwach und an den Wolkenrändern oft kontrastreich; eine Blende reduziert Linsenreflexe deutlich.
Anaga liegt im Norden der Insel, wo die Niederschläge höher und die Bewölkung häufiger sind als im Süden. Einen Überblick darüber, wie das Wetter die Insel das ganze Jahr über beeinflusst, gibt der Teneriffa-Wetterratgeber, der den Nord-Süd-Unterschied ausführlich erklärt.
Für wen Anaga nichts ist
Anaga ist nicht die richtige Wahl für Besucher, bei denen Sonne, Strandzugang oder einfaches Gehen auf ebenem Boden Priorität haben. Das Gelände ist steil und oft rutschig, die Straßen sind eng und anspruchsvoll, und viele der lohnenswertesten Teile des Parks erfordern echten körperlichen Einsatz. An stark bewölkten Tagen bieten die Kamm-Aussichtspunkte nur weißen Nebel, und die Waldwege verlieren zwar nicht ihre Atmosphäre, aber etwas von ihrer Dramatik.
Besucher mit eingeschränkter Mobilität werden den Großteil des Parks trotz eines vorhandenen Rollstuhl-Taxiservice für das Biosphärenreservat in der Praxis kaum zugänglich finden. Das Besucherzentrum in Cruz del Carmen ist der zugänglichste Punkt, und einige sehr kurze, flache Wegabschnitte starten in der Nähe – aber das eigentliche Parkerlebnis setzt körperliche Fitness und Trittsicherheit voraus. Wer Einrichtungen, Cafés auf dem Weg oder irgendeine Art von touristischer Infrastruktur jenseits des Besucherzentrums erwartet, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.
Insider-Tipps
- Die TF-12 durch den Park ist an Wochenendmorgen auch bei Radsportlern beliebt. Wenn du früh hochfährst, rechne damit, Radfahrer an den Haarnadelkurven zu überholen; gib ihnen Platz und überhole nie an unübersichtlichen Stellen.
- Das Besucherzentrum Cruz del Carmen hat kostenlose gedruckte Wanderkarten mit Höhenprofilen. Auf dem Weg sind sie praktischer als ein Handy, und die Mitarbeiter können dir aktuelle Sperrungen einzeichnen, bevor du losgehst.
- Die nordseitigen Hänge von Anaga bekommen deutlich mehr Feuchtigkeit als die Südseite. Wenn der Kamm bei deiner Ankunft in Wolken liegt, fahr auf der Nordseite der TF-12 Richtung Taganana hinunter: Im mittleren Höhenbereich ist es oft klarer als direkt auf dem Kamm.
- Taganana hat eine kleine lokale Bar, die mittags kanarische Küche serviert. Unkompliziert, günstig und genau das Richtige nach einem langen Wandermorgen. Komm an Wochentagen vor 13:30 Uhr, um sicher einen Tisch zu bekommen.
- Für das beste Licht am Playa de Benijo sorgt der späte Nachmittag im Herbst und Winter: lange Schatten über den Meeresinseln, die sich toll fotografieren lassen. Das Mittagslicht im Sommer ist an diesem exponierten Strand flach und grell.
Für wen ist Anaga-Gebirge & Lorbeerwald geeignet?
- Ambitionierte Wanderer, die mehrstündige Touren mit echtem Höhenunterschied und rauem Gelände suchen.
- Natur- und Tierfotografen, die Lorbeerwaldlicht, Klippenlandschaften und endemische Vogelarten im Bild festhalten wollen.
- Reisende, die den geografischen und kulturellen Kontrast zwischen dem Teneriffa der Ferienorte und dem ruhigeren, älteren Norden der Insel erleben möchten.
- Roadtrip-Besucher, die Anaga mit La Laguna und der Nordostküste für eine ganztägige Rundfahrt ab Santa Cruz kombinieren.
- Alle mit starkem Interesse an Ökologie oder Naturschutz, die durch eines der bedeutendsten noch erhaltenen Relikt-Waldökosysteme Europas wandern möchten.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Anaga Rural Park:
- Dorf Chinamada
Chinamada ist ein kleines, noch bewohntes Höhlendorf, das in den Vulkantuff der Anaga-Berge im Nordosten Teneriffas gehauen wurde. Der Besuch ist kostenlos, zu Fuß durch Lorbeerwald erreichbar und bietet eines der ungewöhnlichsten Kultur- und Landschaftserlebnisse der Insel.
- Natürliche Pools von Punta del Hidalgo
Die Piscina Natural de Punta del Hidalgo liegt an der äußersten Spitze der Nordküste Teneriffas, wo Vulkangestein auf den offenen Atlantik trifft. Der Eintritt ist kostenlos, es ist kaum was los, und die Landschaft erinnert nicht im Geringsten an den Süden mit seinen Urlaubsresorts. Das ist Teneriffa für alle, die etwas Echtes suchen.
- Playa de Benijo
Playa de Benijo ist ein schwarzer Vulkanstrand an Teneriffas abgelegener Nordostküste, eingerahmt von uralten Felsnadeln und dem dichten Lorbeerwald des Anaga Rural Park. Nur über einen steilen Pfad erreichbar – per Auto oder langer Busfahrt – belohnt er alle, die den Weg auf sich nehmen, mit rauer Atlantikkulisse und echter Einsamkeit.
- Wanderweg Afur nach Taganana
Der PR-TF 8 ist ein 14,3 km langer Rundweg im Anaga-Naturpark auf Teneriffa. Er verbindet das kleine Dorf Afur mit dem abgelegenen Ort Taganana und führt durch einen der ältesten erhaltenen Lorbeerwälder Europas. Steil, stellenweise rutschig und wirklich abgeschieden – wer ihn geht, wird mit Schluchtenblicken, nebelverhangenen Graten und kaum anderen Wanderern belohnt.