Schloss Bellver: Palmas kreisförmige Gotikfestung über der Bucht

Auf einem mit Pinien bewachsenen Hügel 3 km westlich des Palmaer Stadtzentrums thront Schloss Bellver – eine der wenigen kreisförmigen gotischen Festungen Europas. Unter König Jaume II. erbaut und um 1311 fertiggestellt, diente sie als Königsresidenz, Gefängnis und beherbergt heute das Stadthistorische Museum Palma. Schon der Blick über die Bucht von Palma allein lohnt den Aufstieg.

Fakten im Überblick

Lage
Puig de Bellver, ca. 3 km westlich vom Palmaer Stadtzentrum
Anfahrt
Buslinien 4, 20 oder 47 bis Plaça Gomila, dann ca. 500 Stufen bergauf durch den Pinienwald
Zeitbedarf
1,5 bis 2,5 Stunden inkl. Fußweg, Schloss und Museum
Kosten
4 € Erwachsene · 2 € ermäßigt (Rentner, 14–18 Jahre) · Kostenlos unter 14 Jahren und sonntags ganztägig
Am besten für
Geschichtsinteressierte, Fotografen, Familien mit kleinem Budget und alle, die den Panoramablick über die Bucht von Palma genießen wollen
Kreisförmiger Innenhof von Schloss Bellver mit gotischen Bögen, zentralem Brunnen, Reihen leerer Stühle und Besuchern, die die historische Steinfestung erkunden.

Was ist Schloss Bellver?

Castell de Bellver („schöne Aussicht" auf Katalanisch) ist eine gotische Burg aus dem 14. Jahrhundert und eine der seltensten kreisförmigen mittelalterlichen Festungen Europas. Der Bau begann 1300 im Auftrag von König Jaume II. von Mallorca und war um 1311 abgeschlossen – das Schloss ist damit über 700 Jahre alt. Es thront auf dem Puig de Sa Mesquida auf etwa 112 Metern über dem Meeresspiegel, umgeben vom duftenden Palmaer Pinienwald und mit weitem Blick über die gesamte Bucht von Palma.

Was das Schloss architektonisch so besonders macht, ist der Grundriss: ein nahezu perfekter Kreis, mit drei zylindrischen Türmen um einen offenen, runden Innenhof und einem separaten zylindrischen Bergfried, der durch einen erhöhten Bogen mit dem Hauptgebäude verbunden ist. Die meisten europäischen Burgen dieser Epoche sind rechteckig oder vieleckig. Der kreisförmige Entwurf war keine bloße Spielerei – er war eine bewusste Entscheidung der mallorquinischen Gotikarchitekten unter der Krone von Mallorca, sowohl aus defensiven als auch aus ästhetischen Gründen.

ℹ️ Gut zu wissen

Sonntags ist der Eintritt den ganzen Tag kostenlos. Wer zeitlich flexibel ist, spart damit 4 € pro Person – und hat trotzdem Zugang zum vollständigen Museum und den Dachterrassen.

Der Weg hinauf: Pinienwald und Aufstieg

Der Weg zu Schloss Bellver ist bereits Teil des Erlebnisses, auch wenn er nicht ganz ohne ist. Von der Plaça Gomila (Buslinien 4, 20 und 47) führt ein gut ausgeschilderter Pfad durch schattigen Pinienwald bergauf. Der Aufstieg umfasst insgesamt etwa 500 Stufen, verteilt auf einen kurvigen Wanderweg statt einer einzigen langen Treppe. An heißen Sommertagen spendet das Kronendach der Pinien willkommenen Schatten, und die Luft trägt den trockenen, harzigen Duft mediterraner Pinien gemischt mit wildem Rosmarin.

In gemütlichem Tempo dauert der Aufstieg 15 bis 20 Minuten. Wer früh kommt – im Sommer vor 9:30 Uhr – hat den Weg fast für sich und genießt angenehme Kühle. Zur Mittagszeit im Juli und August wird der Aufstieg auch im Schatten spürbar warm. Personen mit eingeschränkter Mobilität sollten wissen, dass weder der Zugangsweg noch die Innentreppen des Schlosses für Rollstühle oder Kinderwagen geeignet sind. In diesem Fall ist die Anfahrt mit dem Auto und Parken in der Nähe des Eingangs eine sinnvolle Alternative.

⚠️ Besser meiden

Der Weg zum Schloss hat unebene Steinoberflächen und steile Abschnitte. Festes Schuhwerk mit gutem Profil ist Pflicht. Bei Nässe kann der Stein rutschig werden.

Tickets & Führungen

Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.

  • Dinosaurland and Caves of Hams combined ticket

    Ab 25 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Shuttle Boat from Cala Millor to Cala Ratjada

    Ab 26 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • 3-hour Es Trenc Boat Tour in Mallorca

    Ab 39 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Shuttle Boat Roundtrip from Cala Bona to Cala Ratjada

    Ab 29 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung

Im Schloss: Architektur und Atmosphäre

Durch das Burgtor tritt man direkt in den kreisförmigen Innenhof. Zweigeschossige gotische Arkaden ziehen sich an den Innenwänden entlang – mit Spitzbögen und gemeißelten Steinsäulen. Die Proportionen wirken überraschend intim für eine Festung – eher wie ein Kreuzgang als ein militärisches Bollwerk. Am frühen Morgen ist es im Innenhof still genug, um Tauben und den Wind in den oberen Bögen zu hören. Ab 11 Uhr in der Hauptsaison treffen Schulklassen und Reisegruppen ein, und die Geräuschkulisse verändert sich schlagartig.

Der separate zylindrische Bergfried, die torre de l'homenatge, ist über eine einbögige Brücke auf der zweiten Ebene mit dem Hauptgebäude verbunden. Von den Dachterrassen aus schweift der Blick über die gesamte Bucht von Palma – von der Kathedrale La Seu an der östlichen Uferpromenade bis zu den fernen Landzungen im Westen. An klaren Morgen ist das Licht scharf und die Fotobedingungen vor 10 Uhr ausgezeichnet. Zur Mittagszeit sorgt die Südausrichtung für hartes Deckenlicht, das die Aussicht erheblich abflacht.

Das Schloss ist eine der markantesten Silhouetten am Horizont von Palma de Mallorca, und wer das Schloss selbst fotografieren möchte – statt nur den Blick von dort –, sollte Aussichtspunkte am Ufer in der Nähe des Parc de la Mar im Osten aufsuchen – am späten Nachmittag zeichnet sich die Hügelsilhouette dort klar gegen den Himmel ab.

Geschichte: Königsresidenz, Staatsgefängnis und Museum

Die Geschichte des Schlosses ist lang und wechselhaft. Es diente als Königsresidenz für die Herrscher von Mallorca, darunter König Sanç im Jahr 1314 und König Joan I. im Jahr 1395. Nachdem das Königreich Mallorca von der Krone Aragons absorbiert wurde, verlor das Schloss seinen Rang als bedeutende Königsresidenz und wurde über lange Zeiträume als Militärgarnison genutzt.

Ab 1717, nach dem Spanischen Erbfolgekrieg, wurde Schloss Bellver zum politischen Gefängnis. Es beherbergte Gefangene während der Napoleonischen Kriege und des Spanischen Bürgerkriegs, unter anderem. Der Philosoph Gaspar Melchor de Jovellanos, eine Schlüsselfigur der spanischen Aufklärung, war von 1801 bis 1808 hier inhaftiert und schrieb während seiner Gefangenschaft über die Geschichte des Schlosses. Diese Seite der Vergangenheit verleiht dem Ort eine leise, nachdenkliche Note, die die schönen Aussichten leicht vergessen lassen.

Heute beherbergt das Schloss das Stadthistorische Museum Palma, das die menschliche Geschichte der Insel von den bronzezeitlichen Talaiots-Siedlungen über die römische Besatzung und arabische Herrschaft bis in die spanische Epoche nachzeichnet. Wer sich einen Überblick über die prähistorischen Stätten Mallorcas verschaffen möchte, kann das Museum gut mit einem späteren Besuch von Orten wie Ses Paisses in Artà, einer der besterhaltenen Talaiot-Siedlungen der Insel, kombinieren.

Die Museumssammlung: Was dich erwartet

Das Museum erstreckt sich auf zwei Stockwerken der Innenräume des Schlosses, mit chronologisch geordneten Sammlungen. Zu sehen sind Keramik, Werkzeuge und Grabbeigaben aus der Talaiots-Zeit (grob 1300 bis 123 v. Chr.), römische Skulpturen und Münzen sowie Fragmente gemeißelter Steinarbeiten aus der arabischen Periode der Medina Mayurqa. Hinzu kommen mittelalterliche Dokumente und königliche Artefakte aus der Zeit der Krone von Mallorca.

Die Sammlung ist gut kuratiert, aber nicht überwältigend groß. Die Beschriftungen sind auf Katalanisch, Spanisch und Englisch. Plane 45 bis 60 Minuten ein, um alles in Ruhe zu sehen. Für 4 € lohnt sich der Besuch – wer allerdings kein besonderes Interesse an lokaler Archäologie oder mittelalterlicher Geschichte mitbringt, wird den Blick von den Terrassen wahrscheinlich als das Highlight mitnehmen.

💡 Lokaler Tipp

Die Dachterrasse ist im Eintrittspreis inbegriffen. Auf keinen Fall auslassen – das 360-Grad-Panorama ist der Grund, warum die meisten Besucher zufrieden gehen, selbst wenn das Museum sie nicht besonders begeistert hat.

Öffnungszeiten, Preise und Anfahrt

Schloss Bellver ist das ganze Jahr über geöffnet, mit saisonalen Zeiten. Von April bis September: Dienstag bis Samstag 08:30 bis 20:00 Uhr, Sonn- und Feiertage 10:00 bis 20:00 Uhr, Montag nur 08:30 bis 13:00 Uhr. Von Oktober bis März: Dienstag bis Samstag 10:00 bis 18:00 Uhr, Sonn- und Feiertage 10:00 bis 15:00 Uhr. Montags ist das Schloss von Oktober bis März geschlossen. Aktuelle Öffnungszeiten vor dem Besuch immer nochmal prüfen, da saisonale Änderungen möglich sind.

Der Eintritt beträgt 4 € für Erwachsene, 2 € für Rentner und Besucher zwischen 14 und 18 Jahren, und für Kinder unter 14 Jahren ist er kostenlos. Sonntags ist der Eintritt für alle frei. Eine Voranmeldung ist unter normalen Umständen nicht erforderlich.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nimmst du die Buslinien 4, 20 oder 47 bis zur Plaça Gomila und folgst dann dem ausgeschilderten Weg bergauf durch den Pinienwald. Wenn du das mit einem Vormittag in der Altstadt kombinieren möchtest, bieten sich die Kathedrale La Seu und Schloss Bellver als logische Kombination an – zuerst die Kathedrale, dann das Schloss am frühen Nachmittag, wenn sich die Menschenmassen etwas gelichtet haben. Mit dem Auto gibt es Parkplätze in der Nähe des Schlosseingangs – die praktischste Option für Familien mit kleinen Kindern.

Für wen lohnt sich der Besuch – und für wen nicht

Schloss Bellver ist ideal für Reisende, die Geschichte und Architektur mögen oder einfach einen erhöhten Blick über Palma genießen wollen und bereit sind, dafür etwas Aufwand zu betreiben. Familien mit älteren Kindern kommen meist gut auf ihre Kosten – der kreisförmige Grundriss ist ungewöhnlich genug, um echte Neugier zu wecken, und die breiten Terrassen bieten Kindern Raum zum Bewegen. Sonntags, wenn der Eintritt frei ist, mischen sich Einheimische und Touristen, was dem Ort eine entspanntere, weniger kommerzielle Atmosphäre gibt als bezahlten Kulturstätten oft eigen ist.

Wer hauptsächlich ans Meer oder in die Clubs will, wird hier weniger fündig – das Schloss verlangt gut 2 Stunden und moderate körperliche Anstrengung im Tausch gegen mittelalterliche Architektur und Lokalgeschichte. Wer spektakuläre, theatralische Burgerlebnisse bevorzugt, könnte die Dimensionen im Vergleich zu großen Festlandspanier Festungen als bescheiden empfinden. Und wer mit der Mobilität zu kämpfen hat, sollte wissen, dass sowohl der Aufstieg als auch die Innentreppen des Schlosses wirklich steil sind. Für ein barriereärmeres, gleichermaßen lohnenswertes Palma-Erlebnis bietet das Es Baluard Museum an der Uferpromenade Kunst, Architektur und Ausblick mit deutlich einfacherem Zugang.

Wer seinen Mallorca-Aufenthalt sorgfältig planen möchte, findet im Einwöchiger Mallorca-Reiseplan Tipps, wie sich Schloss Bellver gut in einen umfassenderen Zeitplan mit anderen Palma-Highlights und Tagesausflügen einbauen lässt.

Insider-Tipps

  • Sonntags ist der Eintritt kostenlos – am besten vor 11 Uhr kommen, wenn die Terrassen noch ruhig sind und man die Aussicht in Ruhe genießen kann.
  • Der Fußweg durch den Pinienwald ab der Plaça Gomila duftet im Spätfrühling (April bis Mai) besonders intensiv, wenn die Bäume in der Sonne warm werden und das Unterholz noch grün ist. Die 20 Minuten bis hinauf sind tatsächlich angenehm – kein lästiger Pflichtweg.
  • Wer das Schloss selbst im Bild haben möchte (nicht nur den Blick von dort), sollte sich am späten Nachmittag am Passeig Marítim entlangbewegen – dann zeichnet sich die Silhouette des Hügels schön im warmen Westlicht ab.
  • Eine Flasche Wasser mitbringen. Im Schloss gibt es weder ein Café noch Automaten, und der Aufstieg im Sommer macht durstig.
  • Im Winter (Oktober bis März) ist montags geschlossen, und sonntags endet die Öffnungszeit bereits um 15:00 Uhr. Wer sonntags im Winter erst nach 14:00 Uhr ankommt, hat kaum noch Zeit drinnen.

Für wen ist Schloss Bellver geeignet?

  • Geschichts- und Architekturbegeisterte, die mittelalterliche Geschichte jenseits der Kathedrale erleben wollen
  • Sparfüchse: sonntags kostenlos, sonst günstig
  • Familien mit Kindern ab ca. 8 Jahren, die den Aufstieg schaffen
  • Fotografen auf der Suche nach Panoramaaufnahmen der Bucht von Palma
  • Besucher, die dem Trubel der Altstadt für ein paar Stunden in ruhiger, nach Pinien duftender Natur entfliehen wollen

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Palma de Mallorca:

  • Arabische Bäder (Banys Àrabs)

    Die Banys Àrabs sind das einzige erhaltene Zeugnis von Palmas islamischer Vergangenheit – aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. Kompakt, aber wirklich atmosphärisch: Dieses uralte Hammam im Herzen der Altstadt lässt sich in unter einer Stunde erkunden und lohnt sich für alle, die auch nur ein bisschen Sinn für Geschichte mitbringen.

  • Bischofsgarten (Jardí del Bisbe)

    Versteckt hinter den mächtigen Mauern der Kathedrale von Palma liegt der Jardí del Bisbe – ein kleiner formaler Garten auf dem Gelände des Bischofspalastes. Der Eintritt ist frei, und die meisten Besucher eilen achtlos an ihm vorbei, auf dem Weg zwischen La Seu und der Strandpromenade. Dabei bietet er Zitrushainen, Kräuterbeete, einen Zierbrunnen und einen seltenen bodennahen Blick auf das berühmte Rosettenfenster der Kathedrale.

  • Es Baluard Museum für Moderne & Zeitgenössische Kunst

    Das Es Baluard Museu d'Art Contemporani de Palma ist in einem Renaissance-Bollwerk der alten Stadtbefestigung untergebracht und vereint über 800 Werke moderner und zeitgenössischer Kunst mit einem atemberaubenden Panorama über die Bucht von Palma. Es ist eines der architektonisch beeindruckendsten Museen der Balearen – und deutlich ruhiger als die Kathedrale, die nur wenige Gehminuten entfernt liegt.

  • Fundació Pilar i Joan Miró

    Die Fundació Pilar i Joan Miró a Mallorca ist der Ort, an dem Joan Miró tatsächlich gearbeitet hat – und genau diese biografische Nähe hebt sie von jedem gewöhnlichen Galeriebesuch ab. Verteilt auf erhaltene Ateliers, ein Ausstellungsgebäude von Rafael Moneo und einen Skulpturengarten im Palmaer Stadtteil Cala Major, bewahrt die Stiftung rund 6.000 Werke und gehört zu den architektonisch durchdachtesten Kunsträumen Spaniens.