Barranco de los Cernícalos: Gran Canarias grünste Schlucht

Der Barranco de los Cernícalos ist eine 7 km lange Rundwanderung durch eine Schlucht im zentralöstlichen Gran Canaria, wo ein ganzjähriger Bach durch Lorbeerwald, farnbedeckte Felswände und kleine Wasserfälle führt. Der Eintritt ist frei, eine Buchung ist nicht nötig, und der Weg ist deutlich ruhiger als die bekannteren Hochlandrouten der Insel.

Fakten im Überblick

Lage
Gemeinde Telde, zentralöstliches Gran Canaria. Zugang von Los Arenales del Lomo Magullo über GC-131 / GC-132.
Anfahrt
Auto empfohlen. Der GC-131 Richtung Lomo Magullo folgen, dann auf den GC-132 Richtung Los Arenales / Cernícalos abbiegen. Busverbindungen sind begrenzt – aktuelle Global-Linien vor der Fahrt prüfen.
Zeitbedarf
3 bis 4 Stunden für den 7 km langen Rundweg (leichter bis mittlerer Schwierigkeitsgrad laut Telde-Tourismus). Die gesamte Schlucht erstreckt sich über rund 12 km von der Caldera de Los Marteles bis nach Tecén.
Kosten
Kostenlos. Kein Eintritt, keine Voranmeldung erforderlich.
Am besten für
Wanderer, die grüne Landschaften suchen, Familien mit älteren Kindern, Naturfotografen und alle, die eine Alternative zu den überfüllten Gipfelrouten der Insel wollen.
Kleiner Wasserfall, der über eine felsige Klippe inmitten üppiger grüner Vegetation im Barranco de los Cernícalos auf Gran Canaria stürzt.
Photo Gerda Arendt (CC BY-SA 4.0) (wikimedia)

Was der Barranco de los Cernícalos wirklich ist

Der Barranco de los Cernícalos ist eine tiefe Naturschlucht an der Ostflanke Gran Canarias, die sich rund 12 km vom Vulkankraterbecken der Caldera de Los Marteles bis zur Küstenstadt Tecén in der Gemeinde Telde erstreckt. Der Abschnitt, den die meisten Wanderer begehen, ist die untere Schlucht, zugänglich vom Erholungsgebiet Los Arenales del Lomo Magullo – eine 7 km lange Hin-und-zurück-Route mit leichtem bis mittlerem Schwierigkeitsgrad laut Telde-Tourismus (rund 4 Stunden).

Was diese Schlucht von den meisten Barrancos Gran Canarias unterscheidet, ist simpel: Wasser. Ein dauerhafter Bach fließt durch das Tal, selbst in den trockenen Sommermonaten, gespeist vom hochgelegenen Einzugsgebiet der Reserva de Los Marteles, einem geschützten Gebiet mit 3.568 Hektar oberhalb. Diese konstante Feuchtigkeit erhält einen Korridor aus subtropischem Lorbeerwald, Baumfarnen, Moosen und blühenden Pflanzen, der eher an einen Nebelwald erinnert als an die ausgedörrten Hänge der typischen Ostküste. Der Name bezieht sich auf den Turmfalken (cernícalo auf Spanisch), der noch immer über den Schluchtwänden zu beobachten ist.

💡 Lokaler Tipp

An Wochenenden frühzeitig aufbrechen. Samstags ist der Parkplatz in Los Arenales gegen 10 Uhr oft voll, und der untere Weg wird merklich belebter. Bis 8:30 Uhr ankommen oder unter der Woche kommen – dann ist es deutlich ruhiger.

Die Wanderung: Was dich wann erwartet

Der Weg beginnt im Erholungsgebiet Los Arenales, einer schattigen Picknickzone mit einfachen Einrichtungen wie Bänken. Der Pfad führt fast sofort in die Schlucht hinab, und schon nach wenigen Minuten fällt die Temperatur spürbar, sobald sich die Schluchtwände verengen. Das Geräusch des Baches – manchmal ein leises Rieseln, manchmal ein richtiges Rauschen nach Winterregen – begleitet einen ab hier ununterbrochen.

Im ersten Kilometer wandelt sich die Vegetation von kargem Buschwerk zu einem richtigen Walddach. Farne hängen über die Felswände. Der Pfad verläuft größtenteils flach entlang des Talbodens und quert den Bach an mehreren Stellen auf einfachen Trittsteinen. Wasserfeste Trailschuhe sind eine sinnvolle Wahl, besonders zwischen November und März, wenn der Wasserstand steigt.

Weiter in der Schlucht verengt sich der Canyon und das Licht verändert seinen Charakter. Bei einem Morgenbesuch treffen direkte Sonnenstrahlen auf die oberen Schluchtwände, während der Talboden kühl und teils schattig bleibt. Um die Mittagszeit im Sommer erreicht mehr direktes Licht die unteren Abschnitte und die Temperatur steigt entsprechend – genau dann zahlt sich ein früher Start wirklich aus. Die Route führt zu kleinen Kaskaden tiefer in der Schlucht, und an diesen Becken machen die meisten Wanderer Halt, essen und kehren um.

Im Winter und Frühfrühling, nach ergiebigen Regenfällen, führen die Wasserfälle richtig Wasser. Die Bachüberquerungen erfordern dann mehr Vorsicht, aber die Belohnung – eine üppig grüne, wasserreiche Schlucht auf einer sonnengebadeten Atlantikinsel – ist erheblich. Sommerbesuche sind wasserärmer, aber dank des Waldschattens immer noch grün und angenehm.

Ökologie und Schutzstatus

Der Barranco de los Cernícalos liegt innerhalb oder angrenzend an die Reserva de Los Marteles, eines der geschützten Naturgebiete Gran Canarias. Das Schluchtenökosystem dient als Refugium für Pflanzenarten, die beständige Feuchtigkeit benötigen, darunter Lorbeerarten, Baumheide (Erica arborea) und einheimische Farne. Dieser subtropische Lorbeerwald, bekannt als Laurisilva, war einst weit verbreitet auf den Kanarischen Inseln und in Makaronesien, bevor menschliche Besiedlung ihn drastisch dezimierte. Eine Wanderung durch den Barranco vermittelt ein seltenes Gespür dafür, wie Gran Canarias Innentäler vor Landwirtschaft und Urbanisierung aussahen. Wer diese endemische Vegetation faszinierend findet, erhält im Jardín Botánico Viera y Clavijo bei Las Palmas einen hervorragenden Überblick über die kanarische Flora.

Tierwelt ist vorhanden, aber unaufdringlich. Turmfalken sind die Stars, am frühen Morgen über dem Schluchtkamm sichtbar. Buchfinken, Rotkehlchen und Kanarische Zilpzalps bewegen sich durch das untere Blätterdach. Der Bach selbst beherbergt Wasserinvertebraten und gelegentlich Frösche. Die wichtigste Regel für die Tierbeobachtung ist dieselbe wie in jeder empfindlichen Schlucht: auf dem Weg bleiben, Lärm vermeiden und sich in den ersten und letzten Wegabschnitten langsam bewegen.

Praktische Infos: Anreise und Einstieg

Der einfachste Zugang ist mit dem Auto. Von der Autobahn GC-1 an der Ostküste die Ausfahrt Telde nehmen und den Schildern Richtung Lomo Magullo über den GC-131 folgen. Von dort führt der GC-132 direkt zum Erholungsgebiet Los Arenales und seinem Parkplatz. Die Fahrt von Las Palmas de Gran Canaria dauert je nach Verkehr rund 30 bis 40 Minuten, was lokalen Routenbeschreibungen entspricht.

Der Busanschluss ist begrenzt. Der ÖPNV auf Gran Canaria wird von Global (Guaguas Global) betrieben, und obwohl das Netz viele Innengebiete erreicht, sollte die konkrete Verbindung nach Los Arenales vor dem Besuch auf der Global-Website überprüft werden. Wer einen längeren Tag plant und diesen Spaziergang mit anderen Sehenswürdigkeiten im Osten oder Zentrum kombinieren möchte, für den lohnt sich ein Mietwagen. Der Ratgeber zur Fortbewegung auf Gran Canaria erklärt alle Transportmöglichkeiten ausführlich.

Am Ausgangspunkt markiert eine einfache Informationstafel den Routenbeginn. Der Pfad ist gut ausgetreten und im Allgemeinen leicht zu folgen. Die Navigation ist auf der Haupt-Hin-und-zurück-Route nicht kompliziert, aber die Schlucht verzweigt sich stellenweise – den Bach beim Aufstieg auf einer Seite zu halten ist eine zuverlässige Orientierungshilfe. Der Weg ist nicht so gut ausgeschildert wie einige der offiziellen GR-Routen Gran Canarias, daher ist das Herunterladen einer Offline-Karte über Wikiloc oder eine ähnliche App vor dem Aufbruch praktischer Rat, keine Paranoia.

⚠️ Besser meiden

Nach starken Regenfällen können die Bachüberquerungen ohne wasserfeste Schuhe schwierig werden. Der Pfad kann auf nassen Felsabschnitten auch rutschig sein. Normale Wanderschuhe mit Profil sind das Minimum; Trailrunner mit etwas Grip meistern das Gelände gut.

Fotografie und Sinneseindrücke

Die Schlucht ist auf eine stille, unaufdringliche Art fotogen. Sie bietet keine Panoramablicke oder dramatische Felswände. Was sie bietet, ist Textur: das satte Grün von feuchtem Moos auf dunklem Vulkangestein, der silberne Faden des fließenden Wassers über glatte Steine, gefiltertes Licht durch überhängende Farnwedel. Ein Weitwinkelobjektiv oder ein Smartphone mit guter Schwachlicht-Kamera erfasst die Atmosphäre der engen Schluchtenabschnitte besser als ein Zoom. Die eindrucksvollsten Aufnahmen sind oft die schlichten: der Bach über Trittsteine, Kondenswasser auf Blättern oder die Schluchtwände, gerahmt vom Baumkronendach darüber.

Morgenlicht, besonders im Frühling und Herbst, trifft die oberen Schluchtwände in einem flachen Winkel und erzeugt einen warmen Schimmer gegen die grüne Vegetation. Der untere Waldboden bleibt den ganzen Tag kühl und diffus beleuchtet, was der Fotografie zugute kommt, weil harter Kontrast vermieden wird. Dies ist kein Ort für Sonnenuntergangsfotos – vom Talboden aus gibt es keine nennenswerte Aussicht. Morgen- oder Mittagslicht einplanen und die Erwartungen entsprechend anpassen.

Einbindung in ein größeres Gran-Canaria-Reiseprogramm

Der Barranco de los Cernícalos eignet sich gut als Vormittagsaktivität, kombiniert mit einem Nachmittag in der Gegend von Telde oder einer Rückkehr nach Las Palmas. Die Schlucht liegt auf der Ostseite der Insel und lässt sich daher gut mit anderen Erlebnissen im Osten oder in der Inselmitte verbinden. Von Los Arenales aus ist man in kurzer Fahrzeit bei den Vulkanlandschaften der Bandama-Caldera im Norden und der archäologischen Stätte Tufia näher an der Küste.

Wer ein mehrtägiges Programm plant, das Küste und Inland verbindet, kann die Schlucht gut am selben Tag wie kulturelle Sehenswürdigkeiten in Las Palmas einplanen. Das historische Viertel Vegueta ist weniger als eine Autostunde vom Ausgangspunkt entfernt, sodass eine Kombination aus Wanderung am Morgen und Stadtnachmittag gut machbar ist. Für Wanderer, die verschiedene Landschaftstypen vergleichen möchten, veranschaulicht der Kontrast zwischen dieser üppigen Schlucht und den kargen Vulkanhochlagen rund um den Roque Nublo Gran Canarias Mikroklimavielfalt eindrücklicher als jede Beschreibung.

Wer diese Wanderung nicht genießen wird: alle, die gepflegte touristische Infrastruktur, ein Café am Ende oder einen Aussichtspunkt erwarten. Der Barranco ist ein Naturpfad mit einfachen Einrichtungen nur am Ausgangspunkt. Menschen mit eingeschränkter Mobilität werden die Trittsteinüberquerungen und den unebenen Untergrund als schwierig empfinden. Wenn grüne Waldlandschaft nicht von sich aus Motivation für 7 km zu Fuß ist, ist das hier wahrscheinlich nicht die richtige Attraktion.

Insider-Tipps

  • Lade dir eine Offline-Karte von Wikiloc oder AllTrails herunter, bevor du den Mobilfunkbereich verlässt. Der Pfad verzweigt sich an einigen Stellen, und die Wegmarkierungen sind jenseits des unteren Abschnitts uneinheitlich.
  • Trage Trailschuhe oder wasserfeste Wanderschuhe, auch in trockenen Monaten. Die Trittsteine über den Bach sind uneben, und die Felsen in Wassernähe sind durchgehend rutschig.
  • Die Picknicktische im Erholungsgebiet Los Arenales sind auf dem Rückweg ein wirklich angenehmer Mittagsplatz. Bring eigenes Essen und Wasser mit – am Ausgangspunkt gibt es keinerlei Verpflegung.
  • Besuche den Barranco zwischen November und April, wenn die Wasserfälle richtig Wasser führen. Sommerbesuche lohnen sich trotzdem wegen des Waldschattens, aber der Wasserstand ist dann niedriger.
  • Die Turmfalken, nach denen die Schlucht benannt ist, sind am frühen Morgen am aktivsten. Halt in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang nach ihnen Ausschau an den oberen Felswänden und in den Aufwinden über dem Schluchtkamm.

Für wen ist Barranco de los Cernícalos geeignet?

  • Wanderer, die Schatten, Wasser und Grün abseits der überfüllten Hochlandrouten Gran Canarias suchen
  • Naturfotografen, die stimmungsvolle Wald- und Bachmotive statt Panoramablicke bevorzugen
  • Familien mit älteren Kindern, die 7 km unebenen Wegs über einen halben Tag bewältigen können
  • Reisende, die einen Städtetag in Las Palmas mit einer frühmorgendlichen Wanderung in der Nähe verbinden möchten
  • Alle, die Gran Canarias Lorbeerwaldvegetation erleben wollen, ohne bis in den fernen Nordwesten zu fahren

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Kombiniere deinen Besuch mit:

  • Nekropole Arteara

    Die Nekropole Arteara ist der größte aborigine Friedhof Gran Canarias – 809 steinerne Grabhügel verteilt über 13 Hektar im beeindruckenden Barranco de Fataga. Hier begegnest du der vorspanischen Vergangenheit der Kanarischen Inseln fernab des Trubels der Urlaubsorte im Süden.

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    Der Pico de Bandama erhebt sich 574 Meter über dem Meeresspiegel und bietet das spektakulärste Vulkanpanorama auf Gran Canaria. Darunter liegt die Caldera de Bandama – ein rund 200 Meter tiefer und etwa 1.000 Meter breiter Krater, der bei einem der jüngsten Vulkanausbrüche der Insel entstand. Der Eintritt ist kostenlos, die Fahrt von Las Palmas dauert unter einer Stunde, und der Ausblick reicht vom grünen Inselinneren bis zur Atlantikküste.

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    Der Cactualdea Park liegt in der abgelegenen westlichen Gemeinde La Aldea de San Nicolás, wo eine außergewöhnliche Sammlung von Kakteen und Sukkulenten vor Vulkangestein und atlantischem Licht gedeiht. Wer den Weg auf sich nimmt, wird mit etwas wirklich Besonderem belohnt: einer kuratierten Wüstenlandschaft, die sich vom Touristensüden der Insel grundlegend unterscheidet.

  • Dorf Fataga

    Eingebettet in den beeindruckenden Barranco de Fataga im Süden Gran Canarias ist das weiß getünchte Dorf Fataga ein kostenloser, entspannter Stopp mit echtem kanarischen Charakter. Dich erwarten palmgesäumte Gassen, eine schlichte Steinkirche und Ausblicke, nach denen kaum ein Strandtourist je sucht.

Zugehöriges Reiseziel:Gran Canaria

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