Cykelslangen (The Bicycle Snake): Kopenhagens eleganteste Fahrradbrücke

Cykelslangen, auf Deutsch „die Fahrradschlange”, ist eine rund 230 Meter lange, erhöhte Radbrücke im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro. Sie wurde 2014 eröffnet, vom Büro Dissing+Weitling entworfen und verbindet Fisketorvet und Kalvebod Brygge mit der Bryggebroen, die weiter nach Islands Brygge führt. Die Brücke liegt bis zu 7 Meter über dem Hafen, ist kostenlos und rund um die Uhr zugänglich – und der Blick auf den Innenhafen ist den Umweg allemal wert.

Fakten im Überblick

Lage
Kalvebod Brygge / Havneholmen, Vesterbro, Kopenhagen (1560 København V)
Anfahrt
S-Bahnhof Dybbølsbro (kurzer Fußweg)
Zeitbedarf
15–30 Minuten zum Fahren oder Laufen; länger, wenn du die Hafenaussicht genießen möchtest
Kosten
Kostenlos – keine Eintrittsgebühr, öffentliche Infrastruktur
Am besten für
Radfahrer, Architekturbegeisterte, Hafenblicke und alle, die Kopenhagens Fahrradkultur erkunden wollen
Die Fahrradbrücke Cykelslangen in Kopenhagen schwenkt über den Hafen, mit einem Radfahrer auf dem leuchtend orangefarbenen Weg und modernen Gebäuden im Hintergrund.
Photo Jakob Munk (CC BY-SA 4.0) (wikimedia)

Was Cykelslangen eigentlich ist

Cykelslangen – auf Deutsch „die Fahrradschlange” – ist eine reine Radfahrerbrücke von rund 230 Metern Länge entlang der Innenhafenpromenade in Vesterbro. Sie wurde Ende Juni 2014 eröffnet, nach rund acht Jahren Planung, entworfen vom Kopenhagener Architekturbüro Dissing+Weitling in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von Rambøll, dem Bauunternehmen MT Højgaard und der Landschaftsarchitektin Marianne Levinsen Landskab – im Auftrag der Stadt Kopenhagen.

Die Brücke beginnt an der erhöhten Straßenbrücke Dybbølsbro nahe dem Einkaufszentrum Fisketorvet und schwenkt in einer langen S-Kurve hinunter zur Bryggebroen – der Fuß- und Radbrücke, die weiter zum gegenüberliegenden Ufer Islands Brygge führt. An ihrer höchsten Stelle liegt das Deck etwa 5,5 bis 7 Meter über dem Kai. Das orangefarbene Stahlgeländer ist das Erste, was die meisten bemerken – von mehreren Hundert Metern Entfernung hebt es sich deutlich vom grauen Hafenwasser ab.

Ihr Zweck ist funktional, nicht dekorativ: Vor ihrem Bau mussten Radfahrer aus dem Westen der Stadt das beengte Dybbølsbro-Straßenviadukt mit dem Autoverkehr teilen oder erhebliche Umwege in Kauf nehmen. Cykelslangen ermöglichte eine reibungslose, direkte Abfahrt zum Hafenradwegenetz – und wurde damit zu einem der meistfotografierten Stücke Radinfrastruktur in ganz Europa.

ℹ️ Gut zu wissen

Cykelslangen ist eine funktionierende Pendlerroute, keine touristische Aussichtsplattform. In den Stoßzeiten an Werktagen (ungefähr 7:30–9:00 Uhr und 16:30–18:30 Uhr) fahren zügig fahrende Pendler in dichter Folge. Wer fotografieren oder verweilen möchte, ist früh morgens oder an Wochenendnachmittagen besser aufgehoben.

Die Architektur: Warum die Brücke so aussieht, wie sie aussieht

Das Entwurfskonzept hatte eine klare Vorgabe: Die Brücke musste zwei Punkte auf unterschiedlicher Höhe verbinden – ohne steile Gefälle, denn beladene Lastenräder und ältere Radfahrer brauchen dieselbe gleichmäßige Fahrt wie schnellere Pendler. Die Lösung war die S-Kurve, die einen sanften Abstieg über eine lange Strecke ermöglicht, während die Konstruktion kompakt genug bleibt, um in die Hafenzone zu passen.

Dissing+Weitling wählte eine schlichte Materialpalette: Cortenstahl für das tragende Gerüst und das orangerote Rohrgeländer, dazu ein glatter Betonbelag. Das Geländer verläuft durchgehend geschwungen von Anfang bis Ende – das verleiht der Brücke ihre schlangenartige Qualität, die von oben oder vom Wasser aus besonders gut zur Geltung kommt. Das Deck ist nach Straßenmaßstäben schmal – breit genug für zwei Radfahrer, die mit Bedacht aneinander vorbeikommen – was die Konstruktion leicht und schlank wirken lässt.

Die Brücke ist Teil einer größeren Hafentransformation, die Vesterbro und seine Uferzone seit den späten 1990er-Jahren umgestaltet. Das Fisketorvet-Einkaufszentrum und die Bürogebäude an der Kalvebod Brygge markieren den Rand eines ehemals industriell genutzten Hafengeländes. Cykelslangen ist in vielerlei Hinsicht das Verbindungsglied zwischen dem alten Stadtgitter und den neueren Hafenradwegen in Richtung Süden nach Islands Brygge. Wer verstehen möchte, wie Kopenhagens Radambitionen architektonisch zum Ausdruck kommen, findet im Dänischen Architekturzentrum am Bryghuspladsen das große Ganze.

Wie sich die Brücke zu verschiedenen Zeiten anfühlt

Früh an einem Wochentag gehört die Brücke den Pendlern. Man hört hauptsächlich das leise Zischen der Reifen auf dem Beton und gelegentlich das Klicken einer Gangschaltung. Die Radfahrer bewegen sich in einem lockeren Rhythmus, die meisten in dieselbe Richtung. Der Hafen darunter spiegelt das blasse nordische Licht wider, und an klaren Morgen reicht der Blick westwärts entlang der Kalvebod Brygge über eine lange Reihe Glasgebäude und das Wasser dazwischen.

An Sommerwochenendnachmittagen verlangsamt sich das Tempo deutlich. Man sieht Menschen, die auf halber Strecke anhalten, um die Kurve oder den Hafenblick unter sich zu fotografieren. Das orangefarbene Geländer fängt das warme Nachmittagslicht besonders gut ein – vor allem in der Stunde vor Sonnenuntergang, wenn die bekanntesten Fotos der Brücke entstehen. Im Kopenhagener Hochsommer erstreckt sich dieses Fenster bis 21 Uhr oder später.

Nachts ist die Brücke beleuchtet, und das orangefarbene Geländer leuchtet gegen das dunkle Wasser. Der Verkehr nimmt ab, und das Begehen der Brücke – obwohl sie technisch gesehen Radinfrastruktur ist – fühlt sich ruhiger und intimer an. Der Hafen ist still, und der Stadtlärm tritt in den Hintergrund. Winterbesuche sind möglich – die Brücke ist als Teil des öffentlichen Straßennetzes in der Regel ganzjährig geöffnet –, doch das Deck kann bei Nässe oder Eis rutschig werden, und der Hafenwind ist im Januar schneidend kalt.

⚠️ Besser meiden

Bei nasser oder vereister Fahrbahn kann der Betonbelag für Radfahrer rutschig sein. Kopenhagener Winter sind mild, aber feucht. Wer in den kalten Monaten mit dem Rad unterwegs ist, sollte in den Kurven das Tempo drosseln. Fußgänger sind mit flachen, griffigen Schuhen besser beraten.

Anfahrt und Fortbewegung

Der nächste S-Bahnhof ist Dybbølsbro, der direkt über dem westlichen Ende der Brücke liegt. Vom Bahnhof dauert der Abstieg zur Cykelslangen zu Fuß oder mit dem Rad etwa zwei Minuten. Wer aus dem Kopenhagener Zentrum mit dem Rad anreist, findet die Route entlang der Vesterbrogade oder über den Hafenweg vom Rådhuspladsen unkompliziert.

Am südlichen Ende schließt die Brücke nahtlos an das Kopenhagener Hafenradwegenetz an, in der Nähe der Bryggebroen. Von dort geht es weiter südlich am Wasser entlang zu Islands Brygge und darüber hinaus, oder östlich über die Bryggebroen nach Christianshavn. Die gesamte Runde von Vesterbro-Zentrum nach Islands Brygge und zurück über die Hafenpromenade dauert in entspanntem Tempo etwa 40–60 Minuten und bietet einige der schönsten Hafenblicke der Stadt. Eine Übersicht zu den Radrouten durch die Stadt bietet der Radfahren-in-Kopenhagen-Guide mit Informationen zu Leihrädern und Routennetzen.

Wer ohne Rad kommt und die Brücke zu Fuß erkunden möchte: Das ist machbar, aber das Deck ist schmal. Vorrang haben Radfahrer – daher ist es selbstverständlich, sich an eine Seite zu halten und auf herannahende Räder zu achten. Der Fußweg auf Hafenniveau verläuft parallel zur Brücke und ist die ausgewiesene Route für Fußgänger.

Fotografieren: Was funktioniert und was nicht

Die wirkungsvollsten Aufnahmen von Cykelslangen entstehen aus der Froschperspektive – von unten, mit Blick auf die Kurve der Brücke vor dem Himmel. Vom Fisketorvet-Ende aus hat man die längste Sichtlinie entlang der S-Kurve. Vom Wasser oder vom Kajak aus lassen sich Unterseite und Spiegelung im Hafen eindrucksvoll fotografieren – dafür braucht man jedoch einen Bootsplatz oder Kajak-Zugang zum Hafen.

Drohnenfotos über der Brücke unterliegen den Regeln der dänischen Luftfahrtbehörde und sollten ohne Vorbereitung nicht versucht werden. Vom Brückendeck selbst sind die interessantesten Aufnahmen jene, die geradeaus das Geländer entlang in die Kurve blicken – mit dem Hafen darunter. Ein Weitwinkelobjektiv kommt mit der Geometrie besser zurecht als ein Teleobjektiv. Die goldene Stunde im Sommer, ungefähr zwischen 20 und 21 Uhr, verleiht dem orangefarbenen Stahl seinen wärmsten Ton.

Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Ausflug?

Wenn du ohnehin die Hafenroute entlangfährst oder Richtung Islands Brygge Hafenbad unterwegs bist, liegt Cykelslangen direkt auf deinem Weg und kostet keine zusätzliche Zeit. In diesem Fall: eindeutig ja. Als eigenständiges Ziel mit einer gezielten Anreise aus dem Stadtzentrum fällt die Antwort etwas differenzierter aus.

Die Brücke ist wirklich elegant und vermittelt ein klares Gefühl dafür, warum Kopenhagens Radinfrastruktur von Stadtplanern weltweit studiert wird. Das Befahren fühlt sich anders an als eine gewöhnliche Straßenüberquerung: Der Hafen öffnet sich um einen herum, der Untergrund ist glatt, und die Kurve erzeugt ein leichtes Fahrgefühl, das eine gerade Brücke nicht bieten würde. Für Architektur- und Stadtgestaltungsbegeisterte lohnt sich ein Besuch aus der Nähe.

Wer jedoch ein spektakuläres Erlebnis erwartet, wird feststellen, dass die Überquerung in unter zwei Minuten erledigt ist. Die Brücke entfaltet ihren Reiz eher im Kontext als beim isolierten Besuch. Kombiniert man sie mit einem ausgedehnteren Vesterbro-Nachmittag – Kaffee im Schlachthofviertel, ein Spaziergang an der Hafenpromenade oder im Sommer ein Bad auf Islands Brygge –, gewinnt der Besuch deutlich an Substanz. Wer Radinfrastruktur grundsätzlich langweilig findet, sollte seine Zeit lieber anderswo verbringen. Auf der Brücke selbst gibt es keine Cafés, keine Besuchereinrichtungen und keine Informationstafeln.

💡 Lokaler Tipp

Der beste einzelne Aussichtspunkt, um die volle Länge der Brücke zu fotografieren, ist die Wasserfront-Piazza des Fisketorvet am nördlichen Ende – von dort schaut man in Richtung Süd-Südwest entlang der Kurve. Komm vor 8 Uhr morgens an einem Sommertag: gutes Licht, leere Brücke, ruhiges Wasser.

Hintergrund: Cykelslangen und Kopenhagens Radambitionen

Cykelslangen entstand nicht im Vakuum. Sie ist ein Teil einer jahrzehntelangen, konsequenten Investition der Stadt Kopenhagen in das Fahrrad als primäres Stadtverkehrsmittel. Kopenhagen belegt regelmäßig Spitzenplätze unter den fahrradfreundlichsten Städten der Welt – rund die Hälfte aller Pendlerfahrten innerhalb der Stadtgrenzen wird mit dem Rad zurückgelegt, ein Wert, der Kopenhagen zu einer der führenden europäischen Großstädte im Radverkehr macht. Die Hafenbrücken, von denen die Bryggebroen und die Cykelslangen die architektonisch bemerkenswertesten sind, wurden gezielt gebaut, um den Nord-Süd-Radverkehr über das Wasser zu erleichtern. Wer diese Routen systematisch erkunden möchte, findet im Radfahren-in-Kopenhagen-Guide und im Dänischen Architekturzentrum nützliche Orientierung.

Auch der umliegende Stadtteil Vesterbro hat sich seit der Eröffnung der Cykelslangen stark verändert. Die Kalvebod Brygge wächst mit neuen Gewerbe- und Wohngebäuden weiter, und die Hafenpromenade selbst ist zu einer Freizeitachse geworden, die die Innenstadt mit Amager verbindet. Wer Vesterbro als Viertel versteht – seinen älteren, gewachsenen Wohncharakter im Landesinneren gegenüber der neueren Hafenkante – bekommt ein besseres Gefühl dafür, was die Brücke räumlich bedeutet. Der Vesterbro-Stadtteilführer liefert den breiteren Kontext dazu.

Insider-Tipps

  • Der Weg vom S-Bahnhof Dybbølsbro ist die direkteste Route – doch wer 10 Minuten südlich entlang der Kalvebod Brygge vom Fisketorvet aus geht, erlebt die Brücke besser: Man sieht sie zuerst von unten und aus der Ferne, bevor man sie befährt oder überquert. Das macht das Ausmaß des Bauwerks deutlich greifbarer.
  • Das schmale Deck lässt zwei Radfahrer nebeneinander passieren – aber keine drei. Wenn du von der Brücke aus fotografierst, stell dich immer an die Geländerseite und bleib aufmerksam für Radfahrer, die von hinten kommen.
  • An heißen Sommertagen sind die Hafenbäder auf Islands Brygge nur eine 10-minütige Fahrt südlich über die Bryggebroen entfernt. Eine Brückenüberquerung kombiniert mit einem Hafenbad ergibt einen echten halben Sonnentag.
  • Wer speziell wegen der Architektur kommt: Die Ansicht von direkt unterhalb der Brücke vom Kai der Kalvebod Brygge aus zeigt die Statik der S-Kurve und den Freivorbau sehr klar – und liefert bessere Architekturfotos als die meisten Aufnahmen vom Deck selbst.
  • Die Brücke wird ganzjährig gewartet und ist normalerweise auch bei schlechtem Wetter geöffnet. Nach starkem Gefrierregen oder Eisbildung kann sie jedoch vorübergehend gesperrt werden. Wer im Januar oder Februar kommt, sollte vorab die aktuellen Bedingungen prüfen.

Für wen ist Cykelslangen (The Bicycle Snake) geeignet?

  • Radfahrer, die eine malerische Hafenüberquerung zwischen Vesterbro und Islands Brygge suchen
  • Architektur- und Stadtplanungsbegeisterte, die Kopenhagens Radinfrastruktur unter die Lupe nehmen
  • Fotografen, die markante Hafenperspektiven mit klarer grafischer Geometrie suchen
  • Reisende, die einen Vesterbro-Nachmittag mit Essen, Design und Wasserfront kombinieren möchten
  • Familien, die die Hafenroute mit Kindern entlangfahren, die sicher genug auf einem schmalen, erhöhten Deck radeln können

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Vesterbro:

  • Carlsberg District (Carlsberg Byen)

    Das Carlsberg-Viertel ist eine der ambitioniertesten Stadtentwicklungen Kopenhagens: Ein über 160 Jahre altes Brauereigelände in Vesterbro verwandelt sich in ein echtes Quartier aus umgenutzten Industriegebäuden, neuer Architektur, Kultureinrichtungen und unabhängigen Läden. Der Eintritt ist kostenlos – und wer sich Zeit lässt, wird belohnt.

  • Meatpacking District (Kødbyen)

    Einst das industrielle Herz des Kopenhagener Fleischhandels, hat sich Kødbyen in Vesterbro zu einem der spannendsten Abend- und Nachtziele der Stadt entwickelt. Die funktionalistischen, weiß gekachelten Gebäude – unter Denkmalschutz gestellt – beherbergen heute einige der besten Restaurants und Bars Dänemarks. Der Eintritt ins Viertel ist kostenlos, und die Atmosphäre wechselt dramatisch zwischen Tag und Nacht.