Rocce Rosse di Arbatax: Sardiniens rote Porphyrfelsen aus der Nähe
Die Rocce Rosse di Arbatax sind eine Formation aus tiefroten Porphyrfelsen, die bis zu etwa 15 Meter aus dem Tyrrhenischen Meer aufragen – direkt an der Ogliastra-Küste Sardiniens. Der Eintritt ist kostenlos und ganzjährig möglich. Die Felsen liegen nur wenige Schritte vom Hafen und dem Bahnhof des Trenino Verde entfernt und gehören damit zu den am leichtesten erreichbaren Natursehenswürdigkeiten an der Ostküste der Insel.
Fakten im Überblick
- Lage
- Spiaggia delle Rocce Rosse, Arbatax (Ortsteil von Tortolì), ehemalige Provinz Ogliastra (heute Provinz Nuoro), Sardinien
- Anfahrt
- Der SS125 in Richtung Hafen Arbatax folgen, dann den Schildern zu den Rocce Rosse folgen. Das Gelände liegt nur wenige Gehminuten östlich des Hafens, direkt vor dem Bahnhof des Trenino Verde.
- Zeitbedarf
- 30–90 Minuten für die meisten Besucher; länger, wenn du schwimmen oder schnorcheln möchtest
- Kosten
- Kostenlos. Kein Ticket oder Eintrittsgeld erforderlich. Rund um die Uhr geöffnet, das ganze Jahr.
- Am besten für
- Geologie-Fans, Fotografen, Schwimmer, Schnorchler, Roadtripper auf der SS125
- Offizielle Website
- www.sardegnaturismo.it/en/explore/rocce-rosse

Was du hier eigentlich siehst
Die Rocce Rosse di Arbatax sind kein Strand im üblichen Sinne. Es handelt sich um ein beeindruckendes Felsgebilde aus rotem Porphyr und Granit vulkanischen Ursprungs – genau das eisenreiche Gestein, das diesem Abschnitt der Ogliastra-Küste seine unverwechselbare Purpurfarbe verleiht. Die Hauptfelswand ragt etwa 15 Meter über den Meeresspiegel und ist Teil einer weitgehend untergetauchten Porphyr-Rippe, die sich unter Wasser fortsetzt. Die Farbe verändert sich je nach Lichteinfall: Mittags im Hochsommer wirken die Felsen fast terrakottafarben; in der goldenen Stunde leuchten sie in einem tiefen Rostrot, für das Fotografen weite Umwege in Kauf nehmen.
Die flache Fläche ringsherum war einst ein aktiver Porphyr-Steinbruch. In den 1950er Jahren wurde hier Stein für den Hafenbau gewonnen, was die ursprüngliche Felsformation verkleinert hat. Was übrig geblieben ist, bleibt dennoch beeindruckend, und der alte Steinbruchboden ist heute ein gepflasterter Platz, auf dem Besucher parken, sich versammeln und zum Wasser gehen. Diese industrielle Vergangenheit gibt dem Ort eine besondere Atmosphäre: geologisches Spektakel umgeben von den Überresten menschlichen Abbaus.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Rocce Rosse liegen direkt vor dem Bahnhof des Arbatax Trenino Verde. Wer mit dem schmalspurigen Touristenzug von Mandas ankommt oder abfährt, hat die Felsen sofort beim Aussteigen vor Augen.
Wie sich das Erlebnis im Laufe des Tages verändert
Der frühe Morgen ist die ruhigste Zeit. Vor 9 Uhr fällt das Licht aus dem Osten direkt auf die Felswand und sättigt das rote Pigment im Stein. Das Meer ist zu dieser Stunde meist ruhig, und die Spiegelungen auf dem Wasser sind scharf. Der Hafen erwacht gerade erst, sodass ein leises Hintergrundrauschen von Motoren und Takelage zu hören ist – aber keine Menschenmassen an den Felsen.
Ab Mitte des Morgens kommen im Juli und August Reisebusse aus Tortolì und von den Campingplätzen im Süden, und das Gelände füllt sich schnell. Familien mit Kindern verteilen sich auf den unteren Plattformen; Schnorchler ziehen ihre Ausrüstung an und steigen von den Felsvorsprüngen ins Wasser. Das Wasser rund um die Formation ist auffallend tief und klar – weshalb dieser Ort bei erfahrenen Tauchern beliebt ist. Wer nur entspannt schwimmen möchte: Es gibt keinen sanft abfallenden Sandeingang. Man steigt oder springt direkt vom Fels ins offene Wasser.
Das Nachmittagslicht verliert etwas an Dramatik, da die Sonne aus Sicht der Besucher hinter den Felsen steht. Im späten Nachmittag und in der Stunde vor Sonnenuntergang kehrt sich das um: Lange Schatten fallen über die Formation, und das Meer wechselt von Grün zu tiefem Blau. Der Sonnenuntergang selbst ist von den Rocce Rosse nicht direkt zu sehen, da die Felsen grob nach Osten ausgerichtet sind – aber das verbleibende Farbenspiel am Himmel macht die letzte Stunde des Tageslichts dennoch zu einem der schönsten Momente für Aufnahmen der Felsen vor dem Wasser.
💡 Lokaler Tipp
Im Sommer vor 9 Uhr ankommen: das beste Licht, keine Menschenmassen, ruhiges Wasser. Das Gelände ist kostenlos und rund um die Uhr geöffnet, frühes Kommen kostet also nichts.
Die Geologie und die Geschichte des Steinbruchs
Porphyr ist ein magmatisches Gestein, das durch große Kristalle in einer feinkörnigen Grundmasse gekennzeichnet ist. Die Variante, die hier in Arbatax zusammen mit rotem Granit vorkommt, ist reich an Mineralien, die die tiefen Rot- und Rosatöne erzeugen. Dieses Gestein war kommerziell wertvoll: Stein aus der Region Arbatax wurde Mitte des 20. Jahrhunderts für Bau- und Hafenarbeiten verwendet. Der Abbau in den 1950er Jahren verringerte die ursprüngliche Felsmasse erheblich – was heute zu sehen ist, ist eine reduzierte Version der ursprünglichen Formation.
Die untergetauchte Felsformation setzt sich ins Meer fort und sorgt für die beachtliche Tiefe direkt vor den Felsen. Der harte Porphyr erodiert nicht zu Sand wie weicherer Kalkstein – der Meeresgrund ist daher felsig und von Blöcken durchzogen statt sandig. Die Sicht für Schnorchler und Taucher ist oft ausgezeichnet, besonders bevor der Bootsverkehr im Hochsommer zunimmt.
Die gesamte Ogliastra-Küste rund um Arbatax gehört zu den geologisch vielfältigsten Abschnitten Sardiniens. Wer von den Formationen hier begeistert ist, dem bieten die Klippen und Meereshöhlen des Golfo di Orosei im Norden eine andere, aber ergänzende Perspektive auf die Küstengeologie der Insel – am besten per Boot von Cala Gonone aus erreichbar.
Der Filmklassiker
Die Bucht von Arbatax war der Drehort für die Schlussszene von Lina Wertmüllers Film „Travolti da un insolito destino nell'azzurro mare d'agosto" aus dem Jahr 1974 (international bekannt als „Swept Away" – im deutschsprachigen Raum als „Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August"). Der Film – ein Klassenkampf-Drama, das fast ausschließlich auf einer einsamen Insel spielt – war ein großer Kritiker- und Publikumserfolg. Die roten Felsen tauchen in dieser Abschlusssequenz auf und verleihen der Szene eine Farbpalette, die fast zu cineastisch wirkt, um wahr zu sein – und doch vollkommen real ist.
Der Film lenkte in den 1970er Jahren internationale Aufmerksamkeit auf diesen Winkel Sardiniens und festigte den Ruf der Ogliastra-Küste als Ort von rauer, ursprünglicher Schönheit. Hinweistafeln oder Infoschilder, die den Bezug zum Film herstellen, gibt es am Gelände keine – die meisten Besucher kommen heute ohne dieses Hintergrundwissen. Je nach Standpunkt ist das eine angenehme Lücke in der Beschilderung oder eine verpasste Chance.
Praktische Infos: Anfahrt und Orientierung vor Ort
Arbatax ist ein kleiner Hafenort in der Gemeinde Tortolì, in der ehemaligen Provinz Ogliastra, die heute zur Provinz Nuoro gehört. Die wichtigste Zufahrtsstraße ist die SS125, die Panoramastraße entlang Sardiniens Ostküste. Aus dem Norden (Dorgali, Baunei) der SS125 südwärts folgen und die Ausfahrt Hafen Arbatax nehmen, dann den Schildern zu den Rocce Rosse folgen. Von Cagliari aus führt dieselbe Straße nach Norden Richtung Tortolì und Arbatax. Die Fahrt von Cagliari dauert unter normalen Bedingungen etwa zwei Stunden.
Direkt am Gelände gibt es einen asphaltierten Parkplatz, der kostenlos ist, an Spitzentagen im Sommer aber schon am Vormittag voll ist. Ausweichparkplätze befinden sich in der Nähe des Hafens, nur wenige Gehminuten entfernt. Vom Hafen selbst sind die Felsen sichtbar und in weniger als fünf Minuten zu Fuß erreichbar.
Wer ohne Auto reist: Arbatax ist per ARST-Regionalbus von Tortolì und von weiteren Orten entlang der SS125 erreichbar. Der Trenino Verde, die schmalspurige Touristenbahn, fährt saisonal von Mandas durch das Inselinnere Sardiniens bis nach Arbatax. Einen umfassenden Überblick über die Fortbewegungsmöglichkeiten entlang der Ostküste bietet der Sardinien-Reiseführer zur Fortbewegung mit Details zu Mietwagen, Busverbindungen und dem Bahnnetz.
Das Gelände selbst ist unebenes Porphyrgestein. Der flache Steinbruchplatz ist für die meisten Besucher zugänglich, auch für Kinderwagen auf ebenem Untergrund. Das Erreichen des Wasserrands und das Klettern auf die Felsen erfordert jedoch das Überwinden unregelmäßiger Oberflächen. Für Besucher mit eingeschränkter Mobilität ist das weniger geeignet. Der Einstieg ins Wasser erfolgt von Felsen direkt in offenes, tiefes Wasser – ohne Badeaufsicht.
⚠️ Besser meiden
Hier gibt es keinen Sandstrand-Einstieg. Schwimmer steigen von Felsvorsprüngen direkt in tiefes Wasser. Kinder müssen sorgfältig beaufsichtigt werden; wer sich im offenen Wasser nicht sicher fühlt, sollte lieber vom Aussichtspunkt aus zusehen, anstatt ins Wasser zu gehen.
Fototipps und was du mitbringen solltest
Der Kontrast zwischen den roten Felsen und dem blauen Meer lässt sich bei fast jedem Licht gut fotografieren. Die ergiebigsten Zeitfenster sind jedoch die erste Stunde nach Sonnenaufgang und die 90 Minuten vor Sonnenuntergang. Mittags im Sommer ist das Licht flach und hart, und Wärmeflirrern kann Weitaufnahmen beeinträchtigen. Ein Polarisationsfilter reduziert die Reflexionen auf dem Wasser und vertieft das Blau.
Für Schnorchelfotos oder Unterwasseraufnahmen ist das Wasser klar genug, dass selbst einfache wasserdichte Kameras brauchbare Ergebnisse liefern. Die besten Unterwasserdetails finden sich in den ersten Metern unter der Wasseroberfläche direkt am Fels, wo sich der Porphyr unter Wasser fortsetzt.
Griffige Schuhe tragen. Der Porphyr ist hart und uneben, und barfuß auf sonnenerhitztem Fels ist unangenehm. Wasser mitnehmen – besonders im Sommer, wenn am Gelände kaum Schatten vorhanden ist. Wer die Rocce Rosse mit einem längeren Ogliastra-Programm kombiniert, findet in der Region Ogliastra noch weitere geologische Sehenswürdigkeiten und Küstenpfade, die sich gut an einem Tag miteinander verbinden lassen.
Lohnt sich der Stopp?
Die Rocce Rosse di Arbatax halten, was sie visuell versprechen. Die Farbe ist echt, die Dimensionen sind beeindruckend, und die Kombination aus nahegelegenem Hafenbetrieb und roher Küstengeologie erzeugt eine Atmosphäre, die sich auf der Insel kaum anderswo so findet. Als kostenlos zugängliches Gelände ohne Einschränkungen ist es einer der unkompliziertesten Stopps auf der Rundroute durch Ostsardinien.
Allerdings ist es ein kurzer Stopp. Wer nicht schwimmt oder schnorchelt, hat in 30 bis 45 Minuten alles gesehen. Es gibt keinen Schatten, keine Informationstafeln und kaum Einrichtungen jenseits dessen, was im nahen Hafenbereich verfügbar ist. Im August-Hochsommer füllt sich das kleine Gelände zwischen 10 und 16 Uhr erheblich, was das Erlebnis spürbar schmälert.
Wer einen Strandtag mit Sand und Infrastruktur sucht, ist anderswo an der Ogliastra-Küste besser aufgehoben. Für alle, die das volle Ostsardinien-Erlebnis mit längeren Schwimmausflügen in klarem Wasser wollen, bieten die Buchten rund um Cala Luna oder eine Bootstour entlang des Golfo di Orosei ein Erlebnis der ganz anderen Kategorie – allerdings mit mehr Planungsaufwand. Die Rocce Rosse sind am besten als lohnenswerter 45-Minuten-Stopp zu verstehen, nicht als eigenständiges Reiseziel.
Insider-Tipps
- Das Licht auf den Felsen ist in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang am schönsten. Da das Gelände rund um die Uhr kostenlos zugänglich ist, kostet ein früher Start nichts extra – und beschert dir deutlich bessere Fotos und mehr Ruhe.
- Wenn du auf der SS125 Richtung Cagliari fährst, sind die Felsen schon von der Straße aus zu sehen, wenn du Richtung Hafen Arbatax hinabfährst. Es gibt einen Aussichtspunkt zum Anhalten, der eine andere Perspektive bietet als der Blick vom Gelände selbst.
- Der Trenino Verde, die schmalspurige Touristenbahn, endet in Arbatax direkt am selben Platz wie die Rocce Rosse. Wer die malerische Zugfahrt von Mandas durch das Barbagia-Hinterland unternimmt, landet mit den roten Felsen direkt vor der Nase – ein dramatischer Abschluss dieser Reise.
- Das Wasser direkt vor den Felsen ist tief und auch im Sommer kalt – ideal für erfahrene Schnorchler, die die unter Wasser weiterlaufende Porphyr-Rippe erkunden möchten. Eigene Ausrüstung mitbringen; vor Ort gibt es nichts zu leihen.
- Im Juli und August ist der Parkplatz gegen 10 Uhr oft schon voll. Falls dann der Quarry-Platz belegt ist, gibt es weitere Parkmöglichkeiten entlang der Uferstraße im Hafenbereich, nur wenige Gehminuten entfernt.
Für wen ist Rocce Rosse di Arbatax geeignet?
- Geologie- und Landschaftsfotografen, die ein markantes Küstenmotiv ohne Eintritt suchen
- Schnorchler und erfahrene Schwimmer, die tiefes, klares Wasser an ungewöhnlichen Felsformationen schätzen
- Roadtripper auf der SS125, die einen beeindruckenden Stopp ohne großen Umweg einplanen möchten
- Reisende, die mit dem Trenino Verde an- oder abreisen und vor oder nach der Fahrt noch Zeit haben
- Paare und Alleinreisende, die spektakuläre Landschaft suchen – zugänglich, aber nicht übertouristisch
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Ogliastra:
- Capo Comino Dünen & Strand
Ein drei Kilometer langer Streifen aus weißem Sand und windgeformten Dünen an Sardiniens Ostküste, unweit von Siniscola. Das flache Meer, der freie Zugang und historische Schiffswracks vor der Küste machen ihn zu einem der markantesten Strände der Provinz Nuoro.
- Grotte Su Marmuri (Ulassai)
Die Grotte Su Marmuri ist eine weitläufige, lebendige Kalksteinhöhle, die in das felsige Hochland oberhalb des Dorfes Ulassai in Ogliastra im Osten Sardiniens eingebettet ist. Mit Kammern von bis zu rund 50 Metern Höhe, aktiven Stalaktitenformationen und einer konstanten Innentemperatur von 10°C bietet sie eines der beeindruckendsten Höhlenerlebnisse der Insel. Zutritt nur mit geführter Tour, Dauer ca. 1,5 Stunden.
- Parco Nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu
Rund 74.000 Hektar raues Bergland, Schluchten und unberührte Küste in Ost-Sardinien – das Gebiet, das meist als Gennargentu-Nationalpark bezeichnet wird, ist das ambitionierteste Schutzgebietsprojekt der Insel. Vom höchsten Gipfel Sardiniens bis zu den senkrechten Meereskliffs des Golfo di Orosei zeigt sich hier die Insel von ihrer ursprünglichsten Seite.
- Punta La Marmora
Mit 1.834 Metern ist die Punta La Marmora der höchste Punkt Sardiniens und der Gipfel des Gennargentu-Massivs. Wer den Aufstieg wagt, wird mit Panoramablicken über das raue Inselinnere belohnt – und mit dem Gefühl, Sardinien so zu erleben, wie es die meisten Besucher nie zu Gesicht bekommen.