Parc Montsouris: Der ruhige Südpariser Park, der den Umweg lohnt
Im 14. Arrondissement gelegen und bei Sorbonne-Studierenden sowie Südparis-Bewohnern beliebt, ist der Parc Montsouris ein 15 Hektar großer englischer Landschaftspark aus der Zeit Napoleons III. Künstlicher See, seltene Baumarten und eine Wetterstation machen ihn zu einer der vielschichtigsten Grünanlagen der Stadt. Eintritt frei.
Fakten im Überblick
- Lage
- 2 rue Gazan, 75014 Paris (14. Arrondissement)
- Anfahrt
- RER B: Cité Universitaire (4 Min. zu Fuß); Metro: Porte d'Orléans (14), Alésia (4), Mairie de Montrouge (4); Bus: 21, 67, PC
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden
- Kosten
- Eintritt frei
- Am besten für
- Picknicks, entspannte Morgenstunden, Vogelbeobachtung, Abstand vom Touristentrubel
- Offizielle Website
- www.paris.fr/equipements/parc-montsouris-1810

Was der Parc Montsouris wirklich ist
Der Parc Montsouris liegt im 14. Arrondissement, rund 4 Kilometer südlich der Seine – weit genug vom touristischen Hauptstrom entfernt, dass die meisten Erstbesucher ihn nie finden. Genau das macht seinen Reiz aus. Der Park erstreckt sich über etwa 15 Hektar sanft hügeliges Gelände, gestaltet im englischen Landschaftsstil mit geschwungenen Wegen, abfallenden Rasenflächen, einem zentralen See und einem Blätterdach, das den Stadtlärm schluckt. Er wurde 1869 eröffnet, der Bau dauerte jedoch bis 1878 – er gehört damit zu den letzten großen Parks, die im Zuge von Napoleons III. Modernisierung von Paris entstanden.
Der Entwurf stammt von Jean-Charles Alphand, demselben Ingenieur und Landschaftsarchitekten, der auch das Bois de Boulogne und den Parc des Buttes-Chaumont geprägt hat. Wie jene Parks sollte auch Montsouris der Arbeiterbevölkerung Zugang zu Grünflächen verschaffen, als die rasch fortschreitende Industrialisierung Gärten aus den Wohnvierteln verdrängte. Heute dient er einem anderen, aber genauso einheimischen Publikum: Studierenden der benachbarten Cité Universitaire de Paris und Familien aus den umliegenden Straßen, die ihn als ihren eigenen Hintergarten behandeln.
💡 Lokaler Tipp
Der Park hat vier Eingänge: avenue Reille, rue Gazan, boulevard Jourdan und rue Nansouty. Der Eingang rue Gazan (auch die offizielle Adresse) bringt dich direkt zu den oberen Wiesen und den besten Aussichtspunkten hinunter zum See.
Der See, die Vögel und die Katastrophe am Eröffnungstag
Das Herzstück des Parc Montsouris ist sein künstlicher See von etwa einem Hektar Größe im unteren Parkbereich. Im Mai 1878 lief der See vor versammelter Menge innerhalb eines einzigen Tages aufgrund eines Rohrfehlers komplett leer. Der für die Wasseranlage verantwortliche Ingenieur nahm sich daraufhin das Leben. Der See wurde repariert und hält seitdem Wasser – doch die Geschichte gehört zu jenem Pariser Stadtfolklore, die Einheimische auswendig kennen.
Heute beherbergt der See rund vierzig Wasservogelarten. Enten, Kanadagänse, Graureiher und Blässhühner nutzen die kleine Insel in der Mitte als Zuflucht, und wer früh morgens ruhig am Ufer steht, kann die Reiher beim Fischen in den Flachwasserbereichen beobachten. Rotwangen-Schmuckschildkröten, irgendwann in der Parkgeschichte eingeführt, sonnen sich regelmäßig auf den Steinen am Ufer. Im Frühling ist die Kombination aus regem Vogeltreiben und dem weichen Licht durch die Weiden das meistfotografierte Motiv des Parks.
Wie sich der Park im Tagesverlauf verändert
Die frühen Morgenstunden im Parc Montsouris gehören den Joggern. Der interne Rundkurs, der den Kurven des Hügels folgt, ist eine der wenigen wirklich angenehmen Laufstrecken in Südparis – mit genug Höhenunterschied, um die Beine zu fordern, ohne zur Tortur zu werden. An Wochentagen zwischen 7 und 9 Uhr ist die Atmosphäre ruhig und konzentriert. Händler und Spaziergänger sind noch nicht da.
Mittags kommt ein anderes Publikum: Studierende der Cité Universitaire verteilen sich mit Büchern und Mittagessen über die oberen Wiesen. Das Gras hat hier, wenn es trocken ist, die Qualität eines weiten offenen Feldes statt eines gepflegten Rasens, und Gruppen verteilen sich mit angenehm viel Platz zwischen sich. Im Park selbst gibt es kein Café, also bringen alle ihr Essen mit. Das bewahrt die Atmosphäre: Ohne eine Terrasse, die alle an einem Punkt festhält, wirkt der Park demokratisch und unaufgeregt.
Spätnachmittags im Sommer, besonders ab 17 Uhr, sind die geselligsten Stunden. Familien kommen nach der Schule, ältere Anwohner richten sich auf Bänken am See ein, und das Licht durch die Bäume wird wärmer. Technisch gesehen ist der Sonnenuntergang von den oberen Wegen aus sichtbar, aber der Park schließt je nach Jahreszeit kurz nach Einbruch der Dunkelheit – also besser die Öffnungszeiten vor einem späten Besuch prüfen.
ℹ️ Gut zu wissen
Die Öffnungszeiten variieren je nach Jahreszeit erheblich. Im Sommer (Mai–August) schließt der Park um 21:30 Uhr. Von Ende Oktober bis Februar schon ab 17:45 Uhr. Aktuelle Zeiten bitte vor einem Abendbesuch auf paris.fr prüfen.
Versteckte Details: Der Meridianstein und die Wetterstation
Die meisten Besucher gehen am Pariser Meridianstein vorbei, ohne ihn zu bemerken. Der Stein markiert die Linie des Pariser Meridians, der einst als Frankreichs Nullmeridian diente, bevor Greenwich international standardisiert wurde. Das Montsouris-Denkmal – die Mire du Sud, Anfang des 19. Jahrhunderts aufgestellt – ist dem Kartografen Cassini gewidmet. Napoleons Name wurde nach der Restauration der Monarchie vom Stein getilgt, was eine Lücke in der Inschrift hinterlässt, die dem Monument eine leise beschädigte, historisch aufgeladene Qualität verleiht.
Im unteren Parkbereich steht eine Wetterstation, die seit 1872 Klimadaten für Paris aufzeichnet. Das heutige Gebäude ist eine Rekonstruktion des Bardo-Palastes des Beys von Tunesien, der ursprünglich für die Weltausstellung 1867 auf dem Champ de Mars gebaut und danach hierher versetzt wurde. Die Station ist nicht für Besucher zugänglich, befindet sich aber noch immer in aktivem wissenschaftlichen Betrieb, und ihre Aufzeichnungen zählen zu den längsten kontinuierlichen Wetterdatensätzen Frankreichs. Beim Vorbeigehen wirkt das Gebäude wie eine architektonische Kuriosität – ein aufwendiges maurisches Bauwerk, das merkwürdig unvermittelt in einem südparis'er Stadtpark verankert ist.
Die Bäume und was es botanisch zu entdecken gibt
Im Parc Montsouris wachsen mehrere seltene und ungewöhnliche Baumarten, die für alle mit Interesse an Stadtbotanik einen näheren Blick lohnen. Der Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa), der Indische Blumenflieder (Lagerstroemia indica) und die Seidenakazie (Albizia julibrissin) sind in verschiedenen Parkbereichen zu finden. Im späten Frühjahr bildet der Blauglockenbaum leuchtend violette Blütentrauben, bevor das Laub vollständig austreibt – ein kurzer, fast unwirklicher Anblick, den die meisten Besucher fotografieren, ohne zu wissen, was sie da eigentlich vor sich haben.
Die Grünstruktur des Montsouris ist dichter und abwechslungsreicher als die des Jardin du Luxembourg, der formale Geometrie in den Vordergrund stellt. Der englische Landschaftsansatz bedeutet hier, dass sich die Bepflanzung dem Gelände anpasst, statt ihm eine Ordnung aufzuzwingen. Dadurch wirkt der Park größer als seine 15 Hektar vermuten lassen, weil die Sichtachsen ständig durch Baumgruppen unterbrochen werden statt über flache Parterres hinwegzuschweifen.
Anreise und praktische Hinweise
Am einfachsten kommt man mit dem RER B bis zur Station Cité Universitaire, von der es nur vier Minuten zu Fuß zum Eingang boulevard Jourdan sind. Der RER B verbindet direkt mit dem Gare du Nord, dem Flughafen Charles de Gaulle und dem Pariser Zentrum – ein Kombibesuch mit dem Quartier Latin oder Montparnasse ist also problemlos ohne Umwege möglich.
Die Buslinien 21, 67 und der PC (Peripherer Kreisbus) bedienen ebenfalls den Parkrand. Wer bereits im Süden der Stadt unterwegs ist, kann den Park gut mit einem Spaziergang entlang der Promenade Plantée oder einem Besuch der Katakomben von Paris verbinden, die etwa 20 Gehminuten nordwestlich über die rue d'Alésia liegen.
Die Barrierefreiheit ist für einen Hügelpark akzeptabel. Alle vier Haupteingänge sind ebenerdig zugänglich, und behindertengerechte Toiletten sind am Ausgang rue Nansouty vorhanden. Die Hauptwege sind gepflastert oder mit verdichtetem Kies befestigt, einige der schmaleren Hangpfade sind jedoch nicht für Rollstühle oder Kinderwagen geeignet.
Hinweise zur Fotografie
Die besten Lichtverhältnisse für Fotos im Parc Montsouris gibt es in der ersten Stunde nach der Parkömffnung, wenn gelegentlich Morgennebel über der Seeoberfläche hängt und die Reiher aktiv Nahrung suchen. Im Herbst ist die Spiegelung der bunten Laubbäume im See der visuell beeindruckendste Moment des Parks. Im Sommer ist das Licht ab spätem Vormittag hart, und die offenen Rasenflächen wirken auf Mittagsfotos schnell überstrahlt.
Für Skyline-Fotos ist der Park die falsche Wahl – von innen sind keine markanten Pariser Wahrzeichen zu sehen. Die besten Fotolocations in Paris für ikonische Aussichten liegen in anderen Teilen der Stadt. Montsouris funktioniert am besten für natürliche, stille Fotografie im menschlichen Maßstab: Menschen beim Lesen auf Wiesen, Vögel auf dem Wasser, der tunesische Pavillon gerahmt durch Äste.
Für wen dieser Park nichts ist
Wer nur zwei Tage in Paris hat, sollte diese Zeit wahrscheinlich anderswo verbringen. Der Parc Montsouris entfaltet seinen Reiz bei einem langsamen, ungehetzten Besuch – er besitzt weder die monumentale Architektur noch den Landmark-Status des Jardin des Tuileries oder des Palais-Royal-Gartens. Reisende, die vor allem Innenattraktionen, Shopping oder Nachtleben suchen, werden hier wenig finden, das sie festhält. Auch ein Café oder Restaurant im Park gibt es nicht – wer ein entspanntes Sitzen im Grünen mit Service möchte, ist im Jardin du Luxembourg besser aufgehoben, der mehr Infrastruktur bietet.
Aber für alle, die vier oder mehr Tage in Paris verbringen – oder die bewusst nach dem Paris suchen, in dem Pariser wirklich leben, statt nach dem für Touristen inszenierten – ist Montsouris kaum zu übertreffen. Er liegt im gleichen Stadtteil wie der Markt der Rue Mouffetard und dem Panthéon, sodass ein halbtägiger Rundgang durch das 14. und 5. Arrondissement ein stimmiges und lohnenswertes Programm ergibt.
Insider-Tipps
- Die obere Wiese beim Eingang avenue Reille ist an Wochmittagnachmittagen am wenigsten besucht und fängt das letzte direkte Sonnenlicht ein, bevor das Blätterdach übernimmt. Perfekt für eine ruhige Lektüre oder ein unkompliziertes Picknick.
- Den Pariser Meridianstein im Park findet man leicht übersehen. Vom Eingang rue Gazan dem Hauptweg bergab folgen und kurz vor dem See auf der linken Seite Ausschau halten.
- Im Winter, wenn der Park schon um 17:45 Uhr schließt, kann das Licht gegen 15 Uhr über der Seeoberfläche erstaunlich klar und fotografisch reizvoll sein. Die Vögel sind in kälteren Monaten ruhiger und halten sich dichter am Wasser auf.
- Der Campus der Cité Universitaire direkt jenseits des boulevard Jourdan lohnt nach dem Parkbesuch einen kurzen Rundgang. Die Sammlung internationaler Studentenwohnheime aus den 1920er- und 1930er-Jahren, jeweils im Architekturstil eines anderen Landes gebaut, ist wirklich eigenartig – und in Reiseführern kaum erwähnt.
- Wer mit dem Fahrrad kommt, sollte nicht damit rechnen, im Park selbst fahren zu können. Radfahren auf den internen Wegen ist nicht erlaubt. Vélib'-Stationen gibt es direkt draußen am boulevard Jourdan.
Für wen ist Parc Montsouris geeignet?
- Familien mit kleinen Kindern, die Wiesen, Platz und einen entenreichen See suchen, ohne für eine strukturierte Attraktion zu bezahlen
- Wiederholungsbesucher in Paris, die die Stadt jenseits der Postkartenmotive entdecken wollen
- Alleinreisende, die einen ruhigen Morgenspaziergang mit echter Pariser Atmosphäre suchen
- Vogelbeobachter und alle, die sich für Stadtökologie oder ungewöhnliche Baumarten interessieren
- Läuferinnen und Läufer, die eine schöne Parkreunde abseits des Gedränges im Jardin du Luxembourg suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Kombiniere deinen Besuch mit:
- Bois de Vincennes
Mit knapp 1.000 Hektar am östlichen Stadtrand ist der Bois de Vincennes Pariser größte Grünfläche: uralter Wald, drei Seen, ein botanischer Garten, ein erstklassiger Zoo und eine mittelalterliche Königsburg – ideal für einen entspannten Nachmittag oder einen ganzen Tag.
- Château de Fontainebleau
Älter als Versailles und von mehr französischen Monarchen genutzt: Das Château de Fontainebleau ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, 55 km südöstlich von Paris. Mit über 1.900 Räumen, kostenlos zugänglichen Gartenanlagen und deutlich weniger Andrang als andere Königsschlösser lohnt sich die 40-minütige Zugfahrt aus Paris allemal.
- Château de Vaux-le-Vicomte
Das zwischen 1656 und 1661 für Finanzminister Nicolas Fouquet erbaute Château de Vaux-le-Vicomte ist das größte Schloss in Privatbesitz in Frankreich. Seine formalen Gärten, vergoldeten Prunkräume und die außergewöhnliche Geschichte dahinter machen es zu einem der lohnendsten Tagesausflüge von Paris.
- Château de Vincennes
Am östlichen Rand von Paris erhebt sich das Château de Vincennes – eine der vollständigsten mittelalterlichen Königsfestungen Europas. Mit dem höchsten mittelalterlichen Bergfried Frankreichs und einer beeindruckenden Gotikkapelle belohnt es alle, die sich jenseits der Touristenzentren vorwagen, mit Jahrhunderten nahezu unberührter Königsgeschichte.