Punta La Marmora: Auf dem Dach Sardiniens
Mit 1.834 Metern ist die Punta La Marmora der höchste Punkt Sardiniens und der Gipfel des Gennargentu-Massivs. Wer den Aufstieg wagt, wird mit Panoramablicken über das raue Inselinnere belohnt – und mit dem Gefühl, Sardinien so zu erleben, wie es die meisten Besucher nie zu Gesicht bekommen.
Fakten im Überblick
- Lage
- Gennargentu-Gebirge, Gemeinden Desulo und Arzana, Provinz Nuoro, Sardinien
- Anfahrt
- Mit dem Auto über die SP7 (Straße Fonni–Desulo); nächste Flughäfen sind Cagliari (CAG) und der Bereich Arbatax. Kein öffentlicher Nahverkehr zum Ausgangspunkt.
- Zeitbedarf
- 4–7 Stunden für die Rundtour, je nach Route und Kondition
- Kosten
- Kostenlos – offenes Berggelände ohne Eintritt
- Am besten für
- Wanderer, Landschaftsfotografen und alle, die Sardiniens wildes Inselinneres entdecken möchten

Was die Punta La Marmora wirklich ist
Die Punta La Marmora ist der höchste Gipfel Sardiniens und ragt im Gennargentu-Gebirge im zentralöstlichen Inselinneren auf 1.834 Meter (ca. 6.017 Fuß) auf. Auf Sardisch heißt sie Perdas Carpìas und liegt auf der Grenze zwischen den Gemeinden Desulo und Arzana in der Provinz Nuoro, mitten in der Bergregion Barbagia. Der italienische Name ehrt Alberto La Marmora, einen Militäroffizier und Naturforscher des 19. Jahrhunderts, der Sardinien geografisch eingehend erforschte.
Hier gibt es kein Besucherzentrum, keine Seilbahn und kein Café am Gipfel. Das ist ein echter Berggipfel, den man zu Fuß über offene Grate und felsiges Gelände erreicht – durch Landschaften, die sich weit entfernt von allem anfühlen. Das Gennargentu-Massiv erstreckt sich über weite Teile Zentralsardiniens, und seine Gipfel, Täler und Korkeichenwälder sind eine ganz andere Welt als die Küstenorte, die die meisten Reisenden auf ihrer Route haben.
Zur geografischen Einordnung: Die Punta La Marmora liegt im Gebiet des Parco Nazionale del Gennargentu, der einen Großteil dieses Hochlandes schützt. Die umliegende Region Ogliastra gehört zu den am wenigsten touristisch erschlossenen Teilen Sardiniens – und zu den lohnendsten für alle, die bereit sind, die Küste hinter sich zu lassen.
Anreise: So kommst du zum Ausgangspunkt
Ein eigenes Fahrzeug ist für die Anreise zum Ausgangspunkt unverzichtbar. Es gibt keine Buslinie, die auch nur annähernd an die Bergzufahrten herankommt. Die übliche Route führt über die SP7 zwischen Fonni und Desulo in Richtung Bruncu Spina, wo im Winter ein Skigebiet in Betrieb ist. Im Sommer steht die Infrastruktur zwar still, die Zufahrtsstraße ist aber geöffnet, und die Parkplätze rund um das Rifugio S'Arena sind ein praktischer Ausgangspunkt für die Wanderung.
Vom Flughafen Cagliari Elmas (CAG) dauert die Fahrt unter normalen Bedingungen etwa zwei Stunden. Aus dem Osten, vom Bereich Arbatax, führt die Route über die SS125d, SS198, SS389 und SP7 durch immer beeindruckendere Berglandschaften. Achtung: Einige Straßenabschnitte nahe dem Ausgangspunkt sollen in schlechtem Zustand sein – ein Fahrzeug mit etwas Bodenfreiheit ist ratsam, und es lohnt sich, vor der Abfahrt in lokalen Wanderforen nach aktuellen Straßenbedingungen zu schauen.
⚠️ Besser meiden
Verlasse dich in dieser Gegend nicht allein auf das GPS. Das Mobilfunknetz ist im Gennargentu unzuverlässig, und manche Karten-Apps leiten Fahrzeuge auf Wege, die für normale Autos ungeeignet sind. Lade Offline-Karten und eine GPX-Datei herunter, bevor du deine Unterkunft verlässt.
Die Wanderung: Wie der Weg aussieht
Die meistgenutzte Route startet im Bereich der Skistation Bruncu Spina und folgt einem breiten Grat in Richtung Südwesten zum Gipfel. Das Gelände ist offen, grasig und in den oberen Abschnitten windgeprägt, mit zunehmend felsigen Abschnitten, je höher man steigt. Der Gratweg selbst ist nach alpinen Maßstäben technisch nicht anspruchsvoll, aber die Höhenmeter, das exponierte Gelände und fehlender Schatten machen gute körperliche Kondition und solide Vorbereitung unverzichtbar.
Unterhalb des oberen Grats wechselt die Landschaft zwischen Macchia-Gestrüpp, Felsbrocken und – im Frühling – bunten Wildblumenteppichen auf den Hängen. Hier oben dominieren Wind und gelegentliche Vogelrufe, von menschlichen Geräuschen keine Spur. Steinadler und Gänsegeier sind im Gennargentu heimisch, und Sichtungen am oberen Grat sind nicht selten.
Der Gipfel selbst ist markiert und bietet bei klarer Sicht Ausblicke über weite Teile Sardiniens. Im Osten sind die Küste von Ogliastra und der Golf von Orosei zu sehen, im Westen rollt das Land hinunter zur Campidano-Ebene. An außergewöhnlich klaren Tagen ohne Dunst kann man von einem einzigen Punkt aus den größten Teil der sardischen Küste überblicken. Das ist die Belohnung für den Aufstieg.
💡 Lokaler Tipp
Früh starten. Das Gipfelplateau bietet keinen Schatten, und die Nachmittagssonne ist im Sommer intensiv. Ein früher Start gibt dir außerdem die beste Chance auf klare Luft, bevor der Hitzedunst aufzieht. Versuche, vor dem Mittag am Gipfel zu sein.
Die beste Reisezeit: Wann du gehen solltest und was dich erwartet
Spätes Frühjahr und früher Herbst sind die zuverlässigsten Zeitfenster für diese Wanderung. Von Mitte Mai bis Juni ist die Vegetation am üppigsten, die Temperaturen am Berg sind angenehm, und das Risiko sommerlicher Gewitter ist geringer als im Juli und August. September und Oktober bringen kühlere, beständigere Luft und oft ausgezeichnete Sicht.
Im Hochsommer, also Juli und August, ist die Wanderung durchaus machbar, erfordert aber einen frühen Start. Am Gipfel ist es deutlich kühler als an der Küste, aber der offene Grat liegt den ganzen Tag in der Sonne, und nachmittags können über dem Gennargentu schnell Gewitter aufziehen, oft ohne viel Vorwarnung. Wenn sich bis zum späten Vormittag Wolken aufbauen, solltest du umkehren.
Der Winter stellt eine ganz andere Herausforderung dar. Am oberen Grat und Gipfel liegt Schnee, und der Bereich Bruncu Spina funktioniert in dieser Zeit als Skigebiet. Der Berg ist im Winter nicht gesperrt, aber die Wanderung erfordert Erfahrung mit Schnee- und Eisverhältnissen sowie entsprechende Ausrüstung. Das ist kein Ausflug für Unvorbereitete.
Einen umfassenden Überblick darüber, wann die Bedingungen auf der Insel für verschiedene Aktivitäten am besten sind, gibt der beste Reisezeit für Sardinien-Guide mit allen saisonalen Details.
Ausrüstung und Kleidung
Der Berg ist das ganze Jahr über ungnädig gegenüber schlecht vorbereiteten Besuchern. Selbst an warmen Sommertagen ist eine packbare Windjacke Pflicht, denn der Grat ist exponiert und der Wind kann beißend sein. Im Frühjahr und Herbst kommt eine wärmende Zwischenschicht dazu. Wasserdichte Bergschuhe oder Trailrunning-Schuhe mit Knöchelunterstützung sind angemessen – das Gelände ist stellenweise felsig und uneben.
- Mindestens 2 Liter Wasser pro Person – auf dem oberen Weg gibt es keine zuverlässige Wasserquelle
- Sonnenschutz: Hut, Sonnencreme und Sonnenbrille (die UV-Strahlung in der Höhe ist erheblich)
- Eine wind- und wasserdichte Jacke, auch im Sommer
- Offline-Karten und eine heruntergeladene GPX-Route
- Snacks oder ein Lunchpaket – auf dem Berg gibt es nichts zu essen oder zu trinken
- Vollständig aufgeladenes Handy mit gespeicherten Notfallnummern, darunter 112 (EU-Notruf)
Fotografieren und das Licht am Grat
Das Morgenlicht im Gennargentu ist außergewöhnlich. In der ersten Stunde nach Sonnenaufgang taucht das Licht die Grate in warmes Gold, während die Täler darunter noch im Schatten liegen – eine geschichtete Landschaft, die sich zu keiner anderen Tageszeit so reproduzieren lässt. Wer für einen Start in der Morgendämmerung zur Trailhead-Zufahrt fährt, findet schon auf der Bergstraße lohnenswerte Motive.
Am Gipfel liefern morgens Aufnahmen nach Westen und nachmittags nach Osten die besten Ergebnisse. Der Küstendunst, der sich im Sommer am Nachmittag aufbaut, flacht die Fernsicht ab – die klarsten Bedingungen für Fotos gibt es früher am Tag. Ein Weitwinkelobjektiv erfasst die Breite des Grats gut; ein längeres Brennweite holt bei klarer Sicht die Küstendetails heran.
Wer die Gennargentu-Landschaft über diesen einen Gipfel hinaus erkunden möchte: Die anspruchsvolle Wanderroute Selvaggio Blu zieht sich entlang der Küstenklippen Ogliastras im Osten, und die Gola di Su Gorropu-Schlucht liegt im selben Gebiet.
Für wen diese Wanderung geeignet ist – und für wen nicht
Die Punta La Marmora ist eine lohnende Tour, aber sie verlangt eine ehrliche Selbsteinschätzung, bevor du dich festlegst. Die Standardroute ab Bruncu Spina ist für halbwegs fitte Wanderer mit grundlegender Geländeerfahrung machbar. Es handelt sich nicht um eine technische Klettertour, und der Weg ist bei guten Bedingungen klar markiert. Die Abgeschiedenheit des Ortes, die fehlende Infrastruktur am Berg und die Möglichkeit rascher Wetterumschwünge machen diesen Ausflug jedoch ungeeignet für Anfänger, Kleinkinder oder alle, die ohne angemessenes Schuhwerk und Ausrüstung unterwegs sind.
Reisende, deren Hauptfokus auf Stränden und Küstenorten liegt, werden Fahrt und Aufwand möglicherweise als unverhältnismäßig empfinden – gemessen daran, was der Gipfel bietet, verglichen mit einem Morgen an einem der großartigen Küstenorte Sardiniens. Der Ausblick ist spektakulär, aber er erschließt sich nicht dem passiven Besucher. Wer einen einfachen Aussichtspunkt sucht, ist hier falsch. Wer eine echte Wanderung in einer wild wirkenden Landschaft will, findet hier eine der besten Optionen der Insel.
Reisende, die Sardiniens Innenland umfassender erkunden möchten, sollten auch die Region Barbagia und Nuoro in Betracht ziehen, die den Gennargentu umgibt und Berglandschaften mit kultureller und kulinarischer Tiefe verbindet. Der Wandern auf Sardinien-Guide bietet einen vollständigen Überblick über alle Wandermöglichkeiten auf der Insel, wenn du eine wanderfokussierte Reise planst.
Insider-Tipps
- Die Skiseilbahn an der Station Bruncu Spina fährt im Sommer gelegentlich auch für Wanderer und Mountainbiker – das spart am Anfang ordentlich Höhenmeter. Frag vor Ort nach, ob der Lift in Betrieb ist, denn online wird das kaum zuverlässig kommuniziert.
- Füll deine Wasserflaschen vor der Abfahrt in Desulo oder Fonni auf. Im Gennargentu gibt es zwar Quellen, aber verlasse dich nicht darauf, ohne aktuelle lokale Informationen zu haben.
- Die Zufahrtsstraße von der SP7 Richtung Gipfel kann nach dem Winter stark ausgebessert sein. Lokale Wandervereine in Desulo posten im Frühjahr manchmal Wegberichte in sozialen Medien – lohnt sich, ein paar Tage vorher nachzuschauen.
- An klaren Morgen im September und Oktober sieht man vom Gipfel gleichzeitig die Ost- und Westküste Sardiniens. Das ist es wert, den Besuch danach auszurichten – im Sommer verschleiert der Dunst oft den Blick bis zur Küste.
- Der Bereich Rifugio S'Arena bei der Skistation Bruncu Spina ist ein guter Orientierungspunkt für Parkplatz und Wegstart. Verlasse dich aber nicht darauf, dass das Rifugio zum Essen oder Übernachten geöffnet ist – das ist nur zu bestimmten Zeiten der Fall, also vorher nachfragen.
Für wen ist Punta La Marmora geeignet?
- Erfahrene Tageswanderer, die Sardiniens höchsten Gipfel erklimmen möchten
- Landschaftsfotografen, die Weitblicke über das Inselinnere suchen
- Reisende, die Ogliastra und den Gennargentu jenseits der Küste erkunden
- Naturbegeisterte, die sich für Sardiniens endemische Bergflora und -fauna interessieren
- Roadtrip-Routen durch Zentralsardinien mit Kombination aus Berg und Küste
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Ogliastra:
- Capo Comino Dünen & Strand
Ein drei Kilometer langer Streifen aus weißem Sand und windgeformten Dünen an Sardiniens Ostküste, unweit von Siniscola. Das flache Meer, der freie Zugang und historische Schiffswracks vor der Küste machen ihn zu einem der markantesten Strände der Provinz Nuoro.
- Grotte Su Marmuri (Ulassai)
Die Grotte Su Marmuri ist eine weitläufige, lebendige Kalksteinhöhle, die in das felsige Hochland oberhalb des Dorfes Ulassai in Ogliastra im Osten Sardiniens eingebettet ist. Mit Kammern von bis zu rund 50 Metern Höhe, aktiven Stalaktitenformationen und einer konstanten Innentemperatur von 10°C bietet sie eines der beeindruckendsten Höhlenerlebnisse der Insel. Zutritt nur mit geführter Tour, Dauer ca. 1,5 Stunden.
- Parco Nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu
Rund 74.000 Hektar raues Bergland, Schluchten und unberührte Küste in Ost-Sardinien – das Gebiet, das meist als Gennargentu-Nationalpark bezeichnet wird, ist das ambitionierteste Schutzgebietsprojekt der Insel. Vom höchsten Gipfel Sardiniens bis zu den senkrechten Meereskliffs des Golfo di Orosei zeigt sich hier die Insel von ihrer ursprünglichsten Seite.
- Rocce Rosse di Arbatax
Die Rocce Rosse di Arbatax sind eine Formation aus tiefroten Porphyrfelsen, die bis zu etwa 15 Meter aus dem Tyrrhenischen Meer aufragen – direkt an der Ogliastra-Küste Sardiniens. Der Eintritt ist kostenlos und ganzjährig möglich. Die Felsen liegen nur wenige Schritte vom Hafen und dem Bahnhof des Trenino Verde entfernt und gehören damit zu den am leichtesten erreichbaren Natursehenswürdigkeiten an der Ostküste der Insel.