Jardín Botánico, Puerto de la Cruz: Teneriffas lebendes koloniales Archiv
Der Jardín Botánico in Puerto de la Cruz wurde 1788 gegründet, um tropische Pflanzen für Spanien zu akklimatisieren, und beherbergt jahrhundertealte Exemplare in einem kompakten, schattigen Garten. Mit einem Eintrittspreis von 3 € ist er einer der lohnendsten Stopps im Norden Teneriffas – und wird von Besuchern erstaunlich selten genutzt.
Fakten im Überblick
- Lage
- C/ Retama, nº 2, Stadtviertel La Paz, Puerto de la Cruz, Teneriffa
- Anfahrt
- Gut ausgeschildert ab der Autobahn TF-5 (Nordroute); TITSA-Busse fahren ins Stadtzentrum von Puerto de la Cruz, von wo der Garten zu Fuß oder mit dem Taxi schnell erreichbar ist
- Zeitbedarf
- 45 Minuten bis 1,5 Stunden
- Kosten
- 3,00 € Eintritt (aktuellen Preis vor dem Besuch prüfen)
- Am besten für
- Pflanzenbegeisterte, Geschichtsinteressierte, Familien auf der Suche nach Ruhe, Fotografen

Was der Jardín Botánico eigentlich ist
Der Jardín Botánico in Puerto de la Cruz, offiziell bekannt als Jardín de Aclimatación de La Orotava, ist einer der ältesten botanischen Gärten Spaniens. Er wurde 1788 auf Anordnung von König Karl III. mit einem sehr konkreten imperialen Zweck gegründet: als Zwischenstation für tropische und subtropische Pflanzen, die aus Spaniens Kolonien in Amerika zum Königlichen Botanischen Garten in Madrid verschifft wurden. Das milde Klima der Kanarischen Inseln machte Teneriffa zur logischen Zwischenstation – ein Ort, an dem sich die Exemplare akklimatisieren konnten, bevor die kältere Reise nach Norden weiterging.
In mehr als zwei Jahrhunderten hat sich hier eine außergewöhnliche Sammlung angesammelt: Bäume, die noch Sämlinge waren, als Napoleon lebte, Palmen aus Tropenregionen, die in europäischen Gärten kaum zu sehen sind, und so dicht geschichtete Bepflanzungen, dass sich der Garten weit größer anfühlt, als sein bescheidener Grundriss an der Calle Retama vermuten lässt.
ℹ️ Gut zu wissen
Öffnungszeiten: täglich 09:00–18:00 Uhr. Geschlossen am 1. Januar, Karfreitag und 25. Dezember. Die Bibliothek und das Herbarium sind nach Voranmeldung zugänglich, montags bis freitags von 09:00–13:00 Uhr.
Das Erlebnis: Der Eintritt in den Garten
Der Eingang an der Calle Retama ist leicht zu übersehen, wenn man zügig durch das Viertel La Paz in Puerto de la Cruz läuft. Das Tor öffnet sich zu einem Garten, der die Umgebungstemperatur sofort um einige Grad senkt – das merkt man an einem warmen Nachmittag unmittelbar. Das Blätterdach hier ist beeindruckend: Mehrere Bäume haben Stämme, die breiter sind als eine Armspanne, und ihre Kronen bilden eine nahezu geschlossene grüne Decke über den Hauptwegen.
Das Prunkstück ist eine südamerikanische Araukarie (verwandt mit dem Andentanne), die seit weit über einem Jahrhundert im Garten wächst, und dazu gewaltige Exemplare der australischen Moreton-Bay-Feige, deren Luftwurzeln ein Geflecht grauer Äste bilden, das fast architektonisch wirkt. Der Geruch verändert sich beim Durchstreifen des Gartens: erdig und feucht in der Nähe der Farnbeete, süß-blumig an den Schmuckpflanzungen und scharf harzig in der Nähe der Nadelholzexemplare.
Puerto de la Cruz liegt im feuchteren Norden Teneriffas, und der Garten spiegelt das wider: Die Wege können nach Regen leicht rutschig sein, und die Vegetation ist spürbar üppiger als alles, was man im trockenen Süden findet. Wenn du den Garten zusammen mit anderen Sehenswürdigkeiten im Norden besuchen möchtest, sind das Lago Martianez und der Parque Taoro beide bequem vom Garten aus erreichbar.
Wie sich der Garten im Tagesverlauf verändert
Der frühe Morgen, von der Öffnung bis etwa 10:30 Uhr, ist die lohnendste Besuchszeit. Das Licht fällt flach durch das Blätterdach, trifft den Tau auf breiten Tropenblättern und macht die geschichtete Struktur des Gartens gut sichtbar. Zu dieser Stunde teilt man den Raum oft nur mit einer Handvoll Menschen – häufig älteren spanischen Einheimischen aus der Stadt, die ruhig durch den Garten spazieren und ihn gut kennen.
Gegen Mittag, besonders im Sommer, wird der Garten zu einem echten Refugium. Der Schatten unter den großen Bäumen hält die Temperaturen angenehm, wenn draußen die Sonne brennt, und die dichte Vegetation erzeugt eine Art umschlossene Kühle, die kein klimatisiertes Café ersetzen kann. Zu dieser Zeit kommen gelegentlich auch Schulklassen, daher ist ein Vormittagsbesuch an einem Werktag die bessere Wahl, wenn dir Ruhe wichtig ist.
Der späte Nachmittag, in der Stunde vor der Schließung, bringt wieder weiches Licht und oft eine leichte Brise. Der Garten leert sich, und das Klangbild ändert sich: weniger Stimmen, mehr Vogelgesang. Mehrere exotische Vogelarten haben sich hier angesiedelt oder streifen durch das Blätterdach, angelockt von den Früchten und Insekten, die der vielfältige Bewuchs bietet. Man hört sie mehr als man sie sieht, aber allein der Klang verstärkt das Gefühl, wirklich weit weg vom nahen Resortbetrieb zu sein.
Historischer und botanischer Hintergrund
Wer den Gründungsauftrag des Gartens versteht, erlebt den Besuch mit ganz anderen Augen. Das späte 18. Jahrhundert war eine Zeit intensiver botanischer Ambitionen in Europa. Spanien, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande wetteiferten darum, die Pflanzenressourcen ihrer Kolonialgebiete zu katalogisieren und zu nutzen. Der Jardín de Aclimatación de La Orotava war Teil dieses größeren Projekts – eine wissenschaftliche Infrastruktur, die wirtschaftlich wertvolle Arten, darunter potenzielle Nahrungspflanzen, Nutzhölzer und Heilpflanzen, in den Anbau innerhalb des spanischen Imperiums überführen sollte.
Der Forschungsreisende Alexander von Humboldt besuchte Teneriffa im Jahr 1799, gut ein Jahrzehnt nach der Gründung des Gartens, und war von der botanischen Vielfalt der Insel beeindruckt. Er schrieb ausführlich über die kanarische Landschaft, und die Sammlung des Gartens verkörpert genau jene Überschneidung atlantischer, tropischer und mediterraner Flora, die er dokumentierte. Wer sich für diese übergeordnete Geschichte interessiert: Der Mirador de Humboldt oberhalb von Puerto de la Cruz liefert Kontext zu seinem Besuch im Norden Teneriffas.
Die heutige Sammlung umfasst Pflanzen von den Kanarischen Inseln, aus Amerika, Afrika, Asien und dem Pazifik. Beschriftungen sind in der Regel vorhanden, ihr Zustand ist jedoch unterschiedlich, und die Beschilderung ist überwiegend auf Spanisch. Besucher mit ernsthaftem botanischen Interesse sollten mehr Zeit einplanen – ältere Pflanzenschilder sind manchmal verwittert und schwer zu lesen. Die Bibliothek und das Herbarium, nach vorheriger Vereinbarung an Werktagen vormittags zugänglich, enthalten historische botanische Aufzeichnungen von echtem wissenschaftlichem Wert.
Praktischer Rundgang: Was dich im Inneren erwartet
Der Garten ist kompakt – rund zwei Hektar groß – und lässt sich in einem einzigen Rundgang von 30 bis 45 Minuten in gemächlichem Tempo erkunden. Es gibt keine separat gebührenpflichtigen Bereiche oder zeitgebundene Einlassslots. Du kaufst dein Ticket am Eingangstor und bewegst dich frei. Die Wege bestehen teils aus befestigten Flächen, teils aus gestampfter Erde, sind weitgehend eben mit leichten Steigungen. Besucher mit eingeschränkter Mobilität finden die meisten zentralen Bereiche zugänglich, einige Randwege in den dichter bepflanzten Zonen sind jedoch schmaler.
Im ganzen Garten stehen Bänke, besonders unter den größten Bäumen – wirklich angenehme Plätze, um innezuhalten und zu beobachten, statt einfach durchzulaufen. Das Fotografieren ist uneingeschränkt erlaubt. Das Blätterdach erzeugt für Smartphone-Kameras zur Mittagszeit schwierige Lichtverhältnisse, wenn der Kontrast zwischen hellem Himmel und dunklem Schatten extrem ist. Früh morgens und am späten Nachmittag ist das Licht gleichmäßiger und generell besser für Fotos.
💡 Lokaler Tipp
Trag flache Schuhe mit gutem Profil. Nach Regen oder Bewässerung können die Wege unter den großen Bäumen nass und leicht rutschig sein – besonders auf den älteren Steinabschnitten in der Nähe der Hauptexemplare.
Puerto de la Cruz hat mehr zu bieten, als viele Besucher ahnen. Wer einen vollen Tag in der Gegend plant, kombiniert den Garten am besten mit einem Bummel durch die Altstadt von Puerto de la Cruz und kann den Norden Teneriffas im größeren Zusammenhang mit unserem Reiseführer Norden vs. Süden Teneriffas besser einordnen.
Lohnt sich der Besuch? Ein nüchterner Blick
Für 3 € bietet der Jardín Botánico ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – aber es lohnt sich, die Erwartungen zu justieren. Das hier ist nicht Kew Gardens. Es gibt kein großes Besucherzentrum, keine interaktiven Ausstellungen, und die Beschriftung ist uneinheitlich. Die Stärke des Besuchs liegt im Alter und in den Ausmaßen der einzelnen Exemplare sowie im Verständnis der kolonial-wissenschaftlichen Geschichte hinter der Sammlung. Wer den Garten als schattiges, historisch bedeutsames Pflanzenarchiv betrachtet – und nicht als kuratierten botanischen Schauplatz – wird nicht enttäuscht.
Wer einen gepflegten formalen Garten mit klarer Beschilderung in mehreren Sprachen erwartet, könnte sich unterversorgt fühlen. Im Vergleich mit großen europäischen Botanischen Gärten ist die Präsentation des Gartens etwas vernachlässigt – das merkt man. Aber für alle, die in alten Bäumen einen Wert sehen, die Atmosphäre eines kaum besuchten öffentlichen Raums schätzen und sich von einem Ort berühren lassen, der mit echtem imperialen Ehrgeiz bepflanzt wurde und seitdem einfach weiterwächst, ist es ein unerwartet nachhaltiges Erlebnis.
Für einen umfassenderen Überblick über Grünflächen und Naturattraktionen auf Teneriffa bietet der Wanderführer für Teneriffa Outdoor-Erlebnisse auf der gesamten Insel – von der Nordküste bis ins zentrale Hochland.
Insider-Tipps
- Komm in der ersten Stunde nach der Öffnung an einem Werktag. Der Garten ist dann am ruhigsten und kühlsten, und das Licht durch das Blätterdach eignet sich zu dieser Tageszeit besser zum Fotografieren als zu jeder anderen.
- Achte auf den ältesten Moreton-Bay-Feigenbaum und die Araucaria-Exemplare des Gartens in der Nähe der Hauptwege. Ihre Ausmaße sind es, die den Besuch wirklich lohnenswert machen – mehr als jede einzelne exotische Art.
- Der Garten liegt in der C/ Retama, nº 2 in Puerto de la Cruz, und die Parkplätze in der Nähe sind zur Mittagszeit oft knapp. Wenn du mit dem Auto kommst, plane den frühen Morgen ein, wenn auf den umliegenden Straßen noch Plätze frei sind.
- Wer sich ernsthaft für kanarische oder koloniale Botanikgeschichte interessiert, kann vorab Kontakt mit dem Garten aufnehmen, um Zugang zur Bibliothek und zum Herbarium zu erhalten – geöffnet an Werktagen vormittags nach Vereinbarung. Eine wirklich unterschätzte Anlaufstelle.
- Kombiniere den Besuch anschließend mit einem Spaziergang zur Uferpromenade von Puerto de la Cruz. Der Kontrast zwischen dem geschlossenen Schatten des Gartens und dem offenen Atlantiklicht am Wasser ist beeindruckend – und die Altstadt ist bequem zu Fuß erreichbar.
Für wen ist Jardín Botánico (Puerto de la Cruz) geeignet?
- Pflanzen- und Botanikbegeisterte, die seltene, alte Exemplare einer kuratierten Schauanlage vorziehen
- Reisende mit historischem Interesse an der Wissenschaft der Kolonialzeit und Spaniens imperialem Pflanzennetzwerk
- Familien mit Kindern, die eine ruhige, schattige Auszeit vom Strand oder Resortbetrieb suchen
- Fotografen auf der Suche nach natürlichem Licht, Texturen und Motiven jenseits von Teneriffas üblicher Küstenkulisse
- Besucher von Puerto de la Cruz, die die lange Beziehung der Stadt zur Natur besser verstehen möchten
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Puerto de la Cruz:
- Lago Martiánez
Das Lago Martiánez ist eine weitläufige Meerwasser-Poolanlage an der Küste von Puerto de la Cruz, entworfen vom kanarischen Künstler und Architekten César Manrique. Eingerahmt vom Atlantik, Vulkangestein, tropischen Gärten und Springbrunnen bietet es ein Schwimmerlebnis, das kein Strand und kein Hotelpool der Insel replizieren kann.
- Loro Parque
Loro Parque in Puerto de la Cruz gehört zu den renommiertesten Zoos Europas – mit Gorillas, Orcas, Tigern, Pinguinen und einer der größten Papageiensammlungen der Welt. Dieser Guide erklärt Tickets, Anreise, Zeitplanung und gibt ehrliche Einschätzungen, damit du entscheiden kannst, ob ein Besuch zu deiner Reise passt.
- Mirador de Humboldt
Oberhalb von La Orotava an der TF-21 gelegen, ist der Mirador de Humboldt ein kostenloser öffentlicher Aussichtspunkt mit einem der weitläufigsten Ausblicke auf Teneriffa. Das Panorama reicht über die Terrassenfelder des Orotava-Tals bis zur Atlantikküste – im Rücken der Teide. Zwanzig Minuten Zeit solltest du einplanen, und es kostet dich keinen Cent.
- Parque Taoro
Der Parque de Taoro liegt auf einem steilen Hang über Puerto de la Cruz und erstreckt sich über rund 10 Hektar mit angelegten Gärten, Wasserfall-Terrassen und Aussichtspunkten. Der Eintritt ist kostenlos, der Park ist rund um die Uhr geöffnet – damit gehört er zu den lohnendsten und günstigsten Ausflugszielen im Norden Teneriffas.