Votivkirche: Wiens Kirche der Dankbarkeit

Erbaut als Dank nach einem gescheiterten Attentat auf Kaiser Franz Joseph I., ist die Votivkirche eine der architektonisch ehrgeizigsten neugotischen Kirchen Europas. Ihre beiden 99 Meter hohen Türme prägen den nördlichen Abschnitt der Ringstraße, und wer sich Zeit nimmt, wird im Inneren mit außergewöhnlichen Buntglasfenstern, einem mittelalterlichen Altarretabel und einer bemerkenswerten Stille belohnt – selbst in der Hochsaison.

Fakten im Überblick

Lage
Rooseveltplatz 8, 1090 Wien (9. Bezirk, Alsergrund, zur Ringstraße hin)
Anfahrt
U2 Schottentor (ca. 100 m); Straßenbahnen 37, 38, 40, 41, 42 am Schottentor; Bus 1A am Schottentor
Zeitbedarf
30–60 Minuten für die Kirche; weitere 45 Minuten, wenn du das Museum (Antwerpener Altar) besichtigst
Kosten
Kirche: kostenlos. Museum (Antwerpener Altar): Erwachsene 8 €, Senioren & Studierende 7 €, Kinder unter 14 Jahren frei
Am besten für
Architekturbegeisterte, Geschichtsinteressierte, Fotografie, ruhige Besinnung
Offizielle Website
http://www.votivkirche.at
Frontansicht der Votivkirche in Wien an einem klaren, sonnigen Tag mit den beiden Türmen, dem prachtvollen Eingang und dem umliegenden Grünstreifen.

Eine Kirche, die einem Attentat ihren Ursprung verdankt

Am 18. Februar 1853 stürzte sich ein ungarischer Schneider namens János Libényi auf der Wiener Bastei mit einem Messer auf Kaiser Franz Joseph I. Die Klinge traf den Kragen des Kaisers, wurde von einer Metallschnalle abgelenkt, und der junge Monarch überlebte mit einer leichten Verletzung. Der Habsburger Hof deutete die Rettung als göttliche Fügung, und Erzherzog Maximilian, der Bruder des Kaisers, rief eine öffentliche Sammlung ins Leben, um als Dank eine Kirche zu errichten. Die Votivkirche – offiziell die Propsteipfarrkirche „Zum göttlichen Heiland" – war das Ergebnis.

Der Bau dauerte von 1856 bis 1879 und wurde vom Architekten Heinrich von Ferstel geleitet, der beim Entwurfswettbewerb gerade einmal 25 Jahre alt war. Ferstel orientierte sich an den großen gotischen Kathedralen Frankreichs und des Rheinlands und wollte etwas schaffen, das es mit ihnen in Kühnheit aufnehmen konnte – wenn schon nicht im Alter. Die Kirche wurde 1879 eingeweiht, bewusst zum Anlass des silbernen Hochzeitstages von Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth terminiert. Dieses vielschichtige Symbolgeflecht aus Dankbarkeit, dynastischer Feier und in Stein gemeißelter Kaisermacht zieht sich durch jedes Detail des Bauwerks.

ℹ️ Gut zu wissen

Der Eintritt in die Kirche ist kostenlos. Das kleine Museum mit dem Antwerpener Altar hat separate, eingeschränkte Öffnungszeiten (Dienstag bis Freitag 13:00–15:00, Samstag 14:00–17:00) und verlangt einen kleinen Eintritt. Öffnungszeiten am besten direkt bei der Kirche bestätigen, da sie sich ändern können.

Die Architektur: Was du hier wirklich siehst

Die Außenfassade der Votivkirche entfaltet vom Rooseveltplatz aus sofortige Wirkung. Die beiden Türme erreichen 99 Meter – damit ist sie die zweithöchste Kirche Wiens nach dem Stephansdom. Im Gegensatz zum verwitterten Grau des Doms ist die Votivkirche aus hellem Kalkstein gebaut, der das Morgenlicht so aufnimmt, dass er fast gebleicht wirkt. Das filigrane Steinwerk an den Türmen und die drei reich verzierten Portaleinigänge der Fassade folgen dem französischen Hochgotik-Vorbild: Spitzbögen, aufwendiges Maßwerk und Reihen von Figurenreliefs in den Tympanons über den Türen.

Einmal drinnen verschiebt sich das Maßgefühl. Das Kirchenschiff ist lang und schmal und zieht den Blick unmittelbar auf die Apsis. Der Grundriss folgt einem klassischen lateinischen Kreuz, und die Obergadenfenster verlaufen über die gesamte Länge des Mittelschiffs in einer Höhe, die an sonnigen Morgen buntes Licht in den Mittelgang flutet. Die Säulen sind gebündelte Pfeiler aus dunklem Stein, die stark mit der helleren Gewölbedecke kontrastieren – eine bewusste gestalterische Entscheidung, die vertikale Spannung erzeugt, ohne schwer zu wirken.

Die Buntglasfenster verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die Fenster im Chor und Querschiff zählen zu den besten Beispielen des 19. Jahrhunderts in Österreich; sie zeigen Szenen aus dem Leben Christi und der Jungfrau Maria sowie kaiserliche und adlige Stifter. Sie stammen aus verschiedenen europäischen Werkstätten, und die Farbpalette ist reich, ohne je aufdringlich zu wirken. Für einen Überblick, wie die Votivkirche in Wiens breiteres Architekturerbe eingebettet ist, bietet der Wien Architektur-Guide einen hilfreichen Überblick über das Ringstraßenprogramm, das die Stadt in dieser Epoche geprägt hat.

Tickets & Führungen

Ausgewählte Angebote unseres Buchungspartners. Die Preise sind Richtwerte; Verfügbarkeit und endgültiger Preis werden bei der Buchung bestätigt.

  • Imperial Vienna 72-hour hop-on hop-off bus

    Ab 55 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung
  • Skip-the-Line Entrance with Guide to Schonbrunn Palace and Gardens

    Ab 45 €Sofortige BestätigungKostenlose Stornierung

Öffnungszeiten und der beste Zeitpunkt für deinen Besuch

Die Kirche ist dienstags bis freitags von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet, samstags von 11:00 bis 19:00 Uhr sowie sonn- und feiertags von 09:00 bis 13:00 Uhr. Montags bleibt sie geschlossen. Die Zeiten können sich aufgrund von Gottesdiensten und Sonderveranstaltungen ändern – ein kurzer Blick vorab schadet also nicht.

Das schönste Licht fällt an sonnigen Vormittagen ins Innere, wenn das Buntglas des Südquerhauses warme Farben auf den Steinboden wirft. Wer kurz nach der Öffnung dienstags oder mittwochs kommt, hat das Mittelschiff häufig ganz für sich. An Wochenendnachmittagen kommen mehr Besucher und gelegentlich Reisegruppen, aber die Kirche ist groß genug, dass es selten wirklich voll wird. Samstagabende bis 19:00 Uhr sind ein unterschätztes Zeitfenster: Das späte Licht an der Fassade eignet sich hervorragend für Fotos, und im Inneren ist nach den Nachmittagsgruppen wieder Ruhe eingekehrt.

💡 Lokaler Tipp

Tipp für Fotos: Stell dich am späten Nachmittag auf die Mittelachse des Rooseveltplatzes, mit der Sonne leicht hinter dir und im Westen. Der helle Kalkstein der Fassade nimmt dann warme Töne an, und beide Türme lassen sich ohne Weitwinkelobjektiv sauber ins Bild setzen. Am frühen Morgen gibt es kühleres, neutraleres Licht, das die Maßwerkdetails besser herausarbeitet.

Im Inneren der Kirche: Ein praktischer Rundgang

Durch das westliche Hauptportal betrittst du zunächst einen flachen Narthex, bevor sich das eigentliche Kirchenschiff öffnet. Die Akustik fällt sofort auf: Schritte hallen, Stimmen tragen weit, und an ruhigen Werktagen reduziert sich der Klangteppich auf entfernten Straßenlärm und das gelegentliche Knarren der Holzchorstühle. Es ist ein durch und durch kontemplativer Raum – unabhängig von religiöser Zugehörigkeit.

Geh das Mittelschiff Richtung Hochaltar entlang und lass dir Zeit, auch nach oben zu schauen – nicht nur geradeaus. Die Rippen des Gewölbes verzweigen sich von den Säulenkapitellen in einem Fächermuster, das auf Fotos komplexer wirkt als es zunächst erscheint. Der Hochaltar selbst ist ein neugotischer Bau aus dem 19. Jahrhundert, opulent, aber visuell weniger interessant als die Fenster.

Die Seitenkapellen entlang des Schiffs beherbergen verschiedene Andachtsobjekte, Gedenkplatten und bildhauerische Arbeiten unterschiedlicher Qualität. Die Militärkapelle ist einen Halt wert: Sie erinnert an österreichische Soldaten und zeigt Regimentsinsignien, die den multinationalen Charakter der habsburgischen Armee dokumentieren. Der Antwerpener Altar im kleinen Museum, das vom Kircheninneren zugänglich ist, stammt aus der Zeit um 1460 und gilt als eines der bedeutendsten frühen flämischen Schnitzwerke in Österreich. Sein Weg nach Wien ist das Ergebnis habsburgischen Sammlungseifers im 16. Jahrhundert, und die handwerkliche Ausführung der Figuren aus fein polychromiertem Holz ist für ihr Alter außergewöhnlich.

Anreise und Orientierung in der Umgebung

Die Votivkirche liegt am nördlichen Ende der Ringstraße, am Rand des 9. Bezirks (Alsergrund), direkt gegenüber dem 1. Bezirk am Rooseveltplatz. Die U2-Station Schottentor ist rund 100 Meter vom Haupteingang entfernt – damit ist dies eine der am besten erschlossenen Kirchen Wiens. Die Straßenbahnlinien 37, 38, 40, 41 und 42 sowie der Bus 1A halten ebenfalls am Schottentor. Vom Stadtzentrum aus ist es ein zehnminütiger Spaziergang entlang der Ringstraße vom Burgtheater aus.

Die Umgebung wechselt von den Institutsgebäuden des Universitätsviertels – der Hauptcampus der Universität Wien liegt direkt nebenan – zu den Wohnstraßen des Alsergrundes im Norden. Wenn du die Kirche mit weiteren Sehenswürdigkeiten verbindest: Das Sigmund Freud Museum ist nur ein kurzer Fußweg nördlich die Berggasse entlang, und die Ringstraße erkundet man am besten zu Fuß. Die Rundgang durch die Innere Stadt lässt sich problemlos bis zur Votivkirche als nördlichem Ausgangspunkt verlängern.

💡 Lokaler Tipp

Barrierefreiheit: Wien Tourismus führt Angaben zur Barrierefreiheit der Votivkirche und weist auf angepasste Zugangsmöglichkeiten hin. Besucher mit besonderen Mobilitätsanforderungen sollten die Details vorab direkt mit der Kirche klären, da die Bedingungen in historischen Gotteshäusern variieren können.

Ehrliche Einschätzung: Lohnt sich der Besuch?

Die Votivkirche ist kein Abklatsch und keine verblasste Imitation gotischer Architektur. Ferstels Entwurf ist ein vollständig durchdachtes neugotisches Bauwerk, mit Präzision und echtem Ehrgeiz ausgeführt, das sich vor seinen historischen Vorbildern nicht verstecken muss. Für alle, die sich für religiöse Architektur des 19. Jahrhunderts oder das habsburgische Bauprogramm interessieren, das Wien in der Ringstraßenzeit transformierte, ist sie ein wichtiger Halt.

Allerdings werden Reisende, die bereits den Stephansdom und die Karlskirche von innen kennen, möglicherweise feststellen, dass der Mehrwert der Votivkirche abnimmt – es sei denn, sie beschäftigen sich mit ihrer spezifischen Geschichte und dem Altarmuseum. Außerdem bietet sie wenig sensorische Abwechslung: kein Café, kein Garten, keine umliegende Parkanlage. Der Platz davor (Rooseveltplatz) ist ein Kreisverkehr und keine Fußgängerzone. Die Kirche funktioniert am besten als Teil eines Ringstraßen- oder Universitätsviertel-Programms, nicht als eigenständiges Ausflugsziel. Für ein umfassenderes Bild von Wiens Kirchenlandschaft bietet der Guide zu Wiens Kirchen den nötigen Kontext im Vergleich zu den anderen bedeutenden Gotteshäusern der Stadt.

Besucher, die innere Großartigkeit über äußere Wirkung stellen, könnten im Vergleich zum Stephansdom leicht enttäuscht sein – schlicht weil das Schiff der Votivkirche schmaler ist und die Innenausstattung historisch weniger vielschichtig wirkt. Wer sie aber als das sieht, was sie sein soll – ein Werk bewusster architektonischer Gelehrsamkeit –, wird reichlich belohnt.

Saisonale Hinweise

Wiens Winter sind kalt und oft grau, und die Außenansicht der Votivkirche bei bedecktem Himmel verliert die Wärme, die sie bei gutem Licht so fotogen macht. Das Innere ist dagegen das ganze Jahr über sehenswert, und die Kirche bietet an kalten Tagen echten Schutz. Im Sommer belebt sich das umliegende Universitätsviertel mit Studierenden und den Außenterrassen nahegelegener Cafés, was den Weg vom Schottentor deutlich lebhafter macht. Wer die Jahreszeiten für Wien generell abwägen möchte, findet im Beste Reisezeit für Wien Leitfaden alle Vor- und Nachteile der einzelnen Reisezeiten.

Insider-Tipps

  • Die Votivkirche ist selbst an belebten Touristentagen oft ruhiger als der Stephansdom. Wer ein großes gotisches Kirchenschiff ohne Reisegruppen erleben will, sollte dienstags oder mittwochs kurz nach 10:00 Uhr hier aufkreuzen.
  • Das Museum mit dem Antwerpener Altar hat sehr eingeschränkte Öffnungszeiten (Dienstag bis Freitag 13:00–15:00, Samstag 14:00–17:00). Wenn das dein Hauptgrund für den Besuch ist, plane deinen Tagesablauf zuerst daran aus.
  • Für das beste Foto der gesamten Fassade musst du ans gegenüberliegende Ende des Rooseveltplatzes gehen – aber der Platz ist ein Kreisverkehr mit echtem Verkehr. Überquere die Straße vorsichtig und nutze die mittlere Fußgängerinsel für eine freie Sicht auf beide Türme.
  • Der späte Samstagnachmittag (nach 16:00) gehört zu den ruhigsten Zeiten der Woche. Die Kirche ist bis 19:00 Uhr geöffnet, und die Kombination aus wenigen Besuchern und warmem Spätlicht durch die Buntglasfenster ist wirklich sehenswert.
  • Direkt neben der Kirche liegt der Universitätscampus mit einem kleinen Arkadenhof, in dem Büsten bedeutender Professoren stehen. Während der Universitätszeiten ist der Zutritt frei – ein ruhiger Zehnminuten-Umweg, der sich vor oder nach dem Kirchenbesuch lohnt.

Für wen ist Votivkirche geeignet?

  • Architekturbegeisterte, die sich für neugotische Bauten des 19. Jahrhunderts und das Ringstraßenprogramm interessieren
  • Geschichtsinteressierte Reisende, die die habsburgische Erzählung jenseits der Hofburg erkunden wollen
  • Fotografen, die ein dramatisches Außenporträt suchen – ohne die Menschenmassen rund um den Stephansdom
  • Besucher, die sich für mittelalterliche Kunst interessieren, konkret den Antwerpener Altar aus der Zeit um 1460
  • Reisende, die in einem monumentalen Raum einen Moment echter Stille suchen – und das kostenlos

Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Weitere Highlights in Innere Stadt (1. Bezirk):

  • Albertina Museum

    Das Albertina Museum befindet sich in einem ehemaligen Habsburger Palais am Rand der Ringstraße und beherbergt eine der größten und bedeutendsten grafischen Sammlungen der Welt. Mit über einer Million Zeichnungen und Druckgrafiken sowie wechselnden Ausstellungen moderner Meisterwerke lohnt sich der Besuch – für Kunstinteressierte genauso wie für ernsthafte Kunstreisende.

  • Österreichische Nationalbibliothek (Prunksaal)

    Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek ist ein Meisterwerk des Barock, das zwischen 1723 und 1726 im Auftrag von Kaiser Karl VI. erbaut wurde. Mit rund 80 Metern Länge und Daniel Grans monumentalem Deckenfresko zählt er zu den beeindruckendsten Innenräumen Mitteleuropas – und beherbergt noch heute etwa 200.000 historische Bände in seinen geschnitzten Nussbaumregalen.

  • Burgtheater

    Das Burgtheater ist Österreichs Nationaltheater und eine der bedeutendsten deutschsprachigen Bühnen der Welt. Das Neorenaissance-Gebäude an der Wiener Ringstraße stammt aus dem Jahr 1888, und seine Geschichte reicht bis zum Hof von Kaiserin Maria Theresia zurück. Ob du eine Vorstellung besuchst oder an einer Führung teilnimmst – das Burgtheater lohnt sich in jedem Fall.

  • Café Central

    Im Palais Ferstel im ersten Bezirk gelegen, serviert das Café Central seit 1876 Kaffee und Gespräche. Einst Treffpunkt von Freud, Trotzki und einer ganzen Reihe mitteleuropäischer Intellektueller, zählt es bis heute zu den architektonisch beeindruckendsten Kaffeehäusern der Welt.