Natürliche Pools von Punta del Hidalgo: Wildes Schwimmen an Teneriffas vergessener Nordküste
Die Piscina Natural de Punta del Hidalgo liegt an der äußersten Spitze der Nordküste Teneriffas, wo Vulkangestein auf den offenen Atlantik trifft. Der Eintritt ist kostenlos, es ist kaum was los, und die Landschaft erinnert nicht im Geringsten an den Süden mit seinen Urlaubsresorts. Das ist Teneriffa für alle, die etwas Echtes suchen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Océano Índico 3, Punta del Hidalgo, San Cristóbal de La Laguna, Teneriffa
- Anfahrt
- TITSA-Buslinien 50, 105 und 224 fahren nach Punta del Hidalgo; Parkplätze sind in der Nähe vorhanden
- Zeitbedarf
- 1,5 bis 3 Stunden
- Kosten
- Kostenlos, keine festen Öffnungs- oder Schließzeiten
- Am besten für
- Schwimmer, Naturliebhaber, Fotografen und alle, die dem Touristentrubel entfliehen wollen
- Offizielle Website
- turismo.aytolalaguna.es/en/punta-del-hidalgo-2

Was die Piscina Natural de Punta del Hidalgo wirklich ist
Die Piscina Natural de Punta del Hidalgo, lokal auch als El Arenisco bekannt, ist ein großer Küstenfelspool, der in die vulkanische Küstenlinie an der nördlichsten Spitze der Halbinsel Anaga eingeschnitten ist. Mit rund 98 Metern Länge und 9 Metern Breite gehört er zu den größeren natürlichen Pools der Insel. Entstanden ist er dort, wo uralte Lavaströme am Meer erstarrten und ein natürliches Becken hinterließen, das sich mit jeder Tide füllt und erneuert.
Das hier ist kein Strand im herkömmlichen Sinne. Es gibt keinen Sand. Die Zugänge bestehen aus Vulkangestein, im mittleren Abschnitt ist das Wasser tief genug für richtige Bahnen, und die umliegenden Klippen verleihen dem ganzen Ort das Gefühl eines natürlichen Amphitheaters vor dem Atlantik. Eine niedrige Felsbarriere trennt den Pool vom offenen Wasser und nimmt die schlimmsten Wellen ab – aber das Meer ist immer hörbar und oft als tosende Gischt jenseits der Barriere sichtbar.
ℹ️ Gut zu wissen
Der Zutritt ist kostenlos, und das Gelände ist ganzjährig ohne Tore oder Einlasskontrollen zugänglich. In der Saison gibt es kommunale Rettungsschwimmer an diesem Blaue-Flagge-Pool – trotzdem solltest du den Atlantik stets respektieren. Schwimm nur, was deinen Fähigkeiten entspricht, und prüf die Seebedingungen vor dem Einstieg, besonders in den Wintermonaten, wenn der Wellengang deutlich zunimmt.
Die Kulisse: Die Anaga-Küste von ihrer dramatischsten Seite
Punta del Hidalgo liegt am östlichen Rand des Anaga-Naturpark, einem UNESCO-Biosphärenreservat, das die raue Nordostecke Teneriffas umfasst. Die Landschaft hier ist geologisch älter und ökologisch einzigartiger als der Rest der Insel. Dunkle Basaltklippen fallen steil in den Atlantik ab, die Hänge darüber sind dicht mit Lorbeerwäldern bewachsen, und das Licht hat hier eine ganz andere Qualität als im sonnengebadeten Süden.
Vom Pool aus blickst du nach Norden auf offenes Meer – kein Land zwischen dir und dem europäischen Kontinent. Die Klippen zu beiden Seiten sind in Schwarz und Rostrot geschichtet, durchzogen von Salz und Gischt. Bei Niedrigwasser liegt die gesamte Lavaplatform frei und du kannst über das Gestein spazieren, um die kleineren Gezeitentümpel zu erkunden, die von Seeanemonen, kleinen Fischen und Krabben wimmeln. Bei Hochwasser verschwindet die Plattform unter der Wasseroberfläche und der Hauptpool wird tiefer – dann ist er ein richtiges Schwimmbecken.
Das Dorf Punta del Hidalgo selbst ist klein und ruhig, mit einer Handvoll Restaurants und Bars rund um die Uferpromenade. Von der Resortinfrastruktur der Südküste ist hier nichts zu spüren – und genau das ist der Grund, warum alle, die einmal herkommen, wiederkehren.
Wie sich das Erlebnis je nach Tageszeit verändert
Der frühe Morgen ist die lohnendste Zeit für einen Besuch. Vor 9 Uhr sind die Pools fast immer menschenleer. Das Licht aus dem Osten fällt flach auf das Wasser und taucht die Oberfläche in Kupfer und Silber. Die Luft riecht nach Salz und nassem Stein, und die einzigen Geräusche sind das Rauschen der Wellen durch die äußere Barriere und ab und zu der Schrei eines Seevogels. Für Schwimmer ist das das ideale Zeitfenster.
Gegen späten Vormittag kommen die einheimischen Familien, besonders an Wochenenden und Feiertagen. Dann bekommt der Pool seinen geselligen Charakter: Kinder springen von den unteren Felsvorsprüngen, ältere Einwohner sitzen im Schatten auf den Steinen, Jugendliche ziehen ihre Bahnen im breiten Mittelteil. Das ist eine einheimische Szene, keine touristische – und dieser Unterschied ist spürbar.
Der Mittag im Sommer kann intensiv sein. Das schwarze Vulkangestein speichert und strahlt Hitze ab, und Schatten auf Poolebene ist kaum vorhanden. Bring Wasser, Sonnenschutz und geeignetes Schuhwerk für nassen Fels mit. Wasserschuhe mit Gummisohle sind hier wirklich sinnvoll – nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme.
Der späte Nachmittag bringt weiches Licht und kühlere Temperaturen. Die Fotomotive aus dieser Perspektive sind außergewöhnlich, besonders wenn Wolken vom Anaga-Kamm hinter dem Dorf herunterziehen und das letzte Sonnenlicht einfangen. Wer Schwimmen mit einem Abendessen verbinden möchte, trifft gegen 16 Uhr am besten ein und spaziert danach zu einem der Restaurants an der Uferpromenade – ein fast perfekter Nachmittag.
💡 Lokaler Tipp
Trag Wasserschuhe. Das Vulkangestein rund um die Poolränder ist scharf und uneben. Das ist kein übertriebener Ratschlag – es ist der Unterschied zwischen einem schönen Besuch und einem schmerzhaften.
Schwimmbedingungen und Sicherheit im Meer
Die natürliche Barriere des Pools dämpft den Wellengang im Schwimmbereich spürbar, eliminiert ihn aber nicht vollständig. An ruhigen Sommertagen ist das Wasser spiegelglatt, und die Sicht unter Wasser kann mehrere Meter in klares blaues Atlantikwasser reichen. An raueren Tagen macht sich auch im geschützten Pool ein merkliches Schieben bemerkbar, das durch die Lücken im äußeren Fels dringt. Erfahrene Schwimmer werden das als Bereicherung empfinden. Weniger sichere Schwimmer, Kinder und alle, die sich im offenen Wasser unsicher fühlen, sollten die Bedingungen vor dem Einstieg sorgfältig einschätzen.
In den Wintermonaten, grob von Oktober bis März, bringen die größten Atlantikwellen an die Nordküste Teneriffas. In diesen Zeiten kann die äußere Felsplattform von Wellen überspült werden und der Pool selbst unruhig sein. Bei gelber oder roter Küstenwarnung des spanischen Wetterdienstes AEMET ist vom Schwimmen abzuraten. Da der Standort Blaue-Flagge-Status hat und in der Saison kommunale Rettungskräfte und ausgehängte Bedingungsanzeigen vorhanden sind, ist ein Blick auf die AEMET-Vorhersage vor dem Besuch eine echte Notwendigkeit – keine übertriebene Vorsicht.
Für einen Überblick über alle Schwimmoptionen an Teneriffas Küste, einschließlich ruhigerer abgeschlossener Pools auf der gesamten Insel, lies den Ratgeber zu den natürlichen Schwimmpools auf Teneriffa.
Anreise: Der Weg ist ein Teil des Erlebnisses
Punta del Hidalgo liegt am Ende der TF-13, die von La Laguna entlang der Nordostküste durch eine Reihe kleiner Landwirtschafts- und Fischerdörfer schlängelt. Die Fahrt dauert von La Laguna aus etwa 30 bis 40 Minuten und lohnt es, als malerische Route statt als schnelle Durchfahrt behandelt zu werden. Die Straße wird enger, je mehr man sich der Küste nähert, und die Aussichten auf den Ozean werden in den letzten Kilometern immer beeindruckender.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt TITSA mit den Buslinien 50, 105 und 224 nach Punta del Hidalgo. Aktuelle Fahrpläne und Preise direkt auf der TITSA-Website prüfen, da Fahrpläne Änderungen unterliegen. Der nächste städtische Verkehrsknotenpunkt ist La Laguna, das auch von der Tranvía de Tenerife aus Santa Cruz angefahren wird.
Parkplätze sind im Dorf nahe der Uferpromenade vorhanden. An Sommerwochenenden sind sie bis zum späten Vormittag voll. Wer vor 9 Uhr ankommt, löst das Parkplatz- und das Menschenproblem auf einmal.
⚠️ Besser meiden
Die Straße nach Punta del Hidalgo ist stellenweise eng. Große Mietwagen und Wohnmobile könnten auf dem letzten Abschnitt Schwierigkeiten haben. Normale Pkw haben kein Problem.
Barrierefreiheit und praktische Einrichtungen
Der Standort ist in lokalen Verzeichnissen als barrierefrei gelistet, und die kommunale Dokumentation des Ayuntamiento de La Laguna verweist auf angepasste Zugänge und barrierefreie Routen zum Küstenbadebereich. In der Praxis ist das Hauptpoolgelände über einige Wege entlang der Uferpromenade stufenfrei erreichbar, das Vulkangestein selbst ist jedoch uneben und erfordert bei eingeschränkter Mobilität Vorsicht. Besucher mit speziellen Bedürfnissen sollten sich direkt an das Ayuntamiento de La Laguna wenden, um aktuelle Informationen zur Infrastruktur zu erhalten.
Am Pool selbst gibt es keine Umkleidekabinen. Öffentliche Toiletten befinden sich im Dorf, einen kurzen Fußweg vom Wasser entfernt. Mehrere kleine Bars und Restaurants an der Uferpromenade servieren den ganzen Tag über Essen und Getränke. Schatten auf Poolebene ist kaum vorhanden – in den wärmeren Monaten ist eigener Sonnenschutz unverzichtbar.
Punta del Hidalgo mit der weiteren Anaga-Region kombinieren
Die Pools eignen sich hervorragend als Ziel eines ausgedehnten Anaga-Tagesausflugs. Die Anaga-Berge oberhalb der Küste bieten einige der dramatischsten Wanderungen der Insel – Lorbeerwaldpfade, die sich wirklich abgelegen anfühlen, obwohl sie weniger als eine Stunde von der Hauptstadt entfernt sind.
Das Dorf Taganana liegt auf dem Rückweg nach La Laguna und ist ein naheliegender Stopp für Mittag- oder Kaffee. Es ist eine der ältesten durchgehend besiedelten Ortschaften Teneriffas, in einem schmalen Tal gelegen, das zum Meer hin geöffnet ist, und seine Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Für einen längeren Wandertag führt der Wanderweg von Afur nach Taganana durch das Anaga-Innere bis zur Küste – mit einem Schwimmbad an den Pools als verdiente Belohnung am Ende. Diese Route erfordert einen Auto-Shuttle oder eine Rückfahrt mit dem Bus und dauert für die meisten Wanderer etwa vier bis fünf Stunden.
Insider-Tipps
- Das Wasser ist in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang an ruhigen Tagen am klarsten und stillsten. Wer früh aufsteht, hat den ganzen Ort oft ganz für sich allein.
- Die Felsvorsprünge auf der Ostseite des Pools fangen das Morgenlicht ein und sind die besten Plätze zum Trocknen zwischen den Schwimmeinlagen. Die Westseite liegt bis in den späten Vormittag im Schatten und ist kühler unter den Füßen.
- Schnorcheln im Pool lohnt sich überraschend. An den Vulkanfelswänden tummeln sich kleine Riffische, Seeigel und gelegentlich Tintenfische in den tieferen Spalten. Bring eine Maske und Flossen mit, wenn du welche hast.
- Die Strandbar gleich neben den Pools öffnet früh und serviert starken Kaffee und frisches Gebäck. Sie ist auch ein inoffizieller Wettermesser – die Fischer, die auf den nahen Felsen angeln, haben ein gutes Gespür dafür, wann die Bedingungen sich verschlechtern.
- Wer im Spätwinter am Nachmittag kommt, erlebt ein besonderes Schauspiel: Das Licht auf den Anaga-Klippen im Westen wird etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang außergewöhnlich schön. Selbst wenn das Schwimmen wegen Wellengang ausfällt, lohnt sich der Spaziergang auf dem Küstenpfad oberhalb der Pools.
Für wen ist Natürliche Pools von Punta del Hidalgo geeignet?
- Schwimmer, die echte Atlantik-Felspools erleben wollen statt künstlich angelegte Strandbäder
- Fotografen auf der Suche nach dramatischen Nordküsten-Landschaftsaufnahmen ohne Resortinfrastruktur im Bild
- Familien mit sicheren jungen Schwimmern, die einen authentischen, nicht-kommerziellen Strandtag verbringen wollen
- Wanderer, die die Pools als Endpunkt einer Anaga-Wanderung nutzen
- Reisende, die die Resorts der Südküste schon kennen und eine andere Seite Teneriffas entdecken möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Anaga Rural Park:
- Anaga-Gebirge & Lorbeerwald
Der Parque Rural de Anaga liegt an der zerklüfteten Nordostspitze Teneriffas und schützt einen der größten noch erhaltenen Lorbeerwälder Europas sowie eine Küstenlinie mit senkrechten Klippen, die direkt in den Atlantik fallen. Der Eintritt ist kostenlos, die Wanderwege sind wirklich wild, und die Landschaft sieht ganz anders aus als der Rest der Insel.
- Dorf Chinamada
Chinamada ist ein kleines, noch bewohntes Höhlendorf, das in den Vulkantuff der Anaga-Berge im Nordosten Teneriffas gehauen wurde. Der Besuch ist kostenlos, zu Fuß durch Lorbeerwald erreichbar und bietet eines der ungewöhnlichsten Kultur- und Landschaftserlebnisse der Insel.
- Playa de Benijo
Playa de Benijo ist ein schwarzer Vulkanstrand an Teneriffas abgelegener Nordostküste, eingerahmt von uralten Felsnadeln und dem dichten Lorbeerwald des Anaga Rural Park. Nur über einen steilen Pfad erreichbar – per Auto oder langer Busfahrt – belohnt er alle, die den Weg auf sich nehmen, mit rauer Atlantikkulisse und echter Einsamkeit.
- Wanderweg Afur nach Taganana
Der PR-TF 8 ist ein 14,3 km langer Rundweg im Anaga-Naturpark auf Teneriffa. Er verbindet das kleine Dorf Afur mit dem abgelegenen Ort Taganana und führt durch einen der ältesten erhaltenen Lorbeerwälder Europas. Steil, stellenweise rutschig und wirklich abgeschieden – wer ihn geht, wird mit Schluchtenblicken, nebelverhangenen Graten und kaum anderen Wanderern belohnt.