Nekropole Arteara: Größtes prähistorisches Gräberfeld Gran Canarias

Die Nekropole Arteara ist der größte aborigine Friedhof Gran Canarias – 809 steinerne Grabhügel verteilt über 13 Hektar im beeindruckenden Barranco de Fataga. Hier begegnest du der vorspanischen Vergangenheit der Kanarischen Inseln fernab des Trubels der Urlaubsorte im Süden.

Fakten im Überblick

Lage
Barranco de Fataga, San Bartolomé de Tirajana, Gran Canaria — direkt an der GC-60
Anfahrt
Am besten mit dem Auto über die GC-60 von Maspalomas oder Playa del Inglés; der Abzweig zum Weiler Arteara ist ausgeschildert. Organisierte Ausflüge sind ebenfalls verfügbar.
Zeitbedarf
1,5 bis 2,5 Stunden
Kosten
Normal: 4 €. Ermäßigt (Studenten, Senioren ab 65, Gruppen ab 10 Personen): 2 €. Kinder unter 10 Jahren frei. Aktuelle Preise vor dem Besuch prüfen.
Am besten für
Geschichtsinteressierte, Archäologiefans, Roadtripper, Fotografen im dramatischen Schluchtlicht
Blick auf den steinernen Grabhügel der Nekropole Arteara mit Informationstafel, vor zerklüfteten Felsen und Grünflächen im Barranco de Fataga, Gran Canaria.
Photo Victor R. Ruiz (CC BY-SA 2.0) (wikimedia)

Was ist die Nekropole Arteara?

Die Nekropole Arteara, auf Spanisch Necrópolis de Arteara, ist das größte bekannte Gräberfeld der Ureinwohner Gran Canarias und eine der bedeutendsten prähistorischen Ausgrabungsstätten der gesamten Kanarischen Inseln. Über rund 14 Hektar (etwa 138.000 m²) im unteren Abschnitt des Barranco de Fataga verteilt, umfasst das Gelände Hunderte von Einzel- und Sammelgrabbauten: steinerne Grabhügel, in denen die Verstorbenen der ursprünglichen Canarii-Bevölkerung bestattet wurden. Der Friedhof liegt am felsigen rechten Ufer des Barrancos, inmitten einer Landschaft aus Vulkangestein, spärlichem Buschwerk und aufragenden Schluchtenwänden.

Die Stätte wurde 1973 zum Bien de Interés Cultural (BIC) erklärt und genießt damit den höchsten Schutzstatus des spanischen Kulturerbes. Diese Einstufung hat großflächige Bebauung bislang verhindert, sodass das archäologische Gelände noch immer echte Abgeschiedenheit ausstrahlt – obwohl Maspalomas und Playa del Inglés nur eine kurze Fahrt das Tal hinunter entfernt liegen.

⚠️ Besser meiden

Offizielle Tourismuskanäle melden, dass die Stätte zeitweise vorübergehend geschlossen ist. Prüfe den aktuellen Öffnungsstatus immer über die offizielle Website oder die Gran Canaria Tourismuskanäle, bevor du die Fahrt antrittst.

Die Landschaft: Wo die Nekropole liegt

Der Barranco de Fataga ist eine der fotogensten Schluchten Gran Canarias: eine schmale, gewundene Schlucht, die sich durch dunkles Vulkangestein zieht, mit Palmenwäldchen in den unteren Bereichen und hellen Graten, die hoch darüber aufragen. Die Nekropole belegt einen Abschnitt dieser Schlucht, wo sich die Talsohle leicht weitet und das Gestein in Felder aus losem Geröll übergeht – genau die Art von Terrain, auf der die Canarii ihre Tumuli errichteten, indem sie das vor Ort vorhandene Steinmaterial nutzten.

Die Wirkung von mehr als 800 steinernen Grabhügeln, die sich über diese Landschaft verteilen, ist auf eine stille, sich langsam entfaltende Weise beeindruckend. Das hier ist kein einzelnes Monument, das du fotografierst und dann hinter dir lässt – es ist ein Feld aus Dutzenden von flachen Steinringen und Steinhaufen, das sich beim langsamen Durchstreifen erschließt. Einen Überblick über die weitere Schluchtenumgebung bietet der Reiseführer zum Dorf Fataga, das weiter oben im selben Barranco liegt und sich gut mit einem Besuch hier kombinieren lässt.

Die GC-60, die an der Stätte vorbeiführt, gehört auch zu einer der lohnendsten Überlandfahrten der Insel. Das Morgenlicht fällt von Osten in die Schlucht und wirft die Grabhügel in scharfem Relief gegen den Schluchtengrund – die besten Bedingungen für Fotos. Gegen Mittag im Sommer steht die Sonne direkt über dem Gelände, und die hellen Felsen reflektieren die Hitze intensiv; im Hauptbereich der Ausgrabungsstätte gibt es kaum Schatten.

Historischer Hintergrund: Wer hat diese Grabhügel errichtet?

Die Canarii, die vorspanische Urbevölkerung Gran Canarias, sollen von Berbergruppen abstammen, die von Nordafrika auf die Insel gelangten – möglicherweise im ersten Jahrtausend vor Christus oder noch früher. Sie waren eine sesshafte, bäuerliche Gesellschaft mit einer komplexen sozialen Hierarchie, der Tradition des Höhlenlebens und, wie Arteara eindrucksvoll belegt, ausgefeilten Bestattungspraktiken. Die Tumuli hier sind Steinringbauten, die Einzel- oder Gemeinschaftsgräber einschlossen und häufig Grabbeigaben enthielten. Manche Grabhügel sind in Gruppen angeordnet, die auf Familien- oder Clanverbände hindeuten könnten; andere stehen isoliert auf Felsvorsprüngen.

Was Arteara besonders bedeutsam macht, ist der Umfang. Kein anderer Canarii-Bestattungsplatz auf der Insel kommt dieser Stätte in Anzahl der Bauten oder Gesamtfläche auch nur annähernd gleich. Archäologen deuten die Nekropole als über lange Zeit genutzten Gemeinschaftsfriedhof, der wahrscheinlich die Bevölkerung eines weiten Tals über viele Generationen hinweg bediente – bis zur spanischen Eroberung der Insel, die 1483 abgeschlossen war.

Wer tiefer in die vorspanische Kultur der Insel eintauchen möchte, sollte auch die Cueva Pintada in Gáldar, die einzige erhaltene bemalte Höhle der Canarii, sowie das Museo Canario in Las Palmas in Betracht ziehen, das eine der vollständigsten Sammlungen von Canarii-Artefakten überhaupt besitzt.

Der Besuch in der Praxis: Wie es sich wirklich anfühlt

Wenn die Stätte geöffnet ist, empfängt sie Besucher von Dienstag bis Sonntag. Das vor Ort befindliche Interpretationszentrum vermittelt Hintergrundinformationen über die ersten Bewohner Gran Canarias. Die regulären Öffnungszeiten sind von Oktober bis März 10:00 bis 17:00 Uhr und von April bis September 10:00 bis 18:00 Uhr. Montags sowie an bestimmten Feiertagen – darunter 1. Januar, 6. Januar, 1. Mai sowie 24., 25. und 31. Dezember – bleibt die Stätte geschlossen.

Die Anreise mit dem Auto ist die praktischste Option. Von Maspalomas oder Playa del Inglés fährst du auf der GC-60 Richtung Norden in den Barranco de Fataga; der Abzweig nach Arteara ist ausgeschildert, noch bevor du das Dorf Fataga erreichst. Die Straße in den Weiler ist schmal, aber für normale Fahrzeuge problemlos befahrbar. Am Eingang der Stätte gibt es einen kleinen Parkplatz.

💡 Lokaler Tipp

Komme innerhalb der ersten Stunde nach der Öffnung an. Die Nekropole liegt in einer offenen Schlucht mit kaum Schatten. Im Sommer wird die Hitze auf dem exponierten Felsgefilde ab etwa 11:30 Uhr unangenehm, und das Licht ist für gute Fotos zu grell.

Das Gelände im Hauptbereich der Ausgrabungsstätte ist uneben: lockeres Vulkangestein, raue Steinpfade und welliges Terrain zwischen den Tumuli. Festes Schuhwerk mit Knöchelunterstützung ist dringend empfohlen. Für Besucher mit eingeschränkter Mobilität ist die Stätte wenig geeignet, da es keine befestigten Wege durch das Hauptfriedhofgelände gibt. Falls Mobilität ein Thema ist, kontaktiere die Stätte vorab über die offizielle Website, um zu erfahren, was in der Nähe des Interpretationszentrums zugänglich ist.

Die Besucherzahlen in Arteara sind im Vergleich zu den Küstenatraktionen der Insel gering. An den meisten Vormittagen, besonders unter der Woche außerhalb der Hauptsommersaison, kannst du zwischen den Grabhügeln in fast vollkommener Stille spazieren – nur der Wind in der Schlucht ist zu hören. Diese Ruhe ist ein wesentlicher Teil dessen, was die Stätte ausmacht. Gelegentlich treffen Reisegruppen per Bus ein, meist gegen Mitte des Vormittags. Wer das vermeiden möchte, kommt am besten direkt zur Öffnungszeit oder nach 15:00 Uhr.

Fotografie und Sinneseindrücke

Die Schluchtenwände über der Nekropole sind aus dunklem, mit hellerem Gestein durchzogenem Basalt, und der Himmel darüber ist an klaren Tagen fast immer von einem intensiven Blau. Am frühen Morgen werfen lange Schatten die kreisförmigen Tumuli in klares Relief. Auch am späten Nachmittag, wenn die westliche Schluchtenwand schräges Licht einfängt, entstehen gute Aufnahmebedingungen. Das Mittagslicht hingegen flacht alles ab und macht es schwer, die grauen Steinhügel vom umgebenden Terrain zu unterscheiden.

Der Geruch der Stätte ist wüstentrocken: heißer Stein, ein schwacher Hauch von Kräutern aus dem niedrigen Buschwerk und gelegentlich der Staub des unbefestigten Zufahrtswegs. Auffällig ist die Stille – es gibt kein Hintergrundrauschen aus Urlaubsorten, und die Schluchtenwände schlucken den Wind. Es ist wirklich ruhig – auf eine Weise, die die Dimension des Friedhofs anders erfahrbar macht, als es in einer belebteren Umgebung der Fall wäre.

Arteara mit der Umgebung kombinieren

Arteara lässt sich gut in eine halbtägige Fahrt durch das Innere Südgran Canarias einbinden. Die naheliegendste Erweiterung ist die Weiterfahrt auf der GC-60 nach Dorf Fataga, einem kleinen Weiler mit einem Dattelpalmenwald, ein paar Restaurants und einem weiten Blick zurück in den Barranco. Von Fataga aus führt die Straße weiter zur Cruz de Tejeda im geografischen Zentrum der Insel, falls du eine komplette Inlandsrundfahrt unternehmen möchtest.

Wer zurück in den Süden fährt, erreicht Maspalomas oder Playa del Inglés in weniger als 20 Minuten – damit ist Arteara ein gut machbarer Kulturausflug vom Urlaubsort aus, ohne dass du einen langen Ausflugstag einplanen musst.

ℹ️ Gut zu wissen

Bring Wasser mit. An der Nekropole selbst gibt es weder ein Café noch Verkaufsautomaten, und die Schluchtenhitze im Sommer kann täuschen. Mindestens ein Liter pro Person für einen normalen Besuch ist sinnvoll – mehr, wenn du vorhast, das gesamte Gelände zu erkunden.

Für wen diese Stätte nichts ist

Arteara ist nicht für jeden etwas. Wer ausführliche Beschriftungen und Ausstellungstafeln braucht, um sich mit einem Ort zu beschäftigen, dem hilft das Interpretationszentrum – aber im Freiluftgelände selbst gibt es an den einzelnen Grabhügeln keine erklärenden Hinweistafeln. Wer kein Vorwissen mitbringt und keine Führung hat, dem kann das Durchstreifen der Tumuli wie ein Spaziergang über ein Feld alter Steinhaufen vorkommen. Das ist keine Kritik an der Stätte – es ist eine ehrliche Beschreibung dessen, wie unberührtes archäologisches Gelände eben aussieht. Wer durchgehend ein museumsartiges Erlebnis erwartet, wird enttäuscht sein.

Familien mit kleinen Kindern sollten sorgfältig abwägen. Das Gelände ist uneben, vor Ort gibt es keinerlei Besuchereinrichtungen außer dem Interpretationszentrum, und für Kinder unter etwa zehn Jahren bietet die Stätte nichts Interaktives. Im Sommerheat kann ein Vormittag hier für kleine Kinder schnell anstrengend werden. Die nahen Strände im Süden sind für Familienausflüge deutlich besser geeignet.

Insider-Tipps

  • Besuche die Stätte am Dienstag- oder Mittwochmorgen – dann ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass du auf Reisebusse triffst. Wochenendvormittage verzeichnen den höchsten Individualreisenden-Andrang.
  • Das Interpretationszentrum am Eingang ist 20–30 Minuten deiner Zeit wert, bevor du das Gelände begehst. Es gibt dem Ganzen einen Rahmen: Die Grabhügel wirken ganz anders, wenn du die Bestattungspraktiken der Kanaren-Ureinwohner verstehst.
  • Wenn du Arteara mit einem Besuch in Fataga verbindest, fahre zuerst hierher, solange das Licht noch tief steht und die Temperaturen angenehm sind. Danach fährst du weiter nach Fataga für einen späten Vormittagskaffee, bevor die Hitze ihren Höhepunkt erreicht.
  • Fotos der Tumuli gelingen am besten von leicht erhöhten Positionen, von denen du auf die runden Steinringe hinunterschaust. Das felsige Gelände bietet natürliche Aussichtspunkte, die diesen Winkel ermöglichen – ohne auf die Grabhügel selbst zu klettern, was du unbedingt vermeiden solltest.
  • Die offizielle Website (necropolisdearteara.com) ist die zuverlässigste Quelle, um vor deinem Besuch den aktuellen Öffnungsstatus zu prüfen, da die Stätte zeitweise geschlossen war. Verlasse dich nicht allein auf Drittanbieter-Buchungsplattformen für diese Information.

Für wen ist Nekropole Arteara geeignet?

  • Reisende mit echtem Interesse an der vorspanischen Geschichte und Archäologie der Kanarischen Inseln
  • Fotografen auf der Suche nach dramatischem Schluchtlicht und urzeitlichen Landschaftsmotiven
  • Roadtripper auf einer Rundfahrt durch das Innere Südgran Canarias mit Fataga, Cruz de Tejeda und den südlichen Tälern
  • Besucher, die eine ruhige, unüberlaufene Alternative zu den belebten Urlaubsstränden im Süden suchen
  • Alle, die Kulturstätten mit Wanderungen im Barranco de Fataga verbinden möchten

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Kombiniere deinen Besuch mit:

  • Bandama-Caldera & Krateraussichtspunkt

    Der Pico de Bandama erhebt sich 574 Meter über dem Meeresspiegel und bietet das spektakulärste Vulkanpanorama auf Gran Canaria. Darunter liegt die Caldera de Bandama – ein rund 200 Meter tiefer und etwa 1.000 Meter breiter Krater, der bei einem der jüngsten Vulkanausbrüche der Insel entstand. Der Eintritt ist kostenlos, die Fahrt von Las Palmas dauert unter einer Stunde, und der Ausblick reicht vom grünen Inselinneren bis zur Atlantikküste.

  • Barranco de los Cernícalos

    Der Barranco de los Cernícalos ist eine 7 km lange Rundwanderung durch eine Schlucht im zentralöstlichen Gran Canaria, wo ein ganzjähriger Bach durch Lorbeerwald, farnbedeckte Felswände und kleine Wasserfälle führt. Der Eintritt ist frei, eine Buchung ist nicht nötig, und der Weg ist deutlich ruhiger als die bekannteren Hochlandrouten der Insel.

  • Cactualdea Park

    Der Cactualdea Park liegt in der abgelegenen westlichen Gemeinde La Aldea de San Nicolás, wo eine außergewöhnliche Sammlung von Kakteen und Sukkulenten vor Vulkangestein und atlantischem Licht gedeiht. Wer den Weg auf sich nimmt, wird mit etwas wirklich Besonderem belohnt: einer kuratierten Wüstenlandschaft, die sich vom Touristensüden der Insel grundlegend unterscheidet.

  • Dorf Fataga

    Eingebettet in den beeindruckenden Barranco de Fataga im Süden Gran Canarias ist das weiß getünchte Dorf Fataga ein kostenloser, entspannter Stopp mit echtem kanarischen Charakter. Dich erwarten palmgesäumte Gassen, eine schlichte Steinkirche und Ausblicke, nach denen kaum ein Strandtourist je sucht.

Zugehöriges Reiseziel:Gran Canaria

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