Cruz de Tejeda: Das Steinkreuz im Herzen Gran Canarias
Cruz de Tejeda ist der symbolische Mittelpunkt Gran Canarias – ein kleines Bergdorf auf 1.514 Metern Höhe, wo ein jahrhundertealtes Steinkreuz den Schnittpunkt der wichtigsten Inlandstraßen markiert. Der Blick über Vulkangipfel, kiefernbewaldete Bergrücken und uralte Calderen ist atemberaubend – und kostenlos.
Fakten im Überblick
- Lage
- Cruz de Tejeda, s/n, 35328 Tejeda, Gran Canaria, Spanien – an der Kreuzung der Straßen GC-15 und GC-150
- Anfahrt
- Mit dem Auto über die GC-15 von Las Palmas oder die GC-150 aus dem Süden. Öffentliche Busse verkehren von Las Palmas aus mit begrenzter Häufigkeit – Fahrpläne vorher prüfen.
- Zeitbedarf
- 1–2 Stunden für Aussichtspunkt und Weiler; ein halber Tag, wenn du noch wandern möchtest
- Kosten
- Kostenlos. Aussichtspunkt und Steinkreuz sind öffentlich zugänglich. Essen im Parador oder in lokalen Cafés ist kostenpflichtig.
- Am besten für
- Wanderer, Panoramafahrten, Fotografen und alle, die das bergige Innere Gran Canarias kennenlernen wollen
- Offizielle Website
- paradores.es/en/parador-de-cruz-de-tejeda

Was Cruz de Tejeda wirklich ist
Cruz de Tejeda ist in keinem herkömmlichen Sinne ein Dorf. Es ist ein Weiler auf großer Höhe – kaum mehr als eine Kreuzung – auf etwa 1.514 Metern über dem Meeresspiegel im geografischen Herzen Gran Canarias. Der Name bezeichnet sowohl das Steinkreuz am Eingang des Parador Nacional als auch den Aussichtsbereich drumherum. Ein paar Souvenirstände, einige Händler mit lokalen Mandeln und Marzipan sowie das renovierte Parador-Hotel mit Restaurant – das ist so ziemlich alles, was man hier findet.
Was die Menschen hierher zieht, ist nicht der Weiler selbst, sondern was ihn umgibt. Vom Kreuz aus öffnet sich die Landschaft in alle Richtungen über ein Insel-Inneres, das die meisten Küstentouristen nie zu Gesicht bekommen: Vulkanfelsen, terrassierte Schluchten, Kiefernwälder auf großer Höhe – und an klaren Tagen die unverkennbaren Silhouetten von Roque Nublo und Roque Bentayga, die sich im Südwesten aus dem Bergrücken erheben.
ℹ️ Gut zu wissen
Cruz de Tejeda ist ein kostenloser, öffentlicher Freiraum, der zu jeder Stunde zugänglich ist. Kein Ticket, keine Reservierung, keine Warteschlange. Das Parador-Restaurant und die Cafés vor Ort haben eigene Öffnungszeiten und Preise – direkt dort nachfragen, wenn du essen möchtest.
Die Aussicht: Was man sieht und warum es eine Rolle spielt
Gran Canaria wird oft als Kontinent im Miniaturformat beschrieben, und Cruz de Tejeda ist der Ort, wo dieser Vergleich am meisten Sinn ergibt. Die Landschaft der Insel wurde durch Millionen Jahre Vulkanaktivität geformt, und die zentrale Caldera-Region, die man von hier aus sieht, gehört zu den ältesten freigelegten Gesteinsformationen Gran Canarias. Die Gipfel in der Ferne sind nicht nur fotogen – sie sind archäologisch und kulturell bedeutsame Wahrzeichen, die das indigene Volk der Canarii als heilig betrachtete.
Die beiden vom Aussichtspunkt aus sichtbaren Formationen, Roque Nublo und Roque Bentayga, stehen beide unter Naturschutz. Der Roque Nublo auf etwa 1.813 Metern ist der erodierte Pfropfen eines uralten Vulkans und eine der markantesten Formen der Insel. Der Roque Bentayga war vor der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert ein wichtiger Zeremonialplatz der Guanchen. Beide auf einen Blick von Cruz de Tejeda aus zu sehen, vermittelt ein Gefühl von Maßstab, das keine Postkarte wirklich einfangen kann.
Bei hoher Luftfeuchtigkeit oder Calima (staubbeladener Wind aus der Sahara) kann die Sicht teilweise eingeschränkt sein und das Licht wirkt flach und gelblich-grau. Das sollte man wissen, bevor man eine Stunde lang in die Berge fährt. Die klarsten Bedingungen herrschen oft nach Regen im Winter oder früh morgens im Frühling und Herbst.
Wie sich das Erlebnis im Tagesverlauf verändert
Wer früh ankommt – möglichst vor 9 Uhr – erlebt Cruz de Tejeda am ruhigsten und oft auch am eindrucksvollsten. Nebel liegt häufig in den Tälern unterhalb des Passes, und die Gipfel tauchen langsam daraus auf, während die Sonne höher steigt. Die Luft auf dieser Höhe riecht scharf und harzig nach den kanarischen Kiefernwäldern an den umliegenden Hängen. In den Wintermonaten sollte man eine warme Jacke einpacken; auf 1.514 Metern kann es 8 bis 10 Grad kälter sein als an der Küste.
Gegen späten Vormittag, besonders an Wochenenden, füllen sich die Parkplätze und die Souvenirverkäufer bauen ihre Stände auf. Die Atmosphäre wird geselliger – Familien auf einem Sonntagsausflug, Wanderer mit schlammigen Stiefeln, die vom Roque Nublo zurückkehren, und Touristen, die kurz im Rahmen organisierter Ausflüge vorbeischauen. Die Terrasse des Paradors wird zu einem schönen Ort, um bei einem Kaffee das wechselnde Licht über der Caldera zu beobachten.
Ab etwa 16 Uhr lichtet sich der Tagesausflügler-Trubel. Das Gestein verändert seine Farbe im flachen Abendlicht erheblich – von Graubraun zu Bernstein und Orange. Wer ein Auto und Flexibilität hat, erlebt die Fahrt zurück durch das Dorf Tejeda zu dieser Zeit am schönsten.
💡 Lokaler Tipp
Die beiden kostenlosen Parkplätze entlang der GC-150 füllen sich an Wochenenden und Feiertagen schnell – in der Hauptsaison oft schon um 10 Uhr. Wer vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr kommt, hat das Parkproblem nahezu vollständig gelöst.
Anreise: Praktische Routen
Am praktischsten ist die Anreise mit dem Auto. Die GC-15 von Las Palmas de Gran Canaria schlängelt sich durch Vega de San Mateo hinauf in die Berge – je nach Verkehr und Stopps etwa 40 bis 50 Minuten Fahrt. Aus dem Süden verbindet die GC-60, gefolgt von der GC-150, die Küste über das Tejeda-Tal mit Cruz de Tejeda – mit Blick auf den Roque Bentayga entlang des Weges. Beide Strecken sind asphaltiert und mit einem normalen Mietwagen gut fahrbar, beinhalten jedoch durchgehend enge Kurven auf großer Höhe.
Öffentliche Busse fahren von Las Palmas aus nach Cruz de Tejeda – betrieben vom insularen Global-Linienbussnetz – jedoch mit begrenzter Frequenz und deutlich reduziertem Fahrplan an Wochenenden und Feiertagen. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, sollte die aktuellen Fahrpläne vor der Abfahrt prüfen. Für alle, die Cruz de Tejeda mit weiteren Stopps im Inselinneren verbinden möchten, zeigt der Gran-Canaria-Roadtrip-Guide sinnvolle Routen durchs zentrale Hochland.
Die Straße direkt bei Cruz de Tejeda, in der Nähe des Kreuzes und des Paradors, ist eben genug – doch die umliegenden Wege sind unebenes Berggelände. Besucher mit eingeschränkter Mobilität können das Steinkreuz problemlos erreichen und die Aussicht genießen, ohne den Straßenbereich zu verlassen. Alles darüber hinaus ist felsiges, unregelmäßiges Terrain.
Wandern jenseits des Aussichtspunkts
Cruz de Tejeda ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Wanderungen im Inselinneren Gran Canarias. Die beliebteste Route von hier führt zum Roque Nublo – etwa 3 bis 4 Kilometer pro Strecke mit moderatem Höhenanstieg. Der Weg führt durch Kiefernwald und bietet durchgehend Ausblicke über die zentrale Caldera. Die meisten Wanderer brauchen für die Hin- und Rückfahrt 2 bis 3 Stunden. Festes Schuhwerk ist Pflicht – der Pfad ist steinig und kann nach Regen rutschig sein.
Wer einen längeren Tag plant, kann über Wanderwege auch den Pico de las Nieves erreichen – den höchsten zugänglichen Gipfel der Insel auf etwa 1.949 Metern. Das Gelände hier oben ist echtes Bergwandern, und das Wetter kann sich schnell ändern. Lagen und ausreichend Wasser sind also Pflicht, egal wie warm es an der Küste war.
Das Wanderwegenetz rund um Tejeda ist weitläufig. Das Innere Gran Canarias ist mit markierten Wegen durchzogen, und Cruz de Tejeda liegt in ihrem Zentrum. Der Wanderführer Gran Canaria stellt die besten Routen für unterschiedliche Fitnesslevel vor – darunter mehrere, die hier beginnen oder enden.
⚠️ Besser meiden
Das Wetter auf 1.514 Metern kann sich schnell ändern. Wolken ziehen in wenigen Minuten auf, die Sicht nimmt ab und die Temperatur fällt spürbar. Selbst im Sommer gilt: eine winddichte Schicht mitnehmen, wenn du über den Aussichtspunkt hinaus wandern möchtest.
Das Parador und lokale Küche
Das Parador de Cruz de Tejeda ist ein staatliches Hotel direkt am Kreuz. Es wurde vollständig renoviert und als modernes Haus wiedereröffnet, und sein Restaurant steht auch Nicht-Hotelgästen offen. Auf der Terrasse des Paradors bei einem Kaffee oder einem Teller lokaler Spezialitäten zu sitzen und dabei den Blick über die Caldera schweifen zu lassen – das ist schlicht eines der schönsten Erlebnisse, die das Innere Gran Canarias zu bieten hat. Die Speisekarte setzt auf kanarische Küche, darunter die mandelbasierten Gerichte, für die die Gemeinde Tejeda bekannt ist.
Tejeda ist die Mandelhauptstadt Gran Canarias. Die Gemeinde produziert Mandeln, und das lokale Marzipan (in flüssiger Form Bienmesabe genannt) wird an Straßenständen in der Nähe des Kreuzes verkauft. Es ist süß und klebrig, aus gemahlenen Mandeln und Honig hergestellt – und deutlich besser als alles, was in den Souvenirläden der Küstenresorts angeboten wird. Wer direkt bei den Händlern kauft, bekommt echte lokale Ware.
Fotografieren in Cruz de Tejeda
Die klassische Aufnahme vom Hauptaussichtspunkt zeigt das Steinkreuz im Vordergrund mit dem Roque Nublo am Horizont – fast jeder macht genau dieses Bild. Für etwas Interessanteres lohnt es sich, vom Parkplatz unterhalb des Kreuzesniveaus zu fotografieren: So steht das Kreuz gegen den Himmel statt gegen den Hang dahinter. Morgennebel in den Tälern unten verleiht Weitwinkelaufnahmen natürliche Tiefe.
Wer ein Teleobjektiv dabei hat, wird mit den Felsformationen in der Ferne belohnt. Das Profil des Roque Nublo verändert sich je nach Aufnahmewinkel erheblich – von Cruz de Tejeda aus sieht man ihn von Nordosten, was seine vertikale Masse deutlich zeigt. Das goldene Licht am späten Nachmittag beleuchtet die westlich ausgerichteten Hänge der Caldera auf eine Weise, die das Mittagslicht völlig flachdrückt.
Insider-Tipps
- Das Marzipan und der Bienmesabe, den die Händler direkt am Kreuz verkaufen, sind lokale Tejeda-Produkte. Sie sind deutlich besser als die abgepackten Varianten aus den Souvenirläden an der Küste – hier kaufen lohnt sich wirklich.
- Wenn der Hauptparkplatz voll ist, fahr einfach 300 Meter die GC-150 Richtung Tejeda-Dorf zurück. Dort gibt es einen zweiten Parkplatz, den die meisten Besucher übersehen – er ist fast immer weniger überfüllt.
- Der Calima – der staubige Saharawind, der die Kanarischen Inseln regelmäßig erreicht – macht die Bergperspektive trüb und flach. Im Sommer vor einer gezielten Fahrt nach oben die Wettervorhersage auf 'Calima' prüfen.
- Cruz de Tejeda liegt am Schnittpunkt mehrerer Fernwanderwege. Wer zum Roque Nublo und zurück wandern möchte: Der Trailhead ist von der Hauptkreuzung gut ausgeschildert – früh starten, um die klarsten Aussichten vor dem nachmittäglichen Wolkenaufzug zu genießen.
- Das Parador-Restaurant steht auch Nicht-Hotelgästen offen und ist eine echte Empfehlung zum Mittagessen – keine touristische Falle. Der kanarische Eintopf und die Mandeldesserts sind ihren Preis wert. Am Wochenende besser im Voraus reservieren.
Für wen ist Cruz de Tejeda geeignet?
- Wanderer, die Cruz de Tejeda als Ausgangspunkt für Touren zum Roque Nublo oder Pico de las Nieves nutzen
- Panoramafahrten durch das Innere Gran Canarias
- Fotografen auf der Suche nach den ikonischsten Bergmotiven der Insel
- Reisende, die das echte geografische und kulturelle Herz der Insel erleben wollen
- Alle, die die Strände im Süden kennen und einen vollständigen Kontrast in Landschaft und Atmosphäre suchen
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Weitere Highlights in Tejeda & das Bergland:
- Pico de las Nieves
Mit 1.949 Metern gilt der Pico de las Nieves traditionell als höchster Punkt Gran Canarias, auch wenn neuere Messungen den nahegelegenen Morro de la Agujereada geringfügig höher einstufen. Er liegt auf der Grenze zwischen Tejeda und San Bartolomé de Tirajana. Der öffentliche Aussichtspunkt ist kostenlos, rund um die Uhr zugänglich und bietet weite Bergpanoramen, die an klaren Tagen bis zum Atlantikhorizont und zu den Nachbarinseln reichen. Du kommst am besten mit dem Auto oder einer Kombination aus Bergbussen hin – der Ausblick auf die Insel, den die Badeorte niemals bieten können, ist die Mühe allemal wert.
- Roque Bentayga
Auf 1.404 Metern Höhe im vulkanischen Herz Gran Canarias erhebt sich der Roque Bentayga – ein basaltischer Felsturm, umgeben von vorspanischen Zeremonialstätten und weiten Blicken über die Caldera. Das kostenlose Interpretationszentrum und der Pfad zum Gipfelplateau machen ihn zu einem der lohnendsten Ausflugsziele im Inselinneren, eingebettet in die UNESCO-Kulturlandschaft Risco Caído und die Heiligen Berge Gran Canarias.
- Roque Nublo
Roque Nublo ist ein vulkanischer Basaltmonolith im zentralen Hochland von Gran Canaria und eines der bekanntesten Naturwahrzeichen der Kanarischen Inseln. Der Aufstieg zum Gipfel über den regulierten Wanderweg S-70 erfordert eine Vorabreservierung und ist eine echte Bergtour – die Panoramablicke über das Inselinnere entschädigen jedoch mehr als genug.
- Tamadaba Naturpark
Der Parque Natural de Tamadaba ist Gran Canarias bedeutendstes Waldgebiet – ein 7.538 Hektar großer geschützter Kiefernwald im rauen Nordwesten der Insel. Erwarte dramatische Panoramen von Graten, stille Nadelwege und eine der saubersten Luftqualitäten der Insel – und das alles kostenlos.